USA

Das russische Fernsehen über die zunehmende Spaltung der USA

Während Joe Biden in deutschen Medien als Heilsbringer gefeiert wird, klingen die Berichte des russischen Fernsehens vollkommen anders.

Wie immer klingen die Berichte des russischen Fernsehens aus den USA völlig anders als die deutschen. So war es auch diesen Sonntag in dem Korrespondentenbericht aus den USA, der in der Sendung „Nachrichten der Woche“ gezeigt wurde und den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Ein Gericht in Minneapolis, USA, hat den ehemaligen Polizeibeamten Derek Chauvin wegen des Mordes an dem Afroamerikaner George Floyd zu 22,5 Jahren Haft verurteilt. Bei der Festnahme des Verbrechers und Drogensüchtigen Floyd im vergangenen Mai drückte ihn der Polizist Chauvin mit dem Knie auf den Bürgersteig, Floyd starb Minuten später. Die Arbeit des Polizisten wurde von Schaulustigen mit ihren Handys gefilmt. Seitdem werden die USA von Rassenpogromen und massenhaften Demütigungen von Weißen erschüttert.

Richter Peter Cahill erklärte ausdrücklich, dass die Strafe 10 Jahre mehr beträgt, als in solchen Fällen üblich ist. Chauvin sprach der Familie von Floyd sein Beileid aus, entschuldigte sich aber nicht. Er ist der Meinung, dass es nichts gibt, wofür er sich entschuldigen müsste, und dass er richtig gehandelt hat. Amerika ist gespalten. Und das nicht nur entlang der Rassengrenzen. In dieser wilden Debatte hat niemand recht. Die Quintessenz ist, dass Amerika seine moralische Führungsrolle in der Welt für immer verloren hat, und damit auch sein Recht, jedem sein Modell und seine Vorstellungen von Schönheit aufzuzwingen. Zuerst müssen sie die Dinge bei sich zu Hause in Ordnung bringen. Und genau darin liegt das Problem. Aus den USA berichtet unser Korrespondent Denis Dawydow.

Staus, wie diese, hat die kleine Stadt noch nie gesehen hat. Heute führen alle Wege dorthin. Der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, kommt zu seinen Anhängern. „Willkommen im Trump-Land!“ begrüßt ein Banner die Gäste. Und die Gäste leben alle wie ein Mann in einer Welt, in der der 45. Präsident wiedergewählt wurde und nein, er ist nicht Ex-Präsident, sondern der Amtsinhaber.

„Er wurde nicht fair behandelt. Er hat die Wahl gewonnen, da bin ich mir hundertprozentig sicher. Ohne ihn beginnt alles auseinanderzufallen. Benzin ist teurer als je zuvor“, sagte ein Trump-Anhänger. Steigende Benzinpreise haben die Trump-Anhänger nicht davon abgehalten, durch das ganze Land hierher zu fahren. Die Autos hier sind aus Kalifornien und New York, Florida und Texas. Zwanzigtausend Menschen kamen ins fünftausend Einwohner zählende Wellington. Immerhin hat Trump sich ihnen seit seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus nicht mehr öffentlich gezeigt.

Die Menge explodiert, als Donald Trump auf die Bühne kommt. Er hat offensichtlich andere Pläne als seine Vorgänger, die sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Weißen Haus an ihre Memoiren setzten. Seine Nominierung für das Jahr 2024 gibt er hier nicht bekannt. Er wiederholt, was er schon seit sechs Monaten sagt. Biden ist ein schlechter Präsident – das ist die Zusammenfassung der anderthalbstündigen Rede.

„Biden führt unsere Wirtschaft in den Ruin. Er hat die amerikanische Keystone XL-Pipeline stillgelegt, was 48.000 Arbeitsplätze kostet. Aber er akzeptiert den Bau einer russischen Pipeline nach Europa. Das ist einfach großartig! Erinnern Sie sich, als sie sagten, „Trump ist nicht hart genug gegen Russland“? Ich habe den Bau der Pipeline gestoppt und Sanktionen gegen sie verhängt. Und ich habe ein gutes Verhältnis zu Präsident Putin. Daran ist nichts Schlechtes“, sagte Trump selbstbewusst.

