Update zum in der Ukraine entdeckten Foltergefängnis der Armee
Zu dem geheimen Foltergefängnis, das in der Nähe von Kiew entdeckt wurde, gibt es Neuigkeiten, denn einige der gestrigen Meldungen müssen korrigiert oder ergänzt werden.
Da ich gestern ausführlich über das Foltergefängnis der ukrainischen Nationalgarde berichtet habe, das in der Nähe von Kiew entdeckt wurde, will ich hier über die neuesten Meldungen dazu berichten, weil die sich von dem unterscheiden, was gestern berichtet wurde. Im Kern hat sich nichts geändert, aber es gibt einige interessante neue Details.
Ich wiederhole hier zunächst kurz, was gestern gemeldet wurde, dann komme ich zu dem, was seitdem bekannt wurde.
Was geschehen ist
Am Abend des 2. November berichteten ukrainische Medien, dass bewaffnete Männer im Keller eines Privathauses nahe Kiew etwa 40 Personen gefangen halten. Eine Sanitäterin berichtete, ihr sei ein Video geschickt worden, das zeige, dass viele der dort festgehaltenen Personen Verletzungen aufwiesen, die auf Folter hindeuten. Das Gebäude wurde von bewaffneten Männern bewacht, die den Sanitätern den Zutritt verweigerten.
Daraufhin versammelte sich eine Menschenmenge vor dem Gebäude, die empörten Anwohner versuchten, das Tor zum Grundstück aufzubrechen und es wurde Tränengas gegen sie eingesetzt. Erst nach erheblichem öffentlichem Aufsehen durften vier Personen mit Misshandlungsspuren das Gebäude verlassen.
Später teilte die Polizei mit, dass in dem Haus Angehörige der Nationalgarde der Ukraine untergebracht seien. Der Kommandeur der Nationalgarde, erklärte, dass es sich bei den vier verletzten Männern um desertierte Soldaten handele. Er bezeichnete das Gebäude als „vorübergehenden Stationierungspunkt“ und räumte ein, dass dort auch zwangsmobilisierte Soldaten festgehalten würden.
Nach weiteren Massenprotesten willigte die Nationalgarde ein, alle festgehaltenen Männer zur medizinischen Untersuchung in eine Klinik zu lassen. Insgesamt seien etwa 45 Personen in dem Haus gefangen gehalten und gefoltert worden, das jüngste Opfer soll erst 14 Jahre alt gewesen sein. Dazu gleich mehr.
Die Sanitäterin, die auf den Folterkeller in der Nähe von Kiew aufmerksam gemacht hatte, wurde Meldungen zufolge von der Polizei festgenommen. Einige ukrainische Medien behaupten, die Frau sei gar keine Sanitäterin. Andere Medien berichten, Journalisten hätten die Anweisung erhalten, die Frau zu diskreditieren, um von dem Foltergefängnis abzulenken.
Der 14-jährige
Der 14-jährige Junge, der auch auf dem Titelbild meines gestrigen Artikels zu sehen war, hat sich inzwischen per Video aus dem Krankenhaus gemeldet. In dem Video gibt er an, er habe zu den Demonstranten gehört, habe den Zaun um das Grundstück erklettert und Ziegelsteine geworfen. Dann sei er von Männern aus dem Gebäude erwischt worden.
Er wurde brutal in das Gebäude gebracht und von den Männern, die in Uniformen oder in schwarz gekleidet und maskiert waren, brutal zusammengeschlagen. Sie hätten ihm mit einem Messer die Kleidung vom Leib geschnitten, während sie weiterhin seinen Kopf auf den Boden geschlagen hätten. Das erklärt, warum er auf den Bildern nackt in eine Decke gehüllt zu sehen ist.
Der Junge, das ist also festzuhalten, war kein Folteropfer, sondern einer der Demonstranten. Das ändert aber nichts daran, dass er von Soldaten der Nationalgarde, oder von Zwangsrekrutierern, brutal misshandelt wurde, und dass nicht klar ist, was mit ihm passiert wäre, wenn es der Polizei gelungen wäre, die Proteste vor dem Foltergefängnis zu zerschlagen.
Die Sanitäterin
Das nächste Rätsel ist die Sanitäterin, die den Skandal ins Rollen gebracht hat. Dass sie vielleicht keine Sanitäterin war und verhaftet wurde, ist bereits bekannt. Meldungen zufolge ist sie nicht in einem offiziellen Krankenwagen vorgefahren, sondern hat ihn angeblich vor 3 Jahren privat gekauft.
Angesichts der eskalierenden Machtkämpfe in der Ukraine ist zu vermuten, dass dieser Vorfall Teil dieser Machtkämpfe ist, denn woher hätte sie von dem geheimen Foltergefängnis wissen sollen? Sie behauptet, ihr sei anonym ein Video geschickt worden. Selbst wenn das stimmen sollte, stellt sich die Frage, wer es ihr geschickt hat und wer dafür gesorgt hat, dass ihr Protest vor dem Gebäude so schnell viral ging, dass sich dort umgehend eine Menschenmenge zusammengefunden hat, die bereit war, zu versuchen, gewaltsam in das Gebäude einzudringen.
Vielleicht bringen die nächsten Tage mehr Licht in die Sache.
Tatsache bleibt jedoch, dass westliche Medien auch weiterhin verschweigen, dass bei Kiew ein Foltergefängnis entdeckt wurde. Das westliche Publikum muss schließlich nicht alles erfahren…
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