Putin über ein mögliches Ende des Ukraine-Konfliktes
Letzte Woche hat Putin sich, wie am Ende eines jeden Jahres, über vier Stunden den Fragen von Journalisten und russischen Bürgern gestellt. Das beherrschende Thema war die russische Innenpolitik, aber auch zur Ukraine und einem möglichen Kriegsende hat Putin sich geäußert.
Der russische Präsident Putin stellt sich normalerweise einmal im Jahr in einer langen Fragerunde den Fragen der russischen Bürger und am Jahresende gibt Putin normalerweise eine sehr lange Pressekonferenz. In diesem Jahr wurden beide Ereignisse zusammengelegt und letzten Donnerstag stellte Putin sich viereinhalb Stunden lang Fragen zu allen möglichen Themen, wobei Fragen der russischen Innen- und Wirtschaftspolitik dominiert haben. Aber natürlich kamen auch internationale Themen zur Sprache.
Da ich die viereinhalb Stunden natürlich nicht übersetzen kann (und wahrscheinlich würde auch kaum jemand so einen langen Text lesen), habe ich übersetzt, wie das russische Fernsehen am Sonntagabend in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick über Putins Aussagen, wie ein Ende des Ukraine-Konfliktes aus russischer Sicht realistisch wäre, berichtet hat.
Beginn der Übersetzung:
„Jahresrückblick mit Wladimir Putin“ war der Titel der Kombination von Pressekonferenz und der „Direkten Linie“, die am Donnerstag dieser Woche die Aufmerksamkeit der Welt geweckt har. Viereinhalb Stunden Fragen und Antworten, die landesweit live übertragen wurden.
Die prinzipielle Position: Putin will Frieden, aber er ist dabei nicht bereit, die Feindseligkeiten einzustellen. Das ist kein Widerspruch. Und für diejenigen, die darauf bestehen, jetzt plötzlich und einfach aufzuhören, hat er alles im Detail erklärt:
„Können wir die Feindseligkeiten jetzt einstellen? Verstehen Sie, was los ist. Ich habe es schon gesagt, was los ist: Die ukrainischen Streitkräfte erschöpfen ihre Waffen, ihre Ausrüstung, ihre Munition, ihre Munition und vor allem ihr Personal.“
Die Erschöpfung des Gegners. Das ist ein Schlüsselbegriff und es ist wichtig, dass dieser Prozess kontinuierlich ist. Bis zum vollständigen Zusammenbruch. Erschöpfung des Personals, Erschöpfung der Munition und der Ausrüstung. Bis zum kritischen Punkt. Der Westen hat das erkannt. Nehmen wir zum Beispiel das modernste amerikanische Patriot-Luftabwehrsystem. Es ist teuer und man kann die an Kiew gelieferten Systeme buchstäblich an den Fingern abzählen. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Weltwirtschaft in Kiel haben Deutschland und die USA bis zum 31. Oktober 2024 jeweils drei Patriot-Luftabwehrbatterien geliefert, Rumänien eine. Insgesamt sind es sieben. Wir zerstören sie langsam mit unseren Kinzhals und Iskander.
Das amerikanische Military Watch Magazine gab zu: „Am 15. Dezember wurde bestätigt, dass die russischen Streitkräfte eine AN/MPQ-65-Radarstation und vier Abschussvorrichtungen für Boden-Luft-Raketen des amerikanischen MIM-104 Patriot-Langstrecken-Luftabwehrsystems im Dienst der ukrainischen Luftwaffe zerstört haben.“
Als Nächstes können wir uns Bilder von anderen bestätigten Zerstörungen ansehen. Der erste Treffer einer Patriot in der Nähe von Kiew erfolgte am 17. Mai letzten Jahres. Er wurde von einer Hyperschall-Kinzhal eines MiG-31K-Kampfjets getroffen.
Am 9. März traf eine Iskander-M eine Patriot, die in dem Dorf Sergejewka in der Region Donezk stationiert war.
Das Military Watch Magazine schreibt: „Später, in der zweiten Juliwoche, zeigten Aufnahmen die Zerstörung von zwei Patriot-Batterien in der Nähe der Siedlung Juschnoje in der Region Odessa.“
Mitte August bekam eine weitere Patriot-Batterie an einem nicht näher bezeichneten Ort einen Treffer. Auch seine AN/MPQ-65-Radarstation wurde beschädigt.
Das Military Watch Magazine schreibt: „Weniger als eine Woche später tauchten Aufnahmen von einem Iskander-M-Raketenangriff mit Streumunition auf drei weitere Batterien auf.“
Das Military Watch Magazine kommt daher zu dem enttäuschenden Schluss: „Die Patriot ist zweifellos das wertvollste militärische Mittel im Besitz der Ukraine, aber die Abnutzungsrate ist extrem hoch und es gibt in der westlichen Welt keine nennenswerten Reserven, so dass die Fähigkeit der strategischen NATO-Partner Kiews, die Verluste auszugleichen, äußerst begrenzt ist.“
Dies ist nur ein Beispiel anhand der Patriot-Systeme. Bei Panzern, Flugzeugen und anderen schwerer Waffen sieht es ähnlich aus: sie sind erschöpft.