Diejenigen, die das Glück haben, ganz nah heranzukommen, machen mit ihren Handys Bilder von der Rede, während der Rest mit einem Papp-Trumpf vorlieb nehmen muss, um ein Foto mit ihm zu machen. Die Bilder behält man am besten für sich.

„Es ist gefährlich, wenn man uns unsere verfassungsmäßigen Rechte wegnimmt. Wenn ich diese Bilder oder eine Geschichte über dieses Treffen jetzt in den sozialen Medien poste, wird die Nachricht gelöscht. Ich wurde bei Twitter rausgeschmissen, weil ich mit Trump sympathisierte. Ich hatte dort über 2.000 Follower“, klagte eine Amerikanerin.

Trumpisten werden als Terroristen registriert. Durch die Bemühungen der liberalen Medien wurden die Anhänger des ehemaligen Präsidenten als innenpolitische Bedrohung für die Vereinigten Staaten abgestempelt. Diejenigen, die am 6. Januar das Kapitol stürmten, stehen auf Stopp-Listen von Fluggesellschaften, es ist ihnen verboten, Waffen zu kaufen, und es gibt Vorstrafen in ihren Biografien.

Die erste Verurteilung erfolgte gegen Anna Morgan Lloyd aus Indiana. Sie ist schuldig, diesen Tempel der Demokratie betreten zu haben. Obwohl sie weniger als 10 Minuten drinnen war und niemanden angegriffen hat, wurde sie zu 3 Jahren auf Bewährung verurteilt. Ihren „schwarzen Fleck“ bekam sie von ihrem Arbeitgeber. „Ich wurde bereits im Januar gefeuert. Ich hatte 13 Jahre lang für dieses medizinische Unternehmen gearbeitet und sie machten sich nicht einmal die Mühe, mich zu fragen, was genau ich an diesem Tag dort getan habe. Sie haben mich einfach gefeuert und ließen mich nicht einmal meine Sachen abholen. Sie schickten sie per Post“, erinnert sich Anna.

Mehrjährige Haftstrafen drohen denen, die eine beeindruckendere Liste von Anklagen haben: illegales Eindringen, Sachbeschädigung, Angriff auf Polizeibeamte. Es gibt bereits 500 Angeklagte in dem stürmischen Fall, und das FBI befürchtet, dass dies bei weitem nicht alle Angeklagten in dem massivsten Prozess in der Geschichte der USA sind. Weitere 250 Personen werden gesucht. Die Agenten zählen auf das Bewusstsein der Bürger und die lassen sie nicht im Stich – sie schreiben Denunziationen zu Hunderttausenden. Sie verraten Nachbarn, Freunde und Eltern. Auch die Politik mischte sich in die Arbeit ein. Das Repräsentantenhaus, in dem die Republikaner in der Minderheit sind, stimmte für die Einsetzung einer Untersuchungskommission zu den Ereignissen des 6. Januar.

Der weltberühmte Schöpfer von Antivirensoftware wollte auch nicht in die Mühlen der amerikanischen Justizmaschinerie geraten. John McAfee wurde erhängt in einem Gefängnis in Katalonien aufgefunden, nachdem der spanische Oberste Gerichtshof die Auslieferung des Amerikaners an die Vereinigten Staaten erlaubt hatte. In seinem Heimatland wurde dem Programmierer Steuerhinterziehung vorgeworfen.

„Ich persönlich und meine Unternehmen haben Milliarden von Dollar an Steuern gezahlt. Als ich Präsident dieser Unternehmen war, begann ich zu verstehen, dass es eine Menge Korruption in der US-Steuerbehörde gibt. Wenn ich an die Vereinigten Staaten ausgeliefert werde, werde ich fast sicher den Rest meines Lebens im Gefängnis verbringen. Ich bitte das Gericht, all diese Punkte zu berücksichtigen“, sagte McAfee.

