Da die Berichte westlicher Medien über den chinesischen Ballon emotional aufgeladen sind und im O-Ton die Verletzung internationalen Rechts durch China anprangern (was die USA natürlich niemals tun würden), fand ich die sachliche Zusammenstellung der bekannten Fakten, die ich bei der russischen Nachrichtenagentur TASS gefunden habe, sehr nützlich und habe sie daher übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Was über die Situation um den chinesischen Ballon über den USA bekannt ist

Vor einigen Tagen tauchte ein chinesischer Ballon über amerikanischem Hoheitsgebiet auf. Die USA hielten für einen Aufklärungsballon, während China versicherte, es handele sich um einen verirrten Wetterballon. Der Ballon wurde schließlich abgeschossen. Die TASS hat das wichtigste über die Situation zusammengestellt.

Die Entdeckung des Ballons

  • Das Pentagon meldete am 2. Februar einen chinesischen Ballon, der über dem amerikanischen Festland aufgetaucht war. Das Ministerium erklärte, es handele sich um einen Aufklärungsballon. Das Pentagon erklärte später, der chinesische Ballon verstoße gegen internationales Recht.
  • China bezeichnete das über den USA gesichtete Objekt als Wetterballon. Das chinesische Außenministerium erklärte, der Ballon sei aufgrund starker Westwinde außer Kontrolle geraten und vom Kurs abgekommen. Das Ministerium rief dazu auf, Spekulationen über einen „Spionageballon“ zu vermeiden.
  • Ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums sagte, der chinesische Ballon sei am 28. Januar in den US-Luftraum und am 30. Januar in den kanadischen Luftraum eingedrungen. Am 31. Januar sei der Ballon über Nord-Idaho in den Luftraum der USA zurückgekehrt. Die US-Luftwaffe „hatte keine Möglichkeit, ihn über Gewässern abzuschießen, nachdem er in den Luftraum Alaskas eingedrungen war“, erklärte der Pentagon-Sprecher.

Reaktionen der amerikanischen und chinesischen Regierungen

  • Als Reaktion auf den Vorfall verschob US-Außenminister Anthony Blinken einen Besuch in China, eine Entscheidung, die von der Regierung in Washington unterstützt wurde. Gleichzeitig bekräftigte er seine Absicht, mit Peking in Kontakt zu bleiben. Das chinesische Außenministerium erklärte, die Verschiebung des Besuchs von Blinken sei „eine Angelegenheit der USA selbst“.
  • In einem Gespräch mit Wang Yi, dem Leiter des Büros der Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und Mitglied des Politbüros, bezeichnete der US-Außenminister den Vorfall mit dem chinesischen Wetterballon als Verletzung der Souveränität der USA. Das erklärte auch ein hochrangiger Beamter des US-Außenministeriums. Wang Yi selbst wies darauf hin, dass der von den USA ausgelöste Rummel um das versehentliche Eindringen eines chinesischen Ballons in den amerikanischen Luftraum nicht akzeptabel sei.
  • Der Kongress forderte US-Präsident Joe Biden auf, den „chinesischen Spionageballon“ sofort abzuschießen. Der amerikanische Regierungschef ignorierte Fragen zu dem Ballon, die Journalisten ihm am 3. Februar bei einem Wirtschaftsgespräch zu stellen versuchten, zunächst. Am nächsten Tag sagte Biden, die USA würden sich um die Situation rund um den chinesischen Wetterballon „kümmern“.

Die Zerstörung des Ballons.

  • Der US-Präsident hat nicht präzisiert, was er mit „sich kümmern“ meinte. US-Verteidigungsminister Lloyd Austin gab jedoch bald bekannt, dass der Ballon abgeschossen wurde. An der Operation waren F-22-Kampfflugzeuge der Langley Air Force Base in Virginia beteiligt. Laut einer einer Quelle von CNN wurde eine AIM-9X-Rakete auf das Ziel abgefeuert.
  • Das chinesische Außenministerium hat am 5. Februar gegen das Vorgehen der USA protestiert, das zum Abschuss des chinesischen Ballons geführt hat. Einen Tag zuvor hat China „aufgrund der Tatsache, dass einige Politiker und Medien in den USA das besagte Thema ausgenutzt haben, um China zu verleumden und anzugreifen“ protestiert. Das Ministerium versicherte, dass das Auftauchen des Ballons über den USA „ein absoluter Zufall aufgrund höherer Gewalt“ war.
  • Biden sagte, er habe am 1. Februar den „schnellstmöglichen“ Abschuss des chinesischen Wetterballons angeordnet, aber das Verteidigungsministerium habe aufgrund von Sicherheitsbedenken empfohlen, zu warten.
  • Das chinesische Verteidigungsministerium erklärte nach der Zerstörung des Ballons, dass es gegenüber den USA in ähnlichen Situationen, wie dem Ballonvorfall, genauso könnte.

Anm. d. Übers.: Einige Stunden nach Veröffentlichung des Artikels hat die TASS den folgenden Block hinzugefügt

Meinungen von Experten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens

  • Manfred Weber, Vorsitzender der Europäischen Volkspartei, einer der führenden Fraktionen im EU-Parlament, ist der Ansicht, dass die EU angesichts des Vorfalls ihre Anstrengungen mit Washington bündeln sollte, um Peking gemeinsam entgegenzutreten.
  • Andrej Bystritsky, Vorsitzender des Rates der Stiftung für Entwicklung und Unterstützung des Valdai-Diskussionsklubs, sagte, dass die Situation um den Wetterballon keine schlimmen Folgen für die USA und China haben werde. Alexej Maslow, ein weiterer Valdai-Experte, ist der Ansicht, dass der Vorfall die Beziehungen zwischen den beiden Ländern noch lange belasten wird.
  • Bonnie Glaser von der US-Denkfabrik German Marshall Fund merkte an, dass die Auswirkungen des Ballon-Zwischenfalls auf die künftige Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und China „nicht unterschätzt werden sollten“.
  • Wu Xinbo, Direktor des Zentrums für Amerikastudien an der Fudan-Universität in Shanghai, wies darauf hin, dass die Bedeutung des Vorfalls von Kongressabgeordneten in den USA übertrieben worden sei. Er wies auch darauf hin, dass die USA den Ballon „viel früher“ hätten abschießen können, wenn sie bestätigte Informationen über seinen angeblichen Spionagezweck gehabt hätten.
  • Der Experte für internationale Beziehungen, Wang Xiaoxuan, ist der Ansicht, dass Washington vor dem geplanten und bereits abgesagten Besuch Blinkens in China nicht die richtigen Voraussetzungen für Gespräche mit Peking geschaffen hat.

Ende der Übersetzung