Krieg im Nahen Osten

Das russische Fernsehen berichtet aus Israel und Gaza

Russland verhält sich in dem Krieg in Israel neutral und das gilt auch für die russischen Medien, wie die Berichte des russischen Fernsehens zeigen.

Russland ist bei dem Krieg in Israel neutral. Es verurteilt den Terrorangriff der Hamas, aber auch die wahllosen Bombardements Israels und die jahrzehntelange Unterdrückung der Palästinenser. Die russische Position in dem Krieg ist traditionell neutral und Russland sieht die Lösung des Konfliktes in der Zwei-Staaten-Lösung.

In seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick hat das russische Fernsehen daher auch an diesem Sonntag wieder Korrespondenten aus der Sicht beider Seiten des Konfliktes berichten lassen. Ich habe die Einleitung des Moderators im Studio und beide Korrespondentenberichte übersetzt, um zu zeigen, wie in Russland über die vergangene Woche in dem Krieg berichtet wird.

Beginn der Übersetzung der Einleitung des Moderators:

Der Westen provoziert Israel zu rücksichtslosem Handeln

Israel sieht diesen Krieg nur als einen weiteren lokalen Krieg zur Lösung seiner Sicherheitsprobleme. Ja, wir verstehen, dass er durch den rücksichtslosen Terroranschlag von Hamas-Kämpfern am 7. Oktober ausgelöst wurde. Sicher rufen die zivilen Opfer – Erwachsene und Kinder – großes Mitgefühl hervor. Halten wir das fest und akzeptieren wir Israels Argument eindeutig.

Die Bilder der Getöteten sind herzzerreißend. Aber jetzt ist das Ausmaß der Konfrontation so groß, dass Milliarden von Menschen leidenschaftlich in sie hineingezogen werden, und zwar wegen ihrer Religion. Und damit ist das nicht mehr lokal, obwohl alles lokal angefangen hat.

Israel: Die Bevölkerung des Landes beträgt etwa neun Millionen Menschen. Weitere sechs Millionen Juden leben auf der ganzen Welt in der Diaspora, überwiegend in westlichen Ländern.

Muslime gibt es auf dem Planeten, wie man annimmt, etwas weniger als zwei Milliarden, etwa 1,8 Milliarden. Es gibt große Staaten, in denen der Islam die offizielle Religion ist. Es gibt Länder mit einem recht hohen Anteil an islamischer Bevölkerung, zum Beispiel Russland oder Frankreich. Allerdings ist der Islam bei uns eine einheimische Religion, während er in Frankreich eine importierte Religion ist. In Russland herrscht allerdings Frieden zwischen den Ethnien, im Westen ist die Situation viel komplizierter.

Historisch gesehen ist eine große Anzahl von Muslimen, sagen wir mal, misstrauisch gegenüber Israel. Für Hunderte Millionen von Muslimen – natürlich nicht für alle – ist Antisemitismus eine kulturelle Norm, die von Generation zu Generation weitergegeben wird. Und keine noch so große Political Correctness kann daran etwas ändern. Man kann analysieren, warum das so ist, aber wir akzeptieren es jetzt als Tatsache.

Es ist sogar seltsam, daran erinnern zu müssen, dass Antisemitismus, ebenso wie jede Ablehnung aufgrund von Ethnie oder Religion, schrecklich und falsch ist und in der Geschichte noch nie zu etwas Gutem geführt hat. Aber das ist die Realität, mit der wir es heute zu tun haben. Das zu ignorieren, wäre dumm.

Man kann die massiven Demonstrationen in der ganzen Welt einfach mit der Verurteilung der unverhältnismäßigen Maßnahmen Israels begründen. Aber gleichzeitig erleben wir auch einen schnellen Anstieg des Antisemitismus. Die Davidsterne, die an die Türen von Juden in Deutschland gemalt wurden, und die Aufforderungen an Juden, auf den Straßen Europas aus Gründen der persönlichen Sicherheit keine Kippa, die charakteristische jüdische Kopfbedeckung, zu tragen, zeugen davon, dass der Hass bereits überkocht. Wir sprechen auch hier nicht über die Gründe, sondern nehmen das jetzt als Tatsache hin.

Vor diesem Hintergrund hat sich US-Präsident Biden noch nie so lächerlich gemacht. Angefangen mit mit seinen Aussagen, er habe angeblich authentische Fotos von enthaupteten Babys gesehen, bis hin zu seinen voreiligen Schlussfolgerungen über das zerstörte Krankenhaus in Gaza: „Nach dem, was ich gesehen habe, sieht es so aus, als wäre es von dem anderen Team gemacht worden, nicht von Ihnen. Aber viele Leute sind sich da nicht sicher. Wir haben also eine Menge Dinge zu überwinden“, sagte Biden zu Netanjahu.

