Der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter macht ständig Schlagzeilen, weil er neben Agnes Strack-Zimmermann einer der radikalsten Kriegsbefürworter gegen Russland ist. Daher zitieren die deutschen Medien, die ebenfalls für Kriegsverlängerung durch Waffenlieferungen in die Ukraine trommeln, ihn sehr gerne. Am 17. Dezember war Kiesewetter bei der Sendung Berlin Direkt und hat einige sehr interessante Aussagen gemacht, über die die deutschen Medien aus gutem Grund nicht berichtet haben. Also tue ich es.

„Die Ukraine führt einen Stellvertreterkrieg“

Die russische Position ist, dass Russland sich in der Ukraine im Krieg mit dem gesamten kollektiven Westen befindet. Der Fachbegriff dafür lautet „Stellvertreterkrieg“, was bedeutet, dass Länder andere Länder stellvertretend für sich Krieg führen lassen. Im Falle der Ukraine bedeutet das, dass die Ukraine stellvertretend für den kollektiven Westen einen Krieg gegen Russland kämpft. Die Ukrainer werden also für die Interessen des Westens geopfert, das ist die Natur von Stellvertreterkriegen.

Bei Berlin Direkt hat Kiesewetter diese These, die eigentlich als „russische Propaganda“ bezeichnet wird, bestätigt. Bei Minute 6.28 der Sendung sagte er in der Sendung ganz offen:

„Dabei führt sie (die Ukraine) einen Stellvertreterkrieg“

Er fügte unmittelbar danach jedoch eine Lüge hinzu, um seiner Aussage eine für den Zuschauer verständlich zu machen:

„Wenn die Ukraine zerfällt, macht Russland weiter, wie versprochen und zugesagt, den Krieg gegen das Baltikum und Moldau aus.“

Nun gut, hier würde mich interessieren, wann Russland „versprochen und zugesagt“ haben soll, Krieg gegen das Baltikum oder Moldawien zu führen. Das Gegenteil ist der Fall, aber das weiß der deutsche Zuschauer ja nicht.

Worum es bei dem Stellvertreterkrieg unter anderem geht, sagte Kiesewetter bei etwa Minute 8.40 erstaunlich offen:

„Wenn Europa die Energiewende vollziehen will, braucht es eigene Lithium-Vorkommen. Die größten Lithium-Vorkommen in Europa liegen im Donezk-Lugansk-Gebiet. Deshalb will Russland die auch, um uns abhängig zu machen von der Energiewende mit Blick auf Elektromotoren. Also wir haben hier auch ganz andere Ziele noch im Hintergrund. Und deshalb brauchen wir eine vereinte Anstrengung der Bürgerinnen und Bürger, damit unsere Politik die Rückendeckung hat, mehr für die Ukraine zu tun.“

Wieder sagt ein Vertreter des Westens ganz offen, dass es dem Westen nicht um die Ukraine oder die Ukrainer geht, sondern um handfeste wirtschaftliche und politische Interessen. Dass Kiesewetter behauptet, Russland ginge es um Lithium, ist allerdings vollkommener Blödsinn, Russland hatte ganz andere Gründe für sein Eingreifen in den seit 2014 laufenden Donbass-Krieg, aber für die von den deutschen Medien desinformierten Zuschauer klingen solche Aussagen logisch.

Lügen ohne Ende

Das Interview dauerte 20 Minuten und ich kann und will nicht auf all seine Lügen eingehen, die er in der kurzen Zeit von sich gegeben hat. Ich will nur noch ein Beispiel zeigen.

Kiesewetter behauptet, Russland würde die Menschen in den ehemals ukrainischen Gebieten unterdrücken, er spricht von Vergewaltigungen und harten Strafen für pro-ukrainische Haltungen. Das ist auch Blödsinn, wie jeder, der mal dort gewesen ist, weiß. Dort gibt es offen pro-ukrainische Menschen, die keinerlei Angst haben, das im Gespräch auf der Straße auch offen zu sagen. Ich habe darüber bei meinen Reisen immer wieder berichtet.

