Angesichts des fortgesetzten Krieges, den der israelische Ministerpräsident Netanjahu unprovoziert gegen den Iran entfesselt hat, und der Tatsache, dass die USA sich aller Wahrscheinlichkeit bald an den Angriffen auf den Iran beteiligen werden, lohnt es sich, einen Blick auf das Potenzial der daran beteiligten Streitkräfte zu werfen. Das hat die russische Nachrichtenagentur TASS getan und ich habe den TASS-Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Was über das militärische Potenzial Irans, Israels und der USA im Nahen Osten bekannt ist

Israel führt seit dem 13. Juni Raketenangriffe auf iranische Nuklearanlagen und Infrastruktur durch, woraufhin die Islamische Republik das Gebiet Israels angreift.

Seit dem 13. Juni führt Israel Raketenangriffe auf iranische Nuklearanlagen und Infrastruktur durch, woraufhin die Islamische Republik das israelische Territorium angreift. Experten gehen davon aus, dass sich die USA den Angriffen gegen den Iran in naher Zukunftanschließen könnten.

Die TASS hat einen Bericht über das militärische Potenzial Israels, Irans und der USA im Nahen Osten erstellt.

Die iranischen Streitkräfte

Die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran (IRI) bestehen in Friedenszeiten aus zwei getrennten Strukturen: der Armee und dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC; Elitetruppen), die vom gemeinsamen Generalstab kommandiert werden. In Ausnahmesituationen stehen dem Militärkommando auch die Ordnungskräfte zur Verfügung, die in Friedenszeiten dem Innenministerium unterstehen.

Die Armee und die IRGC verfügen über eigene Landstreitkräfte, Luftwaffe und Seestreitkräfte. Zur IRGC gehört die Spezialeinheit „Al-Quds“, eine Struktur, die strategische Aufklärungs- und Sabotagefunktionen erfüllt, sowie die Widerstandskräfte „Basij“. Zu den Aufgaben der „Basij“ gehören die Einberufung, Propaganda und Ausbildung der Zivilbevölkerung, deren Kontingente im Falle von Kampfhandlungen zur Aufstockung der IRGC-Einheiten und zur Bildung neuer Miliz-Kampfeinheiten eingesetzt werden.

Die Streitkräfte werden nach dem Wehrpflichtprinzip gebildet (ab 18 Jahren, Dienstzeit 18 bis 24 Monate). Die Personalstärke der Streitkräfte ist geheim. Nach Angaben des militärischen Internetportals Global Firepower beläuft sich die Gesamtzahl der Soldaten auf 610.000, von denen 350.000 in der Armee, 190.000 im IRGC, 37.000 in der Luftwaffe, 18.000 in den Seestreitkräften (Marine) und 15.000 in den Luftabwehrkräften sind. Die Reserve der Armee umfasst 350.000 Mann. Das jährliche Mobilisierungspotenzial wird auf 1,4 Millionen Mann geschätzt.

Derselben Quelle zufolge verfügt der Iran über mehr als 1.700 Kampfpanzer, etwa 66.000 Militärfahrzeuge, 392 selbstfahrende Artilleriegeschütze und 2.070 gezogene Artilleriegeschütze. Außerdem gibt es 1.517 Raketenwerfer.

Die Luftwaffe verfügt über etwa 550 Kampfflugzeuge, darunter 188 Offensivträger, über 20 Bodenkampfflugzeuge, 128 Hubschrauber und 13 Kampfhubschrauber. Die iranische Luftwaffe verfügt hauptsächlich über veraltete amerikanische Kampfflugzeuge vom Typ F-4, F-5 und F-14 Tomcat aus den 1970er Jahren, sowie über sowjetische Kampfflugzeuge vom Typ MiG-29 und Bomber vom Typ Su-24 aus den 1970er Jahren. Im Jahr 2025 wurde eine unbekannte Anzahl russischer Kampfflugzeuge vom Typ SU-35 aus den 2000er Jahren an den Iran geliefert (der Kauf wurde 2025 bekannt gegeben). Nach Schätzungen einer Reihe von Militärexperten sind aufgrund von Ersatzteilengpässen und physischer Veralterung nur 60 Prozent der in den USA hergestellten Flugzeuge und bis zu 80 Prozent der von Russland gelieferten Flugzeuge einsatzfähig. Aufgrund des technologischen Rückstands bei Kampfflugzeugen hat sich der Iran auf die Entwicklung seines Raketenprogramms konzentriert. Der Iran verfügt über mindestens 12 verschiedene Typen von Mittel- und Kurzstreckenraketen: von der „Tondar 69” mit einer Reichweite von 150 Kilometern bis zur „Khorramshahr” und „Sejil” mit einer Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern. Nach Schätzungen des amerikanischen Geheimdienstes verfügt die Islamische Republik Iran über mehr als 3.000 ballistische Raketen.

