Wie sehr deutsche Medien wie der Spiegel mit zweierlei Maß messen, wird deutlich, wenn man Artikel über Beschuss von Städten im Ukraine-Konflikt vergleicht. In der Nacht auf den 17. Januar hat die russische Armee Ziele in Charkow beschossen, wobei es nach offiziellen ukrainischen Angaben 17 Verletzte, aber keine Toten gab, was dem Spiegel einen eigenen Artikel mit der Überschrift „Wohnhäuser getroffen – Viele Verletzte bei Angriffen auf Charkiw und Odessa“ wert war.

Dass sich später herausstellte, dass dabei keine zivilen Wohnhäuser beschossen wurden, sondern dass der Angriff ausländischen Söldnern galt, und dass dabei nach russischen Angaben 60 von ihnen, die meisten Franzosen, ums Leben gekommen sind, hat der Spiegel hingegen nicht berichtet. Russland hat daraufhin den französischen Botschafter ins Außenministerium vorgeladen, was dem Spiegel auch keine Meldung wert war. Gleiches gilt für die sehr wahrscheinliche Annahme, dass es sich bei den Söldnern um Mitglieder der französischen Fremdenlegion, also um reguläre französische Soldaten gehandelt haben dürfte, was die Vorladung des französischen Botschafters erklären würde. Über die französische Reaktion auf diese Vorwürfe werde ich noch gesondert berichten, derzeit warte ich die weiteren Nachrichten ab.

Aber zurück zum Thema. Russischer Beschuss der Stadt Charkow, bei dem es nach offiziellen Angaben 17 Verletzte und keine Toten gegeben hat, war dem Spiegel einen eigenen Artikel wert. Dass die Ukraine am Sonntag einen Markt in Donezk beschossen hat, wobei 25 Zivilisten getötet und 20 verletzt wurden, war dem Spiegel hingegen keinen eigenen Artikel wert. Das hat der Spiegel nur in seiner Zusammenfassung der Ereignisse des Tages erwähnt, wobei der Spiegel diese Tragödie immerhin in die Überschrift der Zusammenfassung geschrieben hat, die lautete „Krieg in der Ukraine – Viele Tote nach mutmaßlichem Angriff auf russisch besetztes Donezk„

Schon die Überschriften zeigen den Unterschied in dem, was in Deutschland als „Berichterstattung“ bezeichnet wird, denn der Spiegel gibt seinen Lesern vor, was sie denken sollen. Im Falle des Beschusses von Charkow wurde in der Überschrift erwähnt, dass „Wohnhäuser getroffen“ wurden und ohne jede Einschränkung wurde von „vielen Verletzten“ gesprochen.

Ganz anders bei dem Beschuss von Donezk. Damit die Spiegel-Leser wissen, was die denken sollen, war von einem „mutmaßlichen Angriff auf das „russisch besetzte Donezk“ die Rede. Dass ein Mark beschossen wurde, stand nicht in der Überschrift, und das Wort „mutmaßlich“ suggeriert, dass es den Angriff vielleicht gar nicht gegeben hat (alles nur „russische Propaganda“), und dass Donezk „russisch besetzt“ sein soll, ist Unsinn. Donezk wird seit 2014 von der Ukraine beschossen, die Menschen dort wollen daher zu Russland gehören, denn wer will schon in einem Staat leben, der einen ständig mit Artillerie beschießt? Wer mal in Donezk war, der weiß, wie pro-russisch die Stimmung dort ist.

Spiegel-Leser sollen nicht erfahren, dass die Ukraine laufend Kriegsverbrechen begeht. Der Beschuss von Donezk wird von den westlichen Medien meistens komplett verschwiegen, und wenn, wie in diesem Fall, doch einmal berichtet wird, wird das so unverfänglich wie möglich getan. Der Spiegel verschweigt auch, dass bei diesem Beschuss, der keinem militärischen Ziel galt, sondern einem Markt, auf dem die Menschen am Sonntagmorgen ihre Einkäufe erledigen, aus dem Westen gelieferte Munition zum Einsatz kam, was das Kaliber 155-Millimeter belegt. Im Spiegel heißt es stattdessen nur:

„Laut Behörden gab es dort kombinierte Artillerieschläge mit großkalibriger Munition.“

„Kombinierte Artillerieschläge“ klingt viel netter als massiver Artilleriebeschuss eines Marktes, stimmt’s?

In letzter Zeit häufen sich die ukrainischen Angriffe auf rein zivile Ziele sogar, man erinnere sich nur an den Angriff mit verbotener Streumunition auf ein Straßenfest in Belgorod Ende Dezember. Dass auch Donezk am Sonntag mit Streumunition beschossen wurde, wobei an einem anderen Ort in der Stadt ein Mann getötet wurde, sei nur nebenbei erwähnt.

Die Leser westlicher Medien sollen davon aber nichts erfahren. Und das nennt sich im Westen „Journalismus“.