Protasewitsch packt aus: In Weißrussland wurden neue Videos vom Verhör des Verhafteten veröffentlicht
In Weißrussland wurden weitere Videos der Verhöre von Roman Protasewitsch veröffentlicht, der nach der Landung der Ryanair-Maschine in Minsk verhaftet wurde.
Die Landung der Ryanair-Maschine in Minsk scheint eine Falle der westlichen Hintermänner der weißrussischen Opposition zu sein, nachdem alle anderen Versuche, Lukaschenko zu stürzen, gescheitert sind. Die Gegner von Lukaschenko brauchten einen Vorwand für die mediale und politische Kampagne gegen Lukaschenko und für neue Sanktionen. Offenbar wurde daher entschieden, den recht unwichtigen Protasewitsch zu opfern und ihn zu dem Märtyrer zu machen, den man für die Kampagne brauchte.
Das scheint auch Protasewitsch schnell verstanden zu haben, denn wenn seine Hintermänner bei den westlichen Geheimdiensten ihn hätten retten wollen, hätten sie Ryanair angewiesen, die Landung in Minsk zu verhindern und zu einem anderen Flughafen zu fliegen, zumal Vilnius zum Zeitpunkt der Umkehr der Maschine schon viel näher war als Minsk und das Flugzeug in wenigen Minuten den weißrussischen Luftraum verlassen hätte. Stattdessen haben Telegrammkanäle der Opposition jedoch schon seine Verhaftung in Minsk gemeldet, als Protasewitsch noch vor der Passkontrolle stand, also vor seiner tatsächlichen Verhaftung.
Da Protasewitsch verstanden hat, dass er von seinen „Freunden“ geopfert wurde, scheint er mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten und singt wie ein Vögelchen. Davon wurden in Weißrussland nun weitere Videoaufnahmen veröffentlicht und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens darüber übersetzt. Ich empfehle, den Beitrag des russischen Fernsehens anzuschauen, damit Sie sich einen eigenen Eindruck davon machen können, ob Protasewitsch so aussieht, als werde er unter Druck gesetzt, gefoltert und lese unter Zwang gemachte Aussagen vom Papier ab.
Beginn der Übersetzung:
Roman Protasewitsch kooperiert mit den Ermittlern
Bisher ist Roman Protasewitsch nur ein einziges Mal vor der Kamera gezeigt worden: Es wurde ein Video von einem Verhör veröffentlicht, in dem er sagte, er sei im Untersuchungsgefängnis Nummer 1, kooperiere mit den Ermittlern und sage aus. Der KGB-Chef sagte dann, dass Protasewitsch über seine „Sponsoren und Hintermänner“ aussage. Und jetzt, 10 Tage nach Protasewitschs Verhaftung am Minsker Flughafen, wurde Filmmaterial von seinem Verhör veröffentlicht.
Das Filmmaterial wurde offensichtlich im Büro des Ermittlers aufgenommen. Roman raucht viel und macht verblüffende Aussagen. „Realistisch betrachtet wurde ich einfach reingelegt, denn ich habe es nirgendwo gesagt, und sobald ich es gesagt habe, fand ich mich sofort in Minsk wieder“, wundert sich Protasewitsch.
Es geht um die Frage, wer wissen konnte, dass Protasewitsch von Athen nach Vilnius unterwegs war, da nur die Fluggesellschaften und die Abflug- und Ankunftsflughäfen Zugang zu den Passagierlisten haben, während das Flugzeug für Weißrussland nur ein Transitflug war. Roman sagt, er habe es 40 Minuten vor dem Flug in den Arbeits-Chat geschrieben. Nach seiner eigenen Version hätten ihn seine eigenen Leute opfern können.
(Anm. d. Übers.: Diese Aussage in dem Beitrag muss ich kritisieren, denn meines Wissens werden Passagierdaten in der EU aus Sicherheitsgründen zentral bei Behörden gesammelt, sodass zumindest westliche Geheimdienste schon früher von Protasewitschs Reise gewusst haben. Und natürlich kann man nicht ausschließen, dass der weißrussische Geheimdienst irgendwie von Protasewitschs Flug erfahren hat, zumal aus Weißrussland gemeldet wurde, dass auch Tichanowskaja Weißrussland kürzlich auf der gleichen Route überflogen hat. Wenn Lukaschenko sie verhaften wollte, hätte er damals den Flug mit Tichanowskaja in Minsk landen lassen können. Das hat er nicht getan, dafür soll er den Zauber aber für den eigentlich unwichtigen Protasewitsch veranstaltet haben.)
„Ich hatte einen persönlichen Konflikt mit einer Person, ziemlich intensiv, vor allem in den letzten Tagen, ich bin sicher, er hatte Verbindungen mit Cyber-Guerillas, die früher Lügen im ganzen Land verbreitet haben, massenhaft, das heißt, solche Aktionen gab es schon.“, erzählt Protasewitsch.