Die iranische Marine umfasst mehr als 100 Kampf- und Hilfsschiffe, darunter 25 U-Boote, 7 Fregatten, 3 Korvetten und 21 Patrouillenboote sowie Hunderte von Raketenbooten.

Die iranischen Luftabwehrkräfte sind mit folgenden Flugabwehrraketensystemen ausgerüstet: S-75 „Dvina“, S-200 „Angara“, mehrere S-300 (Lieferung 2016), 25 Flugabwehrraketensysteme „Tor-M1“ (Lieferung gemäß Vertrag von 2005), FM-80 chinesischer Herstellung, iranische Systeme „Khoradad“ und „Mersad“.

Die israelischen Streitkräfte

Laut Angaben des Handbuchs „The Military Balance 2024” (herausgegeben vom Internationalen Institut für Strategische Studien, IISS) zählte die israelische Armee im Jahr 2023 169.500 Soldaten. Davon dienten 126.000 in der Armee, 9.500 in der Marine und 34.000 in der Luftwaffe. In der Reserve befanden sich 465.000 Personen (400.000 in der Armee, 10.000 in der Marine und 55.000 in der Luftwaffe).

Die Landstreitkräfte verfügen über etwa 1.300 Panzer, überwiegend moderne Merkava III und Merkava IV, etwa 36.000 Militärfahrzeuge sowie etwa 530 verschiedene Artilleriegeschütze. Die Marine umfasst: 5 U-Boote (3 vom Typ „Delfin” und 2 vom Typ „Tanin”) 7 Korvetten, 8 Raketenboote und 46 Patrouillenboote.

Die Luftwaffe nutzt 10 Luftwaffenstützpunkte. Das Arsenal der Luftwaffe umfasst: 612 Flugzeuge, darunter etwa 300 Kampfflugzeuge und Offensivträger (hauptsächlich amerikanische F-16I, F-16D und F-16C), etwa 150 Hubschrauber (hauptsächlich amerikanische „Black Hawk” und „Apache”). Der Luftwaffe sind auch die Luftabwehrtruppen zugeordnet, die sowohl eigene als auch amerikanische Systeme umfassen: Arrow 2/3, „Iron Dome”, M901 Patriot PAC-2 und „David’s Sling”.

Es wird davon ausgegangen, dass Israel über Atomwaffen verfügt. Zu deren Trägern zählen Flugzeuge vom Typ F-15I und F-16I, Mittelstreckenraketen vom Typ „Jericho-2“ und U-Boote der Klasse „Delfin/Tanin“.

Die US-Streitkräfte im Nahen Osten

Nach Angaben amerikanischer Medien erwägt US-Präsident Donald Trump die Beteiligung des amerikanischen Militärs an der Operation Israels gegen den Iran und an Angriffen auf Nuklearanlagen der Islamischen Republik. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press unter Berufung auf eine Quelle in der US-Regierung befinden sich derzeit etwa 40.000 amerikanische Soldaten im Nahen Osten. Die Größe des Kontingents ist nicht konstant, sondern variiert je nach politischer Lage (normalerweise sind hier etwa 30.000 amerikanische Soldaten stationiert, aber während der Eskalation der Lage im Herbst 2024 waren 43.000 Soldaten auf amerikanischen Stützpunkten in der Region präsent). Sie sind den Militärstützpunkten in mehreren Ländern der Region und der 5. Flotte der Marine unterstellt, die dem CENTCOM (U.S. Central Command) untersteht. Neben dem Nahen Osten gehören auch Nordafrika, Mittel- und Südasien zu seinem Zuständigkeitsbereich, das sind insgesamt 21 Staaten.

