Im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens gab es am Sonntag auch einen geschichtlichen Beitrag, den ich übersetzt habe, um zu zeigen, wie man in Russland auf die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs und vor allem auf die Rolle Polens blickt.

Beginn der Übersetzung:

Parlamentswahlen in Polen. Die regierende Koalition der Vereinigten Rechten, die von der Partei Recht und Gerechtigkeit angeführt wird, läuft Gefahr, ihre Führungsrolle zu verlieren, da die Popularität der Regierungspartei vor dem Hintergrund der Ereignisse in der Ukraine deutlich gesunken ist und Umfragen zufolge bei fast 35 Prozent liegt. Wenn sie verliert, wird Polen eine neue Regierung bekommen. Es wird bald Klarheit geben. Obwohl Klarheit und Polen historisch irgendwie schwer zusammen passen.

Winston Churchill hat Polen als „die Hyäne Europas“ bezeichnet. In den 1930er Jahren träumten die Polen davon, Hitlers Verbündete zu werden, um sich ihm bei dem „Kreuzzug“ nach Osten anzuschließen. Dieses Abenteuer erwies sich für Polen als wahre Katastrophe. Deutsche Besatzung, Konzentrationslager und Millionen von Toten waren der ungeheure Preis, den das polnische Volk für den Wahnsinn seiner Politiker zahlte. Dabei versucht die neue Generation von polnischen Führern, die Schuld an der Niederlage Polens auf alle zu schieben, einschließlich der Sowjetunion, nur nicht auf die eigenen Machthaber. Was hat Polen wirklich in die nationale Katastrophe von 1939 geführt?

Wir zeigen seltene Wochenschau-Aufnahmen. Sie wurden im September 1939 in Westweißrussland gefilmt. Nachdem sie die sowjetisch-polnische Grenze überquert haben, dringen die Einheiten der Roten Armee in die Stadt Slonim ein. Die weißrussische Bevölkerung empfängt sie als Befreier. Die Einwohner reißen die polnischen Fahnen von den Häusern herunter. An ihrer Stelle werden selbstgemachte rote Tücher angebracht. Die Vertreter der polnischen Verwaltung laufen weg oder verstecken sich. Die geräumten Polizeistationen wurden von Aktivisten der spontan gebildeten Abteilungen der Roten Garde besetzt. In dieser Aufnahme eskortieren weißrussische Bürgerwehren polnische Soldaten, die sich ihnen ergeben haben, zu einer dieser Polizeistationen. Auf einem der Plätze der Stadt begannen spontane Tänze zu Ehren der Ankunft der Roten Armee.

„Ein jubelndes Volk, ein wahrhaft jubelndes Volk, begrüßt unsere Armee. Das westliche Weißrussland und die westliche Ukraine, die infolge des für uns erfolglosen Krieges von 1919 und 1920 polnisch wurden, waren ein Gebiet, in dem nicht nur eine zwangsweise Polonisierung stattfand, sondern in dem die Menschen aus ethnischen, sprachlichen und religiösen Gründen unterdrückt wurden. Es ist bekannt, dass es 1939 in Weißrussland nicht eine einzige Zeitung mehr in weißrussischer Sprache gab. Gar nicht davon zu reden, dass der Unterricht der weißrussischen Sprache, wie übrigens auch der Unterricht der ukrainischen Sprache, von den Polen streng eingeschränkt und dann verboten wurde“, sagte Aleksej Plotnikov, Doktor der Geschichtswissenschaften, Professor, Mitglied der Vereinigung der Historiker des Zweiten Weltkriegs.

Die Sprachbeschränkungen und -verbote waren Teil des so genannten „Sanierungsregimes“, das die polnischen Regierungen seit Mitte der 1920er Jahre in den von ihnen besetzten Gebieten der Westukraine und Weißrusslands strikt durchgesetzt hatten.

