Trumps Ankündigung, die USA würden wieder Atomtests durchführen, hat der Welt Rätsel aufgegeben, weil seine Erklärung widersprüchlich war. Trotzdem muss Russland auf diese potenzielle Bedrohung reagieren.

In seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick hat das russische Fernsehen über die Reaktionen russischer Experten und der russischen Regierung auf Trumps Ankündigung berichtet, und ich habe den russischen Bericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Atomwaffentests: Wie Russland Trump antwortet

Nach Donald Trumps Anordnung, unverzüglich mit Atomwaffentests zu beginnen, kam das Thema Atomwaffentests außerhalb der Tagesordnung am Mittwoch im russischen Sicherheitsrat zur Sprache. Russland ist, das muss man sagen, bestens auf diese Entwicklung und sogar auf eine Gegenreaktion vorbereitet. Es hat jedoch nicht vor, als erstes Atomwaffentests durchzuführen. Unter den gegebenen Umständen wurde beschlossen, die eigenen Fähigkeiten zu eruieren.

Über die Einzelheiten berichtet unser Experte.

Donald Trumps Ankündigung, dass die USA die Atomtests wieder aufnehmen werden, kam selbst in Washington für viele überraschend.

„Wollen Sie damit sagen, dass die USA nach 30 Jahren Pause wieder mit Atomwaffentests beginnen werden?“, wurde Trump in einem Interview gefragt.

„Ich sage, dass wir Atomwaffen testen werden, genau wie andere Länder.“

Welche Länder und welche Tests, bleibt unklar. Pentagonchef Hegseth beeilte sich jedoch, die Einleitung des Prozesses zu verkünden: „Der Präsident hat deutlich gemacht, dass wir eine glaubwürdige nukleare Abschreckung brauchen. Die Wiederaufnahme der Tests ist ein sehr verantwortungsvoller Weg, dies zu erreichen. Ich denke, ein nuklearer Konflikt ist weniger wahrscheinlich, wenn man weiß, was man hat und darauf vertrauen kann, dass es so funktioniert, wie es soll. Daher ist das eine richtige Anweisung. Wir werden schnell handeln.“

Unterdessen distanzierte sich der Energieminister, dessen Ministerium für die amerikanischen Atomsprengköpfe zuständig ist, im Grunde von der Aussage seines Chefs, denn US-Energieminister Chris Wright erklärte: „Bei den Tests, über die wir jetzt sprechen, handelt es sich nicht um nukleare Explosionen. Wir testen also alle anderen Teile der Atomwaffe, um sicherzustellen, dass sie für die Vorbereitung einer nuklearen Explosion funktionieren.“

Die strategische Stabilität, die im Wesentlichen durch die nukleare Parität zwischen Russland und den USA entstanden ist und aufrechterhalten wird, ist kein Thema, das solch weitreichenden Interpretationen unterliegt. Wjatscheslaw Wolodin, der Sprecher der Staatsduma, brachte das Thema in der Sitzung des Sicherheitsrates zur Sprache, bevor es zur geplanten Tagesordnung überging, und sagte: „Zu diesem Thema, das praktisch jeden Abgeordneten beschäftigt und zu dem diese Fragen immer wieder aufgeworfen werden, möchte ich Sie bitten, zu erläutern, welche Schritte und Maßnahmen wir angesichts der außerordentlichen Wichtigkeit dieser Angelegenheit ergreifen werden.“

„Ja, in der Tat, das ist eine ernste Angelegenheit. Hören wir unsere Kollegen an“, antwortete der Präsident.

Der Verteidigungsminister schlug vor, sich nicht auf amerikanische Worte, sondern auf Taten zu konzentrieren. Neben dem Ausstieg aus dem ABM- und dem INF-Vertrag modernisiert Washington, so Beloussow, seine strategischen Offensivwaffen rasant. Es entwickelt eine neue Sentinel-Rakete mit einem neuen Atomsprengkopf, entwirft ein modernes Atom-U-Boot und einen schweren Bomber, baut das Raketenabwehrsystem Golden Dome und plant die Stationierung von Hyperschallraketen mit großer Reichweite in Europa. Im Oktober haben die USA die Übung „Global Tender“ durchgeführt, bei der präventive Atomraketenschläge auf russisches Gebiet geübt wurden.

