Nachdem am Freitag gemeldet wurde, dass in Italien ein Ukrainer verhaftet wurde, der angeblich zu dem Team gehörte, das von einem kleinen Segelboot aus die Bomben an den Nord-Stream-Pipelines angebracht haben soll, habe ich extra einige Tage gewartet, bevor ich darüber schreibe, weil ich abwarten wollte, ob es noch weitere Berichte darüber geben würde. Da das bisher nicht der Fall ist, will ich hier kurz darauf hinweisen, was an der Geschichte alles merkwürdig ist.

Natürlich nehme ich dazu den Artikel, den der Spiegel unter der Überschrift „Festnahme von Serhij K. in Italien – Was über den mutmaßlichen Nord-Stream-Saboteur bekannt ist“ über die Verhaftung veröffentlicht hat, schließlich rühmt sich der Spiegel ja, an der angeblichen Aufklärung des Falls beteiligt gewesen zu sein.

Bevor wir dazu kommen, will ich mit einigen Beispielen daran erinnern, warum die Geschichte mit der Sprengung der Pipelines von dem kleinen Segelboot Andromeda aus Unsinn ist. Wenn sie das schon oft genug gelesen haben, springen Sie einfach weiter, danach komme ich zu den Ungereimtheiten bei der Verhaftung des Ukrainers.

Das Märchen mit der Andromeda

Die Geschichte mit dem kleinen Segelboot Andromeda, von dem aus einige Taucher die Bomben an den Pipelines angebracht haben sollen, ist von vorne bis hinten Unsinn, denn erstens würden erfahrene Taucher solche Tauchgänge in 80 Meter Tiefe nicht machen, wenn keine Druckkammer für Notfälle vorhanden ist, die die Andromeda nicht hatte, und zweitens sollen die Bomben jeweils bis zu 500 Kilogramm gewogen haben, sodass man die kaum unbemerkt auf das Boot hätte bringen können. Vor allem aber hätte man bei den Tauchgängen so schwere Lasten ohne Kran auf dem Schiff gar nicht kontrolliert zu Wasser lassen können.

Übrigens habe ich gerade irgendwo gelesen, dass die Bomben nun plötzlich nur noch etwa 20 Kilogramm gewogen haben sollen, was die Frage mit dem Handling der Lasten ohne Kran natürlich beantworten würde. Nur würde das ein neues Problem ergeben, denn die Pipelines sind sehr stabil gebaut, sie bestehen aus betonummanteltem Stahl, den man nicht mit kleinen Sprengsätzen zerstören kann.

Um das zu sprengen und die Pipelines regelrecht zu zerfetzen, wie die Unterwasserbilder der Pipelines zeigen, braucht es sehr starke Sprengsätze. Und zwar erst recht in 80 Meter Tiefe, denn dort herrscht ein Druck von 8 Bar, was die Wirkung der Sprengung massiv senken würde.

Nur zum Vergleich: Deutsche U-Boot-Torpedos aus dem Zweiten Weltkrieg, die Schiffe an der Wasserlinie getroffen haben, hatten einen Sprengkopf von 280 Kilogramm. Der moderne Torpedo Mark 46 der US-Marine hat einen mit modernem Plastiksprengstoff gefüllten Sprengkopf von 44 Kilogramm Gewicht.

Dass die Nord Streams mit kleinen Bomben, die um die 20 Kilogramm gewogen haben, gesprengt wurden, und dass dabei das Schadensbild entstanden sein soll, dass uns später auf den Unterwasseraufnahmen gezeigt wurde, ist daher ziemlich ausgeschlossen.

Aber kommen wir zu der Verhaftung des Ukrainers und den offensichtlichen Ungereimtheiten.

Unter seinem echten Namen gereist?

Der Spiegel schreibt in seinem Artikel, der Ukrainer habe in Italien unter seinem echten Namen in eine Ferienunterkunft eingecheckt und sei daher identifiziert und verhaftet worden.

Da hätte ich doch schon die erste Frage: Wie kann jemand, der in Europa zur Fahndung ausgeschrieben ist, überhaupt mit unter seinem echten Namen in die EU einreisen, ohne schon an der Grenze verhaftet worden zu sein?

Und wenn er nicht unter seinem echten Namen, sondern mit einem falschen Pass in die EU eingereist ist, warum hat er dann unter seinem echten Namen in der Unterkunft eingecheckt?

Den Behörden dürfte bekannt sein, wie der Mann aussieht, denn in unseren Tagen sind überall Kameras. Wie ist der Mann also in die EU eingereist, ohne dass er schon an der Grenze identifiziert und verhaftet wurde, egal, welchen Pass er an der Grenze vorgezeigt hat?