Und diese Besuche westlicher Staatsoberhäupter in Israel, die Netanjahu ermutigen, rücksichtslos zu handeln…

Das Team von Bundeskanzler Scholz musste sich in Israel mit dem Gesicht nach unten auf das Rollfeld legen, ihn selbst konnte man noch wegfahren. Aber es geht nicht einmal um diese Episoden, sondern darum, dass die USA den Konflikt eskalieren, ohne die Bedingungen und die möglichen Folgen zu kalkulieren. Wie zum Beispiel die Aufforderung an den ägyptischen Präsidenten Sisi, zwei Millionen Flüchtlinge aus dem Gazastreifen aufzunehmen.

Für Sisi ist die Hamas das gleich, wie die Muslimbruderschaft unter der Führung von Mohammed Mursi, von der General Sisi das Land mit Waffengewalt befreien musste. Die Amerikaner haben die Muslimbruderschaft damals unterstützt. Und was soll Präsident Sisi von diesem Vorschlag halten? Millionen von Mäulern aufzunehmen, darunter auch solche, mit denen er vor nicht allzu langer Zeit buchstäblich im Krieg war?

Was ist mit Jordanien, Israels Nachbarland? Das ist das ehemalige britische Mandatsgebiet Palästina. Die Palästinenser sind dort in der Mehrheit. König Abdullah wird von ihnen praktisch als Geisel gehalten. Und auch er weigert sich, Flüchtlinge aufzunehmen: „Man sollte Probleme nicht auf die Schultern anderer Staaten abwälzen.“

Und was ist mit dem Iran? Hat irgendjemand an die Al-Quds-Brigaden gedacht, die Spezialeinheiten des Korps der Islamischen Revolutionsgarden? Das sind Spezialeinheiten, die, wenn sie in den Kampf ziehen, nur ein Minimum an Ausrüstung mitnehmen, aber ein weißes Leichentuch für den Fall des Todes haben sie routinemäßig dabei.

Schließlich schrieb der iranische Außenminister Hossein Amir Abdollahian auf seiner Seite im Netzwerk X: „Die Zeit für eine globale Einheit der Menschheit gegen dieses falsche Regime, das noch abscheulicher ist als der ‚Islamische Staat‘ und seine Tötungsmaschinen, ist gekommen“. Und weiter schrieb der auf Englisch: „Time is OVER.“

Und noch ein weiteres charakteristisches Ereignis der Woche als Teil des Gesamtbildes: Im Westen des Irak haben Unbekannte Grad-Raketen auf den amerikanischen Stützpunkt Ain al-Asad abgefeuert. Nach den Angreifern wird gefahndet.

Wir sprechen über all das nur, um deutlich zu machen, wie komplex die sich schnell verändernde Welt ist und wie sorgfältig sie behandelt werden muss, wenn man sie überhaupt erhalten will. Einerseits ist der Gaza-Streifen definitiv nicht unser Krieg. Andererseits könnten die Folgen eines scheinbar lokal begrenzten Konflikts, wenn er unbedacht eskaliert, so groß sein, dass er die ganze Welt betrifft. Und damit auch uns.

Beginn der Übersetzung des Berichtes aus Israel:

Israelische Armee vs. Hamas: Druck rund um die Uhr und viele Raketen

Die Armee bereitet sich auf die Bodenoperation im Gazastreifen vor und der Süden wird in eine geschlossene Militärzone verwandelt. Patrouillen haben die Autobahnen blockiert. An den Eingängen zu den israelischen Truppenstützpunkten wurden Kontrollpunkte eingerichtet. An den Grenzen der palästinensischen Enklave wird eine Faust aus Panzern zusammengezogen. Die Angriffe erfolgten bisher aus der Luft, vom Land und vom Meer aus. Ununterbrochen. So werden die Landeplätze für den Einsatz von Bodentruppen vorbereitet. Und als Oberbefehlshaber vor der Schlacht traf Benjamin Netanjahu Ende der Woche an der Grenze zum Gazastreifen ein, um seine Soldaten anzufeuern.

Es scheint, als sei der Moment reif, doch die Offensive wird verzögert. Die Medien berichten, dass Israel von den amerikanischen und europäischen Verbündeten unter Druck gesetzt wurde, die Operation zu verschieben, um zu versuchen, in der Zwischenzeit die Geiseln zurückzuholen, zumal die Hamas eine Mutter und ihre Tochter freigelassen und dem Roten Kreuz übergeben hat. Beide Frauen haben die amerikanische Staatsbürgerschaft. Und die anderen? Was wird aus ihnen?

