Vom FBI veröffentlichtes Dokument belegt offenbar Verwicklung Saudi-Arabiens in die Anschläge
Das erste nun vom FBI veröffentlichte, bisher geheime Dokument über die Verbindungen von Saudi-Arabien in die Anschläge von 9/11 zeigt eine sehr enge Verbindung saudischer Beamte zu den Attentätern, die Medien berichten aber nicht darüber.
Nach massiven Protesten der Hinterbliebenen der Anschläge vom Septemer 2001 hat US-Präsident Biden das FBI angewiesen, noch einmal zu prüfen, welche bisher geheimen Dokumente nun veröffentlicht werden können. Schon das erste vor wenigen Tagen veröffentlichte Dokument enthält Sprengstoff, der aber in den Medienberichten nicht erwähnt wird.
Was das Dokument aussagt
In dem Dokument, das über weite Stecken geschwärzt ist, wird mitgeteilt, dass ein offensichtlich hochrangiger Vertreter Saudi-Arabiens in engem Kontakt mit einigen der Attentäter von 9/11 war und diese auch finanziell und organisatorisch unterstützt hat. In dem Dokument wird der Mann als BAYOUMI bezeichnet, der ein saudischer Staatsbürger sei,
„der im saudischen Konsulat mit großem Respekt behandelt wurde und bei dem Konsulatspersonal sehr angesehen war, der einen „sehr hohen Status“ innehatte, wenn er das Gebäude betrat.“
In dem Dokument geht es ausführlich um die Kontakte, die Bayoumi zu den als HAZMI und MIDHAR bezeichneten Attentätern Nawaf al-Hazmi und Khalid al-Mihdhar hatte. Bayoumi hat sie demnach finanziell und organisatorisch unterstützt. Außerdem habe Bayoumi das saudische Konsulat in Los Angeles nur eine Stunde vor einem Treffen mit den beiden Attentätern besucht und dort mit einer Person gesprochen, deren Name in dem Dokument geschwärzt ist. Auch Telefonate von Bayoumi mit später in Guantánamo inhaftierten mutmaßlichen Terroristen sind dokumentiert.
Das sind nur Beispiele für die in dem FBI-Dokument genannten Verbindungen von Bayoumi zu Terroristen. Bayoumi selbst wurde demnach übrigens vom FBI befragt und hat seine Kontakte zu den Attentätern bestätigt, nur verhaftet wurde er nie.
Die Rolle des saudischen Staates
Bayoumi sei als Student in die USA gekommen und habe bei einer saudischen Fluggesellschaft namens Dallah Avco gearbeitet, wie wir weiter erfahren. Zeugen bei Avco, die das FBI interviewt hat, sagten allerdings aus:
„Was die Anstellung von BAYOUMI betrifft, beschreiben Zeugen bei AVCO BAYOUMI als einen „Geisterangestellten“, eine von etwa fünfzig solchen Personen, die von der Firma bezahlt wurden, aber nicht zur Arbeit erschienen.“
Dallah Avco ist eine Fluggesellschaft, die offenbar nur zwei Flugzeuge hat und enge Verbindungen zum saudischen Verteidigungsministerium haben soll. Gegründet wurde die Fluggesellschaft von dem saudischen Milliardär Saleh Abdullah Kamel, der aber anscheinend später in Ungnade fiel, denn er wurde 2017 wegen Korruption verhaftet. Befragen kann man ihn nicht mehr, denn er ist 2020 im Alter von 79 Jahren verstorben.
In jedem Fall ist es äußerst verdächtig, dass eine saudische Fluggesellschaft mit nur zwei Flugzeugen in den USA so viele Angestellte hat, dass 50 davon als Geisterangestellte gelten, die zwar Geld bekommen, aber nicht zur Arbeit kommen.
Solche Konstrukte sind bei Geheimdiensten beliebt, denn man kann einem Agenten auf diese Weise einen Arbeitsplatz als Tarnung geben, er kann sich aber um seine Agententätigkeit kümmern. Daher ist die Verbindung von Dallah Avco zum saudischen Verteidigungsministerium auch so interessant, denn dass Verteidigungsministerium in jedem Land der Welt und Geheimdienst Hand in Hand arbeiten, ist kein Geheimnis.
