Der Mythos vom Gender-Pay-Gap
Ein Spiegel-Artikel über den sogenannten Gender-Pay-Gap entlarvt diese Geschichte ungewollt als das, was sie ist: In großen Teilen unwahr und der Rest die Folge der ungerechten deutschen Politik und Gesetze. Das Problem wäre in Wahrheit leicht zu lösen.
Einer der Mythen der deutschen Medien, die sich hartnäckig halten, ist die Erzählung, dass Männer in Deutschland für die gleiche Arbeit mehr verdienen würden als Frauen. Dieser Mythos hat nur den Zweck, die Gesellschaft zu spalten und einen künstlichen Konflikt zwischen Mann und Frau zu schaffen. Ich war überrascht, ausgerechnet im Spiegel einen Artikel zu finden, der diesen Mythos – natürlich ungewollt – widerlegt. Schauen wir uns das also einmal an.
Vorweg möchte ich deutlich sagen, dass dieser Artikel als Diskussionsgrundlage gedacht ist, denn ich zeige hier nicht nur auf, warum die Legende vom Gender-Pay-Gap, so, wie sie in Deutschland verbreitet wird, unwahr ist, sondern ich zeige auch auf, wie man die Probleme, die es auf diesem Gebiet tatsächlich gibt, lösen könnte. Das soll nicht der Weisheit letzter Schluss sein, das ist meine Meinung und ich lade dazu ein, darüber zu diskutieren.
Ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit?
Die Überschrift des Spiegel-Artikels lautet „Gender-Pay-Gap – Frauen verdienen 16 Prozent weniger als Männer“ und gibt damit das gewollte Narrativ vor, obwohl der Artikel das Narrativ, Männer würden für gleiche Arbeit besser bezahlt als Frauen, widerlegt, wenn man den Artikel genau liest.
Der Spiegel-Artikel beginnt damit, dass der Spiegel über eine Mitteilung des Statistischen Bundesamtes berichtet, laut der Frauen in Deutschland auch im laufenden Jahr deutlich weniger verdient haben als Männer. Der durchschnittliche Stundenlohn liege bei Frauen bei 22,81 Euro, bei Männern hingegen bei 27,05 Euro Der Gender-Pay-Gap liegt damit bei 16, sinke aber von Jahr zu Jahr.
Nach diesen einleitenden Informationen schreibt der Spiegel:
„Knapp zwei Drittel der Lohnlücke (60 Prozent) erklärt das Statistische Bundesamt damit, dass Frauen häufiger in Teilzeit und in Berufen mit niedrigeren Gehältern arbeiten.“
Daran sehen wird, dass es beim Gender-Pay-Gap zunächst einmal gar nicht darum geht, dass Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer, sondern dass eines der Probleme ist, dass mehr Frauen Teilzeit arbeiten. Das ist leider so, aber es liegt eben auch daran, dass beispielsweise alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern gar nicht Vollzeit arbeiten können, auch wenn sie es wollten, weil es in Deutschland beispielsweise keine flächendeckende Ganztagsbetreuung gibt.
Was die Regierung tun könnte
Hier könnte der Staat helfen, wozu es verschiedene Möglichkeiten gäbe. Ich bin der Meinung, dass der Staat Alleinerziehende sehr viel stärker unterstützen sollte, beispielsweise durch massive Steuervergünstigungen.
Der Kern einer jeden Gesellschaft ist es nun einmal, dass genug Kinder geboren werden müssen, um eine Gesellschaft auch in der Zukunft zu erhalten. Dafür könnte der Staat eine Menge tun. So ist beispielsweise das deutsche Steuersystem hochgradig ungerecht, weil es Paaren Steuervorteile gibt, bloß weil sie heiraten.
Das könnte man morgen abschaffen und die Steuervorteile stattdessen den Haushalten geben, die Kinder großziehen. Und dabei sollte es egal sein, ob das Paare oder Alleinerziehende sind, ob es eigene oder adoptierte Kinder oder Pflegekinder sind. Jeder, der Zeit und Geld in das Großziehen von Kindern investiert, die nun einmal die Zukunft einer jeden Gesellschaft sind, sollte dafür belohnt werden. Und das müsste, bei gleichzeitiger Abschaffung der bisherigen Steuervorteile für Ehepaare ohne Kinder, nicht einmal mehr Geld kosten.