Kommen wir zu Putin zurück, der sagte:
„Was sehen wir heute wirklich auf dem Schlachtfeld? Unsere Armee rückt vor und der Gegner kann in den Stellungen, in die er sich an einem bestimmten Tag, zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezogen hat, nicht mehr festsetzen. Er hat sich organisiert zurückgezogen, aber er kann sich dort nicht festsetzen, denn unsere Junge rücken morgen wieder vor, und so weiter, und so weiter, und so weiter.“
Hier kann man auf das Beispiel der ukrainischen Brigade „Anna von Kiew“ verweisen, die drei Monate lang in der Champagne in Frankreich ausgebildet wurde. Die Franzosen haben sie vollständig bewaffnet und erst kürzlich wurde sie in der Nähe von Pokrowskoje in die Schlacht geworfen. Sie sind weggelaufen, mehr als tausend Männer sind desertierten. Jetzt erklären sie, dass die, die weggelaufen sind, nicht die waren, die in Frankreich ausgebildet worden sind, sondern die, die durch Zwangsmobilisierung hinzugefügt wurden.
Aber was macht das für einen Unterschied? Die Brigade „Anna von Kiew“ gibt es nicht. Die ukrainische Abgeordnete Marjana Besuglaja sieht die Brigade „Anna von Kiew“ so: „Jetzt wird diese Brigade in der Ukraine buchstäblich für Spenderorgane, für den Bedarf und die Stärkung anderer Brigaden auseinander genommen.“
Es wundert mich überhaupt nicht, dass die in Frankreich ausgebildeten Kämpfer weggelaufen sind, schließlich waren die Bilder der Ausbildung profan, die Schützengräben waren nur bis zur Hüfte ausgehoben, sie trainierten auf gepflegten Rasenflächen mit malerisch angeordneten Bäumen, vierrädrige gepanzerte Kampffahrzeuge im Retrostilfuhren auf glattem Asphalt vor, es wurde zaghaft unter klarem blauem Himmel geschossen, wo keine einzige Drohne zu sehen war. Das war ein bisschen gestellt, ganz in Macrons Stil. Und Macron selbst, der so gerne mit harten Männern posiert, erklärte ganz stolz: „Ich habe die Verpflichtung übernommen, dass unser Militär derzeit 2.300 ukrainische Soldaten in der Region Grand Est ausbildet und ihnen Ausrüstung zur Verfügung stellt, die sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben verwenden werden. Die Brigade Anna von Kiew wird dank der französischen Unterstützung ausgebildet und ausgerüstet.“
Falls es jemand nicht weiß: Anna von Kiew ist Anna Jaroslawna, die jüngste Tochter von Fürst Jaroslaw dem Weisen, die im 11. Jahrhundert mit dem französischen König Heinrich I. verheiratet war und schließlich selbst Königin von Frankreich wurde. Seitdem wurde sie in westlichen Quellen jahrhundertelang als Anna von Russland, auf Französisch als Anne de Russie und auf Englisch als Anne of Russia bezeichnet. Ihr Sohn, König Philipp I. von Frankreich, wurde Erbe des französischen Throns. Doch der Name Anna von Russland klingt für die heutigen ukrainischen Nazis unerträglich und erst kürzlich hat der Westen Anna von Russland auf Vorschlag Kiews in Anna von Kiew umbenannt, und nun wurde eine Einheit der ukrainischen Streitkräfte auf diesen Namen getauft. Es gibt diese Einheit jedoch nicht mehr.
