Trotz Frauenquoten und -förderung – Warum sind in Deutschland so wenig Frauen in Führungspositionen?

In Deutschland und im Westen wird viel über die Gleichstellung von Mann und Frau gesprochen, aber anstatt die wahren Probleme anzupacken, wird mit Quoten versucht, ein Problem zu lösen, das ganz woanders liegt.
 
Dieser Artikel im Spiegel ist der Grund, dass ich mich dieses Themas annehme, dass ich schon lange mal behandeln wollte. Im Spiegel kann man lesen, dass in den deutschen Auslandsvertretungen, also Konsulaten und Botschaften, der Frauenanteil bei den Leitern bei nur 15,9% liegt: „Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, fordert von Bundesaußenminister Heiko Maas einen verbindlichen Zeitplan zur Umsetzung der gesetzlichen Gleichstellungsziele. „Die geringe Repräsentation von Frauen im Auswärtigen Amt ist ein Trauerspiel“, sagte sie dem SPIEGEL
 
Aber das eigentliche Problem spricht der Spiegel nur am Rande an: „In den Attaché-Lehrgängen für den höheren auswärtigen Dienst gab es in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt eine Steigerung des Frauenanteils. 2016 wurde die Zielmarke von 50 Prozent beinahe erreicht – fiel allerdings 2017 wieder auf 32 Prozent, da mehrere Bewerberinnen des Auswahlverfahrens abgesagt hätten und andere aus persönlichen Gründen zurückgestellt worden seien.
 
Es stellt sich also die Frage, warum so wenig Frauen überhaupt bereit sind, im auswärtigen Dienst auch nur den Lehrgang zu besuchen. Der Grund ist einfach: Auch wenn Diplomaten sehr gut bezahlt werden und alle möglichen Zuschläge bekommen und auch noch auf Staatskosten die ganze Welt zu sehen bekommen, hat der Job entscheidende Nachteile. So muss man rotieren, das bedeutet, dass man in der Regel alle drei bis fünf Jahre in ein neues Land muss und längst nicht alle Länder sind Traumziele, denn es gibt ja auch deutsche Vertretungen in Irak, Afghanistan, Venezuela, Nordkorea, Pakistan, Bangladesch und so weiter.
 
Nun liegt es aber in der Natur der Sache, dass Frauen sozialere Wesen sind als Männer, wobei Ausnahmen immer die Regel bestätigen. Aber wie alles im Leben hat auch das Soziale zwei Seiten: Frauen in Führungspositionen haben im Durchschnitt eine höhere soziale Kompetenz als Männer, aber die Kehrseite ist, dass sie auch mehr Wert auf ihr soziales Umfeld und Privatleben legen, als Männer.
 
Daher haben Frauen mit derartigen Arbeitsbedingungen eher ein Problem, als Männer. Und familienfreundlich ist so ein Beruf auch nicht. Trotz aller ideologisch begründeten Versuche der Gleichmacherei von Mann und Frau bleiben Mann und Frau verschieden.
 
Diplomaten haben bei derartigen Arbeitsbedingungen ein Problem mit dem Familienleben, denn entweder ist man die meiste Zeit getrennt, wenn einer in der Familie als Diplomat durch die Welt reist und in immer anderen Ländern lebt, während der andere Partner in Deutschland lebt. Oder man macht es als Familie, was aber für die Kinder bedeutet, alle paar Jahre in einem anderen Land in eine neue Schule gehen zu müssen. Und es bedeutet für den Ehepartner, dass er oder sie entweder nicht arbeitet oder sich alle paar Jahre in einem neuen Land und meist ohne Sprachkenntnnisse einen neuen Job suchen muss.
 
Das alles bedeutet Arbeitsbedingungen, mit denen nicht jeder leben kann. Und es bedeutet eben auch, dass man über sein gesamtes Arbeitsleben eigentlich nirgendwo zu Hause ist, man ist immer auf dem Sprung. Es wundert mich nicht, dass es weniger Frauen als Männer gibt, die sich für diesen Beruf entscheiden. Und wo sich weniger Frauen für einen Beruf entscheiden, sind automatisch auch weniger Frauen vorhanden, die in hohe Positionen kommen können. Da hilft keine Quote der Welt.
 
