Am letzten Wochenende fanden in Abu Dhabi von den USA vermittelte Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine statt. Die Verhandlungen hatte US-Präsident Trump erzwungen, denn Kiew war zunächst gegen direkte Gespräche mit Russland. Anschließend gab es Meldungen über eine vorübergehende Aussetzung der russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur in der Ukraine, der Putin auf Trumps Bitte zugestimmt habe. Wenn man sich die Chronologie der Ereignisse anschaut, wird jedoch klar, dass Selensky wieder schmutzige Tricks versucht hat.

Schauen wir uns das also mal an.

Trump erzwingt direkte Gespräche

Ursprünglich war geplant, dass Selensky mit einer Delegation zum Weltwirtschaftsforum in Davos anreist. Aber als bekannt wurde, dass dort auch eine russische Delegation unter Führung von Chef-Unterhändler Dmitrijew sein würde, um mit den USA zu verhandeln, hat Selensky seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum abgesagt. Als Begründung führte er die Probleme mit der Stromversorgung in der Ukraine an, um die er sich kümmern müsse.

In Davos hielt Trump seine viel beachtete Rede, in der er in einem Nebensatz auch Selensky erwähnte, der vielleicht im Saal sei, weil Trump ihn ja „heute noch“ treffen werde.

Selensky saß jedoch nicht im Saal in Davos, sondern in Kiew, wo nun hektische Aktivität einsetzte und die ukrainische Delegation unter Leitung von Selensky reiste umgehend nach Davos, wo es am folgenden Tag, dem 22. Januar, dann auch zu einem Treffen von Selensky und Trump kam, das für Selensky offensichtlich alles andere als gut verlaufen ist, was man auch an seiner Rede erkennen konnte, die er in Davos hielt und in der er kräftig gegen die Europäer austeilte, von denen er sich offenbar im Stich gelassen fühlte, weil die gerade keine Zeit für die Ukraine hatten, denn sie waren voll und ganz mit dem Streit um Grönland beschäftigt.

Was die USA mit der Ukraine und Russland in Davos besprochen haben, ist nicht schwer zu erraten, denn nach dem Treffen von Trump und Selensky am 22. Januar flogen Trumps Unterhändler Witkoff und Kushner noch am gleichen Abend von Davos nach Moskau, wo sie vom Flugplatz direkt in den Kreml fuhren, vier Stunden mit Präsident Putin redeten, um danach sofort nach Abu Dhabi weiterzufliegen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass schon am nächsten Tag, dem 23. Januar, in Abu Dhabi das erste direkte Treffen der russischen und ukrainischen Delegation stattfinden sollte, wobei die US-Delegation als Vermittler am Tisch saß. Trump muss also enormen Druck auf Selensky gemacht haben, denn der wollte nur zwei Tage zuvor nicht mal nach Davos fahren, wenn dort auch die Russen waren, aber nun war er plötzlich zu direkten Gesprächen mit den Russen bereit.

Was bei den Gesprächen, die am 23. und 24. Januar in Abu Dhabi stattfanden, herausgekommen ist, ist nicht bekannt. Es wurde nur mitgeteilt, dass die Gespräche eine Woche später, am 1. Februar, fortgesetzt werden sollen.

Und nun kommen wir zum interessanten Teil über die Aussetzung der russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur.

Welche Fristen wurden vereinbart?

Am 29. Januar sickerte in Kiew durch, es gäbe einen „Energiewaffenstillstand“ mit Russland, der in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar beginnen und eine Woche, also bis zum 5. Februar, andauern sollte. Selensky verkündete, dieser „Energiewaffenstillstand“ sei ein Ergebnis der Bemühungen von Trump, dem er natürlich dafür dankte. Trump gab danach auch eine Erklärung ab und bestätigte, dass er Putin um eine Aussetzung der Angriffe auf ukrainische Energieanlagen gebeten habe, da es in der Ukraine sehr kalt sei und weil das für die Atmosphäre der anstehenden Gespräche in Abu Dhabi hilfreich sei, und dass Putin dem zugestimmt habe. Danach bestätigte auch Kremlsprecher Peskow, dass Russland die Angriffe auf ukrainische Energieanlagen auf Bitten von Trump ausgesetzt habe.

