Ich bin in einem Telegram-Kanal auf eine Sammlung von Überschriften der Zeitung die „Welt“ gestoßen, die alle an einem Tag erschienen sein sollen. Ich konnte es gar nicht glauben, doch es stimmt. Hier zeige ich die Bilder und dann schauen wir uns nur die Meldungen an, die die deutsche Wirtschaft betreffen.

Baugenehmigungen brechen ein

In Deutschland herrscht bekanntlich eine große Wohnungsnot. Die Mieten explodieren, eine Wohnung zur Miete zu finden, ist fast unmöglich, und wenn man doch eine findet, dann ist die Miete kaum mehr bezahlbar. Ich lebe zwar nicht in Deutschland, aber viele deutsche Freunde erzählen mir, dass Wohnungsbesichtigungen in Deutschland inzwischen so ablaufen, dass ein Vermieter 50 oder mehr Interessenten gleichzeitig zur Wohnungsbesichtigung einlädt, und sich dann einen Mieter aussucht. Logisch, dass zum Beispiel Familien mit Kindern oder Menschen mit Haustieren dadurch fast keine Chance mehr haben, eine Wohnung zu finden.

Der soziale Wohnungsbau wurde in Deutschland schon lange faktisch eingestellt und es werden viel zu wenig Wohnungen neu gebaut. Dass die Millionen von Flüchtlingen, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind, die Lage auf dem Wohnungsmarkt nochmal verschlimmert haben, liegt auf der Hand.

Da die meisten dieser Flüchtlinge von staatlichen Leistungen leben, haben sie gute Chancen auf eine Wohnung, weil der Vermieter weiß, dass der Staat sowohl die Miete pünktlich zahlt als auch für etwaige Schäden an der Wohnung aufkommt. Das macht die Wohnungssuche für normale Deutsche noch einmal schwieriger.

Der deutsche Staat fühlt sich jedoch nicht dazu berufen, an der Situation etwas zu ändern, denn außer schönen Worten kommt von der Regierung nichts, wie die aktuellen Schlagzeilen zeigen. Die „Welt“ titelt „KRISE BEIM WOHNUNGSBAU – „Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern faktisch zusammengebrochen““ und Tagesschau berichtet unter der Überschrift „Weiterer Rückgang im April – Baugenehmigungen brechen um ein Drittel ein“:

„Bedarf und Angebot klaffen auf dem deutschen Wohnungsmarkt weiter auseinander: So wurde im April der Bau von 21.200 Wohnungen genehmigt. Das waren laut Statistischem Bundesamt 9900 Baugenehmigungen weniger als im April des vergangenen Jahres – ein Minus von 31,9 Prozent. Das sei der stärkste Rückgang gegenüber einem Vorjahresmonat seit März 2007, teilte die Behörde heute in Wiesbaden mit.“

Deindustrialisierung

Noch im März hat der deutsche Bundeskanzler auf CNN ganz stolz erzählt:

„Niemand hat vor einem Jahr wirklich erwartet, dass wir eine Situation, in der es keine Gaslieferungen aus Russland mehr nach Deutschland und in viele Teile Europas gibt, wirtschaftlich leicht überleben würden (…) Und nichts von dem, was manche Leute erwarten haben, ist passiert. Es gibt keine Wirtschaftskrise in Deutschland, es gibt keine Gasknappheit oder so etwas in der Art“

Dazu, dass Deutschland nun offiziell in der Rezession ist, dass Scholz also Blödsinn erzählt hat, äußert er sich kaum. Auf Fragen dazu antwortet er ausweichend mit Floskeln wie die deutsche Wirtschaft habe gute Aussichten.

Dass die Deindustrialisierung Deutschlands und Europas keineswegs Russlands Schuld ist, wie die EU und viele Regierungen von EU-Staaten gerne behaupten, zeigt ein Brandbrief, den die CDU/CSU-Fraktion im deutschen Bundestag an die EU-Kommission geschrieben hat. Dabei handelt es sich keineswegs um ein politisches Manöver der Opposition gegen die Regierung, wie zum Beispiel die „Welt“ schreibt:

„Bemerkenswert ist, dass die CDU- und CSU-Politiker mit ihrem Brief an von der Leyen auch eine Parteifreundin tadeln.“

Und die „Welt“ zitiert aus dem Brief:

„„Überzogene Zielsetzungen, realitätsferne Grenzwerte und massive bürokratische Belastungen können als Blaupause für eine De-Industrialisierung Europas und den Verlust tausender Arbeitsplätze dienen“, heißt es in dem Brief. (…) Strengere Vorgaben für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln stoßen in der Unionsfraktion ebenfalls auf Widerstand. Die EU-Kommission plant, den Einsatz dieser Mittel bis 2030 zu halbieren. „Die nach wie vor diskutierten pauschalen Verbote und Reduktionspläne bedrohen die Geschäftsgrundlage vieler Landwirte, gerade im Bereich des Obst- und Weinbaus.““

Auch der Focus berichtet unter der Überschrift „Mittelstand schlägt Alarm – Verliert Deutschland seinen Standortvorteil?“ über die kommende Deindustrialisierung und schreibt:

„Zu hohe Stromkosten, unsichere Produktionen, geringere globale Wettbewerbsfähigkeit – viele deutsche Firmen geraten immer mehr unter Druck. Vor allem im Mittelstand. Jeder vierte deutsche Mittelständer erwägt die Verlagerung der Produktion ins Ausland.“

Dass die hohen Stromkosten eine Folge der Regierungspolitik sind, die bewusst auf das billige russische Gas verzichtet und stattdessen auf LNG und „grüne“ Energien, die teurer sind als das russische Gas, gesetzt hat, sei nur der Vollständigkeit halber angemerkt.