Ein Schabbat-Tisch mit Wein, Challah, Äpfel im Zentrum von Tel Aviv. Er ist für 220 Personen gedeckt, für die Menschen, die am 7. Oktober an ihm sitzen sollten, aber gefangen genommen wurden und in Gaza als Geiseln gehalten werden. Im Zentrum von Tel Aviv wurde für sie ein eigener Tisch eröffnet, um zu zeigen, dass man darauf wartet, dass diese Menschen lebendig wieder kommen. Die Zahl der von den Terroristen Entführten liegt bei über 200, viele weitere werden noch vermisst. Die Menschen singen die Hymne des Landes, das seine gefangenen Zivilisten und Soldaten nicht im Stich lässt.

„Wir fürchten um unsere Geiseln und wir bitten unsere und andere Regierungen, zuerst an die Geiseln zu denken. Es geht um das Leben der Menschen, die dort sind, wir wissen nicht, wo sie sind, was mit ihnen los ist, ob sie noch leben. Und das sollte das Wichtigste sein. Sie müssen sie da rausholen, und danach kommt alles andere“, fordert die Schwester einer der Geiseln.

Diese Israelis kommen aus Argentinien. Sie sind sich nicht ganz sicher, aber sie glauben, dass sieben Mitglieder ihrer Familie in Gaza als Geiseln gehalten werden. Sie sind sich nicht sicher, weil sie nicht auf dem Video der Gefangenen zu sehen sind, aber das Telefon ihrer vermissten Mutter wurde plötzlich in Gaza aktiviert.

Hier ist eine weinende Frau zu sehen, sie wiederholt, zunächst auf Hebräisch, dann auf Englisch: „Meine Kinder, meine Kinder.“ Ihr Ehemann und zwei Kinder wurden von Militanten in den Gazastreifen verschleppt. Aber ihre Mutter, die gerade 80 Jahre alt wurde – die Familie wollte das feiern – und ihre Nichte, ein 12-jähriges autistisches Mädchen, wurden auf dem Weg nach Gaza am Sicherheitszaun von Terroristen erschossen, weil die sich nicht mit einer kranken Frau und einem unruhigen, schreienden Kind herumschlagen wollten. Jeder Angehörige der Vermissten hat Angst zu erfahren, dass seine Kinder, Eltern, Brüder, Schwestern, Ehefrauen und Ehemänner tot sind.

Im Zentrum für Genetik wird rund um die Uhr gearbeitet. Mehrere hundert Leichen werden identifiziert. Freiwillige Pathologen aus mehreren Ländern sind bereits eingetroffen. Mediziner und Experten sprechen über die unglaublich schwierige Arbeit der Identifizierung der Toten. Es ist fast unmöglich, DNA-Analysen von den verbrannten Leichen zu machen. Es scheint, dass die Spezialisten, die in ihrer langen Praxis schon viel gesehen haben, so etwas noch nie erlebt haben.

„Wir sehen verbrannte Leichen. Sie wurden nicht erschossen, denn wir haben keine Metallsplitter gefunden. Sie wurden verbrannt, als sie im Bunker eingeschlossen waren. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir eine DNA-Probe nehmen können, so sehr ist alles verbrannt“, sagte einer der Pathologen.

Hamas-Männer fesselten die Menschen paarweise. Sie verbrannten sie bei lebendigem Leibe, indem sie sie in einen Raum sperrten, wie die Asche in den Luftröhren der Opfer bezeugt. Einige wurden auf grausame und komplizierte Weise gefoltert, bevor sie starben.

Das waren etwa 3.000 Menschen. Israelische Spezialkräfte fanden am Tatort Anweisungen, die zeigen, dass diese Gräueltaten, diese Morde an fast 1.500 Menschen, Israelis und Ausländern, nicht improvisiert waren.

Der Archäologe Yoram Haimi wohnt in einem Dorf an der Grenze zum Gazastreifen und ist Mitarbeiter des in der Nähe eingerichteten Museums des jüdischen Widerstands. Yoram hat jahrelang auf dem Gelände des Nazi-Todeslagers Sobibor gearbeitet. Seine Verwandten sind dort umgekommen. Die rebellischen Häftlinge von Sobibor entkamen bei ihrem Aufstand. Am 14. Oktober war der 80. Jahrestag der Aufstandes. Vor zwei Wochen wurde auch Yoram aus der Todeszone gerettet, in die sich die israelischen Städte und Ortschaften an der Grenze zum Gazastreifen am Morgen des 8. Oktober verwandelt hatten. Er hatte Glück und ist morgens aus der Stadt gefahren, um Dinge zu erledigen.