Allerdings war vollkommen unklar, von wann bis wann dieser „Energiewaffenstillstand“ dauern soll. Im Spiegel hieß es dazu:

„Unklar ist, wie lange das Moratorium gilt: Während Selenskyj von einer Woche sprach, deutete Kreml-Sprecher Dmitri Peskow an, dass das Moratorium am Sonntag enden könnte.“

Dem sind zwei Dinge hinzuzufügen: Erstens hat Trump keine Frist genannt, und zweitens hat Russland schon ab dem 25. Januar keine ukrainischen Energieanlagen mehr angegriffen. Es gibt also offensichtlich einige Unklarheiten bei den Fristen, und da wird es interessant.

Laut dem Kreml war tatsächlich eine einwöchige Pause dieser Angriffe vereinbart, aber vom 25. Januar bis zu den nächsten Gesprächen in Abu Dhabi am 1.Februar.

Von der Vereinbarung wusste die Öffentlichkeit jedoch nichts, was sich erst änderte, als Kiew, dahinter dürfte also Selenskys Büro stecken, am 29. Januar an die Medien durchgestochen hat, es gäbe einen „Energiewaffenstillstand“, der eine Woche lang vom 29. Januar bis zum 5. Februar dauern solle.

Was könnte der Zweck dieses Leaks an die Presse gewesen sein?

Selenskys Trickserei

Die Ukraine fordert schon lange einen „Energiewaffenstillstand“, aber Russland war immer dagegen. Offenbar hat man in Kiew darauf gesetzt, dass dies auch nun wieder der Fall sein würde und daher versucht, die Amerikaner von dieser Notwendigkeit zu überzeugen, in der Hoffnung, Russland würde das ablehnen, was Selensky gegenüber Trump als russischen Unwillen zu Verhandlungen hätte darstellen können.

Aber Putin ist darauf eingegangen, als Trump ihn darum gebeten hat. Nun musste Kiew, das ja gegen direkte Verhandlungen mit Russland war und ist, sich einen neuen Trick ausdenken, um die direkten Gespräche zu sabotieren und die Schuld dabei auf Russland zu schieben.

Offenbar ist man in Selenskys Büro der westlichen Logik gefolgt, Putin wolle kein Zeichen der Schwäche zeigen, und hat gehofft, dass das Durchsickern des „Energiewaffenstillstandes“ Putin dazu provoziert, die Existenz einer solchen geheimen Absprache zu bestreiten und umgehend demonstrativ gegen ukrainische Energieanlagen zuzuschlagen. Das hätte Selensky gegenüber Trump nutzen können, um Trump zu sagen, Putin halte sich nicht an Vereinbarungen und Verhandlungen mit Russland seien daher sinnlos.

Aber Putin hat anders reagiert und sein Pressesprecher hat die Absprache bestätigt und dabei auch die wirkliche Frist verkündet, womit er auch gleich noch Selenskys Versuch, den „Energiewaffenstillstand“ bis zum 5. Februar zu verlängern, ausmanövriert hat. Im Ergebnis steht Russland in Trumps Augen einmal mehr die Seite da, die sich an Absprachen hält, während Selensky einmal mehr gezeigt hat, dass ihm nicht zu trauen ist.

Die nächste Gesprächsrunde in Abu Dhabi soll am 1. Februar stattfinden. Und in derselben Nacht läuft der „Energiewaffenstillstand“ aus. Sollte es dabei nicht zu dem Durchbruch kommen, den Trump erreichen will, könnte Moskau bereits am frühen Morgen des 2. Februar weitere massive Angriffe starten.

Und dass es am 1. Februar zu einem Durchbruch kommt, ist mehr als unwahrscheinlich, schließlich hat Selensky am 30 Januar auch schon erklärt, er sei bei den strittigen Fragen – Gebietsabtretungen im Donbass und Zukunft des AKW Saporoschje – zu keinerlei Kompromissen bereit. Außerdem erklärte Selensky auch, dass er vor einer Friedensregelung oder einem Waffenstillstand zuerst schriftliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine will, was nach jetzigem Stand ebenfalls unrealistisch ist.

Übrigens ist Putins Chef-Unterhändler unterdessen nach Florida gereist, wie er in einem X-Post zeigte. Dort verbringt Trump meist seine Wochenenden, was danach aussieht, dass die USA und Russland ihre Positionen vor dem anstehenden Treffen in Abu Dhabi noch einmal besprechen wollen.

Russland hat seine Angriffe auf die Ukraine unterdessen keineswegs eingestellt, sondern diese Woche statt der Energieinfrastruktur die Eisenbahninfrastruktur ins Visier genommen, um die ukrainischen Nachschubwege zu stören. Allein am 30. Januar wurden rund 20 Angriffe auf Depots für Diesellokomotiven und einzelne Lokomotiven gemeldet.