Reaktion aus Moskau über Pentagon-Chef Esper: „Die USA garantieren Afrika Wohlstand und Stabilität“

Bei der Pressekonferenz des russischen Außenministeriums nahmen die USA am Donnerstag ungewöhnlich viel Raum ein und wurden ausgesprochen heftig kritisiert. Besonders eindrücklich wurde die Doppelmoral der US-Politik bei einem Besuch von US-Verteidigungsminister Esper in Afrika und bei einer seiner Reden dort sichtbar. Das hat eine heftige Reaktion im russischen Außenministerium hervorgerufen, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Wir können die Rede des Pentagon-Chefs Mark Esper nicht unkommentiert lassen, bei der er bei einem Besuch auf dem amerikanischen Militärfriedhof in Karthago in Tunesien am 30. September erneut anti-russische Äußerungen gemacht hat.

Seinen Aussagen zufolge verfolgt Russland angeblich eine „bösartige, räuberische und gewalttätige Politik, um afrikanische Länder zu destabilisieren und ihre Ressourcen zu plündern“ und Russland betreibe „Einschüchterung und Nötigung“ in der Region, um seinen Einfluss dort auszuweiten. Und um dies zu verhindern, schlägt er den Ländern vor, eisern auf die USA zu setzen, die ihnen „Wohlstand und Stabilität“ garantieren können.

Da stellt sich eine Frage: Von welcher Art von „Wohlstand und Stabilität“ sprechen wir? Vielleicht über das libysche Szenario, bei der das Land nach einer illegitimen Militärintervention durch die NATO ins Chaos gestürzt und zu einer Quelle regionaler Instabilität und einer Brutstätte des Terrorismus und des gewalttätigen Extremismus gemacht wurde?

Wir möchten Herrn Esper daran erinnern, dass Russland sich niemals in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischt. Dies unterscheidet die Politik unseres Landes grundlegend von der Politik der Vereinigten Staaten, die allen anderen durch energische, wirtschaftliche und propagandistische Hebel unverhohlen ihren Willen aufzwingen, sich berechtigt sehen, anderen zu sagen, wie sie leben und mit wem sie zusammenarbeiten sollen.

Wenn die US-Politik scheitert, die die Grundlagen der Staatlichkeit, die Traditionen der Kultur, auf denen diese Gesellschaft aufgebaut wurde, zerstört hat, versuchen die Vereinigten Staaten, das Geschichtsbuch umzublättern und von Vorne zu beginnen, indem sie einfach das, was dort getan wurde, aus ihrem eigenen und dem Gedächtnis der Welt löschen. Es gibt viele Beispiele.

Es ist an der Zeit, dass die amerikanischen Kollegen erkennen, dass neokoloniale Versuche, souveränen Staaten ihren Willen aufzuzwingen, von der absoluten Mehrheit der Weltgemeinschaft abgelehnt werden. Wir sind zuversichtlich, dass die afrikanischen Länder ohne Vorgaben von außen ihre eigenen Entscheidungen über ihre Zukunft treffen können. Diese Länder erinnern sich gut ihre eigene Geschichte und sie erinnern sich daran, wer sie im 20. Jahrhundert unterstützt hat und wer sie im 20. und vorherigen Jahrhunderten ausgeplündert hat. Wir werden unsere Kollegen, auch die amerikanischen, regelmäßig daran erinnern.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Antworten

    1. Damals, als im ZDF „Die Anstalt“ noch informativ und geradeaus aufklärend war, gab es mal einen bitterbösen Schlußsatz, der „hängen blieb“

      „Hört Ihr das Lachen? Das ist das Lachen der irakischen Kinder, die lachen sich gerade tot!“

  1. Wohlstand und Stabilität können diese Lügner nicht mal für ihr eigenes Land garantieren.

    Wohlstand und Stabilität

    im Kongo – mit Mio Toten?

    https://www.sueddeutsche.de/politik/kaempfe-im-kongo-konflikt-im-toten-winkel-1.1530459

    in Ruanda – mit Mio Toten?

    https://www.n-tv.de/politik/Wie-das-Toeten-begann-und-endete-article20950069.html

    in Mali – unter Aufsicht der friedlichen Franzosen?

    https://www.afrikanistik-aegyptologie-online.de/archiv/2015/4127

    in Angola – Hauptsache nicht sozialistisch

    https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerkrieg_in_Angola

    in Libyen – wer den $ nicht ehrt

    https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_El_Dorado_Canyon

    https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgerkrieg_in_Libyen_2011

    usw und so fort. Wohlstand und Stabilität fürs Volk scheint das nicht gemeint zu sein.

  2. Man muss sich wirklich fragen, was in den Köpfen dieser Gestalten wie diesem Verbrecher Esper vor sich geht. Die USA erpressen jeden, sanktionieren jeden, der sich ihren Forderungen nicht fügt und haben von Afghanistan bis Mali eine Blutspur von Chaos und Zerstörung hinterlassen und der faselt von Wohlstand! Ich frage mich, ob die Redenschreiber sich mal mit der Frage befassen, wie das bei den Gastgebern, hier den Tunesiern ankommt. Die erleben es doch in der Nachbarschaft hautnah, wie der von den USA gebrachte Wohlstand aussieht. Oder ist das der Aufforderung gleichzusetzen, wenn ihr euch nicht fügt und mit den Russen Geschäfte macht, seid ihr die nächsten, die bombardiert oder sanktioniert werden?

    1. Wie das bei den Tunesiern ankommt, ist dem Imperium, VÖLLIG egal, denn sie Wissen wie das Schicksal, ihres Nachbaren Libyen und von Muammar al-Gaddafi , bei den Tunesiern angekommen ist und das reicht, die mucken nicht auf..

  3. Das wäre für einen Psychologen wohl ein klarer Fall von Projektion:

    Man unterstellt dem Gegenüber, was man selbst längst verbrochen hat, um den Zwiespalt zwischen eigenem moralischen Anspruch und der Wirklichkeit zu kaschieren.

    Denn nichts lenkt von den eigenen Versäumnissen wirkungsvoller ab als ein solides Feindbild !

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