In Georgien findet derzeit der Versuch eines „Maidan 2.0“, also einer Farbrevolution, statt und die westlichen Medien gehen nach dem üblichen Schema vor. Sie verschweigen alle Provokationen und die Gewalt von Seiten der Demonstranten und berichten stattdessen über (angebliche) exzessive Polizeigewalt. Das Drehbuch für Farbrevolutionen ist seit 20 Jahren, sowohl was das Verhalten der Protestler als auch was das Verhalten der westlichen Medien angeht, unverändert und war unschwer vorherzusagen.

Hier will ich erzählen, was ich aus erster Hand die Polizeigewalt in Georgien und den Umgang der georgischen Polizei damit weiß.

Dominik Reichert war von Anfang an dabei

Dominik Reichert, mein Ko-Moderator bei Anti-Spiegel-TV, war seit Beginn der Demonstrationen vor Ort und hat, was die Aufgabe eines guten investigativen Journalisten ist, sozusagen undercover gearbeitet. Um aus erster Hand zu erfahren, was dort vor sich geht, hat er sich als deutscher Journalist ausgegeben, der grundsätzlich Verständnis für die Forderungen der Demonstranten hat.

Alles andere war unmöglich, weil die Stimmung dort gegenüber regierungstreuen oder gar russischen Journalisten aggressiv ist. Daher hat er verschwiegen, dass er früher Nachrichtenmoderator bei RT war, denn dann hätte er von dort nicht berichten können. Aus diesem Grunde hat er übrigens vorübergehend auch seine Kanäle auf Telegram und X unsichtbar gemacht, um nicht erkannt zu werden.

So hat Dominik das Vertrauen der Opposition gewonnen und konnte auch mit führenden Oppositionellen und Organisatoren von den NGOs sprechen, die einen Teil der Proteste organisiert haben.

Dominik Reichert wurde von der Polizei angeschossen

Als die Proteste am 28. November eskaliert sind, weil die Demonstranten offen gewalttätig gegenüber der Polizei wurden und versuchten, gewaltsam in das Parlament einzudringen, war Dominik die ganze Nacht vorne dabei und hat alles journalistisch dokumentiert. Dabei wurde er bekanntlich angeschossen. Ein Gummigeschoss hat ihn am Kopf getroffen, er kam ins Krankenhaus und musste mit einer Schädelfraktur notoperiert werden.

Und nun kommt das Interessante: Im Krankenhaus tauchte sofort ein Polizist auf und während die Ärzte noch davon ausgingen, Dominik habe nur eine Platzwunde, hat der Polizist Dominik befragt. Dabei hat den Polizisten aber nicht so sehr interessiert, was Dominik auf der gewalttätigen Demo gemacht hat, sondern ob er etwas darüber sagen, wer ihn warum angeschossen hat. Alles wurde protokolliert, die Fotos des aufgenommenen Protokolls hat Dominik mir geschickt.

Der Polizist war von der Abteilung, die gegen Polizisten wegen Polizeigewalt ermittelt. Auch zu jedem anderen Oppositionellen, der verletzt im Krankenhaus lag, kam ein Polizist von der Abteilung und hat die Betroffenen befragt. Die georgische Polizei verfolgt Fälle von Polizeigewalt offensichtlich sehr energisch.

Auch nach der Notoperation hat die Abteilung der Polizei Dominik noch mehrmals angerufen, um zu fragen, wann er aus dem Krankenhaus entlassen wird und seine Aussage bei der Polizei machen kann. Außerdem kamen laut Dominik zu den Verletzten ständig Anwälte, die offenbar von den Behörden bezahlt werden, und haben den Betroffenen juristischen Beistand im Falle von Klagen gegen die Polizisten angeboten

Ich frage mich gerade, ob das in Deutschland auch so ist. Kommen da auch zu wirklich jedem, der bei einer Demo von Polizisten verletzt wurde, Polizeibeamte, deren Job es ist, gegen gewalttätige Polizisten zu ermitteln? Und bezahlt der deutsche Staat den Betroffenen auch noch einen Anwalt für Klagen gegen die Polizisten?

Von gezielter und „von oben“ angeordneter Polizeigewalt kann in Georgien offenbar überhaupt keine Rede sein.

Disclaimer

Ich habe diesen Artikel vor der Veröffentlichung an Dominik geschickt, um sicherzugehen, dass ich alles genau so berichtet habe, wie er es erlebt hat. Dominik hat den Artikel abgesegnet.

Die Opposition hatte sich anscheinend schon gefreut, dass einer der ersten Verletzten ein deutscher Journalist war, und auf eine nette Medienkampagne im Westen nach dem Motto „die brutale georgische Polizei schießt deutschen Journalisten an“ gehofft. Die ist allerdings ausgeblieben, obwohl die ARD Dominik im Krankenhaus interviewt hat.

Da er deren Fragen wahrheitsgemäß und neutral beantwortet hat, ohne die georgische Polizei zu verteufeln, wurde Dominik – im Gegensatz zu seinem Zimmergenossen, der brav von brutaler georgischer Polizei erzählt hat – im Bericht der ARD nicht einmal erwähnt.

Eigentlich wollte ich diesen Artikel schon vor einigen Tagen schreiben, aber wir haben damit gewartet, bis Dominik aus Georgien ausgereist ist. Der Grund ist, dass die „friedlichen und demokratischen“ oppositionellen NGOs, nachdem bekannt wurde, dass Dominik ihre Revolution nicht von ganzem Herzen unterstützt, im Netz Drohungen gegen ihn veröffentlicht und ihm in privaten Chats auch Morddrohungen geschickt haben. Also haben wir mit weiteren Veröffentlichungen gewartet, bis er aus dem Land ausgereist ist.