Der Streit in den USA um den Krieg gegen den Iran
In den USA ist man sich über den Krieg gegen den Iran uneins, Trump könnte sogar seine eigene MAGA-Bewegung spalten und seine eigenen Anhänger verprellen.
Diese Woche war der Bericht des USA-Korrespondenten, den das russische Fernsehen am Sonntagabend in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick gezeigt hat, besonders interessant, denn er zeigte auf, wie groß der Widerstand gegen Trumps Angriff auf den Iran in seiner eigenen Anhängerschaft ist. Daher habe ich den russischen Bericht aus den USA, wie fast jede Woche, übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Trump hat den Iran mit dem „Mitternachtshammer“ angegriffen und mit Fortsetzung gedroht
Es ist kein Geheimnis, dass der Verlauf des Krieges zwischen Israel und dem Iran direkt von den USA abhängt. Sollte Donald Trump sich zu einer offenen Intervention für Israel entschließen, wäre die Zahl der Opfer schwer vorherzusagen, und die globale Lage würde sich bis zur Unkenntlichkeit verändern. Trump hat sich und dem Iran maximal zwei Wochen Zeit zum Nachdenken gegeben. Dieses Zögern hat nicht nur die amerikanische Gesellschaft, sondern auch die Reihen von Trumps Verbündeten gespalten, wie unser USA-Korrespondent berichtet.
Nachdem Donald Trump eilig eine MAGA-Kappe aufgesetzt hatte, tauschte er seinen Golfschläger gegen den „Mitternachtshammer“, das ist der Codename für den Angriff auf den Iran, dessen Verlauf der US-Präsident gemeinsam mit seinem Team vom Lagezentrum des Weißen Hauses aus live verfolgt hat. Trotz des Versprechens, zwei Wochen zu warten, wurde der „Hammer“ herausgeholt.
Es folgte eine Eilmeldung Bei Fox News: „Vor wenigen Minuten verkündete Präsident Donald Trump in sozialen Medien: ‚Wir haben unseren erfolgreichen Angriff auf drei iranische Atomanlagen, darunter Fordo, Natanz und Isfahan, abgeschlossen. Alle Flugzeuge befinden sich nun außerhalb des iranischen Luftraums. Herzlichen Glückwunsch an unsere großartigen amerikanischen Krieger. Keine andere Armee der Welt könnte das leisten. Jetzt ist die Zeit für Frieden.‘“
Frieden ist Krieg. Wie vertraut.
Trump, der erste amerikanische Präsident seit 1979, der den Iran angegriffen hat, fügte hinzu, Teheran müsse zustimmen, den Krieg zu beenden. Und dann schaltete er sich live ein. Er war sichtlich erregt, als er erklärte: „Vor kurzem startete das amerikanische Militär massive, präzise Angriffe auf drei wichtige Atomanlagen des iranischen Regimes: Fordo, Natanz und Isfahan. Unser Ziel war es, die iranischen Urananreicherungsanlagen zu zerstören und die nukleare Bedrohung durch den weltweit größten staatlichen Förderer des Terrorismus zu beenden. Heute kann ich der Welt sagen, dass die Angriffe ein spektakulärer militärischer Erfolg waren. Irans wichtigste Urananreicherungsanlagen wurden vollständig und dauerhaft zerstört.“
Hinter Trump standen der Vizepräsident, der Außenminister und der Verteidigungsminister. Ihre Positionen spiegelten teilweise das Machtgefüge wider. Vance lehnte die Angriffe ab, er stand auf der linken Seite. Rubio und Hegseth waren dafür, sie standen auf der rechten Seite. Der US-Präsident schloss sich der Mehrheit an und drohte mit weiteren Angriffen: „Es wird Frieden geben, oder es wird eine weitaus größere Tragödie für den Iran geben. Es gibt noch viele Ziele. Diese Nacht war die schwierigste von allen und vielleicht die tödlichste. Aber wenn der Frieden nicht schnell kommt, werden wir diese anderen Ziele mit Präzision, Geschwindigkeit und Geschick angreifen. Die meisten von ihnen können innerhalb von Minuten zerstört werden. Keine Armee der Welt könnte leisten, was wir heute Nacht geleistet haben, nicht einmal annähernd.“
