Das Weiße Haus erklärte, die USA sähen keine Beweise für russische Beteiligung am Putsch in Niger

Washington hat noch keine Entscheidung über eine mögliche Einstellung der Hilfe für das afrikanische Land getroffen, sagte John Kirby, der Koordinator für strategische Kommunikation im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses

WASHINGTON, 1. August./ Die US-Regierung sieht keine Beweise für eine Verwicklung Russlands in den Staatsstreich in Niger und Washington hat noch keine Entscheidung über die Möglichkeit getroffen, die Hilfe für das afrikanische Land einzustellen. Das erklärte John Kirby, der Koordinator für strategische Kommunikation im Nationalen Sicherheitsrat des Weißen Hauses, bei einer Pressekonferenz.

„Ehrlich gesagt, gibt es unserer Ansicht nach keine Beweise dafür, dass Russland dahinter steckt, dass Russland das in irgendeiner Weise materiell unterstützt oder tatsächlich Unterstützung leistet und dass Russland in irgendeiner Weise für das, was vor sich geht, verantwortlich ist“, räumte Kirby ein.

„Ich kann nicht über einen ‚Dominoeffekt‘ in der Region spekulieren“, betonte er auf die Frage eines Journalisten nach der Möglichkeit von Putschen in anderen afrikanischen Ländern. „Es ist schwierig, darüber zu spekulieren, dass es eine Art, wie Sie sagen, ‚Dominoeffekt‘ geben wird. Im Moment sehen wir das nicht“, fügte er hinzu.

„Und wir haben noch keine Entscheidung getroffen, aber wir werden sicherlich eine gründliche Bewertung der Fortsetzung unserer Hilfe vornehmen. Wir haben der nigrischen Führung sehr deutlich gemacht, welche Folgen es haben könnte, wenn die Unterstützung der USA ausbleibt. Aber es sind noch keine Entscheidungen getroffen worden“, fügte er hinzu und bezog sich damit auf die Möglichkeit, die US-Hilfe für Niger zu beenden.

Am 26. Juli verkündete eine meuternde Gruppe des nigrischen Militärs im Fernsehen die Absetzung von Mohamed Bazoum als Präsident, die Schließung der Grenzen der Republik, die Verhängung einer Ausgangssperre, die Aussetzung der Verfassung und ein Verbot politischer Aktivitäten von Parteien. Am 28. Juli gaben sie bekannt, dass General Abdurahman Tchiani Staatsoberhaupt geworden ist.


Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Antworten

  1. Wikipedia English hat die neue Regierung bereits anerkannt:

    Government – Unitary republic under a military junta
    • CNSP President – Abdourahamane Tchiani
    Legislature – National Council for the Safeguard of the Homeland
    https://en.wikipedia.org/wiki/Niger#

    Nun hat der alte Präsident – Bazoum – nicht formell abgedankt, hatte sogar wieder einen öffentlichen Auftritt, mit Mahamat Idriss Deby, Übergangspräsident des Tschad und von ECOWAS beauftragter Vermittler. Und ob der Neue, Tchiani, sich durchsetzen wird, ist noch nicht ausgemacht.

    Wikipedia ist eigentlich nicht zuständig, nigrische Präsidenten anzuerkennen, angesichts des offiziösen Charakters als Organ der Propaganda, den Wikipedia faktisch hat, ist das aber vielsagend. Und Kirbys Ansage auch. Die Messe ist gelesen, die USA haben keine Ambitionen, und wenn die EU eine „Intervention“ will, soll sie die alleine führen.

    Die Russen haben eindeutig mit der Revolution, die es faktisch ist, zu tun. Nicht in dem Sinne, daß es Marionetten seien, die auf Befehl des Kreml geputscht haben, aber als „Geist im Hintergrund“. Dugins Panafrikaner, „Informationswagner“. Das ganze Militär und M62, prorussische Opposition, sind auf Seiten der Übergangsregierung gewechselt. Gut organisiert. Vermutlich gibt es auch Zusagen für Unterstützung, zuerst verdeckt im Hintergrund, diplomatisch, und wenn sie sich durchsetzen offen.

    Kirby stellt das in Abrede, weil er den zu erwartenden Sieg der Russen nicht an die große Glocke hängen will, so scheint es.

  2. Pepe Escobar beschäftigt sich viel mit Afrika und mit der Weltmehrheit:

    „… Der globalen Mehrheit stehen zwei Wege offen, um den tollwütigen, kognitiv dissonanten Strauss’schen Neokonservativen, die für die imperiale Außenpolitik verantwortlich sind, entgegenzutreten: sie unerbittlich lächerlich zu machen oder hart an dem langen und kurvenreichen Weg zu einer neuen multipolaren Realität zu arbeiten. …“

    https://uncutnews.ch/erst-geht-es-nach-moskau-dann-nach-peking-von-pepe-escobar/

    Wieso nicht Beides gleichzeitig? Sicher ist sicher.

    Weiter ist u.a. über interne Widerstände beim BRICS-Erweitern die Rede:

    „… Unter den mehr als 40 Ländern – und es werden immer mehr -, die unbedingt in den Club aufgenommen werden wollen, sind Indonesien und Saudi-Arabien sehr gut positioniert, um in die erste Reihe der BRICS+-Mitglieder aufgenommen zu werden, im Gegensatz zu Argentinien … Die Realität diktiert ein langsames Vorgehen. Brasilia – das unter dem extremen Druck der “Biden-Kombo” steht – hat nur einen minimalen Handlungsspielraum. Und Neu-Delhi schlägt zunächst einen “Beobachter”-Status für potenzielle Mitglieder vor, bevor sie voll aufgenommen werden. …“

    Ähnlich belasten SCO Spannungen zwischen China und Indien – so sehr, dass ein Gipfel lieber virtuell organisiert wird. Damit keine Zeit verloren geht, wird erst mal die Eurasische Wirtschaftsunion erweitert:

    „… Die EAEU als Retterin
    … St. Petersburg hat auch etwas Entscheidendes in Bezug auf die sich entwickelnden multilateralen Organisationen gezeigt: die erneute Bedeutung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU). Die EAEU expandiert rasch über Zentralasien hinaus in Richtung Südostasien (ein Freihandelsabkommen mit Indonesien steht kurz bevor), Afrika und vor allem die DVRK: Dies wurde bei der Begrüßung von Verteidigungsminister Schoigu in Pjöngjang eingehend erörtert. …“

    Wer in Afrika soll der EAEU beitreten? Das gerade verrät Escobar nicht. Ein anderer Artikel meint dafür, Ägypten dürfte demnächst bei BRICS+ aufgenommen werden – doch nicht alle über 20 Beitrittskandidaten bereits dieses Jahr als Vollmitglieder.

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