Ich habe vor einigen Tagen bereits darüber geschrieben, dass Russland sich im Grund glücklich schätzen kann, dass die „Spitzenpolitiker“ der EU so unfähig sind. Ich habe das am Beispiel von Baerbock aufgezeigt, die sich gerade bei ihrem Indienbesuch blamiert und nicht ein einziges Ziel erreicht, sondern die indische Regierung, die sie auf die Seite des Westen ziehen wollte, nur verärgert hat.

Ein weiteres Beispiel für solche „Genies“ der europäischen Politik ist EU-Chefdiplomat Josep Borrell. Seine peinlichen Aussagen, die oft offen rassistisch sind (zumindest nach den Maßstäben, die deutsche Medien sonst normalerweise anlegen), sind in Deutschland kaum bekannt, weil die Medien nicht darüber berichten. In Russland hingegen wird darüber berichtet und am Sonntag waren Borrells Aussagen sogar das Thema eines Kommentares im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens.

Am Ende des russischen Kommentars, den ich übersetzt habe, kam eine Überleitung zum Bericht des russischen Deutschland-Korrespondenten, der in seinem Beitrag vor allem ein Thema hatte: Den angeblichen „Putschversuch“ der Rentnergang um Heinrich XIII. Reuß.

Beginn der Übersetzung:

Borrell hat es in die koloniale Steppe verschlagen

Es gibt eine einfache Regel: Ein Mann im Smoking, mit schwarzer Fliege und Lackschuhen ist schlecht gekleidet, wenn er zum Angeln geht. Umgekehrt ist ein Mann, der einen khakifarbenen, warmen Tarnanzug trägt, wie wir ihn zur Jagen und Eisfischen anziehen, schlecht gekleidet, wenn er ein Diplomat im Dienst ist. Aber der oberste Diplomat der EU geht natürlich nicht in den Wald oder an einen zugefrorenen Fluss. Josep Borrell besucht in NATO-Uniform die polnische Stadt Brzeg, in der ein Ausbildungslager für die ukrainischen Streitkräfte eingerichtet wurde. Hat Josep Borrell etwa aufgehört, ein Diplomat zu sein? Und was würde man im Westen sagen, wenn, sagen wir, Sergej Lawrow so auftreten würde? Wie auch immer, der EU-Chefdiplomat läuft im Tarnanzug herum und plädiert für die Fortsetzung des Krieges:

„Die Versuchung, aufzugeben, ist in einem Teil der europäischen Gesellschaft vorhanden, sie wollen den Krieg beenden, weil sie die Konsequenzen, die Preise, nicht tragen können. Wir müssen diese Denkweise bekämpfen.“

Borrell ist die wahre Verkörperung der modernen Sitten in der westlichen Politik. So kann man beispielsweise lügen und sich nicht an Vereinbarungen halten, wenn es um Russland geht. Umso mehr, als Russland, wie der Euro-Diplomat erklärte, „unser alter Feind“ ist. Und im Oktober tadelte er das europäische diplomatische Korps, wobei er zugeben hat, dass die NATO-Führung Russland getäuscht hat, als sie versprach, nicht nach Osten zu expandieren. Aber das ist bereits „Geschichte“ und hat laut Borrell keine Bedeutung mehr:

„Mir gefallen die Rechtfertigungen nicht als Argumente, mit denen viele, auch meine Freunde, die Aggression rechtfertigen. Sie behaupten, es habe damit zu tun, dass die NATO ihre Versprechen nicht eingehalten hat. Möglicherweise ist das so. Das ist Geschichte. Aber nichts davon rechtfertigt das, was geschieht“

Borrell will nichts von der Suche nach Kompromissen und gleicher Sicherheit hören. Am 6. Dezember erklärte Borrell auf dem Symposium des Jacques-Delors-Instituts in Paris, dass ihm nur Sicherheitsgarantien für Kiew wichtig sind. Aber für Russland – irgendwann später:

„Der Ausweg aus dem Konflikt in der Ukraine muss im Einklang mit den Normen des Völkerrechts erfolgen, indem Kiew Sicherheitsgarantien gewährt werden. Was Sicherheitsgarantien für Russland angeht, werden wir darüber später sprechen“

Das sagte der Politiker. Und er fügte hinzu:

„Je mehr die Ukraine zerstört wird, desto besser sind ihre Chancen, der EU beizutreten.“

