Ich sage fast jede Woche, dass der Bericht des Deutschland-Korrespondenten für mich der Höhepunkt des wöchentlichen Nachrichtenrückblicks des russischen Fernsehens ist. Aber diese Woche war er besonders herausragend, denn er zeigte eine Bundestagsdebatte, in der ein Abgeordneter Baerbock als „Bandera-Baerbock“ bezeichnete.

Das Überraschende war die Reaktion von Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoğuz, die den Abgeordneten rügte, weil es sich nicht gehöre, die Außenministerin mit einem Mann zu vergleichen, der als Rechtsextremist gilt.

Wie bitte?

Stepan Bandera, der ukrainische Nazi-Kollaborateur aus dem Zweiten Weltkrieg, ist der Nationalheld der heutigen Ukraine, die doch angeblich die europäische Demokratie gegen die russische Barbarei verteidigt. Warum sollte man die deutsche Außenministerin nicht mit dem Nationalhelden der ach so demokratischen Ukraine vergleichen dürfen?

Das zeigt, dass die meisten Leute in Bundestag und Bundesregierung sehr genau wissen, dass sie in der Ukraine ein Nazi-Regime unterstützen, wenn sie sich selbst nicht mit deren Nationalhelden und Vorbildern der ukrainischen Regierung vergleichen lassen wollen. Nur ändert das nichts daran, dass Politiker, die ein Nazi-Regime unterstützen, selbst… ja, was sind die wohl selbst?

Ich habe den Korrespondenten-Bericht aus dem wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens auch diese Woche wieder übersetzt, denn er enthielt noch weit mehr interessante Details.

Beginn der Übersetzung:

Die Charakteristik des Kiewer Regimes ist einfach. Dort wird von Zeit zu Zeit gefordert, mehr Russen zu töten. Die jüngsten Ereignissen dieser Woche: Michail Podoljak, Berater des Leiters von Selenskys Büro, sagte: „Es gibt nur einen Plan: möglichst hart voranzukommen und dabei so viele Russen wie möglich zu töten.“

Zuvor hatte sich der Leiter der Hauptverwaltung für Aufklärung der ukrainischen Streitkräfte, General Kirill Budanow, ähnlich geäußert. Er erwartet, dass Millionen von Krimbewohnern getötet werden, und seufzt, dass das eine Menge Arbeit sein wird. Bisher sind die Pläne allerdings noch etwas ins Stocken geraten.

Am 29. Mai flog eine russische Rakete ins Gebäude der Hauptverwaltung für Aufklärung des ukrainischen Verteidigungsministeriums, direkt in das Büro, das neben Budanows Büro liegt. Seitdem gibt es kein neues Video von Budanow. Es wurden einige „Konserven“ gezeigt – und das war’s.

Die Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtet unter Berufung auf eine Quelle in den russischen Behörden, die ihre eigenen Leute im ukrainischen Geheimdienst haben, dass der schwer verletzte Budanow aus den Trümmern ausgegraben und mit einem polnischen Hubschrauber zum polnischen Stützpunkt Rzeszow gebracht wurde. Von dort brachte ein US-Flugzeug vom Typ C-21A der Air Medical Evacuation Squadron mit der Flugnummer 84-0087 Budanow nach Berlin in das Bundeswehrkrankenhaus in der Scharnhorstraße 13. Budanows Zustand wird nach wie vor als kritisch eingeschätzt.

Nun, was soll man dazu sagen? Es gab einmal eine Zeit, da wurden in Naziverbrecher in Deutschland vor Gericht gestellt und zu harten Strafen verurteilt. Aber jetzt werden die Naziverbrecher in Berlin behandelt und wieder gesundgepflegt. Die Amerikaner, einst Mitglieder der Anti-Hitler-Koalition, bilden Naziverbrecher aus, pflegen, züchten, finanzieren sie und bringen sie, wenn nötig, zur Behandlung nach Berlin. Was ist das, wenn nicht die Nazifizierung des Westens selbst?

Über die anderen Entwicklungen in Deutschland und Europa berichtet unser Korrespondent.

Scholz und Duda waren am Montag zu Besuch bei Macron, um gemeinsam zu überlegen, wie sie Russland besiegen können. Das „Weimarer Dreieck“ ist eines der rechtwinkligen Dreiecke, bei dem jede Seite meint, die Hypotenuse zu sein. Frankreich, weil es Atomwaffen hat. Deutschland, weil es immer noch die erste Wirtschaftsmacht in Europa ist. Und Polen, weil es Polen ist.

