Die Süddeutsche Zeitung berichtet unter der Überschrift „Deutsche Waffen in der Ukraine – „Kriegstauglichkeit stark infrage gestellt““ über einen Vortrag, den der deutsche stellvertretende Militärattaché an der deutschen Botschaft in Kiew vor deutschen Soldaten gehalten hat. Die modernen deutschen Waffen hätten sich in der Ukraine als zu teuer, zu kompliziert, zu fehleranfällig erwiesen: Die ukrainische Armee bemängele, dass viele der von Deutschland gelieferten Waffensysteme an der Front nur bedingt einsetzbar seien. Und das gilt nicht nur für deutsche Waffen.

Moderne westliche Waffen nicht „uneingeschränkt kriegstauglich“

Ich habe schon öfter berichtet, dass sich die modernen westlichen Waffen in der Ukraine nicht eben als erfolgreich erwiesen haben. Ja, die hochmodernen westlichen Waffen sind sehr gut, aber eben nur in der Theorie. Für einen echten Krieg sind sie nicht gemacht, weil ihre Wartung so kompliziert ist, dass sie nicht an der Front gewartet werden können.

Hinzu kommt, dass sie anfällig sind, wenn sie nicht einem sauberen Umfeld eingesetzt werden, aber an einer „echten“ Front ist es nun einmal nicht sauber, sondern sehr schmutzig. Schon Ende 2023 habe ich beispielsweise berichtet, dass ukrainische Soldaten sich über die hochmoderne französische Haubitze Caesar mit den Worten „die Dame ist sehr sauberkeitsbedürftig“ beschwert haben. Sie schieße zwar sehr schnell und sehr genau, aber sie müsse sehr sorgfältig gewartet werden und sei schlecht echte Kampfeinsätze angepasst, weshalb sie nur wenig zu Einsatz komme.

Und diese Kritik gilt offenbar für praktisch alle aus dem Westen gelieferten modernen Waffen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt über die Kritik aus der Ukraine an modernen westlichen Waffen:

„Zu teure Munition, zu anfällige Technik – und kaum an der Front instand zu setzen, lautet die ernüchternde Analyse der kampferprobten Ukrainer. (…) Hochmodernes Kriegsgerät aber, wie das Flugabwehrsystem Patriot, der Luft-Luft-Lenkflugkörper Iris-T, die Panzerhaubitze 2000 oder modernere Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A6 fallen bei den ukrainischen Kämpfern teilweise durch. So jedenfalls steht es in einem als „Verschlusssache“ eingestuften Protokoll des Vortrags des stellvertretenden Militärattachés in Delitzsch, das der Süddeutschen Zeitung, NDR und WDR vorliegt. Fazit des Papiers: „Uneingeschränkt kriegstauglich ist kaum ein deutsches Großgerät.““

Die in Deutschland hoch gelobte Panzerhaubitze 2000 kommt besonders schlecht weg, was bereits seit dem Beginn ihres Einsatzes in der Ukraine bekannt ist. Sie ist schlicht nicht für einen „echten“ Krieg mit hoher Schussrate gemacht, denn dabei überhitzt ihr Rohr und es muss ausgetauscht werden. Aber was nützt einem Artillerie, die nicht in der Lage ist, dauerhaft auf den Gegner zu feuern?

Laut der Süddeutschen Zeitung zeichne sie sich durch „so hohe technische Anfälligkeit“ aus, dass die „Kriegstauglichkeit stark infrage gestellt“ werde. Außerdem schreibt die Süddeutsche:

„Die Panzerhaubitze 2000 beispielsweise gilt im Feld schon länger als anfällig: Es gebe Softwareprobleme oder das Geschützrohr überhitze und müsse ausgetauscht werden, heißt es aus der Ukraine. Dabei gilt das Waffensystem grundsätzlich als leistungsfähig und präzise.“

Auch der Stolz der deutschen Rüstungsindustrie, der Leopard 2, bekommt von der Ukraine schlechte Noten, wie man in der Süddeutschen über die modernste Variante des Panzers lesen kann:

„Beim (…) Kampfpanzer Leopard 2A6, sei der Aufwand der Instandsetzung hoch, und oft keine Feldinstandsetzung, also eine Reparatur an der Front, möglich.“

Und auch für die aus dem Westen gelieferten Luftabwehrsysteme gilt das gleiche – sie sind eigentlich gut, aber für einen echten Kriegseinsatz ungeeignet, was bei der Süddeutschen so klingt:

„Das Luftverteidigungssystem Iris-T SLM sei sehr wirkungsvoll, allerdings sei der Preis für die Munition zu hoch und diese „nicht in der notwendigen Zahl vorhanden“. Die Patriot-Raketenbatterien seien ebenfalls grundsätzlich ein „hervorragendes Waffensystem“, aber „untauglich für Kriegseinsatz, weil Trägerfahrzeug zu alt und keine Lieferung Ersatzteile seitens Hersteller mehr möglich““

Da die Drohnen, gegen die Iris-T vor allem eingesetzt wird, ziemlich billige Waffen sind, ist die Munition der Iris-T im Vergleich viel zu teuer, heißt es an anderer Stelle bei der Süddeutschen Zeitung noch.