Putin meinte offensichtlich dieses Beispiel, als er sagte:
„Selbst die, die in westlichen Ländern ausgebildet werden, kommen nicht an die sowjetische Schule heran, denn diejenigen, die sie ausbilden, haben noch nie in einem Krieg gekämpft, sie können selbst nichts. Was bringen die denen bei?“
Wir hören also nicht auf und die Front bewegt sich in die richtige Richtung. Putin sagte dazu:
„Eine Woche aufzuhören bedeutet, dem Gegner die Möglichkeit zu geben, sich in diesen Stellungen festzusetzen, ihm eine Pause zu gönnen und die notwendige Ausrüstung und Munition zu beschaffen. Was auch aus Sicht der Ausbildung sehr wichtig ist, denn das gibt Möglichkeiten. Nicht wie heute: Sie sammeln die Leute, wie ich im Verteidigungsministerium sagte, auf der Straße ein wie streunende Hunde. Aber streunende Hunde werden zumindest in Hotels für Streuner gebracht und dann versucht man, sie Familien für sie zu finden, während die sie einfach vor die Kugeln werfen.“
Putin erklärt seine Logik immer wieder und wiederholt, um sie zu untermauern:
„Eine lange Periode relativer Waffenruhe gibt dem Gegner die Möglichkeit für Ausbildung, Vorbereitung und Verstärkung des Personals. Einige Bataillone der ukrainischen Armee haben 35 Prozent, 40 Prozent Personalstärke. Da ist ein Bataillon, aber ohne Personal. Wollen Sie ihnen die Chance geben, sich umzugruppieren?“
Nein, das wollen wir nicht. Eben weil wir den Frieden wollen, um des Friedens willen. Obwohl Putin aus humanitären Gründen trotzdem zu einer sehr kurzen Aussetzung der Feindseligkeiten bereit ist, zum Beispiel zu Weihnachten. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat diese Initiative vorgeschlagen und Putin hat dazu gesagt:
„Er hat auch eine Weihnachtswaffenruhe und einen Gefangenenaustausch vorgeschlagen. Ich habe nichts abgelehnt, ich habe gesagt, im Prinzip können wir darüber nachdenken, fragen Sie die andere Seite. Er hat gefragt. Und am nächsten Tag sagte der Chef des Regimes, dass es keinen Waffenstillstand und keinen Gefangenenaustausch geben wird.“
Das heißt, es war nicht Putin, nicht Putin hat sich geweigert, sondern Selensky, der die Weihnachtswaffenruhe verweigert hat. Aber insgesamt hat sich der Standpunkt nicht geändert, wie Putin sagte:
„Wir wollen keinen Waffenstillstand, wir wollen Frieden: langfristig, dauerhaft und mit Garantien für Russland und seine Bürger. Es ist eine schwierige Frage, wie diese Garantien sichern kann, aber insgesamt kann man danach suchen.“
Die Suche wird in jedem Fall in Verhandlungen erfolgen. Der illegitime Selensky kann hier nicht der Partner sein. Soll er weiter in dem Bunker sitzen, in den er nach „Oreschnik“ umgezogen ist. Die Werchowna Rada ist noch legitim, aber warum mit ihr reden? Der Krieg läuft jetzt nicht mit der Ukraine, sondern mit den USA und der NATO in der Ukraine. In jedem Fall müssen sich also Putin und Trump einigen. Trump hat seine Position noch nicht gebildet.
Putin hingegen ist zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen bereit, wie er sagte:
„Wir haben keine Vorbedingungen. Wir sind bereit für einen Dialog ohne Vorbedingungen, aber auf der Grundlage dessen, worauf wir uns geeinigt haben, das habe ich schon hundertmal gesagt, während des Verhandlungsprozesses in Istanbul Ende 2022 und auf der Grundlage der heutigen Realitäten vor Ort.“
Das ist verständlich – Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Nun zu den Parametern des Friedens selbst. Putin wiederholte sie noch einmal:
„Unsere Thesen wurden dargelegt, auch in meiner Juni-Rede vor der Führung des russischen Außenministeriums. Dort wurde alles gesagt.“
Das wurde im Juni gesagt. Wenn er sich darauf beruft, bedeutet das, dass der Vorschlag immer noch aktuell ist. Erinnern wir uns an die fünf Punkte.
Erstens: Der vollständige Rückzug der Truppen des Kiewer Regimes aus den vier Regionen – der Volksrepublik Lugansk, der Volksrepublik Donezk und den Regionen Cherson und Saporoschje – innerhalb ihrer Verwaltungsgrenzen.
Zweitens: Der neutrale und bündnisfreie Status der Ukraine, ihre Entmilitarisierung und Entnazifizierung.
Drittens: Die Sicherung der Rechte, Freiheiten und Interessen der russischsprachigen Bevölkerung in der Ukraine.
Viertens: Anerkennung der territorialen Realitäten – des Status der Krim, Sewastopols und unserer neuen Regionen – als Subjekte der Russischen Föderation.
Fünftens: Aufhebung aller westlichen Sanktionen gegen Russland.
Zu all diesen Fragen müssen grundlegende internationale Vereinbarungen getroffen werden, so einfach ist das. Russland will Frieden, einen Frieden, der unseren nationalen Interessen berücksichtigt. Kein Druck wird wirken. Unsere Armee ist die stärkste der Welt, wie Putin selbstbewusst sagte:
„Die Ausbildung, die Kampfbereitschaft und der innere Zustand der russischen Truppen sind so gut wie bei keiner anderen Armee der Welt. Deshalb glaube ich, dass sich Russland weitgehend in dem Zustand befindet, den wir erreichen wollten. Es ist stärker geworden, es ist ein wirklich souveränes Land geworden, und wir werden unsere Entscheidungen treffen, ohne auf die Meinung anderer zu schauen, wir werden uns nur von unseren nationalen Interessen leiten lassen.“
Klarer kann die Position nicht sein. Sie wird durch Russlands Fähigkeiten und die reale militärische Lage bestätigt.
Und dass Langstreckenraketen und aus der Ukraine in unsere Richtung abgeschossen werden – die jüngsten Beispiele sind Rylsk in der Region Kursk, wo fünf Menschen getötet wurden, und Kasan, wo es glücklicherweise keine Opfer gab -, ist nur ohnmächtige Wut. Das ändert überhaupt nichts an der Dynamik an der Front.
Ende der Übersetzung
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