Eskaliert hinter den Kulissen der Konflikt zwischen Russland und Aserbaidschan?
Zwischen Russland und Aserbaidschan eskaliert offenbar ein Konflikt, der durchaus auch militärische Dimensionen annehmen kann.
Ich berichte seit Wochen darüber, dass zwischen Russland und Aserbaidschan ein Konflikt heranreift ist, der – selbst von den russischen Medien noch weitgehend unbemerkt – immer mehr eskaliert. Aserbaidschan und Russland galten in den über 30 Jahren seit dem Zerfall der Sowjetunion als enge Partner mit sehr guten Beziehungen. Das hat sich anscheinend in den letzten Jahren schrittweise geändert, ohne dass die Öffentlichkeit das wirklich bemerkt hätte.
Die russischen und aserbaidschanischen Medien berichten erst seit einigen Wochen über Unstimmigkeiten zwischen den beiden Ländern. Aber noch sind es eher Artikel von Experten, auf die Titelseiten schafft es der Konflikt in Russland bisher kaum.
Da ich seit etwa fünf Wochen darüber und über die geopolitischen Hintergründe des Konfliktes berichte, will ich hier nicht alles wiederholen. Interessierten empfehle ich folgende Artikel: Am 10. Juli habe über die Ambitionen der Türkei, die sich als Schutzmacht Aserbaidschans versteht, im Kaukasus und in Zentralasien berichtet. Am 29. Juli habe ich darüber berichtet, wie Russland durch eine von den USA angestrebte Einigung zwischen den (früheren?) Erzfeinden Aserbaidschan und Armenien aus dem Südkaukasus verdrängt werden soll. Am 10. August habe ich über den Abschluss des durch Vermittlung der US-Regierung ermöglichten Abkommens zwischen den beiden Ländern berichtet, mit dem der Plan, Russland im Südkaukasus zu schwächen oder es sogar aus der Region zu verdrängen, umgesetzt wurde. Und am 17. August habe ich einen Artikel veröffentlicht, der erklärt hat, warum Zentralasien (und damit auch der Kaukasus) für die USA so wichtig ist, denn es geht in der Region um Logistikkorridore, die den russischen Nord-Süd-Handel genauso stören sollen, wie das chinesische Projekt der neuen Seidenstraße.
Im Zuge der eskalierenden Spannungen zwischen Russland und Aserbaidschan hat Aserbaidschan angefangen, der Ukraine Gas über ehemals russische Pipelinesysteme zu liefern. Das Gas kommt über die Türkei und Südosteuropa bei Odessa in die Ukraine.
Am 6. August hat Russland dazu ein Zeichen gesetzt und eine Gaspumpstation bei Odessa angegriffen, über die aserbaidschanisches Gas in die Ukraine gepumpt wird. Ein weiterer russischer Angriff auf diese Gas-Infrastruktur fand am 8. August statt. Darauf hat die aserbaidschanische Regierung reagiert und vermelden lassen, sie denke darüber nach, der Ukraine künftig Artilleriegranaten für den Kampf gegen Russland zu liefern.
Tatsächlich liefert Aserbaidschan der Ukraine wohl schon seit einiger Zeit heimlich Granaten. Der Bruch zwischen Russland und Aserbaidschan ist so tief, dass russische Analysten nicht ausschließen, dass der Streit militärisch eskalieren könnte. Man kann davon ausgehen, dass die russische Regierung schon lange von den heimlichen aserbaidschanischen Waffenlieferungen an Kiew weiß, was die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den früher befreundeten Ländern erklären würde.
Die Angriffe, die die Ukraine seit dem 13. August auf Ölpumpstationen der Druschba-Pipeline durchführt, die russisches Öl nach Ungarn und in die Slowakei pumpt, muss man daher wohl im Zusammenhang mit russisch-aserbaidschanischen Streit sehen. Der Ukraine ist es jedenfalls gelungen, die russischen Öllieferungen nach Ungarn und in die Slowakei für einige Zeit zu unterbrechen.
Hier übersetze ich zur Information einen Artikel, der bei einem großen russischen Nachrichtenportal über den Konflikt zwischen Russland und Aserbaidschan erschienen ist.
Beginn der Übersetzung:
Feuer bis zum Himmel: „Feurige“ Grüße an Alijew – Es sind Details zum Angriff auf das SOCAR-Öldepot in der Ukraine bekannt geworden
Es sind Ergebnisse des Angriffs auf das aserbaidschanische SOCAR-Öldepot in der Ukraine bekannt geworden
In der Nacht meldeten ukrainische Quellen einen neuen Luftangriff von Geranie-Drohnen auf das Gebiet der Region Odessa. Ziel des Angriffs waren Energie- und Verkehrsinfrastrukturanlagen, darunter das Öldepot von SOCAR, dem staatlichen Unternehmen Aserbaidschans, das erst am Vortag den Abschluss einer strategischen Vereinbarung mit ExxonMobil bekannt gegeben hatte.