„Das Sanierungsregime hatte die Entwicklung der ethnischen Minderheiten überhaupt nicht im Blick. Sanierungsregime bedeutete Rückgewinnung. Das heißt, man ging davon aus, dass Polen saniert werden würde. Als Ergebnis dieser Sanierung sollte Polen ein monoethnischer Staat werden. Für andere Ethnien gab es keine Perspektiven. Die Polen betrachteten die Weißrussen überhaupt nicht als Menschen, sie betrachteten sie als niedriger als die Ukrainer, denn für den polnischen Adel war ein Weißrusse immer ein Leibeigener. Die Weißrussen hatten keine Perspektive“, sagte der Historiker Konstantin Zalessky, Vizepräsident des Verbands der Historiker des Zweiten Weltkriegs.

Der polnische Staat wurde als Folge des Ersten Weltkriegs auf der europäischen Landkarte wiederbelebt. Davor waren seine verschiedenen Teile Teil des russischen, deutschen und österreichisch-ungarischen Reiches. Nachdem die Polen ihre Unabhängigkeit erlangt hatten, begannen sie sofort Kriege gegen ihre unmittelbaren Nachbarn. Im Jahr 1919 griffen sie das sowjetische Weißrussland und 1920 die sowjetische Ukraine an. Am 7. Mai besetzten polnische Einheiten Kiew. Kurz darauf schlug die Rote Armee zurück und die Polen mussten fast bis hinter die Mauern von Warschau fliehen. Auf dem Höhepunkt des sowjetisch-polnischen Krieges im Sommer 1920 forderte der britische Außenminister Lord Curzon, die sowjetischen Truppen sollten an der von den Westmächten vorgeschlagenen Grenze stoppen. Diese Forderung ging als „Curzon-Line“ in die Geschichte ein.

„Die kleinen Liebhaber unseres Landes, die Hauptmächte der Entente, akzeptierten diese Linie mehr oder weniger als einen Kompromiss. Aber Polens, das, wenn wir ehrlich sind, in seiner langen Geschichte nichts anderes als ein regionaler Aggressor war, hatte ganz andere Pläne. Und es hat die Situation ausgenutzt, indem es diesen Krieg entfesselt hat, als die Sowjetunion geschwächt war. Wir waren gezwungen, darauf zu reagieren. Als Ergebnis dieses für uns erfolglosen Krieges besetzte Polen riesige Gebiete, weit östlich der Curzon-Linie. Und Polen erklärte, dass es diese Gebiete an niemanden abtreten würde“, bemerkte Aleksej Plotnikow.

Ab 1926 wurde der polnische Staat infolge eines Staatsstreichs von dem glühenden Nationalisten Joseph Piłsudski geführt. Das Hauptziel seiner Politik war die Schaffung eines „Großpolens von Meer zu Meer“. 1934 schloss Polen als erstes europäisches Land einen Nichtangriffspakt mit Nazi-Deutschland. Der Pakt über die Nichtanwendung von Gewalt wurde auf Initiative von Piłsudski und Hitler unterzeichnet.

„Die Polen glaubten und glauben, auch als Polen noch nicht existierte, dass ihr Land, das mit Sicherheit wiedererstehen wird, der Schutzschild der westlichen Zivilisation ist, an dem die Wellen der schismatischen Barbaren aus dem Osten zerschellen. Aber für diese Mission soll Polen sehr viel bekommen. Europa soll Polen sehr viel dafür bezahlen, Waffen, Geld, Wirtschaft, Industrie, politischer Einfluss. Das heißt, die Verteidigung Europas ist eine Ware, die sehr teuer verkauft werden kann, weil Polen nichts anderes hat“, erklärte Konstantin Zalessky.

Die Zeit der aktiven polnisch-deutschen Zusammenarbeit dauerte bis 1939. Während dieser ganzen Zeit unterstützte die polnische Regierung Hitlers Politik der Neuziehung der europäischen Grenzen aktiv. Im Jahr 1938 weigerten sich die Polen kategorisch, sowjetische Truppen, die den Tschechen bei der Abwehr der deutschen Aggression zu Hilfe kommen sollten, durch ihr Gebiet zu lassen.

