Warum die Einteilung in „rechts“ und „links“ heute nicht mehr passend ist
Angesichts der aktuellen Rechts-Links-Debatte in Deutschland muss ich darauf hinweisen, dass diese Einteilung nicht mehr aktuell und sogar schädlich ist, weil sie Diskussionen über Sachthemen faktisch unmöglich macht.
Die Spaltung der Gesellschaft in „rechts“ und „links“ nimmt immer groteskere Formen an und führt vor allem dazu, dass die Menschen nicht mehr miteinander reden. Wenn jemand als „rechts“ bezeichnet wird, triggert das bei vielen derartig heftige Emotionen, dass sie das Gespräch abbrechen, weil man mit „so einem“ ja nicht reden kann und darf. Und umgekehrt ist es im Grunde das gleiche.
Wer dabei nicht sofort an das alte römische Prinzip „Teile und Herrsche“ denken muss, hat nicht verstanden, wie Machtpolitik funktioniert. Diese Spaltung der Gesellschaft ist gewollt, weil die Menschen damit beschäftigt sind, gegeneinander vorzugehen, anstatt sich mit dem auseinanderzusetzen, was die Regierung tut. Das Prinzip gibt es seit über 2.000 Jahren und es wird seitdem eingesetzt und ständig verbessert.
Dazu werden Kampfbegriffe geboren, in die viele Emotionen projiziert werden, und schon hat man eine Spaltung der Gesellschaft erreicht, in der die verschiedenen Gruppen sogar das Gespräch miteinander ablehnen. Das haben wir bei den angeblich so bösen „Querdenkern“ gesehen und natürlich erleben wir es täglich in der „Rechts-Links-Debatte“.
Woher kommt eigentlich links und rechts?
Die Einteilung in links und rechts kommt aus dem 19. Jahrhundert, als noch Könige und Fürsten herrschten und es eine Arbeiterklasse gab. Die Einteilung in links und rechts entstand dadurch, dass die Vertreter der Aristokratie, die alles so beibehalten wollte, wie es war, im Parlament rechts saß, während die Vertreter der Arbeiterklasse, die Veränderungen und sozialen Schutz erreichen wollten, links saßen.
So einfach ist die Einteilung aber heute gar nicht mehr, weil die Bevölkerung ihr Klassenbewusstsein verloren hat. Wobei das falsch formuliert ist, denn das Klassenbewusstsein wurde gezielt und sehr geschickt aus der Wahrnehmung der Menschen gerückt, während die „oberen Zehntausend“ ihr Klassenbewusstsein übrigens keinesfalls verloren haben.
Die Arbeiterklasse wurde für die Herrschenden vor hundert Jahren zu einem Problem, als sie sich zu organisieren begann, weil die Arbeiter den Aristokraten und Industriemogulen zahlenmäßig weit überlegen waren. Also hat man sich eine Strategie ausgedacht, die Arbeiterklasse zu spalten und schließlich sogar das Bewusstsein darüber zu tilgen, dass es so etwas wie eine Arbeiterklasse (heute könnte man sie beispielsweise „Klasse der kleinen Leute“ nennen) überhaupt gibt.
Darüber, wie das erreicht wurde, könnte man ein dickes Buch schreiben, denn das ist hochinteressant, führt hier aber zu weit. Aber das war ein erfolgreiches Beispiel für „Teile und Herrsche“.
Ich halte diese Einteilung in „links“ und „rechts“ mindestens für überholt. In unserer Zeit mit ihren komplexen Problemen und in der die „kleinen Leute“ vergessen haben, dass sie eine eigene Klasse sind, funktionieren solche pauschalen Einteilungen nicht mehr.
Was ist heute eigentlich links und rechts?
Da es das Klassenbewusstsein bei der Bevölkerung nicht mehr gibt, ist auch die Einteilung in rechts und links nicht mehr so einfach.
Nehmen wir zum Beispiel die Wirtschaftspolitik. Da ist es doch eigentlich ganz einfach oder? Links ist, wer „mehr Staat“ oder am besten gleich Verstaatlichung von (bestimmten) Unternehmen oder Branchen fordert. Und natürlich ist das für alle, die sich wirtschaftspolitisch nicht als „links“ bezeichnen ganz schlecht, denn die Geschichte von DDR und Sowjetunion ja (angeblich) gezeigt hat, dass das nicht funktioniert.
Das erste Kuriosum ist, dass jemand, der für die kompromisslose Freiheit der Märkte ist, sich nicht als „rechts“ bezeichnet. „Rechts“ ist nach heutigem Verständnis schließlich böse.
