Der Widerstand gegen die brutalen Zwangsrekrutierungen wird für Kiew zur zweiten Front
Der Widerstand gegen die brutalen Zwangsrekrutierungen in der Ukraine erzeugt immer mehr und immer gewalttätigeren Widerstand und bringt Kiew in eine Zwickmühle zwischen der Notwendigkeit, mehr Soldaten an die Front zu schicken und die Stimmung im Land nicht kippen zu lassen.
Die brutalen Zwangsrekrutierungen in der Ukraine, die schon seit weit mehr als einem Jahr zu tausenden in Videos in sozialen Netzwerken dokumentiert sind, sorgen für immer mehr Widerstand in der ukrainischen Gesellschaft. Rekrutierer werden auf offener Straße verprügelt, Menschenmengen befreien Zwangsrekrutierte, Rekrutierungszentren werden angezündet und Ukrainer geben der russischen Armee sogar deren Adressen weiter, damit Russland die Zentren bombardiert.
All das bringt Kiew in eine Zwickmühle, denn um die Verluste an der Front auszugleichen, müsste es die Rekrutierungen eigentlich verschärfen, aber das könnte die Stimmung im Land endgültig gegen den Krieg und die Regierung kippen lassen. Um die Details dieses Dilemmas geht es in einem Artikel, der in der TASS erschienen ist und den ich übersetzt habe.
Beginn der Übersetzung:
Eine zweite Front: Kann der Widerstand der Ukrainer die Mobilmachung vereiteln?
Aleksej Albu über Anzeichen für einen Zusammenbruch der Front der ukrainischen Streitkräfte und die von Kiew ergriffenen Notfallmaßnahmen
Die Nachrichten aus der Ukraine schockieren weiterhin alle, die die Lage in diesem Land verfolgen. Die Schikanierung der Eingezogenen in den Ausbildungszentren, die, gelinde gesagt, herablassende Haltung der Kommandeure der ukrainischen Streitkräfte gegenüber den Soldaten und die hohe Sterblichkeitsrate sind zu einer schrecklichen Normalität geworden, bleiben aber nicht unbemerkt. Das führt zunehmend zu Widerstand seitens der ukrainischen Gesellschaft selbst.
Widerstand und Ausreise
Die Menschen setzen sowohl Schusswaffen ein, die in der Zivilbevölkerung heute weit verbreitet sind, als auch improvisierte Mittel wie Äxte und Schaufeln. Die Territoriale Rekrutierungszentren werden in Brand gesteckt, ihre Mitarbeiter bei der Arbeit und sogar in ihren eigenen Autos in die Luft gesprengt. Ich beschönige diese Taten nicht, aber im Grunde genommen kämpfen die Menschen so gut sie können, um ihr Leben oder rächen ihre Angehörigen.
Auch die Welle derer, die das eigene Land verlassen wollen, reißt nicht ab. So stieg die Zahl der Asylanträge von Ukrainern in der EU im ersten Halbjahr 2025. Die Zahl der Anträge erreichte mit 15.172 einen neuen Höchststand seit 2023, berichtete die Asylagentur der Europäischen Union (EUAA).
Gleichzeitig wurden laut Angaben der Generalstaatsanwaltschaft der Ukraine von 2022 bis Juli 2025 über 200.000 Verfahren wegen unerlaubten Verlassens der Einheit (§ 407) und über 50.000 wegen Desertion (§ 408) eingeleitet.
Und das sind nur die offiziellen Zahlen.
Je intensiver die Mobilisierung, desto näher rückt ihr Ende
Angesichts massenhafter Desertionen und Misserfolgen an der Front sah sich die ukrainische Regierung mit einer Situation konfrontiert, in der sie einerseits ihre Mobilimachungsmaßnahmen verstärken musste, um die Lücken an der Front zu schließen. Andererseits führt das zu wachsender Unzufriedenheit und Widerstand in der Bevölkerung, Kriegsmüdigkeit und einer Massenflucht aus dem Land.
Je mehr Menschen eingezogen werden, desto geringer ist das verbleibende Potenzial. Schließlich ist es unmöglich, ewig aus diesem „Brunnen“ zu trinken. Und den neuesten Nachrichten zufolge ist die Mobilisierungsgrenze fast erreicht.
Der Klassencharakter der Mobilmachung
Es ist kein Geheimnis, dass in der ukrainischen Armee zwei Kategorien von Menschen kämpfen: diejenigen, die sich in den territorialen Rekrutierungszentren nicht freikaufen konnten, also arme Menschen, vor allem aus Dörfern, und diejenigen, die im Krieg Geld verdienen. Wenn ich von der Obergrenze der Ressourcen für die Mobilmachung oder den dabei erreichten Grenzen spreche, meine ich damit nicht, dass der Ukraine die Bevölkerung ausgeht, sondern dass der Teil davon, den die Regierung noch in den Tod kann, knapp wird.
Schließlich sind ukrainische (und nicht nur ukrainische) Urlaubsorte überfüllt mit gut gekleideten und nicht allzu alten Ukrainern, die theoretisch an den Kampfhandlungen teilnehmen könnten. Doch das wird nie passieren. Jeder von ihnen hat einen “triftigen Grund”, nicht zu Kanonenfutter zu werden.