Und das gilt ja auch für andere Berufe. Ich selbst war jahrelang in Vorstands- und Aufsichtsratspositionen tätig und habe dabei auch leitende Positionen besetzt. Oft hatte ich für Positionen als Abteilungsleiter oder Vorstand keine weiblichen Bewerber. Wie soll man da eine Quote erfüllen? Und wenn es gut lief, waren von zehn Kandidaten zwei weiblich.
 
Wir können nun lange über die Gründe philosophieren, warum das so ist. Sicherlich sind weniger Frauen als Männer bereit, die Opfer zu bringen, die eine Karriere erfordert. Denn um tatsächlich Karriere zu machen, muss man besser sein, als die Mitbewerber. Das bedeutet oft eben auch mehr Zeiteinsatz und weniger Privatleben und diese Opfer muss man bringen, ohne zu wissen, ob sie einem auch tatsächlich mit beruflichem Aufstieg belohnt werden, denn eine Garantie gibt es nicht und das Leben ist selten gerecht.
 
Ich weiß, dass viele Frauen dazu bereit sind, aber prozentual dürfte diese Bereitschaft bei Männern ausgeprägter sein, zumindest ist das meine Erfahrung. Hinzu kommt, und das ist nun einmal die Natur, dass Frauen Kinder bekommen und nicht Männer. Es ist sicher kein Problem, einen Sachbearbeiter oder eine Sachbearbeiterin in Mutterschutz und Erziehungsurlaub zu schicken und ihn durch einen anderen Sachbearbeiter zu ersetzen und dem Erziehungsurlauber eine Rückkehrgarantie zu geben. Aber wie macht man das mit einem Firmenchef? Ein Firmenchef, also Geschäftsführer, muss eine Strategie für die Firma entwickeln und diese umsetzen, da kann man nicht sagen „Ich bin dann mal weg, aber haltet meinen Platz frei, ich bin in einem Jahr wieder da“
 
Das funktioniert im richtigen Leben nicht, auch wenn die Befürworter von Quoten diese Realität nicht wahrhaben wollen. Wer sich für eine Karriere entscheidet, muss auch die Nachteile akzeptieren. So gibt es Jobs, bei denen man bis zu zwanzig Tage im Monat in Hotels übernachten muss, weil man nur auf Dienstreise ist, oft auch über das Wochenende zu Veranstaltungen und meist nicht mehr als zwei Nächte in einer Stadt oder einem Land. Das klingt besser als es ist, denn man sieht von den Städten meist nichts außer dem Hotel und dem Konferenzraum im Büro. Und gleichzeitig verpasst man die Geburtstage von Freunden und Verwandten, weil man abends nicht mal eben nach Hause fahren kann.
 
Die Leitung einer Firma ist im Gegensatz zum Sachbearbeiter das andere Extrem, aber der Weg vom ersten Arbeitstag über eine Karriere an Spitzenpositionen führt über mehrere Stufen und mit jeder Stufe steigt zwar das Gehalt, aber die Arbeit fordert mit jeder Stufe auch mehr vom eigenen Privatleben. Und ich kenne einige, egal ob Mann oder Frau, die irgendwann keine Lust mehr auf den nächsten Karriereschritt hatten, weil der ihnen zu viel vom Privatleben gestohlen hätte.
 
Aber all dies ist nur ein Teil der Wahrheit. In verschiedenen Ländern ist der Anteil von Frauen in Führungspositionen viel höher, als in Deutschland, das ist der andere Teil der Wahrheit. Wir müssen uns also fragen, warum das so ist. Und diese Frage müssen sich eigentlich genau die Politiker stellen, die am lautesten nach Quoten rufen, denn Quoten lösen das Problem nicht.
 