Aber Politik und Medien plädieren für freie Märkte, die angeblich alles am besten regeln können. Und obwohl das das Gegenteil der „linken“ Positionen ist, wird sie nicht als „rechts“ bezeichnet, sondern als „liberal“. Das klingt gleich viel besser, als „rechts“, denn „liberal“ bedeutet ja „frei“ und wer kann schon gegen „Freiheit“ sein?
Dabei geht es hier nur um die Freiheit der Wirtschaft, möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften und darauf möglichst wenig Steuern zu zahlen. Mit der Freiheit der Menschen hat das nichts zu tun. Unter Pinochet herrschte in Chile eine sehr liberale Wirtschaft, aber die Menschen in Chile waren nicht frei.
Begriffe werden ganz bewusst so gesetzt, dass sie in unserem Unterbewusstsein etwas auslösen. „Liberal“ finden die meisten gut, auch wenn sie gar nicht so genau wissen, was sich dahinter verbirgt. „Rechts“ wird als schlecht dargestellt, weil die Nazis ja (angeblich) „rechts“ waren. Dass die Nazis zumindest in Wirtschaftsfragen sehr links waren und den Begriff „Sozialismus“ im Namen ihrer Partei sehr ernst genommen haben, wird heute gerne vergessen.
„Links“ zu sein wird heute als positiv dargestellt, wobei das nicht für die Wirtschaftspolitik gilt, in der Wirtschaftspolitik gilt „links“ zu sein im besten Fall als naiv, im schlimmsten Fall sogar als gefährlich, weil die DDR und der Sozialismus sowjetischer Prägung ja links waren.
Man sieht, dass die Einteilung in „links“ und „rechts“ heute kompliziert ist. Und das war nur das Thema Wirtschaft, wenn wir andere Themen hinzu nehmen, wird es noch komplizierter.
Die Praxis in Deutschland
Auch in gesellschaftlichen Themen wie LGBT, Gender, Homoehe, Migration und so weiter verläuft die Spaltung der Gesellschaft entlang der angeblichen Linie „links“ und „rechts“. „Links“ ist für all diese Dinge, „rechts“ redet will „traditionelle Werte“. Eine sachliche Diskussion zwischen beiden Seiten wird unmöglich gemacht, weil die Kampfbegriffe „rechts“ und „links“ die Debatte beherrschen, anstatt dass über die konkreten Sachthemen gesprochen wird.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Was braucht eine Gesellschaft? Kinder. Wir hören immer vom „demografischen Wandel“, der uns zwingt, die Renten zu kürzen und das Renteneintrittsalter zu erhöhen. Im Klartext bedeutet „demografischer Wandel“ aber nur eins: Wir brauchen mehr Kinder in Deutschland.
Die richtige Diskussion wäre es also, wenn sich beide Seiten hinsetzen und darüber diskutieren, wie man das erreichen kann. Wie kann man die Deutschen dazu animieren, mehr Kinder zu bekommen? Wie kann man das Land kinderfreundlicher machen? Sollten Verheiratete ohne Kinder wirklich Steuervorteile haben, nur weil sie verheiratet sind? Oder sollten die bisher für Ehepaare geltenden Steuervorteile lieber für Menschen gelten, die Kinder (egal, ob eigene oder adoptierte) großziehen (also auch beispielsweise alleinerziehende Mütter)? Oder ist Migration die Lösung, weil die Kinder der Migranten in Deutschland integriert sind, arbeiten gehen und damit helfen, das demografische Problem zu lösen?
Über diese Dinge könnte man ja diskutieren, aber eine solche Diskussion ist in Deutschland fast unmöglich geworden, weil sofort die Kampfbegriffe über die bösen „Rechten“ fallen, wenn man beispielsweise die Migration hinterfragt oder für Kinderreichtum in deutschen Familien eintritt.
Als in Deutschland die Steuerklassen eingeführt wurden, da förderte man damit die Familien steuerlich, weil es damals noch üblich war, dass Familien Kinder hatten, denn es gab kaum Verhütungsmethoden. Oder wie Adenauer es ausdrückte: „Kinder bekommen sie immer“. Das ist heute bekanntlich anders.