Die Geiseln sind ein wichtiges und komplexes Element in diesem tragischen Wirrwarr. Deshalb war das Treffen mit den Familien der Geiseln ein wichtiger Programmpunkt des Besuchs von Biden. Vor dem Hintergrund der Vertreter der EU und der Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder war der Besuch des amerikanischen Präsidenten Joe Biden in Tel Aviv das wichtigste diplomatische Ereignis der letzten Tage. Das Zentrum von Tel Aviv war an diesem Tag gesperrt. 1.500 Polizisten, Sicherheitsbeamte, Spezialkräfte, es ging um die Sicherheit eines hohen Gastes.

Am Tag zuvor wurde aus dem Gazastreifen gemeldet, dass eine Rakete in ein Krankenhaus eingeschlagen ist, das mit Menschen überfüllt war, was eine große Zahl von Opfern forderte. Der israelische Geheimdienst hatte die ganze Nacht über Daten gesammelt. Der Präsident und der Premierminister des Landes warteten gespannt auf die Reaktion von Biden, der seinen Geheimdienst angewiesen hatte, den Angriff auf das Krankenhaus in der palästinensischen Enklave zu untersuchen. Doch die erste freundschaftliche Umarmung direkt am Flughafen signalisierte: Die USA akzeptieren die Version der israelischen Seite.

„Ich bin zutiefst betrübt und empört über die Explosion bei dem Krankenhaus in Gaza. Nach dem, was ich gesehen habe, scheint er vom anderen Team verübt worden zu sein, nicht von Ihnen“, sagte Biden zu Netanjahu.

Nach Angaben des israelischen Militärs wurde das Krankenhaus in Gaza von einer Rakete des Islamischen Dschihad getroffen. Die Flugbahn der Rakete verlief durch das Gebiet, in dem sich das anglikanische Krankenhaus befindet. Gleichzeitig veröffentlichten die Armeegeheimdienste Luftaufnahmen des Krankenhauses vor und nach dem Einschlag. Nach Angaben von Tel Aviv sind auf dem Foto keine Spuren eines Kraters zu erkennen, den eine Bombe aus der Luft unweigerlich hinterlassen würde. Das Dach des Gebäudes ist unversehrt. Auch die Zahl der Todesopfer ist wahrscheinlich zu hoch angesetzt.

„Unsere nachrichtendienstlichen Erkenntnisse, Video- und Tonaufnahmen bestätigen, dass es Gespräche zwischen Hamas-Terroristen und jemandem von einer anderen Terrororganisation gegeben hat. Sie sprachen über das Versagen einer Rakete“, sagte Jonathan Conricus, der Sprecher der israelischen Armee.

Der israelische Botschafter in Moskau, Ben Zvi, hatte bereits die vollständige Fassung des vom israelischen Geheimdienst gesammelten Dossiers erhalten und teilte dessen Einzelheiten im russischen Fernsehen mit: „Nach den Daten der Luftüberwachung sind im Laufe des Krieges im Gazastreifen bereits etwa 500 Raketen explodiert, die von Kämpfern der Hamas und des Islamischen Dschihad abgefeuert wurden.“

Joe Biden flog aus Tel Aviv ab und versprach finanzielle Hilfe, Ausrüstung und Munition. Er unterstützte Israels Absicht, die Hamas zu vernichten, und als das Flugzeug des Präsidenten abhob, ertönte die Sirene – Kämpfer der Izzeddin al-Qassam-Brigaden beschossen Tel Aviv.

Die Sirene wurde diese Woche von allen hochrangigen Gästen Israels gehört. Die Delegation des deutschen Bundeskanzlers Scholz musste das auf die Starterlaubnis wartende Flugzeug verlassen und sich auf Anweisung des Heimatfrontdienstes auf den Beton der Rollbahn legen.

Trotz des Drucks, der rund um die Uhr ausgeübt wird, hält der Beschuss aus der Enklave unvermindert an. So sehen die Straßen der leidgeprüften Küstenstadt Aschkelon in diesen Tagen aus. Sie liegt 20 Kilometer von Gaza entfernt. Ein Viertel der 7.000 von dort abgefeuerten Raketen hat die Stadt getroffen.