Mehr noch, und dem werden viele sicher widersprechen, aber ich bin sogar für eine „Strafsteuer“ für alle, die – sagen wir mal ab 30 – keine Kinder großziehen. Kinder sind das Wichtigste zum Erhalt jeder Gesellschaft. Und wer meint, dazu keinen Beitrag durch das Großziehen eigener oder adoptierter Kinder leisten zu wollen, der spart viel Geld.
Da wäre es in meinen Augen nur fair, dass auch diese Menschen ihren Beitrag in Form einer Steuer leisten. Ich habe übrigens selbst keine Kinder, wäre also davon betroffen. Trotzdem wäre ich dafür, wenn diese Steuereinnahmen pflichtgebunden für die Unterstützung derer eingesetzt werden, die Kinder großziehen.
Aber zurück zum Thema Gender-Pay-Gap. Da 60 Prozent des Gender-Pay-Gaps darin begründet sind, dass Frauen Teilzeit und in Berufen mit niedrigeren Gehältern arbeiten, könnte man das mit den genannten Maßnahmen ausgleichen. Ich finde es ungerecht, dass Alleinerziehende finanziell benachteiligt sind. Das muss geändert werden und das müsste nicht einmal zusätzliches Geld kosten.
Schlecht bezahlte Berufe
Bleibt das Problem, dass Frauen oft in schlechter bezahlten Jobs arbeiten. Auch das Problem könnte der Staat angehen, denn was sind das für Berufe? Es sind beispielsweise Pflegeberufe. Was hindert den Staat daran, darauf einzuwirken, dass da besser bezahlt wird? Zum Beispiel mit einem erhöhten Mindestlohn in diesen Berufen? Das würde übrigens ganz nebenbei dafür sorgen, dass diese Berufe, die Probleme haben, gute Leute zu finden, attraktiver werden.
Wir sehen also, dass der Großteil der Lohnlücke zwischen Männern und Frauen nicht darauf zurückzuführen ist, dass sie für gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden. Das zeigt, dass das Narrativ, Frauen würden in Deutschland für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer, zumindest zum größten Teil ein Mythos ist, der aber weiterhin angefeuert wird.
Aber was ist mit dem Rest der Lohnlücke? Auch darauf hat der Spiegel-Artikel eine überraschende Antwort.
Der „bereinigte Gender-Pay-Gap“
Nachdem der Spiegel mitgeteilt hat, dass das Statistische Bundesamt 60 Prozent des Gender-Pay-Gaps damit erklärt, dass Frauen häufiger in Teilzeit und in Berufen mit niedrigeren Gehältern arbeiten, schreibt der Spiegel:
„Übrig bleibt eine Lücke von 1,71 Euro, der sogenannte bereinigte Gender-Pay-Gap. Obwohl sie denselben Job haben und gleich gut qualifiziert sind, verdienen Frauen auf die Stunde gerechnet also sechs Prozent weniger als Männer. Der Wert blieb im Vergleich zum Vorjahr unverändert.“
Das ist das weit verbreitete Narrativ der ungerechten und ungleichen Bezahlung von Mann und Frau in Deutschland.
Allerdings schreibt der Spiegel danach:
„Warum es diesen Unterschied gibt, lässt sich nicht eindeutig erklären. Die höchstens sechs Prozent seien nicht allein darauf zurückzuführen, dass Arbeitgeber Frauen benachteiligen, schreibt das Statistische Bundesamt. Die Behörde vermutet, dass er mit nicht näher erfassten Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie zu tun hat: etwa, weil Frauen Kinder bekommen, diese betreuen oder Angehörige pflegen. So, heißt es, lassen sich vermutlich weitere Anteile des Lohnunterschieds erklären.“
Der Spiegel formuliert das sehr zurückhaltend. Die Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes ist deutlicher und sagt ausdrücklich (Hervorhebung von mir), dass der „bereinigte Gender Pay Gap daher als ‚Obergrenze‘ für eine mögliche Verdienstdiskriminierung von Frauen zu verstehen“ sei.
Es ist also nicht einmal sicher, dass es die “Verdienstdiskriminierung”, also die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit in Deutschland, überhaupt gibt. Das wäre doch mal eine Schlagzeile, oder?
