Im britischen Telegraph ist aus Anlass der Verhandlungen der US-Delegation mit Präsident Putin in Moskau ein Artikel erschienen, der in deutschen Medien undenkbar wäre. In dem Artikel wird nicht nur schonungslos erklärt, warum die Ukraine den Krieg verloren hat, sondern auch, warum die EU mit ihren Bemühungen, sich gegen Trumps Friedensplan zu stellen, auf dem Holzweg ist.

Dabei ist das ganz und gar kein pro-russischer Artikel. Der Artikel wurde einfach nur von jemandem geschrieben, der die Realitäten erkannt hat und das aus westlicher Sicht Beste will.

Um zu zeigen, dass nicht nur die „russische Propaganda“ behauptet, der Krieg sei für die Ukraine und die EU verloren, habe ich den britischen Artikel übersetzt.

Ich bin gespannt, ob und wann auch deutsche Medien diese Realitäten endlich anerkennen und ihren Lesern anfangen, zumindest diesen Teil der Wahrheit zu erzählen, denn abgesehen von einer korrekten Einschätzung der Lage in dem Krieg und der Perspektiven enthält der Artikel trotzdem auch viele Unwahrheiten, wie die Behauptung, Russlands Wirtschaft sei „zerstört“ oder Russland sei durch den Krieg international isoliert.

Aber sei es drum, sollen europäische Journalisten und Politiker doch weiterhin in dieser Illusion leben, Hauptsache, sie erkennen endlich an, dass der Krieg verloren ist und dass das sinnlose Töten endlich enden muss.

Beginn der Übersetzung:

Putin hat nun das Steuer in der Hand

Europa hat keinen realistischen Alternativplan und kann es sich nicht leisten, den andauernden Krieg in der Ukraine zu unterstützen.

Wladimir Putin wird die Friedensbedingungen in der Ukraine diktieren, weil er den Krieg gewinnt. Auch die empörten Proteste der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas werden an dieser brutalen Tatsache nichts ändern. Die europäischen Staats- und Regierungschefs können so viele alternative Friedenspläne entwerfen, wie sie wollen, doch die einzige Stimme, die letztendlich zählt, ist die von Putin.

Es sind Putins Truppen, die stetig vorrücken, und seine Raketen, die die ukrainischen Stromnetze unaufhörlich zerstören. Das Abkommen, das der Gesandte des Weißen Hauses Steve Witkoff heute im Kreml verhandelt, wird zweifellos die russische Aggression belohnen, ukrainisches Territorium verletzen und die Souveränität der Ukraine untergraben. Doch es ist auch das einzige Abkommen, dem Putin möglicherweise zustimmen wird.

Der einzige Weg, Putin Bedingungen aufzuzwingen, ist, ihn zu besiegen. Doch die Ukraine konnte das trotz enormer und heldenhafter Opfer, unterstützt durch Hunderte Milliarden westlicher Hilfsgelder, nicht erreichen. Die Regierung von Donald Trump erklärt seit Februar unmissverständlich, dass die Fortsetzung des Krieges sinnlos sei. Und Europa, das junge Ukrainer ermutigt, für die Sicherheit des Kontinents zu kämpfen und zu sterben, weigert sich gleichzeitig beharrlich, vollständig russisches Öl und Gas zu sanktionieren; seit Kriegsbeginn hat es für Energie über 220 Milliarden Euro an den Kreml bezahlt. Für viele Ukrainer ist die Heuchelei Europas widerlich.

Der Kreml hat nun (erneut) verkündet, seine Truppen hätten die strategisch wichtigen Höhen von Pokrowsk im Donbass eingenommen. Im November haben die Russen über 500 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet besetzt. Unterdessen durchsuchten Staatsanwälte in Kiew die Wohnungen einiger enger Vertrauter Selensky – darunter sein engster Mitarbeiter und faktischer Vizepräsident Andrij Jermak – wegen des ungeheuerlichen Vorwurfs der Veruntreuung von Geldern aus Rüstungsbauprojekten.

