Die Studie „Einwanderungsgesellschaft im Wandel“ der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung beleuchtet, wie sehr und worin sich die Menschen in Deutschland nach den Kategorien Deutsche ohne Migrationshintergrund, Deutsche mit Migrationshintergrund und Ausländer in ihren Einstellungen zu den verschiedensten gesellschaftspolitischen Themen unterscheiden. Die Studie ist eine tatsächlich interessante Lektüre, denn sie umfasst über 130 Seiten und beleuchtet die Themenblöcke „Leben in Deutschland“, „Verwirklichung von Grundrechten“ und „Politische Einstellungen“.

Man könnte über diese Studie sehr viel schreiben, ich will mich hier jedoch auf eine Frage konzentrieren, über deren Ergebnisse ich doch überrascht war. In der Studie wurde auch die These „Russland ist alleine schuld am Krieg in der Ukraine“ aufgestellt und die Befragten mussten sich zwischen den Antworten „stimme völlig zu“, „stimme eher zu“, „stimme eher nicht zu“ und „stimme gar nicht zu“ entscheiden.

Angesichts der in Deutschland seit mindestens 2014 laufenden anti-russischen Propaganda, die bekanntlich ab Februar 2022 nie geahnte Intensität erreicht hat, müsste man annehmen, dass die Menschen in Deutschland mehrheitlich Russland für den Schuldigen an dem Krieg in der Ukraine halten. Aber die Antworten sind überraschend.

Bei den Biodeutschen (ich mag die Formulierung „Deutsche ohne Migrationshintergrund“ nicht) wirkt die Propaganda offensichtlich, wenn auch weit weniger, als man annehmen musste, denn (nur) 57 Prozent der Biodeutschen stimmen der Aussage, Russland sei der Alleinschuldige an dem Krieg völlig oder eher zu. 37 Prozent stimmen dem gar nicht oder eher nicht zu, der Rest hat keine Meinung zu dem Thema.

Dass es nur eine so knappe Mehrheit unter den Biodeutschen ist, die Russland für alleinschuldig hält, überrascht mich angesichts der umfassenden Propaganda ein wenig. Und es dürfte eine Erklärung dafür sein, warum ich von der EU unter Sanktionen gestellt wurde, denn an diesem Ergebnis dürfte meine Arbeit zumindest nicht völlig unschuldig sein.

Noch überraschender ist, dass nur 39 Prozent der eingebürgerten Deutschen (ich mag auch die Formulierung „Deutsche mit Migrationshintergrund“ nicht) Russland für völlig oder eher alleinschuldig an dem Krieg halten. Und 54 Prozent der eingebürgerten Deutschen stimmen dem gar nicht oder eher nicht zu, bei denen ist also – trotz aller anti-russischen Propaganda – eine Mehrheit nicht der Meinung, Russland sei alleinschuldig an dem Krieg.

Bei den Ausländern in Deutschland sieht es ähnlich aus. Von denen halten 38 Prozent Russland für völlig oder eher alleinschuldig an dem Krieg, während 42 Prozent dem gar nicht oder eher nicht zustimmen. Hier dürfte natürlich die große Zahl ukrainischer Flüchtlinge eine Rolle spielen.

Interessant ist auch die Verteilung, wenn man die Migranten (offenbar egal, ob mit oder ohne deutschen Pass) nach ihrer Herkunft sortiert.

Die türkischstämmigen Menschen in Deutschland geben nur zu 31 Prozent Russland die Alleinschuld an dem Krieg, während 54 Prozent das nicht tun. Hier spielt offenbar eine wichtige Rolle, dass die türkischstämmigen Menschen sich nicht nur in europäischen Medien informieren, denn ich weise immer wieder darauf hin, dass Medien außerhalb der westlichen Medienblase eine ganz andere Sicht auf den Krieg haben, als die deutschen Medien.

Lediglich die Menschen mit polnischer Herkunft geben mehrheitlich Russland die Alleinschuld, bei denen stimmen der Aussage 50 Prozent zu, 42 Prozent nicht.

Die russischstämmigen Menschen sind erwartungsgemäß gespalten, denn unter denen sind – das weiß ich aus eigener Erfahrung – viele, die Russland in den 1990er Jahren verlassen haben und deren Russland-Bild noch aus dieser Zeit stammt, die aber nicht wissen, wie Russland heute ist. Von den russischstämmigen Menschen in Deutschland geben 44 Prozent Russland die Alleinschuld, während 40 Prozent das nicht tun.

Bei den Spätaussiedlern ist das Bild wieder deutlicher, von denen geben Russland nur 32 Prozent die Alleinschuld, während ganze 64 Prozent das nicht tun.

Meine These, dass die Einstellung zu dem Thema damit zu tun hat, ob jemand Medien verfolgt, die nicht aus der deutschen oder europäischen Medienblase kommen, wird auch durch die Aufteilung nach Religionszugehörigkeit bestätigt.

Bei evangelischen, katholischen und Menschen ohne Religionszugehörigkeit, also wohl Deutschen und anderen, wie Polen oder Ostukrainern, ist das Bild fast identisch: Zwischen 53 und 56 Prozent geben Russland die Alleinschuld, während zwischen 38 und 41 Prozent das nicht tun.

Ganz anders sieht das Bild bei den Orthodoxen und den Moslems aus. Von den orthodoxen (also russisch oder griechisch orthodoxen) Christen in Deutschland geben 27 Prozent Russland die Alleinschuld an dem Krieg, während 58 Prozent das nicht tun. Bei den Moslems geben 30 Prozent Russland die Alleinschuld, 46 Prozent sehen das anders.

Ich finde, das sind sehr interessante Zahlen, weil sie einerseits zeigen, dass die permanente anti-russische Propaganda in Deutschland nicht so stark wirkt, wie man annehmen könnte, und weil sie die von mir immer wieder aufgestellte Behauptung bestätigen, dass Menschen, die sich außerhalb der westlichen Medienblase informieren, eine ganz andere Sicht auf dieses Thema haben, weil die Medien außerhalb des Westens das Thema ganz anders sehen, als die westlichen Medien.

Das zeigt ein weiteres Mal, wie isoliert der Westen ist, weil seine Narrative nur noch innerhalb seiner eigenen Medienblase eine Mehrheit überzeugen können, außerhalb des Westens haben Medien und Menschen längst ganz andere Einstellungen und Meinungen, als die deutschen Medien uns Glauben machen wollen, wenn sie behaupten, Russland sei isoliert oder die Welt verurteile „Russlands Angriffskrieg“.