„Polen wollte sich auf Kosten Deutschlands einseitige Vorteile verschaffen, auch Gebiete. Erinnern wir uns an das Münchner Abkommen von 1938. Unter Ausnutzung des Münchner Abkommens besetzt Polen einen Teil des tschechischen Schlesiens. Es ist absolut genauso ein Aggressor wie Deutschland, vielleicht sogar noch schlimmer“, sagt Alexej Plotnikow.

Die Zeit der romantischen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland endete im Frühjahr 1939. Der Grund für die Unstimmigkeiten war der sogenannte „Danziger Korridor“, den Hitler erhalten wollte, um eine Verkehrsader zwischen Deutschland und Ostpreußen zu schaffen. Die Polen reagierten mit einer Ablehnung. Die Deutschen sahen darin Undankbarkeit für die tschechischen Ländereien, die sie den Polen gegeben hatten. Am 1. September 1939 erhielten die deutschen Truppen den Befehl zum Einmarsch in Polen.

„Wir müssen ehrlich anerkennen, dass das Ergebnis von 1939, nämlich die Niederlage Polens durch Nazi-Deutschland, das absolut natürliche Ergebnis der eigenen Politik der polnischen Elite war, des polnischen Adels, der polnischen herrschenden Klasse, wie auch immer man es nennen mag. Das war wirklich die historische Grube, in die die polnischen Regierungen mit einer Beharrlichkeit, die man besser einsetzen könnte, von Jahrhundert zu Jahrhundert gefallen sind. Das ist wirklich eine direkte Folge der polnischen Politik des Flirts mit dem historischen Feind, der Deutschland heißt“, sagt Plotnikow.

Die polnische Armee wurde von der Wehrmacht innerhalb weniger Wochen zerschlagen. Bereits am 6. September nahmen die Deutschen die zweitgrößte Stadt des Landes, Krakau, ein. Noch in derselben Nacht floh die polnische Regierung aus der Hauptstadt. Am 8. September erreichten die deutschen Truppen die Außenbezirke von Warschau. Am 16. September appellierte die polnische Regierung an die Rumänen, sie über die Grenze zu lassen, und am 17. September verließ sie schließlich das sterbende Land. Die Rote Armee überschritt daraufhin die polnische Grenze, um die Kontrolle über die Gebiete der Westukraine und Westweißrusslands zu übernehmen, die gemäß dem sowjetisch-deutschen Vertrag von 1939 zur Einflusszone der UdSSR gehörten.

„Churchill war ein großer Feind unseres Landes. Aber er war ein sehr vernünftiger und pragmatischer Politiker. Und hier ist eine seiner Aussagen zu den Ereignissen des 17. September 1939: ‚Ich weiß nicht, aus welchem Grund die sowjetischen Truppen an diesen Grenzen waren. Aber die sowjetischen Truppen mussten dort sein, um die Sicherheit Sowjetrusslands zu gewährleisten'“, erinnert Alexej Plotnikow.

Großbritannien und Frankreich erklärten Deutschland am 3. September 1939 den Krieg, unternahmen aber bis zum endgültigen Zusammenbruch keine wirklichen Maßnahmen zur Rettung Polens.

„Polen wurde jesuitisch aufgegeben. Ich würde sagen, auf eine angelsächsische Art und Weise. Ihr Kalkül war in diesem Fall sehr einfach. Wir sagen formell, dass wir Polen Hilfe leisten. Wir erklären sogar den Krieg, aber wir werden nicht kämpfen. Warum sollten wir auch? Sollen die Deutschen doch durchmarschieren und die Sowjetunion angreifen. Darin steckt ein zynisches, aber sehr logisches Kalkül“, so Plotnikow.