„Wir werden alles tun, um sicherzustellen, dass Russland nicht nur nicht als Sieger aus diesem traurigen Abenteuer herausgeht, sondern es auch nicht wiederholen kann“, sagte Macron.

Macrons Pläne für Russland sind buchstäblich napoleonisch. (Anm. d. Übers.: Als „napoleonische Pläne“ werden in der russischen Umgangssprache große oder sogar größenwahnsinnige Pläne bezeichnet) Aber für die Ukraine gibt es keinen klaren Plan. Obwohl der NATO-Gipfel in Vilnius immer näher rückt, gibt es keine sichtbaren Fortschritte.

„Wir haben mit der Ukraine de facto seit Beginn des Krieges über Sicherheitsgarantien gesprochen“, erinnerte Scholz.

Sicherheitsgarantien sind nicht im Geringsten mit Artikel 5 der NATO-Charta vergleichbar, und die Ukraine wird jetzt nicht in die NATO aufgenommen werden, obwohl Duda versucht, seine Partner von der Notwendigkeit ihres Beitritts zu überzeugen. Am Freitag verabschiedete der polnische Sejm sogar eine Resolution für den Beitritt der Ukraine zum Bündnis, denn die Polen befürchten, dass sie im Falle einer ukrainischen Niederlage selbst in den Kampf ziehen müssen, und zwar auf sich allein gestellt. Das will Duda aber nicht: „Ich hoffe und glaube, dass die Gegenoffensive mit unserer Unterstützung erfolgreich wird“, sagt er.

Oder als erfolgreich dargestellt wird. Für die Ukraine ist das allerdings nicht illusorisch. So sieht es aus: Die westlichen Medien verbreiten Lügen über die Unbesiegbarkeit der ukrainischen Streitkräfte, die Öffentlichkeit gibt den Politikern Zeit, mit Russland auf dem Schlachtfeld klarzukommen, und die ukrainischen Soldaten werden in die Offensive getrieben. Eine Welle nach der anderen.

Dieses Schema beginnt zu versagen. Der Spiegel zum Beispiel veröffentlichte einen Artikel darüber, wie ukrainische Panzermannschaften technische Störungen vortäuschen, um nicht in die Offensive zu gehen. Aber insgesamt funktioniert es bisher. Und die Logik dabei ist klar.

„Je mehr Fortschritte die Ukraine macht, desto wahrscheinlicher ist es, dass Präsident Putin versteht, dass er auf dem Schlachtfeld nicht gewinnen kann, sondern über einen gerechten Frieden verhandeln muss“, sagte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Gerecht wäre es aus ihrer Sicht, wenn Russland sich von überall zurückzieht, einschließlich der Krim, und bis zum Ende des Jahrhunderts Reparationen zahlt. Und aus irgendeinem Grund sind derzeit viele im Westen sicher, dass der Erfolg der ukrainischen Offensive den Kreml dazu zwingen wird, solchen Bedingungen zuzustimmen. Es wäre toll, wenn schon auf dem NATO-Gipfel ein ernsthaftes Ergebnis präsentiert werden könnte, aber selbst das Pentagon scheint nicht mehr daran zu glauben, denn US-Verteidigungsminister Austin erklärte gerade, der Krieg sei ein Marathon und kein Sprint. Das bedeutet, dass die Ukraine mehr Doping braucht, um die Ziellinie irgendwie zu erreichen.

Großbritannien zeigte Videos von Aufklärungs- und Kampfdrohnen, sogar einige Drohnen, die Torpedos tragen, tauchten zum ersten Mal in den Aufnahmen auf. Das britische Verteidigungsministerium hat angekündigt, all das an die Ukraine liefern zu wollen. Die Lieferung ist für nächsten Monat versprochen.

In Brüssel haben die Verbündeten diese Woche über das nächste Militärhilfepaket für Kiew entschieden. Zu den Prioritäten gehören Artilleriegeschosse und Mehrfachraketenwerfer, Luftabwehr und die Ausbildung ukrainischer Piloten für die F-16. Die ersten Kadetten werden im Sommer auf Luftwaffenstützpunkten in Dänemark und den Niederlanden ankommen.