Kein Geld für Schulen, Straßen und Kliniken

Wer in Deutschland lebt, der weiß, dass die deutschen Straßen schon lange nicht mehr das sind, was sie früher mal waren. Marode Brücken und kaputte Straßen werden zunehmend zu einem Problem, das die Regierung seit Jahren nicht angeht.

Von Freunden in Deutschland, die Kinder in deutschen Schulen haben, weiß ich, dass viele Schulen zusehends verfallen, weil auch dort an Reparaturen gespart wird.

Was im deutschen Gesundheitswesen, wo man auf einen Termin bei einem Facharzt inzwischen oft Monate warten muss, los ist, ist auch bekannt. In Deutschland werden jedes Jahr Krankenhäuser geschlossen. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch 2.242 Krankenhäuser, 2021 waren es nur noch 1.887, das ist ein Rückgang um 355 Krankenhäuser oder um etwa 15 Prozent. Und die in Deutschland derzeit diskutierte Reform des Gesundheitswesens wird diesen Prozess aller Wahrscheinlichkeit nach noch beschleunigen.

Nur, um zu zeigen, dass es auch anders geht: Allein im Jahr 2022 wurden in Russland über 270 Krankenhäuser neu gebaut, außerdem wurden in dünn besiedelten Gebieten über 700 Arztpraxen eröffnet.

Die „Welt“ fasst die Misere in Deutschland in einem Artikel mit der Überschrift „GIGANTISCHER INVESTITIONSSTAU – Kaum Geld für Schulen, Straßen, Kliniken – So riskiert der Staat den Wohlstand“ zusammen. Es ist nett von der „Welt“, dass die Zeitung schreibt, „der Staat“ riskiere den Wohlstand. Die Regierung (die Merkel-Regierung und nun auch die Scholz-Regierung), die in Wahrheit dafür verantwortlich ist, nennt die deutsche Presse lieber nicht beim Namen.

Für die Grundbedürfnisse der eigenen Bevölkerung hat die Bundesregierung kein Geld, aber sie kann problemlos hundert Milliarden zusätzlich für neue Waffen bereitstellen und auch noch zweistellige Milliardenbeträge nach Form von Geld und Waffen nach Kiew schicken.

Aber das wird in keinem der Artikel der deutschen Medien über die Misere in Deutschland erwähnt. Kritik an der anti-russischen Linie der Bundesregierung ist tabu, stattdessen wird über die katastrophalen Umstände in Deutschland berichtet, als seien sie regelrecht vom Himmel gefallen. Die Regierung kann natürlich nichts dafür und weder die verfehlte Politik während der sogenannten Pandemie, noch die anti-russische Sanktionspolitik haben damit irgendetwas damit zu tun.

Lebensmittel mit Ekel-Faktor

Da die EU, wie gesehen, die kleinen Landwirte systematisch mit ihren neuen Regelungen vernichtet, baut die EU-Kommission vor, indem sie zum Beispiel die Vorschriften für gentechnisch veränderte Lebensmittel lockern will. Davon profitieren die großen Lebensmittelkonzerne. Was das allerdings für die Qualität der Lebensmittel bedeutet, kann sich jeder selbst überlegen.

Die „Welt“ berichtet unter der Überschrift „Vorschlag der Kommission – Gentechnik: EU will wohl deutliche Lockerung“:

„Zahlreiche gentechnisch veränderte Lebensmittel könnten einem Gesetzesvorschlag der EU-Kommission zufolge künftig ungekennzeichnet auf den Tellern von Bürgern landen. Das geht aus einem bislang unveröffentlichten Verordnungsentwurf der Kommission hervor, der der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel vorliegt.
Demnach will die Behörde vorschlagen, bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen von den strengen EU-Gentechnikregeln auszunehmen.“

Dass die EU auch bereits im großen Stil Insekten als Nahrungsmittel zulässt, ist allgemein bekannt. Ich muss sagen, dass ich wirklich froh bin, in Russland zu leben, wo gentechnisch veränderte Lebensmittel verboten sind und wo Pizzateig nicht zum Teil aus Mehlwurm-Pulver besteht, wie es die EU beispielsweise bereits erlaubt hat.

Deutschland hat fertig

All das, was ich hier aufgeführt habe, ist keine russische Propaganda. So ist die Lage in Deutschland wirklich, das habe nicht ich geschrieben, das haben deutsche Mainstream-Medien gemeldet. Und all diese zitierten Artikel sind von den letzten zwei Tagen, es handelt sich dabei nicht um eine Sammlung von „Horrorgeschichten“ der letzten Monate oder Jahre, sondern um aktuelle Meldungen, die zeigen, wie es wirklich um den „goldenen Westen“ bestellt ist.

Und eine Besserung ist nicht in Sicht, wie ich erst Anfang Juni berichtet habe. Auch das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern das haben deutsche Medien berichtet. Allerdings haben sie das nicht offen gesagt, sondern – wie auch heute – die Katastrophenmeldungen in viele verschiedene Artikel gepackt, damit die Menschen in Deutschland nicht erfahren, wie schlimm die Lage wirklich ist.

Denn wer liest schon so viele Artikel täglich, um in der Lage sein, all die verschiedenen Meldungen zu kennen und das Gesamtbild zusammensetzen zu können, um zu verstehen, was wirklich auf Deutschland zukommt?