Telegraph: Großbritannien hat Gelder vom Chelsea-Verkauf aufgrund der Haltung der EU nicht an die Ukraine überwiesen

Die britische Regierung berät sich mit der Europäischen Union, heißt es in der Zeitung.

Die Überweisung der Gelder vom Verkauf des englischen Fußballclubs Chelsea, der früher dem Geschäftsmann Roman Abramowitsch gehörte, an die Ukraine durch Großbritannien hat sich aufgrund der Haltung der EU verzögert. Das berichtete die Zeitung The Daily Telegraph am Dienstag unter Berufung auf ihre Quellen.

Der Zeitung zufolge berät die britische Regierung mit der EU über die Verwendung der Gelder: Entweder sollen sie für die Bedürfnisse ukrainischer Flüchtlinge verwendet werden, wie von London gefordert, oder sie sollen direkt in der Ukraine eingesetzt werden, wie von Brüssel vorgeschlagen.

Abramowitsch wurde am 10. März 2022 im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Ukraine auf die britische Sanktionsliste gesetzt, woraufhin sein Vermögen im Königreich eingefroren wurde. Am 24. Mai letzten Jahres genehmigte der Vorstand der englischen Premier League den Verkauf von Chelsea an ein Konsortium um den Geschäftsmann Todd Boely. Die Gruppe des Geschäftsmanns bot 4,25 Milliarden Pfund (5,36 Milliarden Dollar) für den Verein. Davon sollten 2,5 Milliarden Pfund (3,15 Milliarden Dollar) für den Klub gezahlt und weitere 1,75 Milliarden Pfund (2,21 Milliarden Dollar) in dessen Entwicklung investiert werden.

Am 25. Mai 2022 erteilte die britische Regierung eine Sonderlizenz, die es Abramowitsch erlaubte, den Verein, der ihm gehörte, zu verkaufen. Eine Bedingung der Lizenz war, dass der Unternehmer den Erlös für den Verein nicht selbst erhält. Die Regierung erklärte, dass sie beabsichtige, den Transfer von Geldern vom Verkauf des FC Chelsea an wohltätige Organisationen zu kontrollieren, die insbesondere ukrainische Flüchtlinge unterstützen.

Die Verteilung der Gelder erfolgt über einen speziellen Fonds, der von Chelsea unter der Leitung von Mike Penrose, dem ehemaligen Exekutivdirektor der britischen Abteilung des Kinderhilfswerks der UNO, eingerichtet wurde. Wie der Daily Telegraph berichtet, muss der britische Premierminister Rishi Sunak mit Kritik von Abgeordneten rechnen, weil die Überweisung der Mittel an die Ukraine so langsam erfolgt. Die Zeitung merkte an, dass die Regierung in Großbritannien in dieser Angelegenheit mit der EU in Kontakt steht, da Abramowitsch seit 2021 portugiesischer Staatsbürger ist.

Fortschritte bei den Verhandlungen

Quellen der Zeitung, die mit den Verhandlungen zwischen London und Brüssel vertraut sind, behaupten, dass die beiden Seiten einer Einigung über die Verwendung der Gelder vom Verkauf des FC Chelsea näher gekommen sind. Vorläufigen Informationen zufolge ist Großbritannien bereit, Argumente zu akzeptieren, wonach das Geld ausschließlich in der Ukraine ausgegeben werden soll. „Wir wollen, dass die Ukraine dieses Geld so schnell wie möglich erhält, da der Kachowka-Staudamm kürzlich zerstört wurde. Aber wir müssen die Einhaltung unserer Sanktionen garantieren“, sagte eine Quelle in der britischen Regierung.

Ein Sprecher des britischen Kabinetts wies seinerseits darauf hin, dass „die Gelder vom Verkauf des FC Chelsea auf einem britischen Bankkonto eingefroren wurden und unabhängige Experten an der Einrichtung eines Fonds arbeiten, der dieses Geld für humanitäre Zwecke in der Ukraine verwalten und verteilen soll“. „Anschließend muss eine Lizenz beantragt werden, um die Gelder an den Fonds zu überweisen“, erklärte er.