Die technischen Details der Operation „Midnight Hammer“ unter dem Kommando von General Michael Kurilla, genannt Gorilla, überließ Trump dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs und dem Pentagon-Chef. Am Morgen hatte das US-Verteidigungsministerium bereits nicht mehr geheime Karten erstellt und sie Journalisten präzisiert. Pete Hegseth selbst war jedoch etwas verwirrt, denn erklärte dazu: „Wir hatten B-2-Bomber, die in die Innenstadt Teherans ein- und ausflogen, nicht aus Teheran. Entschuldigung, aus den Atomanlagen, rein und raus und wieder zurück, und die Welt wusste nichts davon. In diesem Sinne war es historisch. Diese Operation, die den längsten Einsatz des B-2 Spirit-Bombers seit 2001 und den ersten Kampfeinsatz von Bunkerbrechern, einem leistungsstarken Kampfmittel, umfasste, demonstrierte der Welt ein Maß an Teamwork und Integration unter den Verbündeten, das für die Stärke unseres Bündnisses und unserer vereinten Streitkräfte spricht.“
Insgesamt waren mehr als 125 US-Flugzeuge an der Mission beteiligt: Bomber, Kampfflugzeuge, Tanker und Aufklärungsflugzeuge. „Midnight Hammer“ war die zweitgrößte Mission der getarnten B-2 seit dem 11. September. Die Tarnung spielte dabei eine große Rolle. Die US-Luftwaffe führte ein Ablenkungsmanöver durch. Einige der Maschinen, die vom Luftwaffenstützpunkt Whiteman in Missouri starteten, flogen wie angekündigt nach Guam. Die sieben Maschinen der Einsatzgruppe flogen jedoch unter Funkstille in den Nahen Osten. Während des 18-stündigen Fluges wurden sie mehrmals in der Luft betankt. Flugzeuge zur Deckung schlossen sich den B-2-Bombern direkt an der iranischen Grenze an.
Generalleutnant der Luftwaffe Dan Kane, Vorsitzender der Vereinigten Stabschefs der USA, erklärte dazu: „Als das Angriffsgeschwader Midnight Hammer in den iranischen Luftraum eindrang, setzten die USA verschiedene Täuschungstaktiken ein, darunter Ziele zur Täuschung. Flugzeuge der vierten und fünften Generation bewegten sich in großer Höhe und Geschwindigkeit vor der Angriffswelle und schützten sie so vor feindlichen Kampfflugzeugen und Boden-Luft-Raketen. Derzeit sind uns keine Schüsse auf die US-Angriffsflugzeuge auf dem Weg dorthin bekannt. Gegen 18:40 Uhr, 2:10 Uhr iranischer Zeit, warf der führende B-2-Bomber zwei großkalibrige GBU-57-Bomben auf den ersten von mehreren Zielpunkten in Fordo ab. Auch die übrigen Bomber trafen ihre Ziele. Insgesamt wurden 14 Bomben auf zwei nukleare Ziele abgeworfen.“
Die Anlage in Isfahan hatten die Amerikaner bereits mit Tomahawks angegriffen. Die Führung des US-Kongresses wusste von den Angriffen. Laut Axios informierte das Weiße Haus Israel im Voraus über die geplanten Angriffe. Laut CBS kontaktierten sie auch Teheran, um mitzuteilen, dass sie nur präzise Angriffe und keinen Regimewechsel planten.
Wie US-Vizepräsident Vance in einem Interview erklärte, stellte Trump, nachdem er Mitte Mai zu dem Schluss gekommen war, dass die Verhandlungen mit dem Iran zu nichts führten, nicht-öffentliche Ultimaten. Vance versicherte jedoch, dass die USA nicht an einer Bodenoffensive interessiert seien: „Die USA befinden sich nach den Angriffen auf die Atomanlagen der Islamischen Republik nicht im Krieg mit dem Iran“, sagte US-Vizepräsident J.D. Vance. Die USA seien nicht daran interessiert, Bodentruppen in den Iran zu entsenden oder einen langwierigen Konflikt zu provozieren, der für die Region „absolut verheerend“ wäre.
Gleichzeitig, so Vance, ist Washington trotz der triumphierenden Berichte des Pentagons nicht hundertprozentig sicher, dass die iranischen Atomanlagen vollständig zerstört wurden. Es sei eher eine Verzögerung des Atomprogramms. Das heißt, Verhandlungen wird es letztlich dennoch geben. Außenminister Rubio wiederum erklärte, die USA seien mit der Fortsetzung einverstanden. Washington sei nicht gegen den Bau von Reaktoren in Teheran, lediglich das angereicherte Material müsse dem Ausland gehören.