Und das sind die verlassenen Straßen der Frontstadt Sderot. Die Stadt sieht aus wie eine verlassene Filmkulisse. Wegen des Terroranschlags und des ständigen Beschusses wurden die Bewohner evakuiert. Alles ist ungewöhnlich in der Frontstadt Sderot. Hier, im religiösen jüdischen Zentrum, steht zum Beispiel eine Menora, eine rituelle Lampe, die aus den Trümmern von Qasam-Raketen hergestellt wurde, die in verschiedenen Jahren aus dem Gazastreifen auf die Stadt abgefeuert wurden. In Sderot gibt es inzwischen so viele dieser Qasam-Raketen, dass man eine Fabrik für die Lampenherstellung einrichten könnte. In demselben Gemeindezentrum werden Lebensmittel, Kleidung und andere lebensnotwendige Dinge gesammelt und an die Häuser der Zurückgebliebenen geliefert. Bis nach Sderot sind die Autobahnen noch offen. Weiter hinten beginnen die Kontrollpunkte der Militärpolizei. Dort sind bereits Truppen stationiert, die die Vorbereitungen für die Bodenoperation in Gaza abgeschlossen haben.

Beginn der Übersetzung des Berichtes aus Gaza und Libanon:

Beide Seiten bereiten sich auf die Bodenoffensive in Gaza vor

So sehen die täglichen Angriffe der israelischen Armee auf Stadtteile im Gazastreifen aus, ganze Hochhäuser fallen nach Explosionen in sich zusammen. An dem komplexen Bombenangriff sind Flugzeuge, Rohr- und Schiffsartillerie sowie seegestützte Raketen beteiligt. Gleichzeitig setzt Tel Aviv seine Angriffe auf seine Nachbarn fort. Erneut haben israelische Piloten syrische Flughäfen bombardiert. Es gibt Tote und Verletzte in Damaskus und Aleppo, die Start- und Landebahnen wurden beschädigt. Der größte Teil des Feuers konzentriert sich jedoch auf den Gazastreifen.

Bei der israelischen Reaktion auf den Angriff militanter Gruppen der Islamischen Widerstandsbewegung wurden bereits mehr als 4.300 Palästinenser getötet und etwa 14.000 verwundet. Mehr als 60 Prozent der Toten sind Frauen und Kinder.

Mit bloßen Händen wird der Schutt in den Städten Gazas beseitigt. Tausende könnten unter den Tonnen von Beton begraben sein. Aber es geschehen Wunder: ein Kind wurde lebendig aus den Trümmern gerettet.

Aber solche Wunder sind hier selten. Hier ist ein Anwohner, der die Nachwirkungen des Angriffs filmt und dabei Gott dafür dankt, dass er noch am Leben ist. Doch wenige Augenblicke später wird er von einer zweiten Explosion getötet. Ein Arzt ergreift bei der Arbeit die Leiche seines toten Enkels. Solche Tragödien gibt es inzwischen in fast jeder palästinensischen Familie in der Enklave.

Die Folgen des Angriffs auf das Al-Ahli Krankenhaus: „Es war ein Blutbad. Schreckliche Szenen. Überall lagen Leichen, abgerissene Gliedmaßen, zerstückelte Körper“, erinnerte sich ein Augenzeuge.

In Palästina und in der gesamten arabischen Welt ist man sich sicher, dass die israelische Armee den Angriff verübt hat. Tel Aviv versucht, die Hamas für diese weitere Tragödie verantwortlich zu machen, indem es behauptet, eine auf Israel abgefeuerte palästinensische Rakete sei in dem Krankenhaus eingeschlagen. In der arabischen Welt, und nicht nur dort, wurde die israelische Version, „die Palästinenser haben auf sich selbst geschossen“, nicht geglaubt, es begannen Proteste und Demonstrationen.

Die „arabischen Straßen“ fordern von den Führern ihrer eigenen Länder nicht nur eine Verurteilung, sondern auch Taten und rufen die Führer der anti-israelischen Kräfte, die bereits am palästinensisch-israelischen Konflikt beteiligt sind, auf, eine zweite Front zu eröffnen.

Beirut, Istanbul, Bagdad, Damaskus, Amman, Kairo – all diese Hauptstädte sind zu Spannungsherden geworden. Gleichzeitig wählen die „arabischen Straßen“ eine viel schärfere Sprache als die arabischen Führer. Die große Frage ist jedoch, ob die pro-iranischen Kräfte in der Region einen ausgewachsenen Krieg beginnen werden. Im Südlibanon und im Norden Israels sind bereits Kämpfe im Gange. Israelische Einheiten führen Artillerieschläge gegen Stellungen der pro-iranischen Hisbollah-Einheiten durch. Angriffshubschrauber schlagen zu und setzen Brandmunition ein.

