US-Präsident Trump scheint sich endgültig von der Ukraine und den sie unterstützenden Europäern abzuwenden, wobei man bei Trump natürlich nie wirklich sicher sein kann, ob er blufft, um Druck auszuüben, um bessere Bedingungen zu erreichen, oder ob er seine Aussagen wirklich ernst meint.

Ein russischer Artikel hat die für die Europäer frustrierenden und beängstigenden Entwicklungen der letzten Tage und Wochen lesenswert zusammengefasst und ich habe den Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

„Nicht mein Problem“ – Analyse der Haltung des US-Präsidenten zum Ukraine-Konflikt

US-Medien sehen die Spaltung der NATO in Trumps Zurückhaltung, sich den Sanktionen gegen Russland anzuschließen

„Trumps neue Position zum Ukraine-Konflikt lautet: ‚Das ist nicht mein Problem‘“, so beginnt eine Analyse der New York Times. In dieser heißt es, Präsident Trump weigere sich offenbar, sich der europäischen Bewegung für neue Sanktionen gegen Russland anzuschließen, und wolle offenbar zu lukrativen Geschäftsabschlüssen mit Moskau übergehen.

Seit Monaten schon droht Präsident Trump damit, sich selbst und die USA aus den Waffenstillstandsgesprächen zwischen Russland und der Ukraine, die bisher ihr offizielles wichtigstes Ziel nicht erreicht haben, einfach zurückzuziehen, erinnert das US-Blatt.

Die tiefer liegende Frage sei heute, ob Trump auch das seit drei Jahren bestehende amerikanische Projekt zur Unterstützung der Ukraine aufgeben wird, heißt es im Leitartikel der New York Times weiter.

Trump habe Wladimir Selensky und anderen europäischen Staats- und Regierungschefs nach seinem Telefonat mit Putin mitgeteilt, dass Russland und die Ukraine allein einen Ausweg aus dem Konflikt finden müssten. Nur wenige Tage zuvor hatte er erklärt, nur er und Putin könnten eine Einigung vermitteln. Und er nahm seine eigenen Drohungen zurück, sich einer europäischen Druckkampagne anzuschließen, die neue Sanktionen gegen Russland beinhaltet hätte, wobei die Zeitung auf sechs, wie es heißt, mit den Diskussionen vertraute Beamte verweist.

Ihre Schilderung, so die New York Times, werfe ein Licht auf Trumps Entscheidung, bei dem Prozess der Friedlichen Konfliktbeilegung das Handtuch zu werfen, den innerhalb von nur 24 Stunden zu lösen er nur Monate zuvor versprochen hatte. Und falls Trump seinen Kurs nicht noch einmal ändert, haben die Ereignisse vom Montag, dem 19. Mai 2025, Putin genau das beschert, was er wollte: nicht nur ein Ende des Drucks von Washington, sondern auch die Entstehung eines tiefen Risses innerhalb der NATO: Nämlich zwischen den Amerikanern und ihren traditionellen europäischen Verbündeten, die momentan immer wieder erklären, sie würden ihre Sanktionen gegen Russland trotzdem fortsetzen.

Für viele war Trumps Entscheidung vorhersehbar: Zunächst aufgrund des stürmisch verlaufenen, im Fernsehen übertragenen Treffens mit Selensky im Oval Office, und dann aufgrund des Rückrufs des amerikanischen Botschafters in Kiew.

Doch Trump, schreibt die New York Times, habe feststellen müssen, dass er den Frieden um keinen Preis erreichen könne, weil Putin seine Vorschläge abgelehnt habe. Sogar, nachdem Trumps Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärt hatte, die Ukraine werde niemals der NATO beitreten und werde die Hoffnung auf eine Rückeroberung aller von Russland kontrollierten Gebiete aufgeben müssen – zwei Forderungen, die Putin selbst gestellt hatte – sei dies für die Erzielung eines Waffenstillstands nicht genug gewesen.