Nach Angaben des Daily Telegraph ist der Fonds seit Ende letzten Jahres bereit, die erforderliche Lizenz zu beantragen und die Mittel aus dem Verkauf von Chelsea sowohl für die Bedürfnisse der ukrainischen Flüchtlinge als auch für die Ukraine selbst zu verwenden. Penrose hat den norwegischen Diplomaten Jan Egeland, der einst stellvertretender Generalsekretär der UNO war, gebeten, den Vorsitz übergangsweise zu übernehmen.

Abramowitsch kaufte Chelsea im Jahr 2003 für rund 140 Millionen Pfund (damals etwa 233 Millionen Dollar) vom Engländer Ken Bates. In der Zeit, in der der russische Geschäftsmann Eigentümer war, hat der Verein fünfmal den englischen Meistertitel und den FA-Cup gewonnen, dreimal den englischen Ligapokal, zweimal den Super Cup, die Champions League und die Europa League. Im Jahr 2021 gewann Chelsea den UEFA-Superpokal und die Club-Weltmeisterschaft.

Übersetzung aus der russischen Nachrichtenagentur TASS


Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Wieviel Staatsbürgerschaften hat Abramowich eigentlich? Noch die russische? Dazu eine portugiesische, israelische und britische?
    War Abramowich nicht einer der Oligarchen, der unter Mitnahme seines Vermögens einst vor Putin in die City of London floh, um nicht das Schicksal Chodorowskis zu erleiden, den Putin ins Gefängnis warf?

    1. Er hätte nicht nur Chodorkowski ins Gefängnis schmeißen sollen, sondern auch Abramowitsch und all die anderen Juden der Oligarchie. Keiner von ihnen dürfte Integrität oder Talent eines Walther Rathenau gehabt haben. Sie alle sind Gauner und Diebe.

    2. Nicht Putin hat Chodorowski ins Gefängnis werfen lassen sondern die russische Justiz weil er Steuern hinterzogen hat. Das ist glaub ich überall starfbar, nur wenn Russland dann ist das immer ganz dolle Böse.
      Aber an dem verhalten der Poliker erkennt amn deutlci wie sehr sie sich schon von den internationalen Regeln abgewendet haben und willkürlich Gelder klauen.
      Mal sehen wie lange es dauert, bis man den ersten deutschen Sympatisanten enteignet.

      1. Vogonendichter, „Aber an dem verhalten der Poliker erkennt amn deutlci wie sehr sie sich schon von den internationalen Regeln abgewendet haben und willkürlich Gelder klauen.“

        Also soo kann man es ja nun wirklich nicht sehen.

        Aus dem Artikel:
        „Nach Angaben des Daily Telegraph ist der Fonds seit Ende letzten Jahres bereit, die erforderliche Lizenz zu beantragen und die Mittel aus dem Verkauf von Chelsea sowohl für die Bedürfnisse der ukrainischen Flüchtlinge als auch für die Ukraine selbst zu verwenden. Penrose hat den norwegischen Diplomaten Jan Egeland, der einst stellvertretender Generalsekretär der UNO war, gebeten, den Vorsitz übergangsweise zu übernehmen.“

        Regelbasierte Weltordnung …, weshalb in der Bundesrepublik Deutschland z. B. die mit Strafe bewehrte und im StGB konnotierte ‚Steuerhinterziehung‘ auch jetzt Steuervermeidung heißt.

        Und etwas zu vermeiden (!), hat ja eher etwas Rebellisches/Neues/Aufregendes und auf der anderen Seite ist eben auch die ‚Vorsichtsmaßnahme‘, das ‚getreuliche Ansinnen‘ – eben das Vermeiden von Nichtgutem – verankert.

        Alles eine Sache der ‚Interpretation‘;).

    3. Soweit bekannt ist Abramowitch nicht mit Putin verfeindet. Deshalb steht er auch auf der Sanktionsliste der EU.

      Chodorowski ist auch nicht von Putin ins Gefängnis geworfen worden sondern wurde zu Recht verurteilt & später begnadigt – Chodors Versprechungen, die zur Begnadigung führten, hat er nicht eingehalten….

  2. Wenn Abramowitsch wirklich Jude ist, dann war die Enteignung eindeutig ein antisemitischer Terroranschlag. Simon Wiesenthal sollte nun nicht länger zögern und die Verantwortlichen und Profiteure im Ausland einkassieren, sie in Israel vor Gericht stellen, und ihre Asche aus dem Flugzeug heraus über dem Mittelmeer verstreuen.

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