Eine Lösung könnte es sein, die Steuervorteile, die man heute nach Leistung zweier Unterschriften auf dem Standesamt bekommt, nur noch denen zu geben, die tatsächlich Kinder in ihrem Haushalt großziehen. Egal, ob eigene, adoptierte oder Pflegekinder. Und egal, ob verheiratet oder nicht. Denn es ist doch eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass eine alleinerziehende Mutter eine schlechtere Steuerklasse hat, als ein kinderloses Ehepaar.
Und schon wäre – ganz nebenbei – auch der alte Streit um die Homoehe gelöst: wenn Homosexuelle Kinder großziehen, hätten sie die gleichen Steuervorteile, wie heterosexuelle Paare, die Kinder großziehen.
In so einer Diskussion würde man über ein konkretes Problem sprechen, das Deutschland hat. Und wenn man dabei ideologiefrei zu einer funktionierenden Lösung käme, dann wäre viel erreicht. Das findet aber nicht statt, denn die Kampfbegriffe „rechts“ und „links“ haben dafür gesorgt, dass die verschiedenen Gruppen das Gespräch miteinander faktisch ablehnen.
Das ist Teile und Herrsche in Reinkultur.
Wie schnell „Teile und Herrsche“ vertieft wird
Ich habe über das Thema „Links und Rechts“ schon 2018 einen Artikel geschrieben, den ich als Vorlage für diesen Artikel nehme. Dabei ist mir aufgefallen, wie schnell der LGBT/Genderwahn in die Köpfe gepflanzt wurde. 2018, also vor gerade mal sieben Jahren, war das Streitthema noch die Homoehe, über die vor dem Hintergrund des LGBT/Genderblödsinns heute schon niemand mehr spricht.
Noch vor wenigen Jahren war es ein Streit zwischen zwei Positionen – homo und hetero. Es hat nur wenige Jahre gedauert und die Gesellschaft wurde in noch kleinere Teile gespalten, nun sind es mindestens homo, hetero und diejenigen, die nicht „binär“ sind, die also nicht wissen, ob sie Männlein oder Weiblein sind. Leuten mit so einer geschlechtlichen Persönlichkeitsstörung empfehle ich einen Psychiater, das ist kein Thema für eine gesellschaftliche Diskussion, aber das ist nur meine bescheidene Meinung.
Aber das zeigt, wie schnell die Gesellschaft immer mehr und in immer kleinere Gruppen aufgespaltet werden kann. Und diese Gruppen lassen sich bequem aufeinander hetzen, während niemand der Regierung auf die Finger schaut.
Das ist Teile und Herrsche in Reinkultur.
Noch vor hundert Jahren hatten wir die Arbeiterklasse, den Bauernstand und die Aristokratie, zu der auch die Industriemogule gehörten. Heute hat nur letztere Gruppe ihr Klassenbewusstsein, dass sie etwas „besseres“ seien als die kleinen Leute, bewahrt.
Die Klasse der „kleinen Leute“ hingegen hat kein Klassenbewusstsein mehr. Sie wurde in den letzten hundert Jahren aufgespalten in Männer und Frauen (Feminismusdebatte), in hetero und homo (und was heute im Zuge der LGBT-Propaganda noch alles erfunden wird), in Einheimische und Migranten (die deutsche Gesellschaft zu spalten war in meinen Augen das wichtigste Ziel der massenhaften Einwanderung seit den 1950er Jahren) und so weiter.
Es gibt kein „rechts und links“
Wer sich an der „Rechts-Links-Debatte“ beteiligt und diese Begriffe („links-grün“, „Linke“, „Rechte“ etc.) nutzt, anstatt über Sachthemen zu sprechen, der unterstützt das Prinzip „Teile und Herrsche“ aktiv.
Ich habe es gerade in einem anderen Artikel geschrieben: Ich bin in gesellschaftlichen Fragen konservativ (also „rechts“), in wirtschaftlichen Fragen aber eher links. Ich bin für traditionelle Werte und für einen starken Staat, der eine Wirtschafts- und Sozialpolitik für die Menschen und den unternehmerischen Mittelstand macht, der in Deutschland gerade vernichtet wird, während die breite Masse immer schneller verarmt.
Bin ich nun ein Rechter oder bin ich ein Linker?
Das zeigt, dass die pauschale Einteilung in „rechts und links“ heute nicht mehr funktioniert. Sie ist nur noch ein Instrument zur Spaltung der Gesellschaft und zur Verhinderung des Dialoges zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft.
Daher sollte man sich daran nicht beteiligen, sondern lieber über konkrete Sachthemen sprechen, wenn man wirklich etwas zum Besseren ändern will.
Kommentare werden geladen...