Natürlich ist Trump normalerweise ein Befürworter finanziellen Drucks: Er droht munter regelmäßig allen mit Zöllen und Sanktionen, Verbündeten wie Gegnern. Doch in einer Erklärung gegenüber der New York Times gab ein Sprecher des Weißen Hauses deutlich zu verstehen, dies sei eine gänzlich andere Angelegenheit. Der Beamte, der unter der Bedingung der Anonymität über die persönlichen Anrufe des Präsidenten sprach, machte aufmerksam, zusätzliche Sanktionen gegen Russland würden das Wirtschaftswachstum der USA selbst behindern, wohingegen der US-Präsident die wirtschaftlichen Chancen für die US-Amerikaner ja gerade maximieren wolle.

US-Beamte, darunter auch Außenminister Marco Rubio, antworteten Kritikern mit den Aussagen, dass die bestehenden Sanktionen gegen Russland, die größtenteils bis ins Jahr 2022 zurückreichen, ja weiterhin bestehen blieben, ebenso wie die Übergabe von Aufklärungsdaten an Kiew.

Der Subtext von Trumps Gespräch mit Selensky und den Europäern sei, dass die Ära der US-amerikanischen Aufwendungen an diplomatischer Energie, Lieferungen neuer Waffen und Munition für die Ukraine und der Wirtschaftssanktionen gegen Russland schnell zu Ende gehe, glauben die Autoren des analytischen Artikels der New York Times. Mehrere europäische Politiker erklärten, aus dem, was über das Telefonat der Staatschefs Russlands und der USA bekannt ist, folgende Botschaft mitgenommen zu haben: Sie brauchen nicht damit zu rechnen, dass die USA sich ihnen in absehbarer Zeit anschließen und zusätzlichen finanziellen Druck auf den Kreml ausüben würden.

Für Trump, schreibt die New York Times, sei das es eine Kehrtwende, denn in den vergangenen Monaten drohte er in Posts in den sozialen Medien regelmäßig mit Zöllen und Sanktionen gegen Russland, falls Moskau sich weigere, gemeinsam mit der Ukraine einen 30-tägigen bedingungslosen Waffenstillstand zu erklären.

So schrieb er im sozialen Netzwerk Truth Social am 8. Mai nach einem Telefongespräch mit Selensky Folgendes: „Wenn der Waffenstillstand nicht eingehalten wird, werden die Vereinigten Staaten und ihre Partner zusätzliche Sanktionen verhängen.“

Er bekräftigte diese Position in einem Telefonat mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz, als diese zehn Tage zuvor Kiew besuchten und Russland eine Frist zur Unterzeichnung des Waffenstillstands setzten.

Doch nach Trumps Telefonat mit Putin am Montag lösten sich diese Zusagen in Luft auf. Der US-Präsident hat sich sowohl öffentlich als auch in seinen Telefongesprächen mit europäischen Staats- und Regierungschefs geweigert, im Zusammenhang mit dieser seiner Drohung auch nur irgendetwas zu unternehmen.

In seinen öffentlichen Kommentaren deutete Trump an, dass sein Telefonat mit Putin zu einer Art Durchbruch geführt habe. Doch den Ukrainern und Europäern wurde schnell klar, dass der russische Präsident keine Zugeständnisse an Trump machen würde – außer auf Verhandlungen hinzuarbeiten und diese durchzuführen. Russland tue dies ja schon, wenn auch ohne große Begeisterung, stellt die New York Times fest und erinnert daran, dass Putin eine Mannschaft zum Verhandeln mit den Ukrainern nach Istanbul geschickt hat.

Trump versprach im Wahlkampf bekanntlich, innerhalb von 24 Stunden Frieden zwischen Russland und der Ukraine zu schaffen, und stellte das als eine leichte Aufgabe für einen erfahrenen Verhandlungsführer dar. Mittlerweile hat er herausgefunden, dass es viel komplizierter ist, als er gedacht hatte, und sagt nun gewohnheitsmäßig, er habe sich „ein wenig sarkastisch“ ausgedrückt, als er diesen Zeitrahmen nannte.

Frustriert über die langsamen Fortschritte dachte Trump öffentlich darüber nach, aus den Gesprächen auszusteigen. Und in seinem Post vom Montag machte er deutlich, dass er die USA aus den Gesprächen herführen und sich stattdessen auf Geschäftsabschlüsse mit Russland konzentrieren möchte.