Es entsteht ja auch gerne die Verschwörungstheorie, dass Männer Frauen nicht aufsteigen lassen, weil sie „oben unter sich“ bleiben wollen. Nach meiner Erfahrung ist das Unsinn, alle Entscheidungsträger, die ich kennengelernt habe, wollten freie Positionen mit den fähigsten Kandidaten besetzen und zwar aus einfachem Egoismus: Der eigene Bonus und die eigene Karriere hängt vom Erfolg des Verantwortungsbereiches ab. Da stellt niemand einen unfähigen Mann anstatt einer fähigen Frau ein, denn das kostet einen dann selbst bares Geld und Karrierechancen. Ich will nicht ausschließen, dass es solche Idioten irgendwo gibt, aber die Regel ist das nicht. Zumindest meiner Erfahrung nach.
 
Aber Frauen sehen sich oft als benachteiligt an, wenn nicht sie, sondern ein Mann die Beförderung erhält und übersehen dabei, dass neben ihnen ein anderer Mann sitzt, der sich ebenfalls übergangen fühlt, weil auch er gerne befördert worden wäre. Es gibt keine Garantie auf Karriere, egal ob man Männlein oder Weiblein ist, und das Leben ist eben meistens ungerecht!
 
Aber zurück zu dem Unterschied zwischen den europäischen Ländern und der Frage, warum es in Deutschland viel weniger Frauen in Führungspositionen gibt, als in anderen Ländern, die noch nicht einmal eine Frauenquote kennen. Ein Vergleich zwischen europäischen Ländern zu Frauen in Managementpositionen zeigt, was ich meine:
 
Platz 1: Weißrussland 46%, Platz 2: Lettland 46%, Platz 3: Ukraine 40%, Platz 4: Frankreich 39%, Platz 5: Russland 39%, Platz: 6 Litauen 39%, Platz 7: Ungarn 39%, Platz 8: Polen 38%, Platz 9: Bulgarien 36%, Platz 10: Schweden 35%. Deutschland steht in Europa erst auf Platz 20 mit 31%.
 
Nun muss man sich fragen, was alle diese führenden Länder gemeinsam haben, abgesehen davon, dass sie keine Frauenquoten haben. Bis auf Frankreich und Schweden waren diese Länder Teil des Ostblocks, wo die Gleichberechtigung der Frauen nicht nur gefordert, sondern gelebt wurde. Frauen sollten im Sozialismus arbeiten und es gab ein kostenloses und flächendeckendes Angebot an Kitaplätzen. Denn egal, wie gleichberechtigt Mann und Frau auch werden, gegen die Natur kommt die Political Correctness nicht an: Den Mutterinstinkt haben nun einmal Frauen und sie werden mehr Zeit mit der Kinderbetreuung verbringen, als Männer. Und wer ihnen hier keine Entlastung bietet, wird nie eine Erhöhung der Frauen in Führungspositionen erreichen. Das ist überall auf der Welt so und nicht umsonst entscheiden sich weit mehr Frauen als Männer für den Beruf als Erzieher.
 
Wenn man also Frauen die Möglichkeit geben will, Karriere zu machen, dann ist ein flächendeckendes Angebot an Kitaplätzen unabdingbare Voraussetzung. Das bestätigt auch das Beispiel Frankreich, mit Abstand führend in Westeuropa. Als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg wurde in Frankreich die Familienförderung fokussiert, denn man wollte Deutschland in der Einwohnerzahl einholen, weil man unter anderem in der geringeren Bevölkerung einen Grund für die militärische Unterlegenheit gegenüber dem Erbfeind Deutschland sah. Klingt heute, 70 Jahre später unglaublich, aber so war es damals und so wurde in Frankreich eine flächendeckende Kinderbetreuung geschaffen, damit Frauen Kind und Beruf unter einen Hut bringen konnten. Das Ergebnis ist, dass Frankreich einen weit höheren Anteil an Frauen in Führungspositionen hat, als jedes andere westeuropäisches Land. Und übrigens auch eine höhere Geburtenrate.
 
Der Zusammenhang zwischen dem Angebot an bezahlbarer oder sogar kostenloser Kinderbetreuung und dem Anteil an Frauen in Führungspositionen ist also offensichtlich und es gibt auch so einen Zusammenhang bei der Geburtenrate, kein unwichtiges Thema in Zeiten der demografischen Krise.
 
