Wie die Gleichschaltung der deutschen Medien funktioniert

Dass die Medien in Deutschland gleichgeschaltet sind, ist ja bekannterweise eine Verschwörungstheorie, schließlich ist Zensur in Deutschland verboten und die Medien stehen ja in Konkurrenz zueinander und müssen sich voneinander unterscheiden. So sollte man zumindest denken. Dabei ist das System der Gleichschaltung der westlichen Medien viel subtiler.
 
Wer die Bücher „Gekaufte Journalisten“ oder „Meinungsmacht“ kennt, der weiß, dass alle führenden Journalisten tief eingebunden sind in transatlantische Think Tanks und Organisationen wie die Atlantikbrücke und viele andere. Dort werden sie auch gut bezahlt, wenn sie an Tagungen teilnehmen, Vorträge halten oder gar im Vorstand oder Beirat sitzen. Daher wird keiner der Journalisten auf die Idee kommen, die USA oder die Nato ernsthaft zu kritisieren.
 
Dass die deutsche Presse trotzdem derzeit so massiv gegen den US-Präsidenten wettert, liegt daran, dass Trump sich gegen die politischen Eliten der USA stellt, zu denen die transatlantischen Organisationen gehören. Kritik an Trump ist ja keine Kritik an den USA, die USA sind in den Augen der Medien immer noch der Hort von Freiheit und Demokratie, Trump dagegen ist ihren Augen ein Betriebsunfall der Geschichte, den man schnellstens wieder entfernen muss.
 
Aber es gibt ein vielleicht noch wichtigeres Instrument der Gleichschaltung: Die Nachrichtenagenturen. Das sind in erster Linie Reuters, AP, AFP und in Deutschland noch die DPA. Diese Nachrichtenagenturen formulieren Nachrichten und die Medien nehmen diese oft nach dem Prinzip copy/paste ungeprüft ins Programm. Oft werden dann hier und da Formulierungen geändert, aber der Inhalt bleibt der Gleiche. Oft aber wird auch gar nichts geändert und der Text wörtlich übernommen. Das lässt sich beim Googeln leicht überprüfen und dann weiß man auch, von welcher Agentur eine Meldung kam.
 
Ich schlage jedem Interessierten vor, es selbst einmal zu versuchen. Ich habe es eben am Beispiel eines Artikels aus dem Spiegel getan. Da steht heute etwas über Donald Trump, der einen Parteifreund als „unglaublicher Anführer aus Montana“ gelobt hat. Dieses Zitat habe ich gegoogelt und schon kann man sehen, welche Zeitungen sich alle auf ein und dasselbe Zitat gestürzt haben. Es ist kaum vorstellbar, dass alle deutschen Journalisten die Rede von Trump gesehen haben und ausgerechnet dieses Zitat für so wichtig hielten, dass sie es alle unabhängig voneinander in ihren Artikeln untergebracht haben. Nein, es kam natürlich von einer Agentur und zwar von AFP.
 
Und nun noch ein Blick auf die „Vielfalt“ der deutschen Presselandschaft. Diesen Artikel von AFP mit dem Zitat findet man bei: Tagesspiegel, Der Standard, ORF, Spiegel, FAZ, Welt, Süddeutsche Zeitung, RTL, Kurier, Stern, Krone und Merkur. Diese Aufzählung ist nicht vollständig, ich habe nur die größten Medien genannt, kleinere Portale oder Regionalzeitungen nicht.
 
Von journalistischer Arbeit im Sinne von Recherchieren und Prüfen kann keine Rede bei den Medien mehr sein. Das bedeutet, dass wir keine Meinungsvielfalt haben, sondern nur das als Nachrichten vorgesetzt bekommen, was sich eine Handvoll weltweiter Nachrichtenagenturen ausgedacht haben. Ich hoffe, Sie bezahlen nicht auch noch ein Abo für eine Zeitung, die sie per copy/paste mit vorgefertigten „Nachrichten“ versorgt.
 
Wenn man jetzt noch weiß, dass allein das Pentagon ein jährliches Budget von 5 Milliarden hat und damit ca. 30.000 Mitarbeiter beschäftigt, die Propaganda im Sinne des Pentagons machen und den Nachrichtenagenturen diese Propaganda als Nachrichten liefern, die dann über diesen Umweg in unsere Medien gelangen, dann ist klar, wer am Ende die Meinungen im Westen lenkt.
 
Und an diesem Beispiel von Google, das ich als Bild zu dem Artikel eingestellt und das ich auf der Seite www.uncut-news.ch gefunden habe, kann man sehr schön sehen, wie die angebliche Vielfalt in der deutschen Presse aussieht.
Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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