Die schwedische Regierung hat eine ähnliche Entscheidung getroffen: Die Ukrainer werden Grippen-Mehrzweckkampfflugzeuge von Saab erhalten. Gleichzeitig ist geplant, in der Nähe der ukrainischen Grenze einen Hub für diese Flugzeuge einzurichten. Es bleibt noch offen, ob es Pläne gibt, Stützpunkte auf NATO-Gebiet für den Kampfeinsatz von Flugzeugen gegen die russische Armee zu nutzen.

In der Geschichte um die Bildung der so genannten „Koalition für Kampfflugzeuge“ hat Deutschland bisher wie ein Statist gewirkt. Das hat es nicht daran gehindert, mit großem Pomp Air Defender, das größte Luftmanöver der Allianz in Europa, anzuführen. Tatsache ist jedoch, dass die Luftwaffe nicht in bester Kondition ist. Auf dem Stützpunkt in Jagel saß der Bundeskanzler im Cockpit eines offensichtlich nicht neuen Eurofighters, der neben einem noch älteren Tornado stand, bekam ein Modellflugzeug mit amerikanischer Flagge auf dem Heckflügel geschenkt und sagte, dieses Manöver sei von großem praktischen Nutzen. Oder ging es doch um politischen Nutzen?

„Warum sollten Staatschefs, vielleicht Putin, von diesen Übungen beeindruckt sein?“, fragte ein Journalist.

„Ich hoffe, dass unsere eigenen Leute von dem beeindruckt ist, was wir können“, sagte der Chef des Generalstabs der Luftwaffe Generalleutnant Ingo Gerhartz.

Man kann nicht sagen, dass die eigenen Leute nicht beeindruckt sind. Allerdings wahrscheinlich nicht so, wie Scholz es sich gewünscht hätte.

„Das Manöver Air Defender hat begonnen und die NATO lobt Deutschland für seine enorme Leistung. Doch das stimmt nur zum Teil. Im Moment beweist das hochgelobte Manöver vor allem eines – die brutale Abhängigkeit Europas von den USA. Was werden wir tun, wenn der nächste US-Präsident keine Flugzeuge mehr schickt?“, fragt sich „Welt“.

Das ist natürlich unwahrscheinlich, aber wenn die USA aufhören, Flugzeuge und Schiffe, Panzer, Artillerie und Infanterie zu schicken, dann können die nächsten NATO-Übungen in Europa mit einem Wort definiert werden: „Show“.

Dafür können die Deutschen jetzt ihre eigene nationale Sicherheitsstrategie lesen, die von Scholz und Baerbock geschrieben wurde. Zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte hat Deutschland endlich eine eigene Sicherheitsstrategie. Überhaupt machen viele sich um die Frage Sorgen: Wie kann man sich vor den Russen schützen?

Dazu ist ein Wettbewerb der Ideen entstanden, aber der tschechische Präsident hat ihn diese Woche klar gewonnen: Herr Pavel schlug die Internierung von Russen, die in Europa leben, vor: „Alle Russen, die im Westen leben, müssen stärker als bisher kontrolliert werden, weil sie Bürger eines Landes sind, das einen aggressiven Krieg führt. Mir tun diese Menschen vielleicht leid, aber wenn wir uns an die Zeit erinnern, als der Zweite Weltkrieg begann, da wurde auch die gesamte japanische Bevölkerung, die in den USA lebte, streng überwacht. Das ist einfach der Preis des Krieges.“

Die Russen für alle Fälle in Konzentrationslager zu stecken – an eine so radikale Lösung hat man in Deutschland noch nicht gedacht.

Aber im Ernst: Die deutsche Sicherheitsstrategie ist im Bundestag heftig kritisiert worden, weil sie nur leere Worte ist. Man kann die Dutzenden von Seiten Text einfach durch ein einziges Wort aus drei Buchstaben ersetzen: „USA“.

„Die einzige klare Antwort ist die Erhöhung der Militärausgaben um bis zu zwei Prozent, was zwischen 70 und 80 Milliarden Euro pro Jahr entspricht. Ich halte das für Wahnsinn. Ihr Hauptproblem ist, dass Sie bereit sind, Interessen von wem auch immer zu verteidigen, nur nicht die des deutschen Volkes. Sie klammern sich einfach an die USA und ihre Sicherheitsinteressen und folgen Washington“, sagte die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen von der Partei Die Linke.

