Polen bezeichnet die Auslieferung des Ukrainers im Nord-Stream-Fall an Deutschland als „schlechte Idee“
Der polnische Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak forderte die Staatsanwaltschaft auf, das Gericht von der Auslieferung des inhaftierten Wladimir Schurawlew abzuhalten. Was hat Polen zu verbergen?
In Polen wurde der Ukrainer Wladimir Schurawlew aufgrund eines von Deutschland ausgestellten europäischen Haftbefehls festgenommen, weil die deutschen Behörden ihm vorwerfen, an den Sprengungen der Nord Streams beteiligt gewesen zu sein. Deutschland hat seine Auslieferung beantragt.
Am 7. Oktober erklärte der polnische Ministerpräsident Tusk dazu:
“Die Anklage oder Auslieferung dieses Bürgers an einen anderen Staat liegt nicht im Interesse Polens und nicht im Interesse von Menschenwürde und Gerechtigkeit.”
Am 10. Oktober schloss sich dem der polnische Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak an und forderte die Staatsanwaltschaft auf, das Gericht von der Auslieferung des Ukrainers Wladimir Schurawlew abzuhalten:
„Die Aufgabe der Staatsanwaltschaft, die mit den Geheimdiensten zusammenarbeitet, besteht darin, das Gericht davon zu überzeugen, dass eine Auslieferung an Deutschland keine gute Idee ist. Es ist höchst fraglich, ob es überzeugende Beweise dafür gibt, dass diese Person irgendeine Verbindung zur Explosion der Gaspipeline hatte. Es gibt viele widersprüchliche Informationen.“
Dass die Mitglieder der polnischen Regierung über die Sprengung der Nord Streams gefreut haben, ist noch schwach formuliert. Unvergessen ist der Tweet des heutigen polnischen Außenministers Sikorski, der damals als Europa-Abgeordneter ein Foto des aus der Ostsee strömenden Gases postete und dazu “Danke USA!” schrieb.
Auch der heutige polnische Ministerpräsident Tusk steht dem nicht nach. Im Augst schrieb er auf X an die Adresse der Deutschen, die er als „Initiatoren und Förderer von Nord Stream 1 und 2“ bezeichnete, das einzige, was sie tun sollten, sei „sich zu entschuldigen und ruhig zu sein“.
Haben die Polen etwas zu verbergen?
Man muss sich also fragen, ob der polnische Unwille, den Verdächtgen an Deutschland auszuliefern, nur in der Antipathie der polnischen Politiker gegen Deutschland oder gegen Nord Stream begründet liegt.
Bis mir überzeugende Hinweise auf eine andere Version gezeigt werden, bleibe ich ein Anhänger der von Seymour Hersh veröffentlichten Version, derzufolge die Bomben an den Pipeleines im Sommer 2022 im Zuge des Manöver Baltops von US-Spezialeinheiten gelegt und dann im September per Fernzündung ausgelöst wurden.
Die in Deutschland verbreitete Version über ukrainische Taucher, die die Bomben von einer kleinen Segeljacht aus an den Pipelines gelegt haben, halte ich aus diversen Gründen für ein Ablenkungsmanöver.
Aufgrund der Festnahme des Ukrainers in Polen und Polens sichtlichem Unbehagen, ihn an Deutschland auszuliefern, stellt sich daher die Frage, was Polen zu verbergen hat, wenn ausgerechnet der Geheimdienstkoordiniator öffentlich fordert, den Mann nicht an Deutschland auszuliefern. Was weiß der Ukrainer, was er vor einem deutschen Gericht nicht aussagen soll, weil es für Polen möglicherweise peinlich wird?
Hatte Hersh doch Unrecht und die Geschichte mit der Segeljacht stimmt? Wenn das so wäre (was ich nicht glaube), was ist dann die Rolle Polens gewesen, wo die Jacht nach ihrer Segeltour hingefahren ist und von wo die Ukrainer verschwunden sein sollen? Immerhin hat Polen ja schon zuvor die von Deutschland beantragte Verhaftung eines Ukrainers in Polen verhindert und ihm geholfen, in die Ukraine zu fliehen.
Oder stimmt Hershs Geschichte, aber Polen und auch die Ukrainer hatten damit zu tun? Beispielsweise, indem sie zur Ablenkung der in die USA führenden Spur die Segeltour der Ukrainer organisiert haben?
Ich denke, es könnte interessant werden, wenn der Ukrainer nach Deutschland ausgeliefert wird. Wird er tatsächlich vor Gericht gestellt und kann öffentlich aussagen? Wird nicht aussagen, aber kurz nach der Verurteilung begnadigt und in die Ukraine abgeschoben? Erleidet der in deutscher Haft vielleicht einen Herzinfarkt?
Dass wir in absehbarer Zeit offiziell die ganze Wahrheit über die Sprengung der Nord Streams erfahren, glaube ich nicht, denn auch die deutsche Regierung ist viel zu sehr daran interessiert, jede in die USA führende Spur zu verwischen.
Bestenfalls wird man der Öffentlichkeit Sündenböcke präsentieren, aber wenn die vor Gericht die Wahrheit aussagen, könnte das für viele sehr peinlich werden. Also muss das verhindert werden.
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