Wenn man dann noch dazu nimmt, dass dieser angeblich bei einer kleinen Fluggesellschaft arbeitende Mann im saudischen Konsulat wie ein hohes Tier behandelt wurde, dann muss man eins und eins nicht einmal mehr zusammenzählen. Offensichtlich hatte hier ein saudischer Agent nicht nur engen Kontakt zu den Attentätern von 9/11 und zu anderen islamistischen Terroristen, er hat sie sogar finanziell und organisatorisch unterstützt.
Das alles ist längst bekannt
Was die Medien nun als endlich freigegebenes FBI-Dokument feiern und die angebliche Offenheit von Biden feiern, enthält in der Sache jedoch nichts Neues. Schon 2014 haben Dokumente zu 9/11 Schlagzeilen gemacht, weil darin immer dann alles geschwärzt war, wenn es um die Verbindungen Saudi-Arabiens zu den Attentätern und um deren finanzielle Unterstützung durch Saudi-Arabien ging. Damals konnte man zum Beispiel bei Forbes lesen:
„Um das Argument zu untermauern, dass es in diesem Fall um US-Kläger geht, die wegen auf US-Boden begangener Delikte klagen, führen die Anwälte eine Reihe verdächtiger Kontakte zwischen saudischen Agenten und Al-Qaida an, darunter auch Omar Bayoumi, der angeblich einen Nichtstun-Job bei einer saudischen Luftfahrtfirma namens Dallah Avco innehatte und die Flugzeugentführer vom 11. September in San Diego unterstützte. (…) Die Anwälte beschuldigen Bayoumi, mit Islamic Affairs zusammengearbeitet zu haben, um die Flugzeugentführer Nawaf al Hazmi und Khalid al Mihdhar nach ihrer Ankunft in Los Angeles im Jahr 2000 zu unterstützen. Bayoumi lebte in San Diego mit einem monatlichen Stipendium von 3.000 Dollar, das von Dallah Avco gezahlt wurde, einer Firma, die einem wohlhabenden saudischen Al-Qaida-Unterstützer gehörte, aber Dallah Avco hat behauptet, Bayoumi sei in Wirklichkeit die ganze Zeit ein Angestellter der saudischen Regierung gewesen.“
Das nun so spektakulär freigegebene FBI-Dokument bestätigt im Grunde nur, was seit 2014 bekannt ist. Es ist kalter Kaffee und die seit Jahren bekannten Informationen hatten auch früher keinerlei Konsequenzen.
Ganz offenbar hat der saudische Staat den Attentätern über (mindestens) einen Agenten geholfen, der offiziell für einen saudischen Milliardär gearbeitet hat, der wiederum als Unterstützer von Al-Qaida galt. Und all das ist auf amerikanischem Boden geschehen, wobei man davon ausgehen muss, dass die US-Geheimdienste genau wussten, dass es bei Avco „Geisterangestellte“ gab, die ganz offensichtlich saudische Geheimagenten waren.
Auch der saudische Milliardär, über den das gelaufen ist, wurde nie wegen Unterstützung der Al-Qaida angeklagt und die USA haben keine Sanktionen gegen ihn verhängt. Und das FBI hat Bayoumi sogar verhört, wobei er die Kontakte zu den Attentätern freimütig bestätigt hat, wie man in dem FBI-Dokument lesen kann. Verhaftet wurde er aber nicht.
Natürlich ist all das kein Beweis für die Beteiligung von Saudi-Arabien an den Anschlägen vom September 2001 und es ist auch kein Beweis dafür, dass die US-Regierung (und/oder die US-Geheimdienste) davon vorher wussten oder gar an 9/11 beteiligt waren. Aber die engen Verbindungen von Bayoumi, der offenbar unter den Augen der US-Geheimdienste für die saudische Regierung gearbeitet hat, zu den Attentätern lässt kaum eine andere Erklärung zu, als dass die saudische Regierung in die Anschläge verwickelt war.