Die Amerikaner fürchten nun vor allem, dass der Iran die Straße von Hormus, einen Weg für die Lieferung von Öl und Gas aus dem Nahen Osten, schließen könnte. Um eine solche Entwicklung zu verhindern, wendet sich das Weiße Haus an Peking, wie Rubio erklärte: „Ich fordere die chinesische Regierung in Peking dringend auf, sie darüber zu informieren, da sie in hohem Maße von der Ölversorgung durch die Straße von Hormus abhängig ist. Sollten sie das tun, wäre dies ein weiterer schwerwiegender Fehler. Es wäre wirtschaftlicher Selbstmord für sie. Wir haben Möglichkeiten, damit umzugehen. Aber auch andere Länder sollten darauf achten. Das wird den Volkswirtschaften anderer Länder viel mehr schaden als unserer.“
Es gibt viele Möglichkeiten zur Eskalation. Auch wenn die USA versichern, dass keine neuen Operationen geplant sind, deutet das Ausmaß der bisherigen militärischen Vorbereitungen darauf hin. Der Flugzeugträger Carl Vinson befindet sich im Arabischen Meer. Ein zweiter, die Nimitz, nähert sich vom Indischen Ozean. Und inzwischen nähert sich im Mittelmeer ein dritter Flugzeugträger, die Gerald R. Ford. Außerdem werden Flugzeuge verlegt. In Saudi-Arabien sind bereits über mehr als 50 F-16-Kampfflugzeuge, 22 Tankflugzeuge und mindestens zehn C-130-Militärtransportflugzeuge.
Das sind Ausmaße wie aus Hollywood und im US-Fernsehen werden Vergleiche zum letzten Top-Gun-Film gezogen.
Aber das sind technische Details. Moralisch richtig zu liegen, ist komplizierter. Auf der Suche danach ist Trump in den letzten Tagen bereit, jeden Ball zu spielen, sogar mit Juventus Turin, dessen Mannschaft ihn besucht hat, wobei Trump prahlte: „Wir haben die beste militärische Ausrüstung der Welt. Sehen Sie das in dieser Schlacht? Wir haben Flugzeuge, die nicht zu entdecken sind, sie fliegen, als ob niemand zusieht, sie sind unsichtbar. Wollen Sie heute Abend unsichtbar sein? Wissen Sie, man kann unsichtbar sein. Man wird nie verlieren. Wirklich. Aber das sind unglaubliche Flugzeuge und Waffen. Wir haben mit Abstand die besten Waffen der Welt.“
Streng logisch betrachtet, sind auch die iranischen Atomwaffen unsichtbar. Weder die IAEA noch der amerikanische Geheimdienst haben Spuren davon gefunden.
Journalisten fragten Trump: „Welche Informationen haben Sie darüber, dass der Iran Atomwaffen herstellt? Ihre Geheimdienste haben erklärt, derzeit keine Beweise dafür zu haben.“
„Dann liegen meine Geheimdienste falsch. Wer hat das gesagt?“, fragte Trump.
„Die Direktorin der Nationalen Geheimdienste Tulsi Gabbard.“
„Sie irrt sich“, sagte US-Präsident Donald Trump.
Gabbard, deren Karriere an der Spitze der 18 US-Geheimdienste plötzlich in der Schwebe war, nahm sofort alles zurück, was sie über die Jahre gesagt hat. Nach Trumps Angriff auf sie schrieb sie eilig: „Amerika hat Geheimdienstinformationen, dass der Iran an dem Punkt ist, an dem er innerhalb von Wochen oder Monaten eine Atomwaffe bauen kann, wenn er sich entscheidet, die sie bauen. Präsident Trump hat klargestellt, dass das nicht passieren darf, und ich stimme dem zu.“
Donald sagte, wie es sein soll, und Tulsi antwortete „Jawoll!“.
Allerdings hat sie den Falken im März bei einer Kongressanhörung mutig die unbequeme Wahrheit gesagt: „Die Geheimdienst-Community geht weiterhin davon aus, dass der Iran keine Atomwaffen baut und dass der Oberste Führer Khamenei das 2003 ausgesetzte Atomprogramm nicht genehmigt hat.“
Wenn es keine Beweise gibt, braucht man theatralische Requisiten, wie bei den nicht existierenden irakischen Massenvernichtungswaffen und Colin Powells Reagenzglas. Und es ist einfacher als man denkt, dass Trump sich in Bush Jr. verwandelt. Im Internet kursieren bereits Fotos, auf denen Trump teilweise Gesichtszüge von Bush bekommen hat, während Verrückte wie Lindsey Graham nur darauf warten, dass Trump gleich drei Kriege anzettelt: mit Russland, mit China und mit dem Iran, denn Graham sagte: „Ich kann Ihnen garantieren: Wenn der Ayatollah eine Atomwaffe bekommt, wird er sie auch einsetzen. Daran glaube ich von ganzem Herzen. Und wenn Sie Soldaten fragen, ob sie bereit sind, ihr Leben zu riskieren, um den Ayatollah daran zu hindern, eine Atomwaffe zu bekommen, werden alle mit ‚Ja‘ antworten, weil das unser Land sicherer macht.“
Die Falken wollen gar nicht darüber nachdenken, welchen Preis Amerika selbst zahlen könnte, denn der Iran ist nicht der Irak oder Afghanistan. Tucker Carlson hat einen von ihnen, Ted Cruz, im Interview kalt erwischt, wobei es folgenden Dialog gab:
Carlson: Übrigens, wie viele Menschen leben im Iran?