US-Militärstützpunkte befinden sich in einer Reihe von Ländern im Nahen Osten. So gibt es in Syrien den Stützpunkt Al-Tanf in der Provinz Homs und das US-Militär nutzt eine Reihe von Einrichtungen und Flugplätzen in den Provinzen Deir ez-Zor und Al-Hasaka im Osten des Landes. In Jordanien nutzen die USA den Logistikstützpunkt „Tower 22” an der Grenze zu Syrien sowie den Luftwaffenstützpunkt Muwafaq Salti. Im Irak sind US-Streitkräfte weiterhin auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad und in der Stadt Erbil im Norden des Landes präsent.

Die größten US-Militärkontingente sind in den Golfstaaten Katar, Kuwait und Bahrain stationiert. In Katar sind auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid etwa 10.000 US-Soldaten stationiert, in Kuwait etwa 13.500, die meisten davon auf dem Stützpunkt Arifjan und dem Luftwaffenstützpunkt Ali Al Salem, in Bahrain sind etwa 9.000 Soldaten stationiert. Die Luftwaffe verfügt über Kampfflugzeuge vom Typ F-16, F-22 und F-35. Darüber hinaus sind in der Region Bodenabwehrsysteme vom Typ Patriot und THAAD stationiert.

Die U.S. Fifth Fleet mit Sitz in Manama (Bahrain) untersteht neben dem CENTCOM auch dem United States Naval Forces Central Command, NAVCENT, dem maritimen Teil des CENTCOM. Zu ihrem Zuständigkeitsbereich gehören der westliche Teil des Indischen Ozeans und der Persische Golf. Die Flotte verfügt über keinen ständigen Bestand an Schiffen. Die Kräfte und Mittel werden nach Bedarf durch Befehle des Marinehauptquartiers bereitgestellt, die Zusammensetzung der Kampftruppen hängt von der Art der auszuführenden Aufgaben ab. Laut der Website von NAVCENT umfasst die Flotte derzeit neun operative taktische Gruppen, darunter Zerstörer mit Aegis-Systemen und Tomahawk-Marschflugkörpern, Fregatten, Luftabwehrschiffe, Minensuchboote und Versorgungsschiffe. Im Arabischen Meer befindet sich bereits eine Flugzeugträgerkampfgruppe unter der Führung des atomgetriebenen Flugzeugträgers Carl Vinson, aus dem westlichen Mittelmeer ist der Zerstörer Thomas Hudner, der ballistische Raketen abfangen kann, in Richtung Osten unterwegs, und aus dem Südchinesischen Meer kommt eine Flugzeugträgerkampfgruppe unter der Führung des atomgetriebenen Flugzeugträgers Nimitz.

Mit Beginn der israelischen Operation gegen den Iran wiesen eine Reihe von Militärexperten darauf hin, dass die amerikanische gelenkte Bunkerbrecher-Flugzeugbombe GBU-57 und der entsprechende Träger, der strategische Bomber B-2, zur Zerstörung der tief unter der Erde gelegenen und durch Gebirgsmassive geschützten Elemente des iranischen Atomprogramms erforderlich sind. Die Gesamtlänge der GBU-57 beträgt 6,2 Meter, der Durchmesser des Gehäuses 800 Millimeter, das Gewicht über 13,6 Tonnen, das Gewicht des Sprengkörpers 2,500 Kilo. Die Bombe verfügt über einen Zünder, der nach dem Kontakt mit dem Ziel mit einer Verzögerung ausgelöst wird, wodurch sie Zeit hat, in den Boden einzudringen und die Decken eines Objekts zu durchschlagen. Die Verzögerung wird vor dem Abwurf der Bombe durch ein Kommando vom Trägerflugzeug aus eingestellt. Die Bombe kann bis zu 61 Meter tief in den Boden eindringen oder bis zu 19 Meter Stahlbeton durchschlagen.

Ende der Übersetzung