Hula ist ein ziemlich großes libanesisches Dorf. Vor der Verschärfung der Lage an der libanesisch-israelischen Grenze lebten hier etwa 15.000 Menschen. Seit einigen Tagen steht dieses Dorf unter Beschuss der israelischen Armee. Die nächstgelegenen Stellungen der israelischen Soldaten sind nicht weiter als einen halben Kilometer entfernt. Das Militär setzt Artillerie und Angriffsdrohnen ein. In diesem Moment, während wir hier filmen, operiert eine israelische Angriffsdrohne am Himmel. Bereits 80 Prozent der Bevölkerung des Dorfes waren gezwungen, in das Innere des Libanon zu fliehen.

Die Hisbollah antwortet, aber noch nicht mit voller Kraft. Militärisch gesehen zielen die Aktionen der Kämpfer darauf ab, eine riesige israelische Streitmacht an der libanesisch-israelischen Grenze zu binden und sich auf ein mögliches entschiedeneres Vorgehen vorzubereiten. Vor allem aber schalten sie die elektronischen Aufklärungskomplexe der israelischen Einheit 8200, der militärischen Aufklärungsstruktur von Tel Aviv, aus.

Nach dem Angriff der libanesischen Hisbollah-Kämpfer ist das israelische Militär in dieser Grenzfestung tatsächlich erblindet. Lenkraketen haben die Kameras des intelligenten Überwachungssystems ausgeschaltet. Doch nun sind israelische Drohnen praktisch rund um die Uhr am Himmel über den südlibanesischen Siedlungen zu sehen.

Nach unseren Informationen hat Israel auch im Norden Verluste zu beklagen. Durch Angriffe und Hinterhalte libanesischer Einheiten sind entlang der Grenze 40 israelische Soldaten getötet worden. Die Anwohner unterstützen die Milizen der Schiitischen Partei. Viele erinnern sich noch an die israelische Besetzung des Südlibanon.

Hier leben Bauern, die jetzt jeden Tag ihr Leben riskieren, weil der Tabak in unmittelbarer Nähe der israelischen Stellungen angebaut werden muss.

„Das Schlimmste ist, dass Israel in Gaza nicht die Hamas bekämpft, sondern Zivilisten. Wir sehen jeden Tag, dass Frauen und Kinder getötet werden. Und man möchte fragen: Wo sind die arabischen Völker? Wo sind die Muslime? Wo ist das Gewissen? Wo sind Maßnahmen, die die Zivilisten schützen? Wir sind hier ruhig, wir werden von unseren Widerstandskämpfern beschützt“, sagen die Einheimischen.

Das ist hier die Meinung vieler. Und nicht nur der Muslime. Diese Woche hat die israelische Armee das Gelände der orthodoxen Kirche St. Porphyrios in Gaza angegriffen. Sie ist eine der ältesten Kirchen, die heute noch in Betrieb sind. Ein Gebäude neben dem Hauptgebäude wurde zerstört und mindestens 15 Menschen wurden getötet. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nicht nur Gläubige auf dem Kirchengelände, sondern auch Hunderte von Palästinensern, die aus ihren Häusern geflohen waren, um Schutz vor den Angriffen zu finden.

Am Tag zuvor ist ein humanitärer Hilfskonvoi aus Ägypten in Gaza eingetroffen, insgesamt 20 Lastwagen. Doch für die 2,5 Millionen Palästinenser in Gaza ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Der Kontrollpunkt Rafah an der Grenze der Enklave ist regelmäßig Ziel israelischer Flugzeuge. Weitere 200 Fahrzeuge, die Lebensmittel, Medikamente und Treibstoff transportieren, können noch immer nicht in die Enklave einfahren.

Das ist ein typisches palästinensisches Flüchtlingslager, von denen es im gesamten Nahen Osten Hunderte gibt. Dieses Lager, Mar Elias, befindet sich in Beirut. Es beherbergt Menschen, die gezwungen waren, aus ihrer Heimat zu fliehen. Einige in den frühen Tagen des palästinensisch-israelischen Konflikts, andere in der aktuellen Phase des Konflikts. Hier werden die Angriffe auf den Gaza-Streifen ausschließlich als Völkermord wahrgenommen und die israelische Armee wird als Besatzungsmacht bezeichnet.