Ich habe schon oft geschrieben, dass die westlichen Hersteller nach dem Kalten Krieg, als der Westen die Welt dominiert hat, verlernt haben, gute Waffen zu bauen. Ja, auf dem Papier sind sie hervorragend und sie sind hochpräzise, aber sie sind nicht für echte Kriege konstruiert, sondern für Kommando-Unternehmen und kurze Militäroperationen gegen unterlegene Gegner wie den Irak, Libyen und so weiter.

Außerdem wurde es für die westlichen Rüstungskonzerne zum Geschäftsmodell, das große Geld mit den Wartungsverträgen für ihre Waffen zu machen, die sie zusammen mit den Waffen verkaufen. Daher haben die westlichen Rüstungskonzerne ein Interesse daran, die Wartung ihrer Waffen besonders kompliziert zu machen, um daran mehr zu verdienen.

Das Ergebnis sieht man in der Ukraine: Die tollen westlichen Hightech-Waffen sind in der Praxis eines „echten“ Krieges nicht „unbedingt kriegstauglich“.

Die alten Waffen funktionieren

Anders ist es mit den Alt-Waffen, die der Ukraine ebenfalls geliefert wurden. Die funktionieren, sind aber natürlich veraltet. Über die alten deutschen Panzer-Modelle heißt es bei der Süddeutschen beispielsweise:

„Der alte, 2010 bei der Bundeswehr außer Dienst gestellte Flak-Panzer, ist aus ukrainischer Sicht das „beliebteste, effizienteste und zuverlässigste Waffensystem“. Der bereits in den 1970er-Jahren entwickelte Panzer holt nicht nur zuverlässig russische Drohnen vom Himmel, er hat sich auch an der Front bewährt, gilt als robust und wenig anfällig. Auch der in die Jahre gekommene Schützenpanzer vom Typ Marder, von den Ukrainern liebevoll als Fronttaxi bezeichnet, steht auf der Beliebtheitsskala der Kiewer Kämpfer weit oben.“

Fast schon lustig ist, dass die Ukraine offenbar mit dem hoffnungslos veralteten Leopard 1 glücklicher zu sein scheint, als mit dem modernen Leopard 2, weil der Leopard 1 immerhin funktioniert, auch wenn er wegen seines uralten Designs nur begrenzt einsetzbar ist:

„Der fast 60 Jahre alte Leopard 1, gilt dem Papier nach zwar als „zuverlässig“, werde „aber aufgrund zu schwacher Panzerung oft nur als Behelfsartillerie eingesetzt“.“

Das bestätigt meine These, dass die westlichen Hersteller nach dem Kalten Krieg verlernt haben, gute Waffen zu bauen, denn die Waffen aus dem Kalten Krieg funktionieren immerhin. Das Problem ist natürlich, dass sie hoffnungslos veraltet und daher leichte Ziele für die russischen Waffen sind.

Was bedeutet das für die Aufrüstung?

Die neue Bundesregierung will nun jedes Jahr fast hundert Milliarden Euro in den Kauf neuer Waffen stecken. Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen jedoch, dass das Geld aus dem Fenster geworfen wird, weil diese Waffen für einen Krieg mit Russland, für den sie ja angeblich angeschafft werden, gar nicht wirklich zu gebrauchen sind.

Vor allem schwere Panzer scheinen im modernen Krieg kaum mehr Nutzen zu bringen, weil sie leichte Ziele für Drohnen sind. So zerstört eine Drohne für 10.000 Euro heute schon Kilometer von der Front entfernt mühelos einen Millionen Euro teureren Panzer, bevor der seinen eigentlichen Zweck an der Front erfüllen kann.

Der moderne Krieg ist wieder ein Krieg der Infanterie und der Schützengräben, das ist die Folge der Drohnen. Hinzu kommt, dass die NATO in ihren Strategien seit Jahrzehnten alles darauf ausrichtet, die totale Luftüberlegenheit zu haben. Aber gegen Russland, dessen Luftabwehr die wohl beste der Welt ist, wird die NATO kaum die totale Luftüberlegenheit gewinnen.

Im Kriegsfalle würde das bedeuten, dass Panzer nutzlos sind und dass westliche Soldaten den Krieg ganz neu lernen müssen, weil sie weitgehend ohne Panzer- und Luftunterstützung dastünden.

Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass der moderne Krieg wieder ein Krieg der Artillerie ist, zu dem die Drohnen hinzugekommen sind, bei dem Infanteristen in Schützengräben eingegraben sind und versuchen, die Stellungen des Gegners Mann gegen Mann zu erstürmen.

Da werden all die modernen westlichen Waffen, die die Bundesregierung nun bestellen will, keinen allzu großen Nutzen haben, zumal die westliche Artillerie – siehe französische Caesar oder deutsche Panzerhaubitze 2000 – unter den Bedingungen einer solchen Front nicht „uneingeschränkt kriegstauglich“ sind.

Ändern lässt sich daran so schnell nichts, denn die Neuentwicklung von Waffen dauert viele Jahre. Das bedeutet, dass die hunderten Milliarden, die nun für die Bundeswehr ausgegeben werden sollen, im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt werden.