Das russische Fernsehen über die Sanktionen: „Der Westen will Russland zerstören“
Das russische Fernsehen hat am Sonntag in einem Bericht die Frage aufgeworfen, wem der nun nun beginnende Sanktionskrieg mehr schaden wird
In dieser emotional aufgeheizten Stimmung muss ich noch einmal darauf hinweisen: Ich übersetze Berichte der russischen Medien nicht, weil ich russische Propaganda betreiben möchte, sondern weil ich aufzeigen möchte, wie in Russland über dieses oder jenes Thema berichtet wird. Oft kommt es dabei vor, dass ich Berichte übersetze, bei denen ich ganz oder teilweise anderer Meinung bin. Daher mache ich diese übersetzten Berichte auch immer als Übersetzungen kenntlich, denn ich bin nicht der Autor der Berichte, ich bin nur der Überbringer.
Dieser Hinweis war angesichts der aufgeheizten Stimmung nötig, wobei ich hinzufügen möchte, dass ich diesem Bericht des russischen Fernsehens vom Sonntag über den anstehenden Handelskrieg in fast allen Punkten zustimme.
Beginn der Übersetzung:
Der Westen macht keinen Hehl daraus, dass er Russland zerstören will
Präsident Wladimir Putin traf am Donnerstagabend mit Geschäftsleuten zusammen. Jedem ist klar, dass Russland schwierige Zeiten bevorstehen. Die Unternehmen werden unter Sanktionen arbeiten müssen. Andererseits wären unabhängig von den Ereignissen in der Ukraine in jedem Fall neue anti-russische Sanktionen verhängt worden. Schließlich interessiert diejenigen, die Sanktionen gegen uns verhängen, die Ukraine gar nicht. Für die westlichen Länder war die Ukraine immer nur ein Instrument zur Eindämmung Russlands.
Gleichzeitig hat Russland im Gegensatz zu seinen westlichen Partnern nicht die Absicht, seine eigene Wirtschaft oder die anderer Länder zu zerstören.
„Russland bleibt Teil der Weltwirtschaft. Daher haben wir nicht vor, dem System der Weltwirtschaft, von dem wir selbst ein Teil sind, Schaden zuzufügen. Deshalb denke ich, dass unsere Partner das verstehen und sich nicht die Aufgabe stellen sollten, uns aus diesem System herauszudrängen. Dennoch wird es, auch aus politischen Gründen, Einschränkungen geben“, sagte Wladimir Putin.
Unter welchen Bedingungen wird die Wirtschaft arbeiten müssen? Eine Reprotage unseres Deutschland-Korrespondenten.
In der zweiten Wochenhälfte verschwand die Ukraine nur einmal kurz aus die Schlagzeilen, als Angela Merkel in einem Geschäft das Portemonnaie gestohlen wurde. Sie war die erste der deutschen Kanzler, der so etwas passiert ist. Ansonsten kannten die Medien nur die Ukraine und Russland. Aggression und Krieg.
Am Donnerstag äußerte sich Bundeskanzler Olaf Scholz – zum ersten Mal in den acht Jahren des blutigen Konflikts – mit folgenden Worten: „Das alles passiert nicht weit weg von uns, sondern hier in Europa. Nur zwei Flugstunden von Berlin entfernt sitzen Familien in Luftschutzkellern. Frauen, Männer und Kinder fürchten um ihr Leben.“
Kürzlich leugnete er auf der Münchner Sicherheitskonferenz den Genozid an den Russen im Donbass und bezeichnete ihn als lächerlich. Aber wenn er selbst oder seine bereits erwähnte Vorgängerin nur ein einziges Mal so viel Mitgefühl für die unschuldigen Bewohner von Donezk oder Lugansk gezeigt hätten, wenn Frau Baerbock oder die vor ihr an der Spitze der deutschen Diplomatie stehenden Maas oder Steinmeier Kiew wenigstens einmal mit Sanktionen für die Nichtumsetzung des Minsker Abkommens gedroht hätten, anstatt dessen Sabotage zu fördern, dann gäbe es heute andere Nachrichten als diese.
„Wir haben bereits eine vollständige Blockade der russischen Banken. Die Geschäftsbeziehungen mit Russland sind also praktisch beendet“, sagte der deutsche Finanzminister Christian Lindner.
„Wir werden ganz deutlich reagieren: Das wird Russland zerstören“, betonte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock.
In dieser Woche hat die EU von Dienstag bis Freitag zwei Pakete anti-russischer Sanktionen beschlossen. Zum ersten Mal wurden gegen Wladimir Putin und Sergej Lawrow individuelle Beschränkungen verhängt – ihnen wird die Einreise in das Gebiet der EU nicht verwehrt, aber ihr Vermögen wird eingefroren. Alle sind sich jedoch des symbolischen Charakters der Aktion bewusst: Putin und Lawrow haben keine Vermögenswerte im Westen. Ebenso wenig wie Sergej Schoigu – auch sein Name steht auf der Sanktionsliste. Im Finanzsektor wurden die Banken Alfa, Otkritie, VTB, Sberbank, Rossiya und Promsvyazbank sanktioniert Brüssel hat heute das Einfrieren von auf Euro lautenden Vermögenswerten der russischen Zentralbank angekündigt.