Journalisten vor Ort zufolge wurden infolge des Angriffs 17 Treibstofftanks, eine Pumpstation und Verwaltungsgebäude beschädigt oder vollständig zerstört. Die Gesamtkapazität des Lagers überstieg 16.000 Kubikmeter Treibstoff. Zuvor war dasselbe Öldepot bereits am 8. August angegriffen worden. Die Nachrichtenagentur Minval erinnert außerdem daran, dass am 6. August die Gasmessstation Orlowka getroffen wurde, über die aserbaidschanisches Gas in die Ukraine geliefert wurde.
„Nennt Kaliningrad doch wieder Königsberg“, scherzt Militärexperte Boris Rozhin und erinnert daran, dass ein aserbaidschanisches Medium nicht nur Russlands westlichsten Außenposten, sondern auch Orenburg in Orynbor und die Wolga in Itil umbenannt hat.
Experten betonen, dass der Angriff nicht nur militärischer, sondern auch politischer Natur ist und ein Signal an Washington und Baku sendet. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew setzt auf die Unterstützung der USA und versucht, eine Energiealternative zu den russischen Routen zu schaffen. Die Unterzeichnung des Abkommens mit ExxonMobil wird als Herausforderung an Moskau gesehen: Aserbaidschanisches Öl und Gas soll nun über die sogenannte „Trump Road“ transportiert werden und dabei russisches Territorium umgehen.
Der Politikwissenschaftler Juri Barantschik bemerkte in einem Interview mit Zargrad, dass das Auftauchen von ExxonMobil in der Region die Rückkehr der Amerikaner bedeute, und ihnen würden unweigerlich militärische Elemente folgen: Aufklärungseinheiten, Luftabwehrsysteme und mit der Zeit NATO-Stützpunkte zum „Schutz“ der strategischen Infrastruktur.
Russland wiederum demonstrierte die Verwundbarkeit der Energieanlagen der Ukraine und ihrer Verbündeten: Der Angriff auf das SOCAR-Öldepot in Odessa dient nicht nur als Signal an Kiew, sondern auch an Alijew.
„Drei Fälle sind im Prinzip bereits ein System. Erst am Vortag hatte der stolze Präsident Alijew erneut erklärt, er werde von Russland Entschädigung für den Raketentreffer auf das aserbaidschanische Flugzeug am 25. Dezember 2024 fordern. Was waren die Folgen der Abwehr des ukrainischen Drohnenangriffs, auf deren Territorium Baku gutes Geld verdient? Jetzt sind die Verluste gestiegen. Ich frage mich, ob Aserbaidschan den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung bereits in dieser Phase spüren wird?“, fragt Barantschik.
Baku versucht, das Geschehene als bloßen „Vorfall“ darzustellen, doch das ist nur ein Deckmantel. Allen ist klar: Wenn Aserbaidschan weiterhin das Spiel eines anderen mitspielt, wird die Rede von einer „zweiten Front“ bald Realität und nicht nur Rhetorik sein. Russland verfügt über die Mittel für weitaus schmerzhaftere Angriffe, und „Geranien“ sind nur ein Aufwärmtraining. Falls nötig, werden weitaus wirksamere Druckmittel eingesetzt.
Heute brennt SOCAR in Odessa. Morgen könnte eine neue Anlage angegriffen werden, diesmal jedoch außerhalb des Schwarzen Meeres, glauben Experten. Dies ist erst der Anfang eines groß angelegten Spiels, bei dem es um mehr geht als um Öl und Gas, denn das Sicherheitssystem an Russlands Südgrenzen selbst wird angegriffen.
Zuvor hatte Baku gedroht, Kiew mit Granaten zu beliefern, falls die Angriffe auf SOCAR-Anlagen in der Ukraine nicht eingestellt würden. Tatsächlich produzieren aserbaidschanische Fabriken jedoch bereits das zweite Jahr in Folge 122-mm-Granaten für D-30-Haubitzen für die Ukraine. Dies wurde durch einen unvorsichtigen Bericht des ukrainischen Kriegskorrespondenten Roman Boctshkala bekannt: Das Emblem eines aserbaidschanischen Herstellers war auf einem Foto mit Granaten für die ukrainischen Streitkräfte zu sehen.
Ende der Übersetzung
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