Wir treffen uns mit dem Leiter des libanesischen Zweigs der Volksfront zur Befreiung Palästinas, Haysam Abdo. Er sagt, dass die anti-israelischen Gruppen im Gazastreifen ihre eigene Kampfkraft trotz der Angriffe auf den Gazastreifen aufrechterhalten. „Ich glaube, dass die Front aus dem Libanon oder die anderen Fronten, die Teil der Achse des Widerstands sind, davon abhängen, ob Israel die roten Linien überschreitet oder nicht. Wenn sie diese Linien überschreiten, wird der Widerstand diese Fronten eröffnen. Eine der wichtigsten roten Linien ist das Brechen des Widerstands im Gazastreifen. Wenn die Gefahr besteht, dass der Widerstand gebrochen wird, werden die Fronten eröffnet“, meint Abdo.

Auch die Gruppen der Islamischen Widerstandsbewegung bereiten sich auf die israelische Bodenoffensive vor. Im Laufe des jahrzehntelangen palästinensisch-israelischen Konflikts haben die Ingenieure der Hamas ein riesiges Netz von unterirdischen Tunneln, Lagerhäusern und Befestigungen errichtet. Eine neue Runde der Konfrontation wird unter den aktuellen Umständen zu einer Vervielfachung der zivilen Opfer führen. Und das könnte der Katalysator sein. Schon jetzt steht die zurückhaltende Reaktion der Führer der arabischen Welt im Widerspruch zu den Erwartungen und Forderungen der „arabischen Straßen“.

Ende der Übersetzung


Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Antworten

  1. „Terrorangriff“ der Hamas?

    Wir sind uns bis dato nicht ganz klar – ob dieser Angriff nicht doch eine von langer Hand vorbereitete fals-flag-action war, denn Neonazi netanjahu muß liefern, „seinem“ Volke Raum und Ablenkung bieten – imaginäre Feinde bekämpfen – oder es warten Prozeß und Knast…

    Und sehet – WER hat Hamas geschaffen, ausgerüstet, ausgebildet, finanziert – und ihr kennt die wahren Schuldigen.

  2. Wie viele europäische Askhenazi-Juden getötet wurden, ist mir egal. Ich hoffe doch sehr, dass die muslimische Welt eingreift, und diese illegalen AskheNAZIS ins Meer treibt!
    Ursache: Es sind diese indo-europäischen AskheNAZIs, die ethnisch gar keine Juden sind, welche die Probleme verursachen und nicht die im Orient lebenden Sephardim-Juden.
    Was ist der Unterschied? Das Judentum ist ein Glaube!
    Erklärung: Die Askhenazi sind Juden des Glaubens, so wie wir beispielsweise Katholiken, Protestanten und Orthodoxe sind und gehören ethnisch zu den Indogermanen.
    Sephardim-Juden hingegen sind ethnisch und sprachlich gesehen Semiten, die seit tausenden von Jahren im Mittelmeerraum siedeln. Sie gehören zur Familie der Phönizier, welche die Levante weitgehend dominieren.
    Fazit: Dieser Konflikt betrifft nicht ‘Juden’ und Palästinenser, sondern Indogermanen, die ansässig-indigene Semiten kolonisieren, unterjochen und eliminieren!
    Beweis: Als 1948 Zionland ausgerufen wurde, kamen nicht nur Palästinenser unter die Räder, sondern nebst den Beduinen auch die Sephardim, die in Lager gesteckt wurden, und deren Kinder zur Adoption freigegeben wurden. Deren Hautfarbe und Aussehen missfiel den hellen europäischen Askhenazi!
    Soviel zu den Askhenazis, die sich als von Gott auserlesene Herrenrasse betrachten.
    Hmm, erinnert mich irgendwie… an Leute, die sich damals schon als Herrenrasse bezeichneten… wo war DAS schon wieder?
    Schluss: Generell kann gesagt werden, dass der Darwinismus, der Menschen in Rassen unterteilt – obwohl es keine Rassen gibt –Rassismus auf dem ‘Schreibtisch’ kreiert haben.

  3. Die heutige Neutralität Russlands in diesem Konflikt hat sicherlich auch historische Gründe. Wenn wir uns vor Augen führen, dass der deutsche Faschismus bis 1945 mehr als 6.500 000 Juden auf bestialischste Weise ermordet hat, – darunter Millionen Sowjetbürger – dann denke ich, wird Stalins Position verständlich, denn die Sowjetunion erkannte Israel am 17. Mai 1948, nur drei Tage nach seiner Unabhängigkeitserklärung, offiziell an. Sie war damit der erste Staat der Welt, der dies tat – lange vor den Vereinigten Staaten.

