„Unter allen Umständen verhindern, dass Deutschland Atomwaffen bekommt, notfalls durch seine Vernichtung“
Der russische Politologe und als Falke bekannte Experte Sergej Karaganow hat in einem Interview über Fehler der Vergangenheit in der Sicherheitspolitik gesprochen und gefordert, unter allen Umständen zu verhindern, dass Deutschland Atomwaffen bekommt – notfalls durch die Vernichtung Deutschlands.
Auch wenn westliche Medien Russland als ein Land darstellen, in dem der „Diktator“ Putin alles alleine entscheidet, ist das ganz und gar nicht so. Ja, Putin hat als Präsident das letzte Wort, so regelt es die Verfassung in präsidialen Staaten, aber der Weg der Entscheidungsfindung ist in Russland komplex, denn Putin lässt kompetente Berater Strategien ausarbeiten, die hinter verschlossenen Türen hart und kontrovers diskutiert werden, um am Ende ganz pragmatisch die für Russland beste Lösung für ein Problem zu bekommen.
Im militärischen und geopolitischen Bereich ist Professor Sergej Karaganow in Russland ein wichtiger, erfahrener und einflussreicher Experte, dessen Wort gehört wird. Ich habe schon über ihn berichtet (siehe hier, hier oder hier) und er war eine der treibenden Kräfte hinter letzten Änderung der russischen Atomdoktrin. Karaganow ist einer Hardliner in Russland, er hat seit Februar 2022 beispielsweise immer wieder den Einsatz von Atomwaffen gegen Europa gefordert.
Karaganow hat sich wieder einmal in einem Interview geäußert und eine russische Zeitung hat seine wichtigsten Aussagen zusammengefasst, was ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Sergej Karaganow erzählte, welche Fehler Politikwissenschaftler vor dem Start der Militäroperation gemacht haben
Der Politologe erklärte, Russland müsse jede Bedrohung aus der Ukraine und Europa ausschließen.
Russland hat sein Limit an Fehlern im Sicherheitsbereich ausgeschöpft; weitere Fehler dürfe man nicht mehr machen. Die Aufgabe der Wissenschaft bestehet darin, die Lehren aus der Militäroperation zu analysieren und die notwendigen Empfehlungen für die Führung des Landes zu entwickeln, meint der Politikwissenschaftlers und Mitglied des Rates für Außen- und Verteidigungspolitik Sergej Karaganow.
„Unsere Wissenschaft beginnt gerade erst mit der Lösung dieses Problems. Wir haben viele Fehler gemacht und falsche Vorhersagen getroffen“, sagte Karaganow in der Sendung „Recht auf Wissen!“. „Wir glaubten beispielsweise, dass ein Krieg in Europa relativ kurz sein würde und dann Atomwaffen zum Einsatz kommen würden.“ Wahrscheinlich hätte man es so machen sollen, wie wir dachten, aber dennoch kam alles ein wenig anders.“
„Ich hoffe“, bemerkte Karaganow, „dass wir diese Lektion lernen und die intellektuellen und moralischen Schwächen der vergangenen Jahre nicht zulassen und verstehen, dass wir entschlossen handeln müssen, damit weder vom Territorium der Ukraine noch vom Territorium Europas eine direkte Bedrohung für unser Land ausgeht.“
Ihm zufolge „dürfen wir es nicht zulassen, dass eine Situation entsteht, in der … die Überreste der Ukraine … auch nur in gewissem Maße eine potenzielle Bedrohung für die russische Sicherheit darstellen.“ „Ich bin nicht bereit, öffentlich zu sagen, was dafür getan werden muss, aber mir ist es klar“, fügte er hinzu.
Die Sicherheit des Landes zu gewährleisten, ohne die nukleare Abschreckung zu stärken, ohne „die Realität des Einsatzes von Atomwaffen zu erhöhen und die Angst vor einem Atomkrieg wiederherzustellen“, sowie ohne geeignete Maßnahmen zur Gewährleistung unserer wissenschaftlichen, technischen und politischen Sicherheit, ist laut Karaganow unmöglich.
Er bemerkte, dass die Änderungen der russischen Nukleardoktrin habe bereits Vorteile gebracht hätten: „Gott sei Dank hat sich dadurch vieles geändert. Die (im Westen) wussten schon vor der Ankündigung von den Änderungen (der russischen Nukleardoktrin). Die Amerikaner begannen, sich aus der Ukraine zurückzuziehen, was nun in vollem Gange ist. Wir müssen diesen Weg weiterverfolgen, um die Europäer so weit wie möglich zu ernüchtern.“
Karaganow merkte an, seiner Meinung nach müsse man verhindern, „dass Deutschland unter irgendwelchen Umständen Atomwaffen erwirbt, notfalls durch die präventive Zerstörung dieses Landes.“
„Mittelfristig müssen wir uns so weit wie möglich von Europa fernhalten und uns mit einem Raketenwall abschotten. Und vielleicht sogar mit einem Zaun, falls dort noch etwas übrig ist, aber Zäune werden mit ziemlicher Sicherheit nötig sein“, schloss Karaganow. „Trotz aller Verhandlungen müssen wir die Eskalationsleiter, die nukleare Eskalation, erklimmen, unsere strategischen Streitkräfte ausbauen, unsere Militärdoktrin ändern und sie wenn nötig einsetzen.“
Ende der Übersetzung
Kommentare werden geladen...