Das bedeutet, dass die militärische Konfrontation in der Ukraine weitergehen muss. Dann wird es mehr Zerstörung geben. Dem Chefdiplomaten der EU sind Menschenleben egal. Natürlich, wen interessieren schon um diese wilden Eingeborenen aus dem Osten? Schließlich ist Europa, so Borrell, ein „gepflegter Garten“, während der Rest der Welt ein aggressiver „Dschungel“ ist. Das sagte er bei der Eröffnung der Europäischen Diplomatenakademie im belgischen Brügge. Dort bezeichnete er die Europäer arrogant und ziemlich rassistisch als „privilegierte Menschen“ – als Gärtner, die den Garten bewirtschaften:

„Die Gärtner müssen sich darum kümmern, aber sie können den Garten nicht mit Mauern schützen. Ein schöner Garten hinter einer hohen Mauer, die den Ansturm des Dschungels aufhalten soll, ist keine Lösung. Der Dschungel wächst schnell und keine Mauer kann ihm etwas anhaben. Die Gärtner werden selbst in den Dschungel gehen müssen“

Nun ja, im Tarnanzug? Ja, Borrell ist eigentlich kein Diplomat mehr, er präsentiert sich auch als EU-Verteidigungsminister. Ein selbsternannter natürlich, aber niemand hält ihn auf…

Borrell sagte nämlich auch:

„Dieser Krieg hat der EU einen Vorwand gegeben, selbstbewusster aufzutreten und auf eine einheitliche europäische Position zu drängen – nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in militärischer Hinsicht. Sie wissen sehr gut, Federica, denn Sie waren vor mir auf meinem Posten, dass wir nicht nur die Außenpolitik, sondern auch die Sicherheit und die Verteidigung aufbauen. Unsere Position ist eine Kombination aus der des Außenministers und der des Verteidigungsministers. Und das ist auch gut so, denn Außenpolitik und Militärpolitik gehen Hand in Hand wie nie zuvor“

Herr Borrell glaubt, dass er eine neue Weltordnung aufbaut. Aber er ist wie ein Oberst, der versucht, ein Gedicht zu schreiben, und es kommt ein Regimentsbefehl dabei heraus. Borrell zieht es in die koloniale Steppe. Borrells jüngste Rede vor lateinamerikanischen Abgeordneten im Europäischen Parlament brachte das Internet buchstäblich zum Explodieren:

„Als Entdecker und Konquistadoren müssen wir eine neue Welt erfinden.“

Konquistadoren? Ein hervorragendes Beispiel zum Nachahmen? Im 15. und 16. Jahrhundert wurden die spanischen und portugiesischen Eroberer Amerikas als Konquistadoren bezeichnet. Sie haben den Kontinent buchstäblich in Blut getränkt, Millionen von Ureinwohnern ausgerottet und die Neue Welt ausgeraubt. Als die Kolonialherren kostenlose Arbeitskräfte auf den Plantagen benötigten, importierten sie Hunderttausende von Negern aus Afrika und beuteten sie rücksichtslos aus. Und diese Konquistadoren bewundert Borrell, der seine eigene Taktlosigkeit vor den lateinamerikanischen Abgeordneten nicht einmal bemerkt. (Anm. d. Übers.: In Russland gibt es keine Political Correctness mit ihren Sprachverboten, daher wird das in Deutschland verpönte N-Wort in Russland ganz normal benutzt. Es hat in Russland keinerlei negative Bedeutung)

Die Afrikaner haben von dem „privilegierten“ Europäer auch ihr Fett wegbekommen. Am Donnerstag warf Borrell den Bewohnern des schwarzen Kontinents Unwissenheit vor: Sie wüssten nichts über Russland und Putin und würden Moskau dennoch auf Demonstrationen um Schutz bitten. Zum Beispiel in Bamako, der Hauptstadt von Mali, Anfang dieses Jahres. Borrell sagte dazu:

„Russland schiebt die Schuld auf andere, verzerrt die Realität und findet sein Publikum in bestimmten Teilen der Welt. Ich spreche zum Beispiel von den jungen Leuten in den Straßen von Bamako, die von den Fernsehsendern mit einem Plakat gezeigt wurden, auf dem stand: ‚Putin, du hast den Donbass gerettet und jetzt rettest du uns!‘ Das ist schockierend! Man kann davon ausgehen, dass diese Leute nicht wissen, wo der Donbass liegt, vielleicht wissen sie nicht einmal, wer Putin ist“

Auf der Pressekonferenz in Bischkek setzte sich der russische Präsident am Freitag für Afrika ein:

