Vor einigen Tagen hat der russische Präsident Putin sich 20 Minuten den Fragen eines Journalisten gestellt und – das ist ungewöhnlich – der Kreml hat das Interview auf seiner Seite veröffentlicht. Das bedeutet, dass es sich dabei um mehr als nur ein weiteres Interview gehandelt hat, es war eine an den Westen gerichtete Erklärung. Ich habe das komplette Interview übersetzt, Sie finden es hier.

Der Kampf der USA und der EU um Bodenschätze

In dem Interview ging es in der ersten Frage um den Deal, den Trump der Ukraine vorschlägt. Trump fordert Zugang zu allen ukrainischen Bodenschätzen und will, dass die USA mindestens 50 Prozent der Einnahmen aus deren Förderung und Verkauf erhalten, bis die USA 500 Milliarden Dollar als Entschädigung für ihre Unterstützung der Ukraine bekommen haben. Es gab sogar die Meldung, die USA wollten das Recht haben, zu entscheiden, wer die Bodenschätze in der Ukraine abbauen darf.

Es ist recht klar, was Trump hier erreichen will, denn dass die Welt sich derzeit in einem harten Kampf um Rohstoffe, vor allem seltene Erden und Lithium, befindet, ist offensichtlich. Trump will den USA nicht nur den Zugriff auf die ukrainischen Bodenschätze sichern, er will auch entscheiden, wer ukrainische Bodenschätze kaufen darf.

Dass dieser Schritt recht offen vor allem gegen die Staaten der EU gerichtet ist, ist offensichtlich. Und die EU hat ja auch umgehend reagiert, denn plötzlich hört man auch aus Europa, die EU sei an einem ähnlichen Abkommen mit der Ukraine interessiert. Das Rennen um die ukrainischen Bodenschätze wird gerade offiziell eröffnet und im Westen kämpft man bereits um den besten Startplatz.

Diese Konkurrenz zwischen den USA und der EU ist nicht neu, wir können das auch in Afrika und anderen Teilen der Welt erleben, wo auch China mit dem Westen um Bodenschätze konkurriert.

Putins Interview

Dass der Westen einen hungrigen Blick auf die russischen Bodenschätze geworfen hat, ist nicht neu. Aber da die Versuche, Russland zu unterwerfen oder in Russland einen Regimechange durchzuführen, gescheitert sind, sind die russischen Bodenschätze für den Westen nur zu relativ teuren Marktpreisen verfügbar, während westliche Konzerne Bodenschätze beispielsweise in Afrika (und offenbar bald auch in der Ukraine) weitaus billiger ausbeuten können.

Da der Westen gewisse Bodenschätzen wie vor allem seltenen Erden so dringend braucht, aber kaum eigene Vorkommen hat, sucht der Westen verzweifelt nach anderen Quellen. Die wichtigsten Vorkommen liegen jedoch in China und auch Russland, was den Westen angreifbar macht.

In dem Interview wurde Putin zuerst gefragt, wie er zu dem Abkommen steht, dass Trump mit der Ukraine abschließen will. Putin hat sich dazu sehr zurückhaltend geäußert und gesagt, das ginge Russland nichts an, das sei eine Sache zwischen den USA und der Ukraine. Allerdings betonte er danach sofort, dass auch Russland gerade die Förderung dieser Rohstoffe forcieren wolle und dabei gerne zur Zusammenarbeit mit „ausländischen Partnern“ bereit sei. Und er betonte, dass er damit ausdrücklich auch die USA meinte.

Und Putin fügte einen wichtigen Satz hinzu, denn er sagte, das betreffe auch die neuen russischen Regionen, wo es interessante Vorkommen gibt. Genau diese Vorkommen versucht Kiew gerade an die USA zu verschachern, wobei allen Beteiligten klar ist, dass Kiew darauf keinen Zugriff mehr hat.

Bei der Antwort auf eine andere Frage wiederholte Putin dieses Angebot zur Zusammenarbeit auch bei anderen Bodenschätzen, wie beispielsweise Aluminium, das die USA dringend brauchen.

Das Angebot, an der Förderung von Bodenschätzen in Russland beteiligt zu werden, ist für westliche Konzerne hochinteressant. Allerdings gibt es dabei ein Problem: Die westlichen Sanktionen.

Putins Interview wurde am Montagabend veröffentlicht und am Dienstag präzisierte Kremlsprecher Peskow, worum es dabei geht. Zunächst müsse der Ukraine-Konflikt gelöst werden, wozu aus russischer Sicht auch die Aufhebung der westlichen Sanktionen gehört, erst danach könne man über die Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Wirtschaft, Investitionen und gemeinsamer Abbau von Bodenschätzen sprechen. Peskow sagte:

„Wir haben unsere eigenen Pläne zum Abbau strategischer Ressourcen, aber es gibt auch recht umfassende Perspektiven für die Zusammenarbeit. Die Perspektiven sind also da, die Möglichkeit ist da. Wenn die Zeit kommt, sagen wir, um den politischen Willen dazu zu demonstrieren, werden wir offen dafür sein.“

Putins Schachzug

Putin winkt dem Westen also mit genau dem, was der Westen in der Ukraine gewinnen wollte, aber nicht gewonnen hat – mit Bodenschätzen. Diese Bodenschätze liegen vor allem im Donbass und wenn der Westen an deren Abbau beteiligt werden möchte, muss er diese Gebiete zunächst als russisch anerkennen. Als Bonus winkt Putin auch mit der gemeinsamen Erschließung anderer Vorkommen in Russland selbst.

Aber all das kann der Westen nur bekommen, wenn er das Ukraine-Abenteuer beendet, die Russland-Sanktionen abschafft und die neuen russischen Gebiete als russisch anerkennt.

Putin gibt damit übrigens nichts aus der Hand, denn die nötigen Investitionen zur Erschließung dieser Bodenschätze betragen gigantische Milliardenbeträge. Russland sucht dafür sowieso Investoren, aber Putin hat dem Westen signalisiert, dass er morgen daran beteiligt werden kann, wenn er es denn wirklich will.

Ganz nebenbei dürfte Russland dabei auf eine Bedingung bestehen: Etwaige Vorzugskonditionen, die der Westen eventuell bekommen kann, dürften daran gebunden sein, dass der Westen keine neuen Sanktionen gegen Russland verhängt.

Putin hat also ein sehr interessantes Angebot gemacht, mit er viele seiner aktuellen Probleme rund um die Ukraine lösen kann, wenn der Westen darauf eingeht. Und er hat, das zeigt der zwischen der EU und den USA offen entbrannte Konkurrenzkampf um die ukrainischen Bodenschätze, die Möglichkeit, notfalls die EU und die USA in dem Konkurrenzkampf gegeneinander in Stellung zu bringen.

Dass Russland daran interessiert ist, dass die EU aus ihrer Abhängigkeit von den USA ausbricht, ist kein Geheimnis. Da kann ein wenig Streit zwischen Brüssel und Washington Russland nur recht sein.