Die klare Ausrichtung an der Politik Washingtons zeigt sich derzeit in der stillschweigenden Unterstützung der US-Version der Sprengung der Nord Streams. Die Ermittlungen gehen in ihre letzte Phase. Die „Zeit“ veröffentlichte einen Artikel, in dem zum ersten Mal Saluzhny, der ukrainische Oberbefehlshaber, direkt als Organisator der Terroranschläge auf die Gaspipelines genannt wurde. Dabei wird behauptet, dass Selensky nichts damit zu tun habe. Um die wahren Drahtzieher der Anschläge zu vertuschen, verbreiteten die deutschen Medien auch die Information, dass die US-Geheimdienste die deutsche Regierung vor den bevorstehenden Terroranschlägen gewarnt hätten.

Der Bundeskanzler wurde diese Woche gefragt, was er in diesem Zusammengang unternommen habe. Hat er vielleicht in Kiew angerufen?

„Haben Sie in den letzten Monaten mit Präsident Selensky über die Geheimdienstdokumente zu den Nord-Stream-Anschlägen gesprochen oder planen Sie das?“, fragte ein Journalist.

„Geheimdokumente sind deshalb Dokumente der Geheimdienste, damit sie geheim bleiben. Und wenn alles gut geht, werden sie auch geheim bleiben“, antwortete Scholz.

Die Regierung Scholz will nichts unternehmen, sie wartet darauf, dass Saluzhny aus dem Weg geräumt wird, und dann wird sie das Ergebnis der Untersuchung akzeptieren. Das Wichtigste ist, dass die Deutschen das Ergebnis genauso ruhig und ohne Skandal akzeptieren. Die Aufgabe wird dadurch ernsthaft erschwert, dass die Ukraine nicht vorhat, den Transitvertrag für russisches Gas zu verlängern, der nächstes Jahr ausläuft. Gas über die Ostsee zu liefern, ist nicht mehr möglich, und es wird auch keinen Transit über Land mehr geben.

Wirtschaftsminister Habeck, der viel dafür getan hat, die Kontakte zu Gazprom auf Null herabzusetzen und dem Unternehmen sein Eigentum in Deutschland zu entziehen, ist plötzlich aufgewacht: Ohne russische Lieferungen, sagt er, könnte man die deutsche Industrie abschalten. Die Opposition hat eine Frage: Für wen arbeiten die deutschen Grünen?

Der AfD-Abgeordnete Frohnmaier sagte im Bundestag: „Der Ausspruch von Frau Baerbock ‚Es ist mir egal, was meine deutschen Wähler denken‘, wurde legendär. Nun schaltete sich auch Habeck ein und sagte über das drohende Ende der russischen Gaslieferungen, ich zitiere: ‚Würde das russische Gas nicht in dem Maße, wie es noch immer durch die Ukraine fließt, nach Osteuropa kommen, gilt, was europäisch verabredet wurde: Bevor die Leute dort frieren, müssten wir unsere Industrie drosseln oder gar abschalten‘. Herr Habeck, ich frage Sie, sind Sie wirklich unser Wirtschaftsminister? Oder der der Ukraine? Wessen Interesse vertreten Sie? Deutsche? Oder die Interessen anderer Länder? Den Menschen ist die Antwort bekannt: Die Bundesregierung besteht aus Bandera-Baerbocks und Wolodimir Habecks!“

Darauf antwortete Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoğuz: „Die Außenministerin mit jemandem wie Bandera zu vergleichen, der ein Rechtsextremer gewesen sein soll, weise ich für dieses Haus scharf zurück!“ (Anm. d. Übers.: Das sollten wir uns merken, denn Bandera ist der Nationalheld der heutigen Ukraine, für die Deutschland alles geben soll.)

Bandera ist nicht ihr Held. Ihre Helden sind im Bandera-Regime, was im Grunde das Gleiche ist. Aber das sollte man trotzdem nicht verwechseln.

Finanzminister Lindner teilte letzte Woche mit, dass Deutschland wegen der Hilfe für die Ukraine das Geld für europäische Programme ausgegangen sei. Und wenn Deutschland das Geld ausgegangen ist, dann sieht es in Europa gar nicht gut aus, zumal ernsthafte Ausgaben anstehen, denn die Rüstungskonzerne warten auf langfristige Verträge, und ohne die wollen sie die Produktion nicht hochfahren. Generell passt das Bild vom Marathon, das der US-Außenminister in Bezug auf die Ukraine verwendet hat, auch auf Deutschland. Auch Deutschlands Chancen, die Ziellinie nicht zu erreichen, stehen gut.

Ende der Übersetzung