„Da die Finanzsanktionen den Zugang Russlands zu wichtigen Kapitalmärkten einschränken, haben wir jetzt 70 Prozent des russischen Bankenmarktes im Visier. Aber auch wichtige staatliche Unternehmen, einschließlich des Verteidigungssektors. Und diese Sanktionen werden die Kreditkosten in Russland erhöhen, die Inflation ansteigen lassen und die industrielle Basis Russlands allmählich untergraben“, ist die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, zuversichtlich.
In den Bereichen Industrie und Verkehr gelten die Sanktionen für Aeroflot, die Russische Bahn, Kamaz, Sovkomflot, Sevmash und Uralvagonzavod. Etwa 60 Unternehmen aus dem militärisch-industriellen Komplex stehen auf der Liste. Die Europäische Kommission plant, die Hightech-Exporte nach Russland – von Halbleitern bis hin zu Luft- und Raumfahrtprodukten – um mehr als die Hälfte zu reduzieren.
Das britische Außenministerium erklärt, London werde nicht ruhen, bis Russlands Wirtschaft zerstört sei. Die britische Regierung war die erste in Europa, die den Luftraum für russische Flugzeuge, einschließlich Privatflugzeuge, gesperrt hat. Die Hälfte der NATO-Länder folgte, darunter Deutschland, dessen Luftraum für drei Monate geschlossen wurde, und Italien sowie Schweden, Finnland und Österreich. Als Gegenmaßnahme müssen die Fluggesellschaften dieser Länder nun ihre Flugrouten nach Asien ändern. Sie werden mehrere tausend Kilometer länger und kosten für die Passagiere einen erheblichen Mehrpreis in Euro. Aber daran denkt jetzt, im Sanktionswahn, niemand mehr.
„Wir müssen damit weitermachen, um das russische System zu strangulieren“, sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian.
Alle sollen sich jetzt an der Kampagne gegen Russland beteiligen, selbst die Regierung der nicht anerkannten Provinz Kosovo hat sich dem allgemeinen Chor zur Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine angeschlossen. Abgelehnt wurde das vom serbischen Präsidenten Vucic, einem Land, in dem nach seinen Worten 85 Prozent der Bevölkerung Russland unter allen Umständen unterstützen werden. Das ist die Antwort von Vucic auf die Forderung des ukrainischen Botschafters Aleksandrović, das Vorgehen Moskaus zu verurteilen:
„Ich bitte Sie, den Präsidenten Ihres Landes, Herrn Selensky, aufzufordern, die grausame und tragische Aggression, die die USA, Großbritannien, Deutschland und einige andere Länder gegen Serbien begangen haben, öffentlich zu verurteilen. Ich bin sicher, dass er das tun wird. Und wenn er das tut, werde ich gerne tun, worum mich Herr Aleksandrović gebeten hat. Es ist in unserem Interesse, auf dem europäischen Weg zu bleiben, ohne die guten Beziehungen zu Russland und China zu gefährden“, betonte Vucic.
Er ist einer von wenigen, die Mehrheit bricht – natürlich mit Begeisterung – die Brücken ab. Es liegt bereits ein drittes Sanktionspaket auf dem Tisch und ein radikaler Vorschlag: Russland soll vom SWIFT-Interbankensystem abgekoppelt werden.
„Wir sprechen über die Tatsache, dass Russland durch dieses System für Importe zahlt und Geld für alle Arten von Exporten, einschließlich Energie, erhält. SWIFT ist nicht einzigartig, es gibt Alternativen, sogar mehrere, aber für europäische Unternehmen ist es praktisch der einzige Mechanismus für die Interaktion mit Geschäftspartnern in Russland. SWIFT abzuschalten bedeutet also, ‚Atomwaffen‘ auf dem eigenen Territorium einzusetzen“, sagte Bruno Le Maire, französischer Finanzminister.
„Eine Aussetzung von SWIFT wäre technisch nur schwer vorzubereiten und hätte zudem enorme Auswirkungen auf den Zahlungsverkehr in Deutschland“, sagt Steffen Hebestreit, Sprecher der Bundesregierung.
Das würde bedeuten, dass Deutschland, das in hohem Maße von russischem Gas und Kohle abhängig ist, die Fähigkeit verlieren würde, seine Rechnungen zu bezahlen, was einen völligen Bruch der Energiezusammenarbeit mit Russland und eine Krise für alles bedeuten würde. Die Energieberatungsgruppe Wood Mackenzie stellt für diesen Fall eine apokalyptische Prognose auf: das Ende des Wirtschaftswachstums und die Zerstörung der Staatshaushalte.
„Wenn das gesamte russische Gas abgeschnitten würde, hätte Europa keine Chance. Wir wären mit einer katastrophalen Situation konfrontiert, in der die Gasreserven im nächsten Winter gegen Null tendieren würden. Die Preise wären exorbitant hoch. Die Industrie müsste stillgelegt werden. Die Inflation würde in die Höhe schnellen. Die europäische Energiekrise könnte durchaus eine weltweite Rezession auslösen“, sagte Ekaterina Filippenko, Chefanalystin für europäische Gasforschung bei Wood Mackenzie, gegenüber CNBC.