Der 75-jährige Programmierer befürchtete, dass man ihn in Amerika einfach nicht am Leben lässt. Das Tattoo aus dem einen Wort „Selbstmord“, das er sich auf den Arm hat machen lassen, war wie ein Abschiedsbrief. Er sagte allen, dass er nicht selbst Hand an sich legen würde und dass, wenn etwas ihm passieren würde, er die Schuld den US-Geheimdiensten geben würde. Er wusste angeblich zu viel über sie.

Auch Edward Snowden, ein weiterer Flüchtling, kennt die Methoden der US-Geheimdienste aus erster Hand. McAfees Tod, sie waren miteinander befreundet, veranlasste den ehemaligen CIA-Mitarbeiter zu diesem Tweet: „Europa sollte Angeklagte, die gewaltloser Verbrechen beschuldigt werden, nicht an ein Justizsystem ausliefern, das so unfair und ein Gefängnissystem, das so brutal ist, dass Angeklagte lieber sterben würden, als sich ihm zu unterwerfen. Julian Assange könnte der Nächste sein. Bis das System reformiert ist, muss ein Moratorium bestehen.“

Die Nachricht vom Tod von Amerikas weltberühmtem Programmierer hat Amerika nicht besonders interessiert. George Floyd und sein Fall sind über Jahr nicht von den Bildschirmen wegzubekommen. Die demonstrative Verurteilung des Polizisten Chauvin, der einem festgenommenen Wiederholungstäter neun Minuten lang sein Knie an den Hals hielt, wurde live im ganzen Land gezeigt.

Im Namen von George Floyd wurden im vergangenen Jahr amerikanische Städte in Brand gesetzt und verwüstet. So suchten die Aktivisten der schwarzen Rechte nach Gerechtigkeit. Die haben sie bekommen. Die Washington Post schämt sich für ihre weißen Leser.

„Es ist eine Periode der Scham dafür, dass ich weiß bin und für die Untaten, die unsere Vorfahren getan haben.“

Liberale Medien und Politiker singen mit. Das ganze vergangene Jahr sprach der demokratische Senator Sheldon Whitehouse über die Ausrottung des systemischen Rassismus. Doch wie sich herausstellte, zog er es vor, seine Freizeit in einem der Privatclubs von Rhode Island zu verbringen. In dem Club waren jahrzehntelang nur Weiße zugelassen.

Ein Club nur für Weiße und Whitehouse hätte sich dafür schämen können. Aber er sagte auf die Frage, ob man einen Club nur für Weiße nicht besser schließen sollte: „Das ist eine lange Tradition. Es gibt hier viele Traditionen und wir sollten wohl an ihnen arbeiten.“

Er hätte seine Mitgliedskarte wegwerfen und einen Kurs für junge Amerikaner über die kritische Rassentheorie besuchen können. In der Praxis hat sie das Land weiter gespalten. Die Eltern streiten sich mit den Lehrern bis aufs Blut, um sicherzustellen, dass weißen Kindern keine Schuldgefühle wegen der jahrelangen Sklaverei vermittelt werden.

„Bis vor ein paar Jahren durfte man in Amerika einen Menschen nicht wegen ihrer Hautfarbe angreifen. Das war aus sehr guten Grund inakzeptabel – in einer Demokratie, in der Menschen unterschiedliche Hautfarben haben, müssen sie die gleichen Rechte und Pflichten haben. Alle Leben müssen zählen, sonst funktioniert die Demokratie nicht. Aber was in unseren Schulen, im Militär, in der Regierung passiert, ist keine kritische Rassentheorie, es ist Rassismus“, sagt Tucker Carlson von Fox News.

