Der französische Präsident Macron hat am Mittwoch eine Rede an die Nation gehalten, die über lange Strecken wie eine Kriegserklärung gegen Russland klang. Der russische Präsident Putin hat sich dazu heute bei einem öffentlichen in einer kurzen Andeutung wir folgt geäußert:

„Es gibt immer noch Leute, die in die Zeit von Napoleons Invasion zurückkehren wollen, aber sie vergessen, wie das endete.“

Napoleons Angriff auf Russland endete mit einer Siegesparade der russischen Armee in Paris. In Russland ist das jedem Schulkind bewusst, weshalb man Putins Aussage keineswegs als „kleinen Scherz“ abtun sollte, denn im kollektiven Gedächtnis der Russen sind die Traumata des „Vaterländischen Krieges“, wie der Krieg gegen Napoleon in Russland genannt wird, und des „Großen Vaterländischen Krieges“, wie der Krieg gegen Nazi-Deutschland in Russland genannt wird, fest verankert. Sie stehen für die Menschen in Russland für die Leidensfähigkeit und den Siegeswillen der Völker Russlands gegen jeden, der meint, er könne in Russland einmarschieren.

Ich will hier keineswegs pathetisch werden, ich möchte nur erklären, wie die aggressive Rede von Macron in Russland aufgenommen wurde. Sie kursiert im Ganzen oder in Teilen überall im russischen Internet und in Russland hat man Macron sehr aufmerksam zugehört. Die allgemeine Reaktion der Russen darauf kann man mit „dann sollen sie mal kommen“ beschreiben.

Alle hundert Jahre wieder…

Auch wenn europäische Geschichtsbücher und Fernsehdokus das gerne verschweigen, waren sowohl Napoleons als auch Hitlers Angriff auf Russland de facto Kriege von ganz Europa gegen Russland, denn sowohl in der Armee Napoleons als auch in der Hitlers kämpften Soldaten aus ganz Europa und die Wirtschaft von ganz Europa arbeitete gegen Russland.

Die Menschen in Russland erleben derzeit daher ein echtes Déjà-vu, denn wieder rüstet ganz Europa zum Krieg gegen Russland.

In Russland sagen viele halb im Scherz, halb im Ernst, dass Europa leider immer wieder seine Geschichte vergisst, weshalb es alle hundert Jahre aufs Neue versucht, Russland zu erobern und zu zerschlagen, was für Europa jedes Mal mit einer totalen Niederlage geendet hat.

Die Älteren von uns erinnern sich noch an die Erzählungen ihrer Großväter, wenn die von der Todesverachtung erzählt haben, mit der die sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg ihre Heimat gegen die Nazi-Invasoren verteidigt haben.

Was man in Europa nicht versteht, ist, dass die Völker Russlands diese Eigenschaft nicht verloren haben. Sie wissen, wofür sie kämpfen, sie verteidigen ihr Land, ihre Familien, gegen einen Angriff auf ihre Art zu leben. Man mag dieser Sicht nicht zustimmen, aber so sieht man es in Russland, und darum melden sich immer noch jeden Monat zehntausende Russen freiwillig an die Front.

Aber wofür sollen eigentlich die europäischen Soldaten, die in die Ukraine geschickt werden sollen, mit Todesverachtung in den Kampf ziehen?

Und Todesverachtung werden sie mitbringen müssen, weil NATO-Truppen bisher nur dazu ausgebildet sind, am Boden mit voller Luftüberlegenheit zu kämpfen. Da die russische Armee mittlerweile drei Jahre Erfahrung in der heutigen Art der modernen Kriegsführung hat, die NATO aber keinerlei Erfahrung, dürften die Verluste unter den europäischen Soldaten, vor allem zu Beginn eines Einsatzes in der Ukraine ohne russische Zustimmung, in die tausende pro Tag gehen.

Ist man sich dessen bewusst, während man in Europa gegen Russland und für den Krieg hetzt?