Russischer Schauspieler kritisiert Impfungen mit Judenstern, wie reagiert das russische Fernsehen?
In Russland hat ein Schauspieler bei einer Preisverleihung seine Rede mit einem Judenstern gehalten und sich gegen Impfungen ausgesprochen. Wie wird in Russland damit umgegangen?
Ich sage es immer wieder: In Russland gibt es keine political Correctness, keine Sprachverbote und all die anderen Unsitten, die im Westen um sich greifen und den öffentlichen Diskurs verengen oder sogar abwürgen. Wir erinnern uns daran, wie deutsche Schauspieler die Corona-Politik der Bundesregierung mit ironischen Videos auf YouTube kritisiert haben und wie sie anschließend medial geschlachtet wurden, wie mit Berufsverboten gedroht wurde und so weiter.
In Russland ist so etwas undenkbar, wie der aktuelle Fall zeigt. Russland setzt nun auch auf verstärkte Impfungen und übt dabei auch massiven Druck aus. In dieser Situation ist ein russischer Schauspieler bei einer Preisverleihung mit einem Judenstern auf die Bühne gekommen und hat gegen sich gegen Impfungen ausgesprochen. Das war auch kurz ein Thema im Nachrichtenrückblick, den das russische Fernsehen am Sonntag gezeigt hat. Um aufzuzeigen, wie anders in Russland mit Kritik an der Corona-Politik der Regierung umgegangen wird, habe ich den Kommentar des Moderators der Sendung übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Der Schauspieler Jegor Beroew „hat sich ausgezeichnet“. Dies ist ein Fall, in dem es besser wäre, zu kauen anstatt zu sprechen. Beroew entschied sich, die Rolle des Anti-Impf-Opfers des Regimes zu spielen. Den Text hat er selbst geschrieben, daher ist er nicht allzu gut gelungen, aber lustig geworden. Aber nicht lustig im guten Sinne, wenn ein Komiker sich zum Ziel setzt, die Leute zum Lachen zu bringen, sondern lustig im schlechten Sinne, wenn ein Schauspieler mit Pathos Tragik spielt und es peinlich wird.
„Ich möchte Ihnen etwas erzählen, was mich in den letzten zwei Tagen beschäftigt hat. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich nicht gegen das Coronavirus geimpft worden bin. Einige Leute, die ich kenne, und sogar Freunde von mir, sind geimpft worden. Das war noch nie ein Grund für Streitereien und Auseinandersetzungen. Wir sind erwachsen, wir respektieren die Entscheidungen des anderen. Wissen Sie, mein Körper gehört mir“, sagte Beroew.
Er hat sich die Rolle selbst gegeben. Und er selbst hat die Requisiten ausgewählt. Als Requisit diente der sechszackige Stern, mit dem Hitlers Nazis die Juden zum Beispiel im Warschauer Ghetto markiert haben. Jeder, der einen Stern hatte, sollte sterben. Oder umgebracht werden.
Der Davidstern von Beroew ist ein Symbol für die verfolgten Opfer des russischen Regimes. Damit spinnt Beroew etwas Unpassendes über den Kampf des Sowjetvolkes gegen den Faschismus und die Judenverfolgung. Ja, das sowjetische Volk kämpfte gegen den Faschismus und die Juden wurden von den Faschisten verfolgt, aber was hat der Davidstern, den Beroew als Symbol der Impfgegner trug, damit zu tun? Die russischen Regierung will ihre eigenen Bürger ja gerade retten. Im Gegensatz zu den Impfgegnern, die bereit sind, Menschen in den Tod zu schicken. Es ist ihnen wurscht, dass Sie, Ihre Verwandten, Freunde und Kollegen sterben können. Sie kümmern sich nicht um das Land und sie kümmern sich nicht um die Welt. Genauso wenig wie Beroew, der oben und unten verwechselt zu haben scheint.
Bei Gott, Schauspieler, die ihrem Beruf nicht entwachsen sind, wie Jewgeni Mironow oder Maschkow, sollten Schauspieler bleiben und besser weiterhin die für sie geschriebenen Rollen spielen, intelligenten Regisseuren gehorchen und sich nicht die Mühe machen, auf eine öffentliche Bühne zu gehen und sich einem großen Risiko auszusetzen.
Was hat das mit dem Davidstern, dem Symbol der Juden, das die Flagge von Israel schmückt, zu tun? Schließlich ist in Israel jeder geimpft. Bewusst und rational, den Regeln gehorchend nach dem, wie man so schön sagt, Freiwillige-Pflicht-Prinzip. Gerade wegen dieser Organisation und kollektiven Verantwortung hat Israel die Maskenpflicht abgeschafft und Covid hinter sich gelassen.
Aus der gleichen Position heraus sprechen auch die Juden in unserem Land. So hat der russische Oberrabbiner Berl Lazar die Juden aufgerufen, sich gegen das Coronavirus zu impfen. Beroew hört eine Glocke, weiß aber nicht, wo sie ist. Indem er ein jüdisches Symbol für den falschen Zweck verwendet, bringt er sich auch in eine dumme Lage, indem er den feministischen Slogan „Mein Körper gehört mir“ zitiert, der oft von Abtreibungsgegnerinnen verwendet wird. Beroew will etwas erreichen, auch für sich selbst. Aber, ehrlich gesagt, sollte er Rollen lernen, die von talentierten Leuten geschrieben wurden. Verderben Sie nicht Ihr eigenes Renommee. Besser noch: Lassen Sie sich impfen. Tun Sie was sinnvolles. Zumal eine neue Corona-Welle auf dem Vormarsch ist. Diese Woche hat die Zahl der Infizierten an einem Tag die 20.000 überschritten. Das ist viel. Ohne Impfung schaffen wir es nicht.
Ende der Übersetzung