Die offizielle Version der Notlandung der Ryanair-Maschine in Minsk ist ein Bericht über eine Bombe an Bord. Der Film des weißrussischen Staatssenders enthält Transkripte der Rettungsdienste, die auf das Notsignal hin zum Flughafen gerufen wurden, sowie die Gespräche der Besatzung und der weißrussischen Fluglotsen, die dem Piloten von der bedrohlichen E-Mail berichteten und ihm empfahlen, in Minsk zu landen. Dort wird gesagt dass die endgültige Entscheidung vom Kommandanten des Flugzeugs getroffen wurde. (Anm. d. Über.: An dieser Stelle wird eine Aufnahme des Teils des Funkverkehrs gezeigt, in dem der Pilot den Notruf absetzt und um Kurs nach Minsk bittet. Das ist das erste Mal, dass man den Funkverkehr nicht nur in schriftlicher Form veröffentlicht, sondern das Band selbst)
Hier sind einige Aufnahmen der Überwachungskameras am Flughafen, die zeigen, wie Roman Protasewitsch mit anderen Passagieren in einer Schlange an der Passkontrolle steht. Es wird bestätigt, dass die Telegrammkanäle der Opposition in diesen Minuten bereits über seine Verhaftung berichtet haben – und so erfuhren die weißrussischen Geheimdienste, dass Protasewitsch überhaupt in Minsk war. Unter anderem hat Tichanowskajas Berater Franak Viačorka so einen Post gesendet, über ihn spricht Protasewitsch auch in dem Verhör. (Anm. d. Übers.: Viačorka ist hat zum Beispiel bei einer Diskussionsveranstaltung in Berlin neben Tichanowskaja gesessen und für sie die Fragen beantwortet. Er ist laut eigenen Angaben Fellow beim Atlantic Council und hat vorher bei der U.S. Agency for Global Media (USAGM), also den US-Staatsmedien, und bei Radio Liberty in Prag gearbeitet.)
„Das Verhältnis hat sich in das genaue Gegenteil gewandelt. Er sagte den Satz, wir müssten die Perspektiven der gemeinsamen Zusammenarbeit prüfen.“, sagt Protasewitsch offen.
Wer das Foto von ihm in dem Bus auf den Flughafen gemacht, das danach in den sozialen Netzwerken umherging, weiß er nicht. Er behauptet, er habe versucht, sich von seiner Freundin Sofia Sapega fernzuhalten, in der Hoffnung, dass sie nicht verhaftet werden würde. Nach Aussage anderer Passagiere erinnerten sie sich wegen seiner emotionalen Reaktion auf die Nachricht über die Umkehr nach Minsk an Roman.
„Der Junge fasste sich an den Kopf und sagte auf Englisch: ‚Seid Ihr verrückt, die werden mich dort umbringen!‘ Er versuchte, mit der Flugbegleiterin darüber zu sprechen, dass er nicht dorthin fliegen kann, aber die sagte, das ist Ryanair-Politik, da könnten sie nichts tun.“, erinnert sich eine Passagierin des Fluges.
In den veröffentlichten Aufnahmen des Verhörs lächelt Protasewitsch und scherzt, er sieht insgesamt recht entspannt aus und verhält sich auch so. „Wir müssen zumindest darauf warten, dass sich die Situation aufheizt, wenn die Leute nicht für die Idee von Neuwahlen, nicht gegen die Gewalt der Sicherheitskräfte, sondern, grob gesagt, für eine Schüssel Eintopf auf die Straße gehen.“, träumt der Oppositionelle. (Anm. d. Übers.: Da es der Opposition nach dem Winter nicht gelungen ist, die Proteste des letzten Jahres wiederzubeleben und nachdem auch der geplante Putsch in Minsk gescheitert ist, will die Opposition nun offenbar, dass sich die Lebensumstände in Weißrussland so sehr verschlechtern, das soziale Unruhen zum Sturz von Lukaschenko führen.)
Es wird auch erklärt, warum ein MiG-29-Kampfjet in der Luft war. Nach der offiziellen Version, die vom Militär geäußert und grafisch dargestellt wurde, geschah dies aus Sicherheitsgründen, und es war keine Rede davon, das zivile Flugzeug unter Druck zu setzen und abzufangen. Die Ermittlungen im Fall der Inhaftierten gehen weiter und werden in Weißrussland fortgesetzt. (Anm. d. Übers.: Dass sie in Weißrussland fortgesetzt werden, ist deshalb interessant, weil Protasewitschs Freundin Sapega Russin ist und es im Raum stand, sie nach Russland zu überführen und dort gegen sie zu ermitteln. Das ist inzwischen vom Tisch)
Ende der Übersetzung
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