Weiter erklärte der russische Verteidigungsminister Andrej Beloussow: „Das ist ein Maßnahmenpaket, das auch mögliche US-Pläne für Atomtests umfasst und die militärische Bedrohung für Russland erheblich erhöht. Ich halte es für ratsam, unverzüglich mit den Vorbereitungen für umfassende Atomtests zu beginnen.“

Generalstabschef Waleri Gerassimow stimmte dem Verteidigungsminister ebenfalls zu: „Die amerikanische Seite mag weiterhin offizielle Erklärungen verweigern, aber das ändert nichts, denn wenn wir jetzt nicht die entsprechenden Maßnahmen ergreifen, verpassen wir die Gelegenheit, umgehend auf die Aktionen der USA zu reagieren.“

Der Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, Sergej Naryschkin, bestätigte, dass Washington keine Erklärung abgibt. Unsere Botschaft hat über diplomatische Kanäle eine entsprechende Anfrage gestellt, wozu Naryschkin sagte: „Vertreter des Weißen Hauses und des US-Außenministeriums sind einer substanziellen Antwort ausgewichen und haben versichert, sie würden die Informationen an ihre Vorgesetzten weiterleiten und die russische Seite kontaktieren.“

An Sergej Schoigu gewandt sagte Wladimir Putin: „Ich weiß, dass sich der russische Sicherheitsrat ebenfalls mit diesem Thema befasst hat.“

Sergej Schoigu führte daraufhin Beispiele für Aussagen hochrangiger amerikanischer Beamter und Politiker an, die sich oft widersprechen: „Aufgrund der Analyse all dieser Aussagen und Erklärungen verstehen wir die zukünftigen Handlungen und Schritte der USA hinsichtlich der Durchführung oder Nichtdurchführung von Atomwaffentests nicht vollständig.“

FSB-Direktor Alexander Bortnikow äußerte sich ähnlich: „Ich glaube, dass viele Fragen auftauchen, bevor konkrete Entscheidungen getroffen werden können. In diesem Zusammenhang bitte ich Sie, Wladimir Wladimirowitsch, uns Zeit zu geben, all das gründlich zu verstehen und entsprechende Vorschläge auszuarbeiten.“

Putin schloss die Diskussion ab, indem er sagte: „Gut, ich habe einige Ihrer Aussagen und Meinungen festgehalten und ich möchte betonen, dass Russland sich stets strikt an seine Verpflichtungen aus dem Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen gehalten hat und wir keine Pläne haben, von diesen Verpflichtungen abzuweichen. Gleichzeitig habe ich bereits in meiner Rede vor der Föderationsversammlung 2023 erklärt, dass Russland im Falle solcher Tests durch die USA oder andere Vertragsstaaten ebenfalls zu angemessenen Reaktion greifen müsste. In diesem Zusammenhang weise ich an, dass weitere Informationen zu diesem Thema gesammelt, im Sicherheitsrat analysiert und Vorschläge für einen möglichen Beginn der Vorbereitungen für Atomwaffentests erarbeitet werden. Lassen Sie uns darauf aufbauen. Ich erwarte Ihren Bericht.“

Die Reaktion der weltweiten Medien ließ nicht lange auf sich warten. Einige interpretierten das sofort als Drohung, obwohl Putin – entgegen der weit verbreiteten Annahme im Westen – keine Testvorbereitungen angeordnet hat, sondern lediglich die Zweckmäßigkeit von Vorbereitungen als Reaktion auf das Vorgehen der USA prüfen ließ.

CNN berichtete beispielsweise: „Der russische Präsident Wladimir Putin deutete an, er werde, Zitat‚ angemessene Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, falls Washington diesen Plan weiterverfolgt. Laut dem Kreml-Pressesprecher ist jedoch noch keine endgültige Entscheidung gefallen.“

Dies ist ein fundamentales Thema, schließlich verzichten die großen Atommächte seit drei Jahrzehnten auf Atomexplosionen. Mehr noch, die UdSSR war 1990 das erste Land, das ein solches Moratorium vorgeschlagen hat. Großbritannien und die USA stimmten zu.

Der 1996 von der UN-Generalversammlung verabschiedete Vertrag über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen ist in den 30 Jahren nicht in Kraft getreten. Von den 44 im Vertrag Staaten mit nuklearem Potenzial haben acht ihn entweder nicht unterzeichnet oder, wie die USA, nicht ratifiziert. Aber dennoch hat sich Washington einseitig an das Moratorium gehalten, zumindest bis zu seinen jüngsten Erklärungen.

