Papst Franziskus und Patriarch Kirill: Sanktionen gegen den russischen Patriarchen?
Die westlichen Medien schießen sich gerade auf den russischen Patriarchen ein, weil sie den Menschen irgendwie erklären müssen, warum nun sogar ein Kirchenoberhaupt sanktioniert werden soll.
Die Schlagzeilen in den deutschen und westlichen Medien, die den russischen Patriarchen als neues Feindbild entdeckt haben, sind regelrecht reißerisch und sie werfen Patriarch Kirill vieles vor, was er nicht getan oder gesagt hat. Kirill ist, wie auch der Papst, ein erzkonservativer Mensch, der für traditionelle Werte und natürlich für seine Kirche steht. Die Lage in der Ukraine ist für ihn eine Katastrophe, denn sowohl in Russland, als auch in der Ukraine, leben seine Schäfchen: Die Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche.
Schon daran sieht man, dass viele Behauptungen der westlichen Medien, die Kirill als regelrechten Kriegshetzer darstellen, nur durch eine sehr kreative Auswahl an aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen konstruiert werden konnten. Kirill will, wie jedes Glaubensoberhaupt, nicht, dass seine Schäfchen sich gegenseitig erschießen, immerhin könnte das zu einer Spaltung seiner eigenen Kirche beitragen, was kein Kirchenoberhaupt möchte.
Allerdings verdammt Kirill die Nazis in der Regierung der Ukraine (ja, die gibt es wirklich, wie Sie hier, hier und hier nachlesen können) mit sehr deutlichen Worten und er verurteilt auch die von Präsident Poroschenko in der Ukraine bereits eingeleitete Kirchenspaltung, die zu Unruhen in der Ukraine und zu Gewalt gegen Geistliche geführt hat.
Da russische Fernsehen hat sich in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick mit dem Thema befasst und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt. Vor allem das in dem Beitrag zitierte Interview von Papst Franziskus, über das deutsche Medien praktisch nicht berichtet haben, ist interessant.
Beginn der Übersetzung:
Treffen zwischen Papst und Patriarch Kyrill: Was ist schief gelaufen?
Papst Franziskus, der für mehr als eine Milliarde Katholiken auf der Welt die unbestrittene moralische Autorität darstellt, hat sich zu den Ursachen des Konflikts in der Ukraine geäußert. Der Pontifex sagte, der Grund dafür sei, dass „die NATO direkt vor Russlands Tür bellt.“ Das sagte er in einem Interview mit der italienischen Zeitung Corriere della Sera. Außerdem stellte Papst Franziskus die Zweckmäßigkeit und Moral von Waffenlieferungen an die Ukraine in Frage und forderte, sich ein Beispiel an den Genueser Hafenarbeitern zu nehmen, die sich geweigert hatten, westliche Waffen für den Jemen zu verladen.
Bisher hat die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, Fototermine mit dem Oberhaupt des Vatikanstaates geliebt. Jetzt ist die Frage, wann wir das nächste gemeinsame Foto der beiden sehen werden. Präsident Biden – der, wie Nancy Pelosi, ebenfalls Katholik ist – wird sich nun wahrscheinlich weniger auf Papst Franziskus berufen, zu entgegengesetzt sind die Aussagen des Papstes. Und er verallgemeinert auch noch, indem er Beispiele für sinnlose Kriege der letzten Zeit aufzählt, an denen die USA auf die eine oder andere Weise schuldig waren.
„Eine Sache beunruhigt mich. Ich beanspruche nicht die Lorbeeren dafür, es entdeckt zu haben, weil es die offensichtliche Wahrheit ist: Überall um uns herum folgt ein Krieg auf den anderen – in Syrien, im Irak, im Jemen, in Afrika…. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein freies Land freiwillig ein anderes freies Land angreifen könnte. Auch in der Ukraine wurde der Konflikt durch äußere Kräfte ausgelöst. Das Einzige, was wir den Ukrainern vorwerfen können, ist, dass sie sich diesen äußeren Kräften unterworfen haben und hart auf die Situation im Donbass reagiert haben“, betonte der Papst.
Die äußeren Kräfte sind Amerika. Es hat zuerst den Staatsstreich in der Ukraine und dann die Strafkriege gegen den stolzen Donbass unterstützt und schließlich hat es die für März dieses Jahres geplante Invasion im Donbass umfassend vorbereitet.