Kiesewetter tut hier das, was der Westen immer tut: Er verdreht die Tatsachen, denn was er Russland vorwirft, tut nicht Russland, sondern die Ukraine tut das. Dort werden pro-russische Haltungen streng bestraft. Auch nur gewisses Verständnis für Russland zu äußern, führt zum Vorwurf der Kollaboration, die mit Gefängnis bestraft wird. Gerade erst wurde gemeldet, dass in der Ukraine fast 10.000 Menschen deswegen verurteilt wurden.

Hinzu kommt, dass die Ukraine dabei keineswegs zimperlich ist und man von Glück sagen kann, wenn man „nur“ vor Gericht und ins Gefängnis kommt. Im Konfliktgebiet werden Menschen auf ukrainischer Seite erschossen, wenn ein Soldat sie für „russische Kollaborateure“ hält. Das ist keine russische Propaganda, das wird in der Ukraine ganz offen gesagt, nur wird das in Deutschland verschwiegen. Ich erinnere an den Herbst 2022 als die Ukraine Cherson und Teile des Gebiets Charkow zurückerobert hat. Der damalige Berater des ukrainischen Präsidenten Aristowitsch erklärte damals öffentlich:

„Lehrer und Kindergärtnerinnen sollten bedenken, dass sie keine nette Tanten sind, sondern Kriminelle, denen gegenüber es keine Sentimentalitäten gibt. Das Wetter ist so, dass das entweder den Tod oder das Gefängnis bedeutet. Wir, als absolut europäisches Land, werden nicht mit irgendwelchen Sentimentalität oder Nachsicht spielen“

Eine britische Zeitung hat darüber damals unter der Überschrift „‚Wir machen Jagd auf sie und erschießen sie wie Schweine‘: Wie die Ukrainer brutale Rache an den Kollaborateuren nehmen, die ihre Nachbarn – und ihr Land – an die Russen verraten haben“ berichtet, aber deutsche Medien haben das verschwiegen. Man konnte dort anderem lesen:

„Kiew hat bereits Ermittlungen gegen 1.309 mutmaßliche Verräter eingeleitet und 450 Strafverfahren gegen Kollaborateure eingeleitet, die des Verrats am eigenen Land und an den Nachbarn beschuldigt werden.
Andere werden von Widerstandskämpfern aufgespürt und abgeschlachtet. In einer Liste, die dieser Zeitung von einer Kiewer Regierungsquelle zugespielt wurde, sind 29 solcher Vergeltungsmorde aufgeführt, und 13 weitere Attentatsversuche, bei denen einige der Opfer verwundet wurden.
„Es ist eine Jagd auf Kollaborateure ausgerufen worden und ihr Leben ist nicht durch das Gesetz geschützt“, sagte Anton Geraschtschenko, ein Berater des Innenministeriums. „Unsere Geheimdienste eliminieren sie und erschießen sie wie Schweine“.“

Da Kiesewetter in dem Interview mit Berlin Direkt 20 Minuten Zeit hatte, um seine Lügen zu verbreiten, waren da noch sehr viel mehr Unwahrheiten, die sich leicht aufzeigen lassen. Aber um das zu tun, müsste ich einen Artikel schreiben, der eine Lesezeit von über 40 Minuten hätte. Und das ist mit dieser verkappte Kriegstreiber nicht wert.

Zu Kiesewetter habe ich aber noch eine Schlussanmerkung: Der Mann ist Oberst der Reserve. Vielleicht sollte er, wenn er so geil auf Krieg ist, selbst als Freiwilliger in die Ukraine gehen, dort freut man sich über erfahrene Soldaten, die an der Front helfen, die Reihen zu füllen. Stattdessen betreibt Kiesewetter aber aus dem warmen Berlin Kriegshetze und lässt andere für die Interessen des US-geführten Westens (und für Lithium für Elektroautos) sterben.