    Das hindert mich aber nicht daran hier einen Link zur Verfügung zu stellen, indem dieser Konflikt beleuchtet wird. Ich bin der absoluten Überzeugung, dass heutzutage eine Sowjetunion die faschistoide israelische Regierung ablehnen und sich anders positionieren würde. Ist eine Vermutung, aber eventuell wird sich über kurz oder lang auch die russische Politik nicht mehr nur neutral verhalten, sondern sich diplomatisch auf die Seite der Palästinenser stellt.

    https://www.nachdenkseiten.de/?p=105683

  4. Der amtierende israelische Staatspräsident Jitzchak Herzog, Teilnehmer und sogar ehemaliger Vorsitzender der „Zionist Union alliance“, Sohn des Major-General Chaim Herzog, ehemaliger Major der „Unit 8200“, macht den General und Verteidigungsminster Colin Powell und wedelt vor der Weltöffentlichkeit mit dem Titelblatt eines eBuches von 2010 als angeblicher Beweis für chemische Waffen der Hamas.

    Mal sehen, wann die Geschichte mit dem Viagra kommt.

    – Al-Qaeda entstand aus den Resten der entwaffneten und entlassenen Angehöhrigen der irakischen Armee (Sunniten) nach „full scale unprovoked and unjustified attack“ der USA gegen den Irak mit Unterstützung der Opposition Saudi-Arabiens durch Osama bin Laden.

    – HAMAS wurde ab 1988 von Israel politisch unterstützt und finanziert als Gegengewicht zur PLO/Fatah unter Arafat, wobei man die Rivaltität der beiden nach Kräften schürte: “In the late 1980s, Israel had supported the nascent Hamas in order to weaken Fatah, the secular nationalist movement led by Yasser Arafat.”

    Praktisch die gesamte israelische Regierung bestand und besteht aus Militär. Wenn alle Teilnehmer aus dem Militär kommen, dann sieht jedes Problem wie ein Nagel aus und es gibt nur noch den Hammer als Lösung.

    https://t.me/dimsmirnov175/57216
    https://t.me/geopolitics_live/8244

    Geheimdienst Unit 8200
    [https://en.wikipedia.org/wiki/Unit_8200]

  5. Es gibt gute und schlechte Semitismen und eine Reaktion, auf diese Ideologien, die Antisemitismen, ebenfalls gute und schlechte! Benutzt wird der Bedeutungsentkernte Begriff „Antisemitismus“ mit einer wahlweisen Definition, als politische Hüllwort. Sobald man Fragen nach der Macht stellt, der Konstruktion von Geld, bekommt ma es schon zu spüren. Was mir aber Egal ist!

  6. „Ich bin zutiefst betrübt und empört über die Explosion bei dem Krankenhaus in Gaza. Nach dem, was ich gesehen habe, scheint er vom anderen Team verübt worden zu sein, nicht von Ihnen“, sagte Biden zu Netanjahu.

    Ich verstehe immer noch nicht, wieso Leute glauben, Biden hätte gelogen…

    Nach dieser Aussage gab es einfach zwei unabhängige Teams auf der pro-israelischen Koalition… ein ‚echtes‘ israelisches Team und ein zweites verbündetes Team (vermutlich mit amerikanischen Kampfjets). Präsident Biden wurde demnach wahrheitsgetreu informiert und er hat so 1:1 wiedergegeben.

    Dies entspricht dann in etwa dieser These: https://www.newsweek.com/russian-lawmaker-suggests-us-couldve-been-behind-gaza-hospital-blast-1836654

    Meiner Meinung nach hat man einen gezielten Angriff mit einer Loft-Boden Rakete ausgeführt. Das wird dadurch deutlich, wenn man sich den gleichmäßigen Schaden an den Autofracks über die gesamte Fläche anschaut. Ein normaler Effekt in Folge eines Bodenkontaktes einer abstürzenden Rakete hätte einen schnell abnehmenden Wirkungsgrad um den Einschlagspunkt herum. Bodenhindernisse (wie bspw. andere Autos) blockieren (oder reflektieren) die Wirkung zusätzlich.

    Im Fall des Krankenhauses war das Primärziel – das umgekippte Auto am nähesten zum Effektkrater – aber an sich ’noch intakt‘, es wurde lediglich um 180° auf den Kopf gedreht. Das spricht meiner Meinung nach gegen die These einer herabfallenden Rakete….

    Da vor nicht allzu langer Zeit, SDBs in aller Munde waren (small diameter bombs), gehe ich mal davon aus, dass es eine solche Form einer Rakete war. Das passt auch zur Annahme, dass man in urbanem Gelände eher viele kleinere Raketen von Flugzeugen abfeuern würde.

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