Die offensichtlichen Zweifel der Regierungen mehrerer Länder, darunter auch Italiens, an der Notwendigkeit solcher Opfer, haben sich beruhigend auf den Markt ausgewirkt, der Anfang der Woche durch die Nachricht über das Moratorium für die Zertifizierung von Nord Stream 2 als Reaktion auf die Anerkennung der Volksrepubliken im Donbass durch Russland erschüttert wurde. Von 1.600 Dollar pro tausend Kubikmeter sind die Preise auf rund 1.100 Dollar zurückgegangen. Die Frage der Inbetriebnahme der neuen Pipeline scheint jedoch auf absehbare Zeit vom Tisch zu sein, was die Chancen, dass die Gaspreise zumindest annähernd den Vorkrisenpreisen entsprechen, um ein Vielfaches senkt. Zumal die europäischen Gasreserven bereits unter 30 Prozent liegen. Die Amerikaner werden sich freuen, Gewinne zu machen – darum geht es ja -, aber weder sie noch alle alternativen Anbieter zusammen werden in der Lage sein, den Gasmangel durch Flüssiggas-Lieferungen auszugleichen.
„Europa hat die Gasspeicher während der Winterperiode sehr aktiv genutzt. Sie wurden zu den alten Preisen gefüllt, auch mit russischem Gas. Aber jetzt kommen sie mit leeren Lagern aus dem Winter. Der Preis auf dem Markt ist unglaublich hoch. Was tun? Weiter amerikanisches Flüssiggas kaufen und es für den nächsten Winter einlagern und ihnen danken? Sind die Europäer in den Jahren ihres glücklichen Lebens so fett geworden, dass sie zu solchen Experimenten bereit sind? Kaum“, meint ein Experte.
Aber Deutschland steht unter Druck und kann erdrückt werden, so wie Waffenlieferungen an die Ukraine durchgedrückt wurden. Am Tag zuvor wurde bekannt, dass 400 Panzerabwehrsysteme aus deutscher Produktion über die Niederlande geliefert werden sollen. Die USA wollen Europa einen Zermürbungskrieg mit Russland aufzwingen. Die „Zeit“ stellt die richtige Frage: Wer ist auf eine solche Konfrontation besser vorbereitet? Und es geht nicht nur um die Einnahmen im Energiesektor und um Devisenreserven in Höhe von 643 Milliarden Dollar, sondern auch darum, dass Russland aus den Sanktionskriegen Schlussfolgerungen gezogen hat.
„Nach den EU-Sanktionen verhängte Putin 2014 ein Lebensmittel-Embargo gegen die EU. Seitdem hat sich die russische Landwirtschaft in der Isolation gut entwickelt und Russland ist bei vielen Nahrungsmitteln weitgehend autark. Beim Brot sieht besonders gut aus, denn Russland ist nach Indien der zweitgrößte Weizenproduzent der Welt. Russland ist der größte Exporteur, auf den 20 Prozent des weltweiten Weizenhandels entfallen“, schreibt die „Zeit“.
Im für Europa schlimmsten Fall, wenn die Ukraine aus der Reihe der Exporteure ausscheidet, würde Russland bis zu einem Drittel des Weizenmarktes kontrollieren. Wie viel wird ein Brötchen in Deutschland oder ein Teller Spaghetti in Italien kosten, wenn der Handelskrieg voll entbrennt? Geht es nicht buchstäblich um die Frage, wer bereit ist, mehr Löcher in seinen Gürtel zu stechen?
„Wir stehen am Anfang eines echten Handelskriegs, der für viele sehr unerwartet sein wird. Niemand hat die Folgen berechnet: Wie wird Russland reagieren, wird es plötzlich den Verkehr durch sein Territorium einstellen, wird die Energie furchtbar teuer werden und das zur Lösung der Probleme und Schocks der Pandemie aufgebrachte Geld benötigt wird, um das bezahlen? Ein Handelskrieg würde die russische Wirtschaft sehr hart treffen, aber viele Experten sagen, dass das Leben im Westen empfindlich schlechter würde“, so der politische Analyst Alexander Rahr.
Am Samstagabend erklärte die deutsche Regierung, dass sie grundsätzlich nichts dagegen hätte, Russland von SWIFT abzukoppeln, allerdings irgendwie sektoral, um die Zahlungen für Energie nicht zu beeinträchtigen. Bei Sanktionen kommt es jedoch häufig vor, dass die Kralle stecken bleibt und der ganze Vogel verloren ist.
Am Mittwoch ist Europa in einer neuen Welt und einer neuen Zeit aufgewacht. Niemand kann sagen, was als Nächstes passieren wird, daher ist das keineswegs eine Vorhersage, sondern nur eine Gedankenstütze: Die Zeiten haben sich oft geändert, alles Mögliche ist passiert, aber eines ist konstant geblieben: Wenn das vereinigte Europa sich aufgemacht hat, Russland zu zerstören, ist das am Ende immer nach hinten losgegangen.
Ende der Übersetzung
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