Nachdem die Biden-Regierung unmittelbar nachdem sie die Macht übernommen hat, sofort angekündigt hat, den von Trump angekündigten Abzug von 12.000 US-Soldaten aus Deutschland auszusetzen, hat der US-Verteidigungsminister Austin nun bei seinem Besuch in Europa angekündigt, sogar 500 weitere US-Soldaten in Deutschland zu stationieren. Der Tagesspiegel schreibt dazu:

„Kramp-Karrenbauer sprach von einem sehr „starken Zeichen auch der Verbundenheit“. Man werde alles dafür tun, dass die Soldaten und ihre Familien vorübergehend eine gute zweite Heimat in Deutschland finden.“

Den Artikel im Tagesspiegel hat Christoph von Marschall geschrieben. Der Autor ist ein transatlantischer Falke, dessen Artikel sich durch eine besonders ausgeprägte Radikalität auszeichnen. So trägt dieser Artikel zum Beispiel die Überschrift „Die US Army bleibt in Deutschland, Herr Putin – sie wird sogar aufgestockt.“

Christoph von Marshal ist auf das Engste mit der US-Regierung verbunden. Der Tagesspiegel schreibt über ihn:

„Von 2005 bis 2013 berichtete er aus den USA und war der einzige deutsche Zeitungskorrespondent mit Zugangspass zum Weißen Haus. (…) 2017/18 beobachtete er als erster Helmut-Schmidt-Stipendiat der ZEIT-Stiftung und des German Marshall Fund of the United States die Trump-Präsidentschaft, erneut mit Zugangspass zum Weißen Haus.“

Christoph von Marshall ist – die Namensgleichheit ist Zufall – mit dem German Marshal Fund verbunden, was seine enge Einbindung in die transatlantischen Netzwerke unterstreicht. Seine Lobpreisungen auf die Besatzungsmacht USA gehen so weit, dass er über den Kriegspräsidenten Obama, der trotz Friedensnobelpreis mehr Kriege angefangen hat, als die meisten US-Präsidenten der Geschichte, ein Buch mit dem Titel „Barack Obama. Der schwarze Kennedy“ geschrieben hat. Damit war er nach eigenem Empfinden aber anscheinend noch nicht tief genug ins Rektum der US-Eliten eingetaucht, denn er hat noch ein zweites Buch mit dem Titel „Michelle Obama. Ein amerikanischer Traum“ nachgelegt.

Im Umgang mit Russland fordert von Marshall volle Härte, also weitere Sanktionen, den Stopp von Nord Stream 2, Russland vom internationalen Zahlungssystem SWIFT abkoppeln und so weiter. Ich finde es amüsant, wie sehr Radikalismus das Denkvermögen der Transatlantiker trübt. Man stelle sich einmal kurz vor, der Westen würde Russland tatsächlich von SWIFT abkoppeln. Wie will Deutschland dann seine Gasrechnungen bezahlen? Russland würde in einem solchen Fall umgehend die Lieferungen von Öl und Gas nach Europa einstellen, die kurz- und mittelfristig nicht durch andere Lieferanten ersetzt werden können, weil es gar nicht genug Flüssiggas-Tanker gibt, um Europa ausreichend zu beliefern.

Und dann? Ohne russisches Gas könnte im Winter nicht geheizt werden und sogar die Stromversorgung könnte in Gefahr geraten.

Ich wundere mich immer wieder, was für Menschen ihren gequirlten Unsinn in deutschen „Qualitätsmedien“ verbreiten dürfen. Aber wir müssen solchen Menschen dankbar sein, denn von ihnen erfahren wir schließlich, wie schön es ist, dass die US-Kolonie Deutschland nun von noch mehr Besatzungstruppen vor ihrer eigenen Freiheit beschützt wird.

Warum ich Deutschland als „US-Kolonie“ bezeichne, was manch einer provokant finden mag, habe ich öfters ausgeführt. Um hier nicht alles zu wiederholen, verweise ich zum Beispiel auf diesen und diesen Artikel.

Und natürlich bezahlt Deutschland die Rechnung. Die USA stellen Deutschland bis heute die Kosten für die Besetzung des eigenen Landes in Rechnung, sie belaufen sich auf weit über eine Milliarde pro Jahr. Das ist nicht meine krude Fantasie, das hat sogar die deutsche Botschaft in den USA schon vor Jahren gemeldet. Details über die in Rechnung gestellte Besatzungskosten finden Sie hier.

Solche Auftragsberichterstattung, wie die, die Herr von Marshall betreibt, wird auch belohnt. So hat er 2001 für seinen Artikel „Natobündnis: Die Treue und der Beweis“ den George F. Kennan Kommentar-Preis bekommen. Es lohnt sich, den Artikel zu lesen, denn daran sieht man, dass er den Preis sicher nicht für seine brillanten Formulierungen bekommen hat, sondern schlicht dafür, dass er es in höchsten Tönen gelobt hat, dass Deutschland als Reaktion auf 9/11 mit den USA in den Krieg gezogen ist.

Treue zur kriegslüsternen Besatzungsmacht zahlt sich eben aus.