Mein neues Buch Putins Plan (Mit Europa und den USA endet die Welt nicht) – Wie das westliche System sich gerade selbst zerstört und was Russland wirklich will ist endlich lieferbar, wer sich mit der Bestellung beeilt, kann es noch vor Weihnachten geliefert bekommen.

Seit Freitag veröffentliche ich jeden Tag ein eine Leseprobe aus dem Buch. In diesem letzten Teil zitiere ich, wie sich der russische Präsident Wladimir Putin über die „russische Weltordnung“ geäußert hat.

Putin im O-Ton über die Weltordnung

Um aufzuzeigen, wofür die von Russland gewollte Weltordnung besteht, werde ich hier einen Auszug aus der Rede übersetzen, die der russische Präsident Putin Ende Oktober 2022 auf dem Valdai-Forum gehalten hat. Das Valdai-Forum ist eine russische Denkfabrik, die einmal im Jahr zu ihrer großen Konferenz einlädt. Dort sind hochrangige Experten der Geopolitik aus aller Welt vertreten und tauschen ihre Meinungen über Fragen der Geostrategie aus. Präsident Putin hält dort jedes Jahr eine Rede und stellt sich anschließend vier Stunden lang live den Fragen der internationalen Experten.

In seiner Rede hat Putin aufgezeigt, auf welche Werte Russland setzt und wie es sich eine künftige Weltordnung wünscht, welche Alternative zum westlichen System Russland der Welt anbietet. Vor allem ist es bemerkenswert, wie sehr Putin seit dem offenen Bruch mit dem Westen nach Beginn der russischen Intervention in der Ukraine und den westlichen Sanktionen seine bisherige Zurückhaltung abgelegt hat. In seinen Reden spricht Putin nicht mehr von westlichen Regierungen, er spricht nun offen von den „westlichen Eliten“ oder den „globalistischen Eliten“, womit er die Oligarchen meint, die im Westen die Fäden ziehen.

Kommen wir nun zu einem zentralen Auszug der Valdai-Rede, die Putin im Oktober 2022 gehalten hat. Die komplette Rede finden Sie hier.

Beim Valdai-Club haben wir mehr als einmal über die Veränderungen gesprochen, die gravierenden, großen Veränderungen, die in der Welt stattgefunden haben und weiterhin stattfinden, über die Risiken, die mit dem Abbau der globalen Institutionen, der Aushöhlung der Grundsätze der kollektiven Sicherheit, der Ersetzung des Völkerrechts durch so genannte Regeln verbunden sind – ich wollte sagen, Regeln, die von irgendwem ausgearbeitet wurden, aber das ist wahrscheinlich ungenau ausdrückt – es ist überhaupt nicht klar, wer sie ausgearbeitet hat, worauf diese Regeln beruhen, was in ihnen steckt.

Offensichtlich wird nur versucht, eine einzige Regel aufzustellen, damit die Mächtigen – wir sprechen jetzt von Macht, ich spreche von globaler Macht – ohne jegliche Regeln leben und tun können, was sie wollen, mit allem durchkommen, was sie wollen. Tatsächlich sind das die Regeln, von denen man uns ständig erzählt. Der Wert der Valdai-Diskussionen besteht darin, dass hier die verschiedensten Einschätzungen und Prognosen abgegeben werden. Wie richtig sie waren, zeigt das Leben selbst, das Leben, der strengste und objektivste Prüfer. Er zeigt, wie wahr die Inhalte unserer Diskussionen in den vergangenen Jahren waren.

Leider entwickeln sich die Ereignisse weiterhin nach dem negativen Szenario, über das wir bei unseren früheren Treffen mehr als einmal gesprochen haben. Darüber hinaus haben sich diese Ereignisse zu einer umfassenden Systemkrise entwickelt, nicht nur im militär-politischen Bereich, sondern auch im wirtschaftlichen und humanitären Bereich.

Der sogenannte Westen – das ist natürlich im übertragenden Sinn gemeint, denn es gibt dort keine Einigkeit – ist verständlicherweise ein sehr kompliziertes Konglomerat, dennoch kann man sagen, dass dieser Westen in den letzten Jahren, und insbesondere in den letzten Monaten, eine Reihe von Schritten zur Eskalation unternommen hat. Genau genommen setzt er immer auf Eskalation, das ist nicht neu. Das sind die Anzettelung des Krieges in der Ukraine, die Provokationen rund um Taiwan und die Destabilisierung der globalen Lebensmittel- und Energiemärkte. Letzteres geschah natürlich nicht absichtlich, daran besteht kein Zweifel, sondern aufgrund einer Reihe von systematischen Fehlern genau jener westlichen Regierungen, die ich bereits erwähnt habe. Und wie wir jetzt sehen, kam auch noch die Zerstörung der paneuropäischen Gaspipelines dazu. Das ist unvorstellbar, aber wir sind trotzdem Zeugen dieser traurigen Ereignisse.

Die Macht über die Welt ist genau das, worauf der sogenannte Westen gesetzt hat. Aber dieses Spiel ist mit Sicherheit ein gefährliches, blutiges und, ich würde sagen, schmutziges Spiel. Es leugnet die Souveränität von Ländern und Völkern, ihre Identität und Einzigartigkeit und ignoriert die Interessen anderer Staaten. Zumindest dann, wenn es diese Interessen nicht ausdrücklich abstreitet, wird es in der Praxis aber genau so gehandhabt. Niemand, außer denen, die die genannten Regeln formulieren, hat das Recht, seine eigene Identität zu entwickeln: Alle anderen müssen sich diesen Regeln unterordnen.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie an die Vorschläge Russlands an die westlichen Partner zur Vertrauensbildung und zum Aufbau eines Systems kollektiver Sicherheit erinnern. Im vergangenen Dezember wurden sie wieder einmal einfach beiseitegeschoben. Aber in der heutigen Welt ist es kaum möglich, etwas auszusitzen.

Wer Wind sät, wird, wie man sagt, Sturm ernten. Die Krise ist tatsächlich global geworden, sie betrifft jeden. Da braucht man sich keine Illusionen zu machen.