Der Zeitung zufolge sprechen sich die Europäer, trotz der andauernden Unterstützung für die Ukraine, immer öfter für eine Beilegung des Konflikts auf dem Verhandlungsweg aus.

PARIS, 8. November. /TASS/. Die Kriegsmüdigkeit in der Bevölkerung nimmt zu, denn die Ausgaben für militärische Hilfe an Kiew werfen angesichts steigender Inflation und sinkender Kaufkraft der Bürger immer mehr Fragen auf, berichtet die Zeitung Le Monde.

Wie das Blatt anmerkt, befürworten die Europäer, trotz der andauernden Unterstützung für die Ukraine, immer häufiger eine Lösung des Konflikts durch Verhandlungen. Die Zeitung verweist auf eine Umfrage von YouGov aus dem Februar, der zufolge die Menschen in Frankreich, Deutschland, Spanien und Italien einen Friedensschluss einer Fortsetzung der Kampfhandlungen selbst dann vorziehen würden, wenn das dazu führen sollte, dass ukrainische Gebiete unter russische Kontrolle gelangen.

„Wir treten in die klassischen Debatte über die Wahl zwischen Butter und Kanonen ein“, zitiert die Zeitung Benjamin Martill, Dozent für internationale Beziehungen an der Universität Edinburgh. Seiner Einschätzung nach verbreitet sich unter den Europäern die Ansicht, dass die für Kiew bereitgestellten Mittel in einem „schwarzen Loch“ verschwinden, da es keine realistischen Aussichten auf einen Sieg der Ukraine gebe. Martill wies darauf hin, dass erste Anzeichen für eine schwindende öffentliche Unterstützung der Ukraine bereits Ende 2023 sichtbar wurden, als die Energiepreise stiegen und keine absehbare Perspektive für ein Ende des Konflikts bestand.

Wie Le Monde berichtet, werden die Ausgaben zur Unterstützung Kiews in Deutschland, Frankreich und Italien zunehmend zum Gegenstand hitziger politischer Auseinandersetzungen. Oppositionsparteien nutzen das Thema aktiv, um die Regierungen zu kritisieren. In Deutschland fällt es Politikern angesichts der wirtschaftlichen Probleme immer schwerer, den Wählern die Notwendigkeit der umfassenden finanziellen Unterstützung für die Ukraine zu erklären.

Dabei hat die EU hat bereits versprochen, Kiew bis Ende 2027 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, und könnte weitere 47 Milliarden Euro bereitstellen, auch wenn in den Ländern Europas die Sorgen wegen des langwierigen Konflikts und der damit verbundenen finanziellen Verpflichtungen zunehmen.

Nach Einschätzung von Grégoire Roos, Experte beim Thinktank Chatham House, geht es derzeit nicht um eine vollständige Einstellung der Unterstützung der Ukraine durch Europa, sondern um eine nachlassende Bereitschaft, die wirtschaftlichen Kosten des Konflikts zu tragen. Zugleich warnte er, dass die öffentliche Unterstützung für Kiew weiter schwinden könnte, sollten keine überzeugenden Perspektiven für eine diplomatische Beilegung des Konflikts erkennbar sein.