Cruz: Ich habe keine Ahnung.
Carlson: Sie kennen die Einwohnerzahl des Landes nicht, dessen Regime Sie stürzen wollen?
Cruz: Nun, wie viele?
Carlson: 92 Millionen. Wie kommt es, dass Sie das nicht wissen?
Cruz: Ich habe andere Dinge zu tun, als mir solche Zahlen zu merken.
Carlson: Nun, Sie sollten solche Dinge wissen, da Sie sich entschieden haben, irgendwo ein politisches Regime zu stürzen.
Cruz: Was macht es für einen Unterschied, wie viele Menschen dort leben, 90, 80 oder 100 Millionen?
Carlson: Einen riesigen Wenn Sie nichts über das Land wissen…
Cruz: Ich habe nicht gesagt, dass ich nichts darüber weiß.
Carlson: Okay, welche ethnischen Gruppen leben dort?
Cruz: Perser, hauptsächlich Schiiten…
Carlson: Wie viel Prozent?
Cruz: Gut.
Carlson: Nein, nicht gut! Sie wissen nichts über den Iran…
Cruz: Ja, im Gegensatz zu Tucker Carlson bin ich kein Iran-Experte.
Carlson: Sie sind ein amerikanischer Senator, der den Sturz der dortigen Regierung fordert! Und Sie haben keine Ahnung, was für ein Land das ist!
Es heißt, das könnte das Ende der Senatskarriere für Cruz bedeuten. Tucker hat seine Karriere bei Fox News vor zwei Jahren beendet und erlaubt sich seitdem, sogar Trump zu kritisieren: „Ich mag Trump sehr. Im Herzen ist er ein Humanist. Und ich sage das jetzt, weil ich befürchte, dass mein Land, wenn es einen Krieg mit dem Iran beginnt, letztlich geschwächt wird. Und das würde mit dem Zusammenbruch des amerikanischen Imperiums enden. Ich verstehe, dass viele Länder sehnsüchtig darauf warten. Der ideale Weg, dies zu erreichen, wäre, das Schiff ‚Amerika‘ an den Felsen des Iran zu zerschmettern. Aber es würde auch Trumps Präsidentschaft beenden. Endgültig.“
Trumps Tadel kam sofort: „Kann dem verrückten Tucker Carlson bitte mal jemand erklären, dass der Iran keine Atomwaffen besitzen darf?“
Nachdem Carlson sich mit dem Präsidenten über einen möglichen Krieg mit dem Iran zerstritten hatte, entschuldigte er sich laut Trump schließlich bei ihm. Doch nicht jeder in der MAGA-Bewegung ist bereit, sofort die Treue zu schwören. Marjorie Taylor Greene zum Beispiel ist nicht dazu bereit und erklärte: „Wir haben jahrzehntelang beobachtet, wie die Propagandamedien Fox News und die New York Post, die als neokonservative Nachrichtensender bekannt sind, dem amerikanischen Volk eingeredet haben, die USA müssten in die Kriege anderer eintreten, um ihr Überleben zu sichern. Ein Krieg im Nahen Osten hat Amerika 20 Jahre zurückgeworfen, in der Zeit, als viele Lügen über den 11. September verbreitet wurden, nur um dann festzustellen, dass nichts davon wahr war.“
Taylor Greene und andere wie sie sind Trump gefolgt, weil er den Deep-State-Globalisten – egal, ob liberalen Demokraten oder republikanischen Neokonservativen – mit seinem Slogan „America First“ die Stirn bot und dafür zweimal fast gestorben wäre.
Auch Trumps ehemaliger wichtiger Berater Stephen Bannon kritisiert Trump nun öffentlich: „Ich glaube, die Republikanische Partei hasst alle politischen Thesen von Trump, insbesondere jene, die mit seinem Wunsch zu tun haben, die endlosen Kriege zu beenden. Sie hassen sie an der Wall Street, sie hassen sie in der Rüstungsindustrie, und sie hassen Trumps Haltung gegenüber Leuten, die glauben, Amerika sei ein Imperium, das Stein für Stein abgebaut werden müsse, weil es im Grunde nur die innere Struktur der USA zerstört hat.“
Für die Nutznießer dieses Modells ist Amerika eine Art riesige Kriegsmaschine, angetrieben von ständig steigenden Verteidigungsbudgets. Und die Nutznießer sind wie die Besitzer der Tankstelle der Maschine. Es werden die bizarrsten Argumente vorgebracht. Rund um die Uhr waren Forderungen nach einer Bombardierung des Iran zu hören.