Vaclav Gudovsky, Professor für Strahl- und Neutronenphysik am Königlichen Technischen Institut in Schweden, erklärte: „Ein Vertrag, der nie von allen unterzeichnet, aber eingehalten wurde, steht nun infrage. Der Wille zur Einhaltung dieses Vertrags schwindet. In gewisser Weise treten wir also in eine neue Ära ein, die, so fürchte ich, in einem neuen nuklearen Wettrüsten enden könnte.“

Moskaus Vorschlag zur Verlängerung des New-START-Vertrags, zielt darauf ab, dieses Szenario zu verhindern, wie die britische Financial Times in einem Leitartikel schrieb: „Der US-Präsident sollte mit Moskau über eine Verlängerung von New START verhandeln, um die Rüstungskontrolle wiederherzustellen. Entscheidende Fortschritte in dieser Richtung wären ein weitaus besserer Weg, den von ihm angestrebten Friedensnobelpreis zu gewinnen, als das langjährige Tabu von Atomwaffentests aufzuheben.“

Russland jedenfalls verfügt über ein eigenes Atomtestgelände, eine streng geheime Anlage namens Zentrales Testgelände der Russischen Föderation, die auf dem Archipel Nowaja Semlja zwischen der Barentssee und der Karasee liegt. Sie erstreckt sich über eine Fläche von 90.000 Quadratkilometern und umfasst drei Hauptstandorte: die Tschernaja-Guba-Bucht, das Südufer der Matotschkin-Straße und D-II, das nördliche Testgelände auf der Halbinsel Suchoi Nos.

Der technische Komplex war all die Jahre in Betrieb. Russische Soldaten und ihre Familien mit Kindern sind hier dauerhaft unter den rauen arktischen Bedingungen stationiert. Jeder kennt jeden. Ein paar kurze Straßen und farbenfrohe Häuser, die es erleichtern, sie selbst im Schneesturm zu erkennen.

Vor 70 Jahren landeten 13 militärische Baubataillone mit einer Mission, die selbst heute noch gewaltig erscheint, auf dem abgelegenen Archipel mitten im Arktischen Ozean: dem Bau eines Atomtestgeländes. Hier wurde im Oktober 1961 die stärkste Wasserstoffbombe der Menschheitsgeschichte, die Zar-Bombe, getestet. Die Druckwelle der Explosion umrundete die Erde dreimal, obwohl einige der Urankomponenten durch Blei ersetzt worden waren, wodurch sich die berechnete Sprengkraft halbierte.

Nikita Chruschtschow erklärte damals: „Wir sagten, wir hätten eine 100-Millionen-Tonnen-Bombe, und das stimmt, ich bestätige das, aber wir werden die 100-Millionen-Tonnen-Bombe nicht zünden. Denn wenn wir diese Bombe irgendwo zünden, könnten wir unsere eigenen Fenster zersplittern.“

Die Topografie des Archipels, seine Abgeschiedenheit vom Festland und seine tiefen Buchten und Meeresarme ermöglichten hier 132 Atomexplosionen. Ihre Gesamtsprengkraft betrug 94 Prozent aller in der UdSSR durchgeführten Atomtests. Die letzte Atomexplosion fand hier vor 35 Jahren, am 24. Oktober 1990, statt. Und bisher sind keine Änderungen zu erwarten, schließlich hat der Oberbefehlshaber lediglich eine Studie zur Prüfung der Machbarkeit von Testvorbereitungen in Auftrag gegeben, die von den Maßnahmen des US-Präsidenten abhängen soll.

Dmitri Kornew, Militärbeobachter und Gründer der Website MilitaryRussia.Ru, sagte: „Seine jüngsten Aussagen klingen etwas anders. Die USA sind bereit, Atomtests im gleichen Umfang wie andere Länder wieder aufzunehmen. Andere Länder führen keine Atomtests durch. Daher geht es vermutlich eher um die Erprobung von Trägersystemen, die Überprüfung der Einsatzbereitschaft der Nuklearstreitkräfte etc. Sollten solche Aktionen beginnen, Vorbereitungen für Atomexplosionen oder Ähnliches, werden wir das durch den russischen Geheimdienst sehen. Mit anderen Worten: Solche Vorbereitungen lassen sich nicht verbergen.“

Moskau habe über die diplomatischen Kanäle noch keine Klarstellung über die Absicht der USA erhalten, Atomtests wieder aufzunehmen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. Offenbar herrsche auch in Washington selbst kein Konsens über die Lage, fügte er hinzu.

Ende der Übersetzung