Natürlich stellt der Spiegel diese Fragen in seinem Artikel nicht, denn das könnte sogar Spiegel-Leser zum Nachdenken provozieren, die dann – wenn sie weiter denken – vielleicht anfangen, das ganze Andromeda-Märchen zu hinterfragen.

Seinen Sohn begleitet?

Weiter schreibt der Spiegel, laut dem Wall Street Journal soll der Mann seinen Sohn nach Italien begleitet haben, weil dieser ein Auslandssemester an einer italienischen Universität antreten wollte.

Da hat sich also der Sohn eines in der EU per Haftbefehl gesuchten Mannes in Italien in einer Uni eingeschrieben und niemandem soll aufgefallen sein, wessen Sohn das ist? Sorry, aber so inkompetent sind die Behörden in der EU nicht, denn heutzutage ist alles vernetzt und seit dem Schengen-Vertrag haben die Schengen-Staaten eine einheitliche Datenbank für Visaerteilungen.

Man wusste in der EU also, wer da kommt und wessen Sohn er ist. Warum wurde da nicht schon an der Grenze genau hingeschaut, zumal der angebliche Täter ja mit seinem Sohn in die EU eingereist ist, seine Einreise also in der Datenbank vermerkt war? Da hätte man ihn direkt an der Grenze festnehmen können.

Dass er erst aufgefallen sein soll, weil er unter seinem richtigen Namen in die Ferienunterkunft eingecheckt hat, ist offensichtlich ein weiteres Märchen.

Und noch eine Frage stellt sich: Die Ausreise von Männern im wehrpflichtigen Alter aus der Ukraine ist seit Februar 2022 verboten. Männer im wehrfähigen Alter können die Ukraine nur mit einer Sondergenehmigung verlassen. Das gilt für den Vater und den Sohn.

Und diese Sondergenehmigungen werden von höchster Stelle ausgestellt, es gibt immer wieder Meldungen, dass sogar hochrangigen ukrainischen Abgeordneten die Ausreise verweigert wird. Warum also durften Vater und Sohn aus der Ukraine ausreisen?

Nicht die erste Auslandsreise

Weiter schreibt der Spiegel, das sei nach den Anschlägen auf die Nord Streams nicht die erste Auslandsreise des Mannes gewesen. Der Spiegel behauptet, von Sicherheitsbehörden erfahren zu haben, dass der Mann ab Herbst 2023 „unter seinem echten Namen vielfach“ die ukrainische Grenze passiert habe.

Da stellt sich wieder die gleiche Frage, denn das Andromeda-Märchen inklusive der Namen der angeblichen Täter wird seit März 2023 verbreitet. Wie konnte der Mann dann aber danach frei herumreisen, noch dazu unter seinem richtigen Namen, ohne im Ausland festgenommen zu werden?

Wollte man ihn vielleicht gar nicht festnehmen?

Da stimmt so einiges nicht…

Wenn man all das zusammen nimmt, dann bedeutet das, dass niemand den Mann je festnehmen wollte. Er konnte, trotz europäischem Haftbefehl, unter seinem echten Namen im Ausland herumreisen, ohne dass es Versuche gegeben hat, ihn zu verhaften.

Auch die deutschen Behörden scheinen sich nicht für die Aufklärung zu interessieren. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wird aber durch diesen Vorfall noch einmal bestätigt. Haben die deutschen Behörden von der Ukraine je seine Auslieferung gefordert? Immerhin könnte die deutsche Regierung als größter europäischer Unterstützer der Ukraine ja durchaus ein wenig Druck machen, wenn sie es denn wollte. Das wollte sie aber ganz offensichtlich nicht.

Damit stellt sich, die Frage, warum der Mann nun plötzlich festgenommen wurde.

Die Antwort darauf werden wir vielleicht nie erfahren, denn ganz offensichtlich wird im Fall der Sprengung der Nord Streams von deutscher und europäischer Seite sehr viel vertuscht. Was hinter den Kulissen los ist, werden wir wohl so bald nicht erfahren.

Aber ein wenig darüber nachdenken können wir.

War das also vielleicht ein italienscher Alleingang? Wenn ja, warum hat Italien das getan? War das ein Signal an irgendwen, beispielsweise die Regierung in der Ukraine? Immerhin wäre es für Kiew nicht schön, wenn europäische Medien den Fall der Nord Streams doch noch hochkochen und Kiew – oder bestimmten Leuten in Kiew – den größten Terroranschlag der europäischen Geschichte anlasten würden. Das könnte Selenskys Clique gerade in der aktuellen Situation überhaupt nicht brauchen.

Ich habe jetzt nur ganz oberflächlich an der Meldung „gekratzt“, aber schon dabei zeigt sich, dass sehr viele Fragen offen sind.

Und wie üblich stellen die deutschen Medien keine einzige dieser Fragen…