Aber Präsident Biden ist zuversichtlich, dass im Land alles in Ordnung ist. Er gibt sich selbst ein „ausgezeichnet“ für seine ersten Monate im Amt: „Ich bin schon 150 Tage Präsident und ich habe das Gefühl, dass ich es nicht schlecht mache. Das liegt nicht an mir, so funktioniert das System. Ich weiß, ich antworte nicht auf Ihre Fragen, wann, wie was, aber Ihr Jungs kennt mich gut. Ich werde Euch die nächsten vier Jahre verrückt machen. Ich teile meine Pläne nicht mit der Presse, sondern mit den Kollegen unter vier Augen.“

Sowohl der Präsident als auch seine Regierung sind sehr vorsichtig in ihren Einschätzungen dessen, was an den südlichen Grenzen des Landes geschieht. Ein Zustrom von Migranten, wie ihn die USA seit dreißig Jahren nicht mehr gesehen haben. Die Illegalen strömen von Mexiko in die Staaten und die Industrieproduktion geht in die entgegengesetzte Richtung. Unter Trump ist das Ford-Werk nach Ohio heimgekehrt. Unter Biden wird die Pickup-Produktion zum Nachbarn im Süden verlagert.

Ein Trump-Anhänger im Stau vor seiner Rede sagte uns: „Das ist Geschäft, ich verstehe, dass das nicht richtig ist. Aber andererseits, warum sollte die Firma hier bleiben, wenn die Angriffe weitergehen?“

Mit einem „Save America“-Aufkleber wird Mario auch zu Trumps nächster Kundgebung fahren. Der ehemalige Präsident hat eine Tournee durch die Vereinigten Staaten angekündigt. Er ist auf dem Weg, die Wählerschaft für die Zwischenwahlen zum Kongress zu mobilisieren und sie erwarten, dass er bei der Wahl 2024 der Kandidat sein wird. Die Wahlwerbung ist vorbereitet und wird nicht in den Schränken verstauben.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Antworten

  1. Das N.A.S.M. (Neue Amerikanische Strafmaß) bestimmt sich allein noch aus der Länge des Videos. Denn die Länge solchen Videos erzeugt ‚ein unnötiges und nicht willkommenes Leiden in der selbstbestimmten, parlaments-befreiten Stadtgesellschaft‘, schockiert und verletzt nicht allein nächste Angehörige von Floyd, sondern belästigt die Pharisäer der gesamten USA. Und gehört entsprechend gesühnt. Man stelle sich mal vor, Chauvin hätte Floyd erschossen. Dann gäbe es für ihn nur eine Alternative: entweder wäre er jetzt im Dienst oder er hätte Urlaub. Der Gerichtsdiener, der dem Einzelrichter dabei hilft, das Strafmaß zu finden, ist die aktivistische Demonstration vor dem Gerichtsgebäude und allerorten. Nannte man früher Lynch-Justiz. Und bezogen auf die so unerfreuliche Länge des Beweismaterials – wird immer nun der Neue Supreme Court sein: Youtube. Seine Beisitzer: Google, FB und Twitter. Armer Derek Chauvin, Du störst die Träume vom Tellerwäscher zum Milliardär, dürftest das erste Opfer der künftigen kamala-Devi-Harris-culture sein. Hattest noch Glück: nicht ‚geteert und gefedert‘. – Die USA sind groß und gewaltig. Die Hirne ihrer Massenspektren aber auf 13 Gründerstaaten reduziert klein: noch hinter Kentucky beginnt gleich wieder die Wildnis. Klar, dass man sich mit dem Glauben über Hexen von Salem bestens in die Reha geht. Und mancher hofft: der Hexenglaube hält noch einige Hundert Jahre an. Jeder der mit den Eigenheiten von 50 Bundesstaaten klar käme (man denke mal: Idaho bewirkt sich um die territoriale Majorität von Oregon!), wäre in meinen Augen ein Authist. Aber gut, dass es ‚Washington‘ gibt – was immer das auch sei! Sancta Simplicitas. (enthält feine Spuren von Ironie)

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