Papst Franziskus‘ Ausagen in diesem Aufsehen erregenden Interview waren nicht allzu unerwartet. Bereits in seiner vorletzten Enzyklika „Alle Menschen sind Brüder“ hatte der Papst das westliche Modell des „zynischen Globalismus“ scharf kritisiert: „In der heutigen Welt schwindet das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer einzigen Menschheitsfamilie und der Traum vom gemeinsamen Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden scheint eine überholte Utopie zu sein. An ihre Stelle ist eine kalte, bequeme und globalisierte Gleichgültigkeit getreten, die aus einer tiefen Frustration über die trügerische Illusion entsteht, dass wir allmächtig sind, und aus der damit einhergehenden Unfähigkeit, zu erkennen, dass wir alle im selben Boot sitzen. Diese Illusion, die große brüderliche Werte verrät, führt zu einem „besonderen Zynismus“.“
Die Möglichkeit, die pastoralen Bemühungen unter diesen neuen Bedingungen zu vereinen, wurde am 16. März während einer Videokonferenz zwischen den Oberhäuptern der russisch-orthodoxen Kirche und des Vatikans deutlich. Patriarch Kirill und Papst Franziskus fanden dabei viele Gemeinsamkeiten in den Positionen des jeweils anderen im Interesse des Friedens.
„Natürlich ist diese Situation für mich mit großen Schmerzen verbunden. Meine Herde befindet sich auf beiden Seiten der Konfrontation, es sind überwiegend orthodoxe Menschen. Ein Teil der Konfrontation gehört auch zu Ihrer Herde. Deshalb möchte ich, unabhängig von der Geopolitik, die Frage stellen, wie wir und unsere Kirchen den Gang der Dinge beeinflussen können. Wie können wir zur Befriedung der Kriegsparteien beitragen, mit dem einzigen Ziel, Frieden und Gerechtigkeit zu fördern? Unter den gegenwärtigen Umständen ist es sehr wichtig, eine weitere Eskalation zu vermeiden“, sagte Patriarch Kirill.
Der Papst antwortete seinerseits sehr herzlich. Das veröffentlichte sein Pressedienst an dem Tag: „Papst Franziskus dankte dem Patriarchen für das Treffen, das von seinem Wunsch motiviert war, als Hirte seines Volkes den Weg zum Frieden zu weisen, für das Geschenk des Friedens und für ein Ende der Kämpfe zu beten. Der Heilige Vater stimmte dem Patriarchen zu, dass die Kirche nicht das Vokabular der Politik, sondern die Sprache Jesu Christi verwenden sollte. Wir sind Hirten desselben heiligen Volkes, das an Gott, an die Heilige Dreifaltigkeit und an die Heilige Jungfrau Maria glaubt, deshalb müssen wir uns gemeinsam um den Frieden bemühen, die Leidenden unterstützen, nach Wegen des Friedens suchen und das Feuer stoppen.“
Alle schien gut zu laufen. Die Oberhäupter hatten für den 14. Juni schon ein persönliches Treffen in Jerusalem geplant. Doch dann ging etwas schief. Etwa einen Monat nach der Videositzung gab Papst Franziskus die Absage des geplanten Termins mit der vagen Formulierung bekannt, dass „ein Treffen zwischen uns beiden zu diesem Zeitpunkt zu großer Verwirrung führen könnte.“ Ich weiß nicht, wie viel Druck von außen auf den Papst selbst ausgeübt wird, aber dass es ihn gibt, ist eine Tatsache. Das sechste Sanktionspaket, über das die Europäische Union derzeit verhandelt, beinhaltet jedenfalls auch Sanktionen gegen Patriarch Kirill, berichtet France-Presse.
Unterdessen will Papst Franziskus Putin in Moskau besuchen. Er sagt, er sei nach Kiew eingeladen worden, aber dahin müsse er nicht reisen. Der Kreml hat es nicht eilig, ihn einzuladen. Vielleicht sollte der Papst zuerst zu Biden gehen, damit der keine Waffen an die Nazis liefert? Das wäre logischer. Dort muss man beginnen, mit dem katholischen Präsidenten. Nun, Patriarch Kirill forderte die Orthodoxen auf, dafür zu beten, dass es keinen neuen Weltkrieg geben wird. Und das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche bezeichnete unsere Zeit für Russland als schwierig, gefährlich und schicksalhaft.
Ende der Übersetzung
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