Für die meisten der in Polen lebenden Völker brachte der Einmarsch der sowjetischen Truppen greifbare historische Vorteile. Bereits im Oktober 1939 wurde Vilnius an Litauen zurückgegeben. Die sowjetische Ukraine und das sowjetische Weißrussland umfassten große Gebiete mit Städten wie Lwow und Brest. Hunderttausende von Juden, die in die Sowjetunion gelangten, konnten dem Tod in Konzentrationslagern und Ghettos entgehen.

„Der Teil der jüdischen Bevölkerung des Vorkriegspolens, der sich unter deutscher Besatzung befand, geriet in eine kolossale Falle, und diese Falle bedeutete für sie den Tod und nichts anderes. Diejenigen, die sich auf sowjetischem Gebiet befanden, hatten Glück, denn die meisten konnten ihr Leben bewahren“, sagte Konstantin Zalessky.

Nach dem Sieg im Großen Vaterländischen Krieg behielt Stalin die Städte und Gebiete, die er 1939 angeschlossen hatte, als Teil des sowjetischen Litauens, Weißrusslands und der Ukraine. Interessanterweise will diese Geschenke bis heute niemand zurückgeben. Das von den Deutschen befreite Polen erhielt von der UdSSR zwei Drittel von Ostpreußen, die Ostseeküste und historisch deutsche Gebiete im Westen.

„Die Ereignisse des 20. Jahrhunderts zeigen, dass Polen und die polnische Nation ohne die Sowjetunion im Prinzip hätte gar nicht entstehen können. Die Rote Armee besiegte die Deutschen, befreite Polen und schuf das heutige Polen, das größte Land Osteuropas. Die Rote Armee hat es geschaffen. Es stellt sich also die Frage: Wem ist es zu verdanken, dass es das moderne Polen gibt? Es gibt nur eine Antwort: dank der Sowjetunion. Denn ohne sie gäbe es entweder ein anderes Polen, das viel kleiner wäre, oder es würde überhaupt keines geben“, betonte Konstantin Zalessky.

Wir verfügen über eine Vielzahl neu freigegebener historischer Dokumente, an denen noch viel zu arbeiten ist. Aber hier sind nur ein paar charakteristische Seiten. Es handelt sich um eine streng geheime Sondermitteilung an den Vertreter der Kommission zur Untersuchung von Gräueltaten und Grausamkeiten der deutschen Besatzer in den ersten Julitagen 1941 in der Umgebung der Städte Lwow und Brody: „Am 12. Juli 1941 organisierte die Gestapo zusammen mit der ukrainischen Polizei eine Razzia zur Suche und Verhaftung der jüdischen Bevölkerung und von Personen, die der Sowjetunion treu ergeben waren, woraufhin die Deutschen etwa 3.000 Juden, von Kindern bis zu alten Menschen, mitnahmen, die alle in das jüdische Lager in Lwow gebracht wurden. Darüber hinaus erschoss die Gestapo im Herbst 1941 etwa 4.000 Juden am Rande der Stadt Brody.“

Und weiter der Bericht der Augenzeugin Maria Augustovna Zapara: „Die Erschießungen wurden in folgender Reihenfolge durchgeführt: Von morgens bis abends wurden die Menschen in Kraftfahrzeugen zum Erschießungsort gebracht, dort wurden sie nackt ausgezogen, auf Bretter gestellt, die über vorbereitete Gruben gelegt wurden, und mit automatischen Gewehren und Maschinengewehren erschossen, wobei die Toten in die Grube fielen. Auf diese Weise wurde eine große Anzahl unschuldiger sowjetischer Menschen erschossen und in acht Gruben gefüllt, eine neunte Grube wurde vorbereitet, aber nicht gefüllt.“

An diesem Stapel von Dokumenten muss noch weiter gearbeitet werden, aber was zu erforschen ist, ist bereits ziemlich klar.

Ende der Übersetzung