US-Präsident Trump meint, er werde die Ehre haben, „Kuba einzunehmen“. Das sagte er gestern im Oval Office, nachdem er ein Dekret zur Verschärfung des Kampfes gegen Betrug in verschiedenen staatlichen Hilfsprogrammen für Bedürftige unterzeichnet hatte. Er sagte:

„Ich glaube wirklich, dass ich die Ehre haben werde, Kuba einzunehmen. Das wäre eine gute Sache. Eine große Ehre.“

Auf die Nachfrage, ob er damit tatsächlich meine, „Kuba einzunehmen“, antwortete er:

„Ja, in irgendeiner Form. Ich meine, es ist nicht wichtig, ob ich es befreie oder einnehme, ich könnte damit machen, was ich will, wenn Sie die Wahrheit wissen wollen.“

Er weigerte sich, zu sagen, ob die USA für Kuba eher ein Szenario anstreben, das der Situation in Venezuela oder eher der Situation im Iran ähnelt. Das könne er nicht sagen, antwortete er, aber er sagte, die kubanische Regierung würde mit den USA verhandeln.

Tatsächlich gab der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel am 13. März bekannt, dass Havanna und Washington Gespräche geführt hätten, „um durch Dialog Lösungen für bilaterale Differenzen zu finden“. Das Ziel des Dialogs sei es, Probleme zu identifizieren und Lösungen zu finden, „die Bereitschaft beider Seiten zu konkreten Maßnahmen zum Wohle der Völker beider Länder zu finden“ und „Kooperationsbereiche zur Bekämpfung von Bedrohungen und zur Gewährleistung von Sicherheit und Frieden zu identifizieren“. Kuba habe seine Bereitschaft bekundet, diesen Prozess auf der Grundlage von Gleichberechtigung und Achtung der politischen Systeme beider Länder sowie der Souveränität und Selbstbestimmung der Regierung in Havanna zu führen, fügte Díaz-Canel hinzu.

Nun ist allerdings bekannt, dass die USA andere Länder nicht als gleichberechtigt ansehen und keinerlei Achtung vor anderen politischen Systemen haben, sondern aller Welt ihr System aufzwingen wollen. Wie die Ereignisse in Venezuela und dem Iran zeigen, unterscheidet sich Trump darin – anders als er im Wahlkampf versprochen hat – in keiner Weise von vorherigen US-Regierungen.

Daher stellt sich die Frage, ob für die Verhandlungen der USA mit Kuba das gleiche gilt, wie beim Iran. Sowohl im letzten Sommer als auch jetzt hat die Trump-Regierung die Verhandlungen mit dem Iran genutzt, um den Iran in Sicherheit zu wiegen und dann überraschend angegriffen. Plant Trump bei Kuba etwas Ähnliches?

Da die Frage berechtigt ist und alle US-Regierungen seit Präsident Eisenhower die kubanische Regierung bekämpfen, würde es zu Trumps Ego passen, dass er sich damit brüsten will, der Mann zu sein, der die „Kuba-Frage“ nach fast 70 Jahren endlich im Interesse der USA gelöst hat.

Aber es stellt sich die Frage, ob die USA dafür noch die Kraft haben. Die Regierung von Kuba sitzt fest im Sattel, auch wenn die Armut sicherlich für viel Unzufriedenheit sorgt. Ob Trump, wie bei Venezuela, Leute in der kubanischen Führung findet, die bereit sind, mit ihm zusammenzuarbeiten und Kuba, wie zuvor Venezuela, de facto unter US-Herrschaft zu stellen, ist fraglich. Wahrscheinlich kennt derzeit niemand die Antwort auf diese Frage.

Die Alternative wäre ein militärischer Angriff wie beim Iran. Die kubanischen Streitkräfte galten bis 1990 als die besten in Lateinamerika, aber das ist 35 Jahre her. Die Ausrüstung der kubanischen Streitkräfte ist nach den bekannten Informationen veraltet. Es handelt sich fast ausschließlich um im Kalten Krieg in der Sowjetunion produzierte Waffensysteme. Auch die Luftabwehr Kubas kann man kaum als modern bezeichnen.

Das würde dafür sprechen, dass Kuba für die USA ein leichter Gegner wäre, zumal die kubanischen Streitkräfte nur über etwa 50.000 Soldaten und 40.000 Reservisten verfügen. Aber dafür hat Kuba 1,1 Millionen Paramilitärs, die bei einem Angriff der USA wohl als Partisanen tätig würden, was den US-Truppen empfindliche Verluste zufügen kann, wie die Kriege in Afghanistan und Vietnam gezeigt haben.

Ein militärischer Spaziergang würde das also kaum werden, und ob das US-Militär, dass sich im Iran gerade eine blutige Nase holt, motiviert in einen Krieg gegen Kuba ziehen würde, ist ebenfalls fraglich.

Ich spekuliere hier natürlich nur, aber nach dem, was die USA gerade im Iran erleben, halte ich einen militärischen Angriff auf Kuba derzeit für unwahrscheinlich.

Das schließt aber nicht aus, dass Trump auf Kuba das venezolanische Szenario wiederholen könnte, zumal Außenminister Rubio, selbst ein Exil-Kubaner, offenbar sehr auf einen Regimechange auf Kuba drängt. Und gerade im Falle eines Misserfolges im Iran könnte Trump vor den Wahlen im Herbst versucht sein, alles auf eine Karte zu setzen, um doch noch einen erfolgreichen Krieg präsentieren zu können.