Das russische Fernsehen über die Scherbenhaufen, die Trumps Politik hinterlassen hat

Das russische Fernsehen hat in der Sendung „Nachrichten der Woche“ über die Scherbenhaufen berichtet, vor denen Trump sowohl innenpolitisch, wie auch außenpolitisch steht. Aber es zog dabei auch einen überraschend treffenden Vergleich zwischen der „Hexenjagd“ gegen Trump und der McCarthy-Ära in den 1950er Jahren, als in den USA die Angst vor der „Roten Gefahr“ zu hysterischen Zuständen im Land führte. Ich habe den Beitrag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

In Washington sagte der Ex-Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen, der derzeitige Präsident der USA sei ein „Rassist, Betrüger und Schwindler“. Diese drei Bezeichnungen für seinen früheren Chef nannte Cohen in seiner Rede vor dem Untersuchungssausschuss des Repräsentantenhauses. Cohen wurde bereits wegen Verstoßes gegen das Wahlgesetz zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Verbüßung der Strafe wird sehr bald beginnen, während die Kongressabgeordneten unter Androhung noch härterer Strafen noch mehr Schmutz über Trump aus ihm herausholen wollen.

Die Art der mit Leidenschaft geführten Verhöre über das Thema der Absprachen zwischen Trump und Russland erinnern deutlich an die Zeiten McCarthy-Ära in den USA während des Kalten Krieges in den 1950er Jahren. Damals suchten sie Kommunisten und Menschen, die irgendwie mit der Sowjetunion sympathisierten. Tausende Amerikaner gerieten unter Repression, Haftstrafen oder Verlust der Arbeit drohten jedem, vom Hafenarbeiter bis zu den berühmtesten Hollywood-Stars.

Damals suchten sie nach „Roten“, aber schon unter dem Vorwurf, auch nur „orange“ zu denken, wurden sogar Albert Einstein und sein Physiker-Kollege und Schöpfer der Atombombe Robert Oppenheimer lautstark beschuldigt. Unter Verdacht gerieten auch der Komponist Leonid Bernstein und der Dramaturg Arthur Miller. Aus Protest verließ Charlie Chaplin die USA und ging in die Schweiz.

Später stellte sich heraus, dass der Ideologe hinter der politischen Hysterie, der Senator McCarthy, ein chronischer Alkoholiker war. Er starb mit 48 Jahren an Leberversagen. Doch zuvor konnte er Kongressabgeordnete für außergerichtliche Verhöre unter dem Deckmantel der „Untersuchung antiamerikanischer Aktivitäten“ begeistern.

Der herausragende britische Anwalt und Historiker Denis Pritt schreibt über die Arbeit dieser Untersuchungskommissionen: „In vielen Fällen waren die Kommissionen erfolgreich, indem sie manchmal hunderte Fälle mit ein und dem selben Thema zu einem zusammenlegten, aber immer wieder verwendeten. Die Menschen waren bereit, als Zeugen auszusagen und zu schwören, dass sie vor fünf, zehn oder zwanzig Jahren Mitglieder der Kommunistischen Partei gewesen waren, aktiv oder im Untergrund, und dass sie die Leute kannten, die sie als Kommunisten beschuldigten. Wenn die Angeklagten das leugneten, riskierten sie, auch noch wegen Meineids verklagt zu werden, und dann sagte derselbe Informant als Zeuge gegen sie aus, was zu noch schwerer Verurteilung führte. In dieser Situation bekannten sie sich lieber gleich selbst schuldig.“

Diese Erfahrung gibt es in der jüngeren amerikanischen Geschichte also schon. Heute deutet vieles darauf hin, dass sich die Geschichte wiederholt. Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen geriet in die Zwickmühle. Auf der einen Seite wird Cohen mit aller Macht von der Kongresskommission unter Druck gesetzt, gegen Trump auszusagen, auf der anderen Seite ist Präsident Trump selbst, der Cohen viele Jahre lang seine größten Geheimnisse anvertraute.

„Ich sage aus, um meine Familie vor einer Bedrohung durch den Präsidenten zu schützen“ erklärte Cohen. Das allein hätte schon für einen Psycho-Thriller ausgereicht, aber für Trump gibt es noch mehr.

Auch das Drama mit Nordkorea war ein Reinfall. Die Lösung der Krise in den Beziehungen zu diesem Land hat Trump bisher als seinen strahlenden außenpolitischen Erfolg ausgegeben. Und es wäre der einzige Erfolg gewesen. Es gibt keine anderen. Schließlich gelang es Trump auf wundersame Weise, die Beziehungen zu allen zu verschlechtern: Zur Europäischen Union, zu China, zu Russland. Syrien ist eine totale Pleite. Auch mit der Türkei sind die Beziehungen schlecht. Gescheitert ist er auch beim Iran und bei Venezuela. Wo auch immer man hinschaut, Scherbenhaufen überall.

Doch was auch immer ihn dazu bewegt hat, sich mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zu treffen, er ist auch hier gescheitert. Kim gefiel die Art und Weise der Verhandlungsführung des amerikanischen Partners nicht. So zeigt es die „Times“ aus London in einer Karrikatur: Trump knutscht Kim in der Uniform eines amerikanischen Seemanns und sagt: „Wir können uns keinen gescheiterten Gipfel leisten“.

Im Grunde beruht die Art und Weise, wie die Amerikaner verhandeln, auf drei Punkten. Erstens: Wir setzen uns an den Verhandlungstisch. Also eigentlich haben wir schon alles entschieden, aber wo wir schon mal hier sind, können wir uns auch kurz setzen. Zweitens: Wir spielen immer mit den weißen Figuren und als ersten Zug sagen wir folgendes: „Also, wir wollen, dass Sie dieses und jenes tun. Kurz gesagt: Sie müssen völlig abrüsten und sich völlig zurückziehen.“ Drittens: Wenn Sie nicht sofort mit allem einverstanden sind oder den Wunsch haben, über Gegenleistungen zu reden, verlassen wir sofort die Verhandlungen und schlagen wir die Tür zu. Danach gibt es Sanktionen.

So funktioniert sie, die US-Diplomatie. Genau so ist es auf dem USA-Nordkorea-Gipfel gelaufen. Trump, der sich selbst als „Meister der Dealmaker“ bezeichnete, verließ Vietnam früher als geplant und mit leeren Händen.

Eigentlich sind die Beziehungen der USA zu Nordkorea auch ein echter Thriller.

Ende der Übersetzung

Wenn Sie sich für die russische Sicht auf die Weltpolitik interessieren, empfehle ich Ihnen einen Blick in die Beschreibung meines Buches. Dort lasse ich Präsident Putin ungefiltert und in ausführlichen Zitaten zu Wort kommen und man bekommt einen überraschenden Blick auf die politische Situation im Westen.

https://anti-spiegel.com/2019/was-sagt-putin-selbst-zu-den-fragen-der-interbationalen-politk-hier-kommt-er-zu-wort/
Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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