„Borrell ist eine große, wichtige Figur der Moderne, eine politische Figur der Gegenwart, so hat man Breschnew früher bezeichnet. Aber in Afrika weiß man, was Russland ist und wo Russland ist. In Afrika weiß man, welche Rolle Russland bei der Befreiung vom Kolonialismus gespielt hat. Es gibt praktisch kein afrikanisches Land, das damals nicht unsere Unterstützung erhalten hat: politisch, medial, wirtschaftlich und manchmal auch militärisch. Wir haben sehr stabile, sehr gute und freundschaftliche Beziehungen zu den afrikanischen Ländern, und sie werden fortgesetzt.“

Weiter sagte Putin über Borrell und diejenigen, die mit ihm im Bunde sind:

„Wenn diese Leute, von denen Sie sprachen, wüssten, wo Afrika liegt und wie es um die Völker Afrikas bestellt ist, dann hätten sie nicht die Lieferung russischer Lebensmittel und russischer Düngemittel auf den afrikanischen Kontinent verhindert, von denen letztlich die Ernten in den afrikanischen Ländern und die Rettung Hunderttausender Menschen in Afrika vor dem Hungertod abhängen. Bislang konnten wir noch nicht einmal unsere Düngemittel aus einigen europäischen Seehäfen herausbekommen, die wir bereit sind, kostenlos an afrikanische Länder zu liefern, ich habe es schon oft gesagt. Teilweise hat dieser Prozesses auf Druck des UN-Generalsekretärs begonnen, aber bisher wurde das Problem nicht gelöst. Gewisse Politiker in der EU sollten aufhören, von der Liebe zu den afrikanischen Völkern zu schwafeln, und anfangen, diese Länder direkt zu unterstützen. Dazu gehört, dass sie mit dem Geld, das sie drucken, keine Lebensmittel auf den Weltmärkten kaufen, was die Preise erhöht, die Inflation anheizt und die Völker Afrikas in eine verzweifelte Lage bringt, und dass diese Politiker Russland zumindest nicht daran hindern, diese so produktive, harte und notwendige Arbeit für die afrikanischen Länder zu leisten, um die Menschen zu unterstützen, die diese Unterstützung brauchen.“

Unterdessen handeln die europäischen Länder, die Getreide aufkaufen, das für die ärmsten Länder Afrikas bestimmt ist, in bester Tradition der Kolonialherren. Sie wollen Profite machen, womit sie in anderen Ländern Hungersnöte verursachen. Ein langer Winter steht bevor und für das „privilegierte“ Europa wird das ohne billiges russisches Gas kein Zuckerschlecken. Dabei muss man die einfachen Europäer irgendwie dazu zwingen, die Kälte und die steigenden Lebensmittelpreise zu ertragen und ruhig in ihren Häusern zu sitzen. In Deutschland ist man daher bereits mit der Suche nach einem inneren Feind beschäftigt. Natürlich keinen echten, sondern einen, der den Menschen nur Angst machen kann, aber dabei ein harmloser Feind ist.

Diese Woche wurden sogar „Verschwörer“ gefunden, die einen Staatsstreich geplant haben, um die deutsche Regierung zu stürzen und die Monarchie wieder einzuführen. Etwas über zwanzig Personen wurden verhaftet, darunter auch eine Russin. Der Drahtzieher der rechtsextremen Verschwörung soll der 71-jährige Heinrich XIII. Reuß sein, ein Mitglied einer alten Adelsfamilie. Einer seiner Verwandten sagte zwar, dass Heinrich XIII. jetzt „ein verwirrter alter Mann ist, der sich Verschwörungstheorien zugewandt hat.“

Aber er ist trotzdem eine Bedrohung, unter deren Vorwand man die Rechte der einfachen Bürger ein wenig beschneiden kann. Zum Beispiel die Einschränkung der Versammlungsfreiheit. Man kann ja nie wissen. In Russland wurde dieses Phänomen der Schaffung und Pflege eines „handzahmen“ inneren Feindes, der von der Regierung für ihre eigenen Zwecke benutzt wird, „Subatowschina“ genannt. Es wurde nach Sergej Subatow benannt, einem Polizeibeamten im zaristischen Russland. Er erfand von der Regierung kontrollierte Arbeiterorganisationen, um die Arbeiter von revolutionären Gedanken abzulenken, und ließ sie, wenn nötig, protestieren, um die Illusion der Existenz oppositioneller Kräfte und des Kampfes für die Rechte der Arbeiter zu erzeugen. Der Plan funktionierte eine Zeit lang. Aber nicht lange.

Ende der Übersetzung