Und was wir ebenfalls wissen – das FBI schreibt es ja selbst -, ist, dass Bayoumi dem FBI gegenüber alles offen zugegeben hat. Er wurde vom FBI aber nicht wegen Unterstützung der Terroristen angeklagt, sondern konnte nach seiner Aussage wieder gehen. Warum lässt das FBI einen Unterstützer der Attentäter von 9/11 gehen, wenn die US-Regierung doch angeblich die Bestrafung solcher Leute fordert und dafür sogar Kriege vom Zaun gebrochen hat?
Die Rolle der Medien: Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!
Es ist faszinierend, was die Medien daraus machen. Sie haben zwar über das Dokument berichtet, aber all diese Informationen, die ich in weniger als 30 Minuten Recherche zusammengetragen habe, ohne allzu tief graben zu müssen, erfährt man in den Medien nicht. Schon die Überschriften sind nichtssagend. Im Spiegel zum Beispiel lautete die Überschrift des Artikels über das freigegebene FBI-Dokument schlicht „Biden-Dekret – FBI veröffentlicht geheim gehaltenes Memo zu 9/11-Ermittlungen“ und der Artikel begann wie folgt:
„Die US-Bundespolizei FBI hat das erste Dokument im Kontext ihrer Ermittlungen zu den Anschlägen am 11. September 2001 und mutmaßlichen Verwicklungen der saudi-arabischen Regierung veröffentlicht. Das FBI befolgte damit eine Anweisung von US-Präsident Joe Biden, von dem Angehörige der Opfer diesen Schritt gefordert hatten. In dem teilweise geschwärzten 16-seitigen Dokument werden Kontakte zwischen den Entführern der vier Passagiermaschinen und saudi-arabischen Beamten skizziert. Es gibt aber keinen Beweis dafür, dass die Regierung in Riad an den Anschlägen beteiligt war, bei denen fast 3000 Menschen getötet wurden.“
Das stimmt, es gibt keinen Beweis für die Beteiligung der saudischen Regierung, aber es gibt eine verdammt dicke Indizienkette. Von der erfährt der Spiegel-Leser aber nichts.
Besonders offensichtlich wird die Desinformation des Spiegel, wenn er in seinem Artikel über eine Erklärung der saudischen Botschaft in den USA schreibt:
„In einer Erklärung vom 8. September hatte sie mitgeteilt, Saudi-Arabien habe sich stets für Transparenz in Bezug auf die Ereignisse am 11. September 2001 eingesetzt und begrüße in diesem Zusammenhang die Freigabe von Verschlusssachen durch die USA.“
Transparenz? Dann könnte die saudische Botschaft doch zum Beispiel fordern, dass das FBI die geschwärzten Namen der saudischen Botschaftsmitarbeiter freigibt, mit denen Bayoumi vor seinen Treffen mit den Attentätern gesprochen hat. Oder Saudi-Arabien könnte sie selbst nennen, wenn das FBI das nicht möchte.
Von Transparenz, für die Saudi-Arabien sich angeblich einsetzt und was der Spiegel brav zitiert, kann also keine Rede sein. Das aber erfährt der Spiegel-Leser natürlich nicht. Erst im letzten Satz des Artikels kann der Spiegel-Leser erraten, dass Saudi-Arabien wohl doch nicht so unschuldig ist, wie es behauptet. Denn im letzten Satz zitiert der Spiegel einen Vertreter der Hinterbliebenen:
„Jetzt sind die Geheimnisse der Saudis aufgedeckt, und es ist längst an der Zeit, dass das Königreich sich der Rolle seiner Beamten bei der Ermordung Tausender auf amerikanischem Boden stellt.“
Aber da der gesamte Spiegel-Artikel keinerlei Hinweis darauf gibt, wie die Hinterbliebenen auf eine solche These kommen, kann der Spiegel-Leser nicht verstehen, was dieser Satz bedeutet. Schließlich, so der Spiegel, gibt es „keinen Beweis dafür, dass die Regierung in Riad an den Anschlägen beteiligt war„
Gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen!
Das zeigt mal wieder:
Spiegel-Leser wissen weniger!
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