Das Tempo der Mobilmachung ist niedriger als die Verluste: Es gibt keine durchgehende Verteidigungslinie mehr
Bereits im Juli 2025 berichteten ukrainische Medien unter Berufung auf Soldaten der ukrainischen Streitkräfte, dass der Mangel an Personal dazu geführt habe, dass die Verteidigungslinie nicht mehr durchgehend sei. Nach Angaben der ukrainischen Soldaten führt das dazu, dass russische Soldaten häufiger in ihren Rücken vordringen, was es schwieriger macht, die Kampfpositionen zu halten.
Das Problem des Personalmangels in den ukrainischen Streitkräften wird durch den Telegram-Kanal Shot bestätigt, der unter Berufung auf „gehackte Dokumente eines Offiziers der ukrainischen Streitkräfte“ von der dringenden Einberufung von rund 122.000 Menschen berichtet. Diese Meldung wurde nicht offiziell bestätigt (ähnliche Leaks mit dem Vermerk „Hacker” haben bereits mehrfach Fragen aufgeworfen), jedoch gibt es in der Ukraine tatsächlich einen Trend zur Verschärfung der Mobilmachung. Am 2. September erklärte Pawel Palissa, der stellvertretende Büroleiter von Wladimir Selensky, direkt, dass die allgemeine Mobilmachung „auch im Falle eines Waffenstillstands“ fortgesetzt werde.
Die Verschärfung der Einberufungsmaßnahmen und die Unmöglichkeit, selbst an strategisch wichtigen Frontabschnitten eine durchgehende Verteidigung zu organisieren, deuten darauf hin, dass die Ukraine ernsthafte Probleme hat. Sollte sich der Trend zu verstärkter Mobilmachung fortsetzen, wird Kiew bald an die Grenze seiner Ressourcen zur Mobilmachung stoßen.
Die Qualität der Rekruten: Beschleunigte Ausbildung und mangelnde Motivation
Bei der Rekrutierung von Soldaten stellen sich die Fragen „Wer wird ausgebildet und wie?“
Ukrainische und westliche Medien stellten fest, dass Schnellkurse, überlastete Ausbildungsstätten und Managementfehler die Qualität und Motivation der Soldaten beeinträchtigen. Gleichzeitig intensivieren die Verbündeten des Kiewer Regimes ihre militärischen Ausbildungsprogramme (die Operation Interflex in Großbritannien wurde verlängert und intensiviert). Diese Methode könnte das Problem der letzten Jahre zwar lösen, aber sicher nicht sofort
Wird das Ausland helfen? Nicht unbedingt
Angesichts der ins Stocken geratenen Mobilmachung versucht man, die Lücken mit Hilfe von Ausländern zu schließen.
In den letzten Jahren haben sich viele Soldaten aus anderen Ländern, in denen die Gehälter der Armee deutlich niedriger sind, der Fremdenlegion angeschlossen, die Teil der ukrainischen Bodentruppen ist. Associated Press berichtete beispielsweise offen über Hunderte von Kolumbianern, deren Gehälter in der Ukraine um ein Vielfaches höher sind als zu Hause.
Obwohl ausländische Söldner an den Kampfhandlungen teilnehmen, lässt sich das Problem des Personalmangels allein durch die Anwerbung von „Glücksrittern“ definitiv nicht lösen. Auch Fälle von Todesfällen unter Ausländern wurden in den weltweiten Medien regelmäßig dokumentiert. Diese Methode ist also kein Allheilmittel.
„Vorwärts, Richtung Westen“
Vor diesem Hintergrund setzt die russische Armee ihre Offensive erfolgreich fort. Im Sommer durchbrachen die russischen Streitkräfte die Verteidigungsanlagen des Gegners im Abschnitt Donezk aktiv. Im August wurde in der Region Dobropolje (nördlich von Pokrowsk) ein heftiger Durchbruch verzeichnet. Das zwang Kiew zur Verlegung von Reserven.
Die Offensiven dauern fast entlang der gesamten Frontlinie an, die durchschnittliche monatliche Vormarschrate beträgt 600 bis 700 Quadratkilometer, so der russische Generalstabschef Walerij Gerassimow.
Der Widerstand muss organisiert sein
Sollte es der Ukraine in den kommenden Monaten nicht gelingen, das Mobilmachungsproblem zu lösen, wird die Front zerbröckeln.
Es gibt zwei Möglichkeiten, das Problem zu lösen: Entweder die Ukrainer zu fassen, die sich noch gut versteckt halten, oder die lokalen Eliten einzuziehen. Den zweiten Weg wird die ukrainische Regierung niemals einschlagen. Das bedeutet, dass sich das Mobilmachungschaos verschärfen wird.
Der Widerstand in der Ukraine ist zwar aktiv, aber desorganisiert und daher wirkungslos. Meiner Meinung nach wäre es durchaus möglich, dass die ukrainische Regierung in den nächsten Monaten gestürzt wird, wenn es gelänge, die unzufriedenen, kampfbereiten Bürger zusammenzubringen und zu organisieren, aber der spontane Charakter des Widerstands bringt die Menschen oft einfach hinter Gitter. Dem Kiewer Regime ist es gelungen, ein organisiertes System der Unterdrückung und Kontrolle aufzubauen.
Dennoch lässt das Ausmaß des Widerstands, mit dem Kiew konfrontiert ist, darauf schließen, dass die ukrainische Gesellschaft als Ganzes nicht für unverständliche Werte und eindeutig nachteilige Ziele sterben will, und dass es in Zukunft nur noch schwieriger werden wird, Mobilmachungsmaßnahmen durchzuführen.
Ende der Übersetzung
Kommentare werden geladen...