Außerdem wird Trump, der Fox regelmäßig schaut, dort ständig Trump gezeigt. Doch Trump hat sich zum Iran diametral früher entgegengesetzter geäußert. 2011 warnte er Obama vor dem Abgrund, in den er nun bereit ist, selbst kopfüber zu stürzen: „Unser Präsident wird einen Krieg mit dem Iran beginnen, weil er absolut nicht fähig zu Verhandlungen ist. Er ist schwach und ineffektiv. Daher kann er nur dann wiedergewählt werden, wenn er einen Krieg mit dem Iran beginnt“, behauptete Donald Trump 2011.
Obama hat den Iran nicht angegriffen. Er hat Libyen angegriffen, wo er den Regimewechsel später als seinen schwersten Fehler bezeichnete. Das Machtvakuum nach Gaddafis Abgang brachte Monster hervor, so wie es im enthaupteten Irak den IS hervorgebracht hatte. Trump fürchtet ein zweites Libyen, schreibt Trumps Lieblingszeitung New York Post: „Es gibt zwei Gründe, warum Trump über Libyen spricht: Erstens das Chaos nach dem, was wir Gaddafi angetan haben. Zweitens, weil die Intervention in Libyen Verhandlungen mit Ländern wie Nordkorea und dem Iran erschwert hat, sagte eine Quelle, die den Präsidenten diesen Vergleich direkt sagen hörte.“
Der Machtwechsel in Libyen wurde, wie der gesamte „Arabische Frühling“, der in den USA als eine Reihe von Volksaufständen bezeichnet wird, obwohl die CIA die sogenannten Rebellen in Libyen bereits vor Beginn ihrer Aufstände geführt hat. Die aktuellen angespannten Beziehungen zwischen Washington und Teheran begannen im Grunde mit der amerikanischen Einmischung in die inneren Angelegenheiten Irans und dem daraus resultierenden völligen Misstrauen zwischen den Ländern.
Die Operation Ajax war der erste erfolgreiche Versuch der CIA, eine demokratisch gewählte Regierung im Ausland zu stürzen. Das war der Ursprung aller Farbrevolutionen. Das nationale Trauma, das mit dem Sturz Mossadeghs verbunden war, wurde zu einem Schlüsselfaktor, der schließlich zur Islamischen Revolution führte. 46 Jahre später erzählt das amerikanische Fernsehen erneut, wie Iraner zu leben haben und wie nicht. Frauen sollen Auto fahren dürfen, Zugang zu Bildung bekommen und so weiter.
Reza Pahlavi, der Sohn des geflohenen Schahs von Iran, soll diesen fiktiven Iran – denn in Wirklichkeit fahren Frauen im Iran Auto, unterrichten an Universitäten und sitzen im Parlament – offenbar wieder auf den Weg der westlichen Zivilisation führen. Er bedroht Teheran von Los Angeles aus und erklärt: „Die Islamische Republik ist am Ende und bricht zusammen. Was begonnen hat, ist nicht mehr aufzuhalten. Die Zukunft ist rosig und gemeinsam werden wir diesen Wendepunkt in der Geschichte überwinden. Jetzt ist es an der Zeit aufzustehen und den Iran zurückzuerobern. Ja, ich werde bald bei euch sein.“
Pahlavi schafft das ohne amerikanische Hilfe nicht. Laut NBC wendet sich Trump an einen sehr engen Kreis von Vertrauenspersonen, um Ratschläge für sein weiteres Vorgehen zu erhalten. Die engste Person dort ist Vizepräsident Vance, der vermutlich dagegen ist, dass Israel die USA in einen neuen Krieg hineinzieht.
„Ich habe ihm geraten, auf seine Instinkte zu vertrauen. Sie sind ausgeprägter als die jedes Präsidenten oder anderen politischen Führers“, sagte US-Vizepräsident J.D. Vance.
Umfragen zufolge sind mehr als die Hälfte der Wähler der Republikanischen und Demokratischen Partei gegen US-Angriffe auf den Iran. Eine seltene Einigkeit für Amerika, das in allen grundlegenden Fragen gespalten ist und dessen geeinte Kriegspartei, wie sich herausstellt, diesen Krieg bereits verliert.
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