Was will Macron wirklich?
Die Äußerungen, die der französische Präsident Macron in der Öffentlichkeit tätigt, unterscheiden sich anscheinend stark von dem, was er hinter verschlossenen Türen sagt.
Am 26. Februar hat der französische Präsident Macron die Entsendung europäischer Truppen in die Ukraine ins Spiel gebracht, was – zumindest den offiziellen Reaktionen zufolge – von den allermeisten EU-Staaten abgelehnt wird. Eine Woche später hat Macron nachgelegt und erklärt, die anderen EU-Staaten sollten „keine Feigheit zeigen“.
Da Macron für seinen Vorstoß, der einen faktischen Kriegseintritt Frankreichs bedeuten würde, auch in Frankreich kritisiert wird, ist Macron nun öffentlich ein wenig zurückgerudert. Ursprünglich hatte er es so formuliert, dass die EU-Staaten die Entsendung von Truppen in die Ukraine nicht ausschließen sollten. Nun hat er im französischen Fernsehsender BFMTV hinzugefügt:
„Etwas nicht auszuschließen, heißt nicht, es zu tun.“
Damit wollte er anscheinend nur die Öffentlichkeit beruhigen, seine Meinung scheint er jedoch nicht geändert zu haben, denn laut der Zeitung L’Indépendant hat der Chef der Kommunistischen Partei Frankreichs, Fabien Roussel, nach einem Empfang der Vorsitzenden der politischen Parteien am 7. März erklärt, dass ein Vormarsch russischer Truppen in Richtung Kiew oder eine Offensive der russischen Streitkräfte in Richtung Odessa für den französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Anlass für „eine Intervention“ sein könnten. Manuel Bompard von der Partei La France insoumise beschrieb das Treffen nach Angaben der Zeitung wie folgt:
„Ich kam besorgt an und ging noch besorgter weg.“
Andere französische Regierungsmitglieder versuchen die Öffentlichkeit mit Äußerungen darüber zu beruhigen, dass französische Truppen nicht an den Kampfhandlungen teilnehmen, sondern nur Aufgaben fern der Front übernehmen sollten, um damit ukrainische Kräfte für den Einsatz an der Front freizusetzen. Die Rede ist von Aufgaben im Bereich des Grenzschutzes und ähnlichem.
Allerdings wäre das auch eine Kriegsbeteiligung Frankreichs und würde französische Soldaten in der Ukraine der Gefahr aussetzen, zum Ziel russischer Angriffe zu werden, was Macron dann wiederum als Argumente für eine noch weitergehende Intervention Frankreichs in den Ukraine-Konflikt nutzen könnte.
In jedem Fall scheint Macron in der Frage der Entsendung französischer Truppen in die Ukraine ein falsches Spiel zu spielen, wenn seine Aussagen für die Öffentlichkeit so eklatant von dem abweichen, was er offenbar hinter verschlossenen Türen bespricht.
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