Die Ukraine steht vor einem Haushaltsdefizit von 50 Milliarden Euro. Kallas‘ frühere Versuche, weitere 40 Milliarden Euro direkt von EU-Mitgliedstaaten einzuwerben, verliefen nahezu ergebnislos – und die Europäer weigerten sich kürzlich auch, einen Reparationskredit zu garantieren, der russische Vermögenswerte in Höhe von rund 140 Milliarden Euro, die in Belgien eingefroren waren, freigeben sollte. Wladimir Selensky verliert zunehmend an Glaubwürdigkeit, Geld und Personal.

Europa lehnt Putins Friedensplan ab, hat aber selbst keinen realistischen Alternativplan – und auch nicht genügend Geld oder Waffen, um den andauernden Krieg in der Ukraine zu unterstützen.

Der Glaube, Russlands Wirtschaft werde unter neuen Sanktionen, Druck oder ukrainischen Langstreckenangriffen auf Raffinerien, Ölterminals und Tanker auf See zusammenbrechen, ist Wunschdenken. Natürlich leidet Russland spürbar unter den wirtschaftlichen Folgen, da ein Drittel des Staatshaushalts in die „Militäroperation“ fließt, wie Putin den Krieg weiterhin nennt.

Die russischen Opferzahlen liegen weit über einer Million. Entscheidend ist jedoch, dass die ukrainische Wirtschaft ungleich stärker leidet und ihre eigenen Opferzahlen so erschreckend sind, dass sie ein streng gehütetes Staatsgeheimnis darstellen. Im Kampf um die Vorherrschaft spielt die Zeit dem reicheren und größeren Kontrahenten in die Karten.

Kallas erklärte diese Woche gegenüber Reportern, Europa bevorzuge einen „gerechten Frieden“. Welches Abkommen der Kreml auch immer letztendlich unterzeichnen mag, gerecht wird es sicherlich nicht sein. Doch es wird auch nicht zwangsläufig ein uneingeschränkter Sieg für Moskau oder eine Niederlage für Kiew sein.

Putin ist nicht in den Krieg gezogen, um Gebiete zu gewinnen, sondern um die ukrainische Unabhängigkeit zu brechen und das Land in den russischen Einflussbereich zurückzuholen. Doch die Ukraine ist, ähnlich wie Finnland nach Stalins Invasionsversuch 1939/40, nach wie vor ein unabhängiger und lebensfähiger Staat. Der Verlust von 20 Prozent ihres Territoriums ist schmerzlich, aber nicht existenzbedrohend.

Putin seinerseits hat sich unter immensen Opfern an Blut und Geld ein völlig verwüstetes Stück Ukraine gesichert. Er hat fälschlicherweise den korrupten Beratern geglaubt, die ihm weismachen wollten, Millionen Ukrainer würden russische Befreier mit offenen Armen empfangen und er könne innerhalb von drei Tagen eine neue Marionettenregierung in Kiew installieren.

Stattdessen hat sich der Krieg als katastrophaler Fehler erwiesen, der die russische Wirtschaft verwüstet und das Land diplomatisch isoliert hat. Anstatt das russische Imperium wiederzubeleben, hat Putin sein Land zum Vasallenstaat des chinesischen Imperiums gemacht. Die Idee, er werde durch sein Debakel in der Ukraine zu einem Angriff auf die NATO ermutigt, ist Unsinn. Putin mag falsch informiert sein, aber er ist nicht selbstmörderisch.

Putins Einmarsch in die Ukraine war ein Pyrrhussieg – ein Sieg, der die Ukraine zwar blutig, aber ungebeugt zurücklässt, kein Subjekt Russlands, sondern auf dem Weg zu einer stolzen europäischen Nation. Gewiss, viele Details des endgültigen Friedensabkommens werden eklig sein.

Darüber hinaus werden sich viele Ukrainer fragen, ob der Kampf um die mögliche NATO-Mitgliedschaft ihres Landes oder die Kontrolle des Donbass durch Kiew den Verlust von einer Million Toten wert war. Letztendlich ist es aber die Ukraine, nicht Russland, die die besseren Chancen hat, den Frieden zu gewinnen, selbst wenn sie Verluste im Krieg hinnehmen muss.

Ende der Übersetzung