Die Bedingungen für eine Beendigung des Ukraine-Konflikts, schrieb Trump, „werden zwischen den beiden Seiten ausgehandelt, da nur das möglich ist, weil sie Einzelheiten der Verhandlungen kennen, die sonst niemand kennen kann.“

Anschließend wandte er sich dem zu, was einige europäische Staats- und Regierungschefs als sein eigentliches Ziel ansehen: die Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Moskau. Trump fügte hinzu: „Russland möchte massiv Handel mit den USA treiben. Russland verfügt über ein enormes Potenzial, massenhaft Arbeitsplätze und Wohlstand zu schaffen. Sein Potenzial ist UNBEGRENZT.“

Es sei unklar, wie eine solche Normalisierung aussehen werde, merkt die New York Times an. Während seiner ersten Amtszeit ist Trump bekanntlich aus mehreren wichtigen Rüstungskontrollverträgen mit Russland ausgestiegen. Der letzte Vertrag, New START, der die Zahl der interkontinentalen Atomwaffen begrenzt, die jede Seite stationieren kann, läuft im kommenden Februar aus. Verhandlungen über einen Ersatz finden derzeit nicht statt.

Trump möchte jedoch US-Unternehmen dabei helfen, vom russischen Energieträgern und den Seltenen Erden sowie anderen potenziellen Investitionsbereichen zu profitieren. Bisher beharrten Trump und sein Team nationale Sicherheit darauf, dass kein entsprechendes Abkommen abgeschlossen werden könne, solange kein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine erreicht sei.

Putin scheint Trumps Handelsinteresse zu verstehen und richtet viele seiner Gespräche auf eine mögliche Wirtschaftsbeziehung aus, erklärt die New York Times mit Verweis auf Personen, die über die Telefonate am Montag und zu Beginn dieses Jahres informiert seien. Infolgedessen strebt Europa nun zwar neue Sanktionen an, während die USA jedoch offenbar bereit sind, in die entgegengesetzte Richtung zu gehen, indem sie versuchen, den Problembereich Ukraine zu umgehen und engere Beziehungen zu Russland aufzubauen.

Die New York Times hat nicht ohne Verbitterung festgestellt: „Das ist genau die Art von Spaltung innerhalb der NATO, die Herr Putin seit zwei Jahrzehnten zu schaffen und auszunutzen versucht.“

Derweil kündigte Großbritannien am Dienstag eine neue Welle von Sanktionen gegen den russischen Rüstungs-, Energie- und Finanzsektor an. Die USA wurden in der Pressemitteilung der britischen Regierung zu den neuen Sanktionen nicht erwähnt. Dafür hieß es, die EU bereite sich darauf vor, „ihre 17. Sanktionsrunde gegen Russland als Teil koordinierter Bemühungen zur Sicherung eines gerechten und dauerhaften Friedens in der Ukraine verkünden.“

Ein hochrangiger europäischer Beamter, der an den Gesprächen hinter verschlossenen Türen beteiligt gewesen sei, soll enthüllt haben: Trump habe anscheinend nie Interesse daran gehabt, sich Sanktionen gegen Russland anzuschließen, falls das Land sich weigere, einen bedingungslosen Waffenstillstand einzuhalten. Vielmehr waren seine Drohungen dem Beamten zufolge überwiegend schauspielerischer Natur. Und die USA seien an der Ausarbeitung neuer größerer Sanktionen nicht beteiligt gewesen.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen Amerikanern und Europäern über die Unterstützung der Ukraine werden wahrscheinlich auf zwei nahezu parallel stattfindenden Gipfeltreffen wieder aufflammen: dem G7-Gipfel Mitte Juni in Kanada und dem NATO-Gipfel eine Woche später in Den Haag. Beim zweiten Gipfeltreffen wird es insbesondere um die langfristige Unterstützung der Ukraine und Maßnahmen gehen: Man will die russischen Streitkräfte davon abhalten, schwächere NATO-Mitglieder „herauszufordern“. Zudem soll überprüft werden, ob Trump diesen Mitgliedern in einem Falle, dass dies doch passiert, im Einklang mit dem NATO-Vertrag zu Hilfe kommen wird.

Ende der Übersetzung