Das Problem ist also auch beim „bereinigten Gender-Pay-Gap“ nicht eine ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern für gleiche Arbeit, sondern das Problem liegt wohl beispielsweise im deutschen Tarifrecht. In den meisten Tarifverträgen wird die Lohnhöhe an die Berufserfahrung gekoppelt, der Fachbegriff dafür lautet „Entgeltstufe“. Man bekommt also mit jedem Jahr Berufserfahrung ein wenig mehr Geld.
Es wäre also auch hier wieder eine Frage der Regierung, gesetzlich festzulegen, dass die Schwangerschaft bei Frauen bei der Entgeltstufe nicht berücksichtigt wird. Und was Kindererziehung und Pflege von Angehörigen angeht, könnte man festlegen, auch diese Pausen bei den Entgeltstufen nicht zu berücksichtigen. Damit wäre der „bereinigte Gender-Pay-Gap“ wahrscheinlich fast völlig aus der Welt geschafft.
Ja, das mag wieder denen gegenüber ungerecht sein, die durchgearbeitet und daher mehr Berufserfahrung angesammelt haben, aber diese Lösung wäre aus Sicht der Gesellschaft gerecht, weil die jetzige Regelung bedeutet, dass in Deutschland Menschen, die sich für Kinder entscheiden, systematisch benachteiligt werden – dabei sollte die Entscheidung für Kinder von der Gesellschaft belohnt und nicht bestraft werden. Das ist zumindest meine Meinung dazu.
Der Mythos des Gender-Pay-Gap
Wir wissen nun, dass es in Deutschland offensichtlich keine systematische ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit gibt, sondern dass die Gründe dafür, dass Frauen im Durchschnitt weniger als Männer verdienen, woanders liegen. Und wir sehen, dass die Regierung daran durchaus etwas ändern könnte, wenn sie denn wollte. Und es gäbe – meiner Meinung nach – auch wirklich sinnvolle Möglichkeiten, daran etwas zu ändern und für mehr Gerechtigkeit zu sorgen, ohne dass es die Staatskasse belasten würde.
Aber anscheinend hatten all die Bundesregierungen der letzten Jahrzehnte daran kein Interesse. Offenbar findet man es gut, das Thema Gender-Pay-Gap in der Diskussion zu halten, obwohl (oder gerade weil?) es die Gesellschaft spaltet, indem es Unfrieden und Neiddebatten zwischen den Geschlechter schafft.
Und ja: Ich bin sicher, dass es Einzelfälle gibt, in denen Frauen – beispielsweise in kleinen Firmen – für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Aber das sind Einzelfälle, nicht die Regel.
Und nochmal ja: Vielleicht ist es so, dass Frauen, die Karriere machen und Positionen erreichen, die oberhalb der Tarifverträge liegen, weniger hohe Gehaltsforderungen stellen und dass weibliche Manager daher weniger verdienen als männliche. Zumindest habe ich vor einigen Jahren mal eine Studie gesehen, die diese These vertreten hat. Aber auch das würde nicht die breite Masse betreffen.
Zumindest aus meiner Zeit, als ich noch in der Wirtschaft Karriere gemacht habe, kenne ich keine Beispiele für so etwas, im Gegenteil. Die Managerinnen, die ich damals eingestellt und mit denen ich damals Gehaltsverhandlungen geführt habe, kannten ihren Wert und waren knallharte Verhandlerinnen, wenn es um ihre Bezahlung und ihre Arbeitsbedingungen ging.
Egal, ich wollte hier nur aufzeigen, dass die Debatte um den Gender-Pay-Gap in Deutschland in Wirklichkeit ein Mythos ist, weil es in Deutschland keine systematische ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen für gleiche Arbeit gibt. Tatsächlich liegen die Gründe dafür, dass Männer in Deutschland im Durchschnitt mehr verdienen als Frauen, wie gesehen, ganz woanders.
Und das sage nicht ich, das sagt das Statistische Bundesamt und darüber berichtet der Spiegel.
Nur lösen will das Problem offensichtlich niemand, obwohl man mit recht einfachen Mitteln und ohne zusätzliche Ausgaben für den Staatshaushalt für mehr Gerechtigkeit sorgen könnte. Offenbar ist das Interesse daran, die Legende vom Gender-Pay-Gap am Leben zu erhalten, größer, als das Interesse daran, die bestehenden Ungerechtigkeiten bei den Entgeltstufen oder bei der Behandlung Alleinerziehenden zu lösen.
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