In Frankreich kann man auch schon Säuglinge in Kinderkrippen geben, außerdem gibt es staatlich gefördertes Model für die Betreuung durch Tagesmütter.
 
Und was läuft in Deutschland falsch? In Deutschland gilt eine Mutter, die ihr Kleinkind in eine Krippe geben will, oft als Rabenmutter. Der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz besteht oft nur auf dem Papier. Die Liste ist lang.
 
Ich will hier nicht für Kindergärten und Kinderkrippen werben, ich möchte nur aufzeigen, was tatsächlich getan werden muss, wenn man den Anteil an weiblichen Führungskräften erhöhen will. Da hilft kein Erziehungsurlaub für Väter und keine Frauenquote, all diese künstlichen Maßnahmen gehen am Problem vorbei.
 
Die Familienförderung in Deutschland geht in die völlig falsche Richtung, zeigt keinen Effekt und kostet enorm viel Geld. Außerdem ist die Debatte über die Kinderbetreuung auch noch ideologisch aufgeladen. Dabei wäre es so einfach: Man könnte die Kitabetreuung ab morgen kostenlos anbieten, das Geld dafür ist da, wie sich gezeigt hat, als Banken für 80 Milliarden gerettet werden mussten und das Gesetz innerhalb einer Woche durch den Bundestag ging oder bei der Aufnahme der Migranten, die 30 Milliarden pro Jahr kosten, auch dieses Geld hat man problemlos aufgetrieben.
 
Der Effekt einer umfassenden und kostenlosen Kinderbetreuung durch Kitas und Tagesmütter, am Besten sogar mit der Möglichkeit von Übernachtungen für Kinder von Schichtarbeitern, wäre enorm. Das würde nicht nur die Geburtenrate erhöhen, weil es vielen das Kinderkriegen erst möglich machen würde, es würde auch Frauen endlich die Chance geben, trotz Geburt und Kind ihre Karriere nicht aufgeben zu müssen.
 
Man kann nicht gegen die Natur ankämpfen und Mann und Frau sind nun mal verschieden, da hilft alle ideologische Gleichmacherei nichts. Es wäre viel intelligenter, die Unterschiedlichkeit als Stärke zu sehen und zu nutzen. Die höhere Sozialkompetenz von Frauen ist wie gesagt so ein Unterschied und eine Stärke der Frauen, die aber eben auch den Nachteil mitbringt, dass der Mutterinstinkt stärker ausgeprägt ist, als der Vaterinstinkt. Wie gesagt, immer im Durchschnitt, die Ausnahme bestätigt die Regel.
 
Dagegen anzukämpfen, indem man Väter zu Erziehungsurlaub drängen möchte, anstatt den Frauen die Möglichkeit zu geben, durch Betreuungsangebote Beruf und Kind besser unter einen Hut zu bringen, ist ein sinnloses Unterfangen. Der Erziehungsurlaub ist eine gute Sache, aber wie alle guten Sachen sollte er freiwillig sein. Aber alle jungen Eltern sollten wissen, dass ein Kind nicht das Ende der Karriere bedeutet, und dafür braucht es nun mal die Möglichkeit der kostenlosen Kinderbetreuung. Dann kann jede Frau und jeder Mann frei entscheiden, ob man lieber die ersten Jahre mit dem Kind im Erziehungsurlaub verbringt und dafür auf Karrierechancen verzichtet oder ob man trotz Kind schnell wieder in den Beruf geht.
 
Diese Entscheidung muss jeder treffen können, denn wie das Ranking in Europa zeigt, sind Frauen überall da stark in Führungspositionen vertreten, wo es diese Wahlmöglichkeit uneingeschränkt gibt. Und das sollte ein stärkeres Argument sein, als alle Forderungen nach Frauenquoten, die noch nirgendwo einen Erfolg gebracht haben.
 
Aber wenn Medien und Politik nur Quoten fordern ohne an den Ursachen etwas zu ändern, wird sich in Sachen Frauen in Führungspositionen nichts verbessern.
Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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