Ich berichte jedes Jahr über die sogenannte „Rangliste der Pressefreiheit“ der Reporter ohne Grenzen, denn die Reporter ohne Grenzen (RoG) sind nicht etwa eine unabhängige und kritische NGO zum Schutz der weltweiten Pressefreiheit, wie viele meinen, sondern ein Propaganda-Instrument des Westens und der westlichen Medien. Sie sind nämlich auch Lobbyisten der westlichen Mainstream-Medien, wie wir noch sehen werden.

Das Propaganda-Instrument des Westens

Dass die RoG ein Propaganda-Instrument des Westens sind, kann man an einem sehr einfachen Beispiel problemlos feststellen. In ihrer „Jahresbilanz der Pressefreiheit“ melden sie, wie viele Journalisten weltweit getötet wurden und wie viele Journalisten weltweit im Gefängnis sitzen. Dort erfährt man, wer 2024 für den Tod wie vieler Journalisten verantwortlich war: 18 Journalisten wurden von den israelischen Streitkräften getötet, 13 von nicht identifizierten Gruppen, 6 von nicht identifizierten Angreifern, 5 von bangladeschischen Strafverfolgungsbehörden, 3 von der „Militärjunta“ in Myanmar, 2 von russischen Behörden, 2 von Islamisten in Pakistan und 2 im Sudan. Soweit die Reporter ohne Grenzen.

Was die RoG nicht erwähnen, sind die mindestens drei russischen Journalisten (Semyon Eremin, Valery Kozhin und Nikita Tsitsagi), die 2024 von den ukrainischen Streitkräften getötet wurden. Man fragt sich also, wie die RoG definieren, wer ein Journalist ist. Russen, auch wenn sie sogar bei Wikipedia als von den ukrainischen Streitkräften getötete Journalisten gelistet werden, sind für die Reporter ohne Grenzen offenbar keine Journalisten und verdienen es nicht, in deren „Jahresbilanz der Pressefreiheit“ gemeldet zu werden.

Und obwohl die Reporter ohne Grenzen Israel zumindest ein bisschen dafür kritisieren, dass es in Gaza so viele Journalisten umbringt, scheinen die Zahlen der RoG geschönt zu sein. Die RoG sprechen von 18 im Jahr 2024 durch die israelische Armee getöteten Journalisten, während das Committee to Protect Journalists (CPJ) für 2024 76 von der israelischen Armee getötete Journalisten namentlich auflistet. Übrigens ist auch das CPJ keineswegs eine neutrale Organisation, denn dort werden ebenfalls keine getöteten russischen Journalisten aufgeführt.

Das zeigt, dass die Reporter ohne Grenzen keineswegs eine objektive Organisation sind, sondern klar im Interesse des Westens arbeiten. Den Völkermord Israels in Gaza können sie nicht vollkommen ignorieren, das würde ihrer Glaubwürdigkeit allzu sehr schaden, aber sie schönen die Zahl der durch Israel getöteten Journalisten massiv und verschweigen die durch die Ukraine getöteten russischen Journalisten.

Wer bezahlt, bestellt die Musik

Die RoG rühmen sich selbst zwar, ungeheuer transparent zu sein, aber bei ihren Finanzen sind sie entsetzlich intransparent. In den Berichten der deutschen Sektion der RoG gibt es keine Angaben darüber, wer ihnen wie viel bezahlt hat. Und weil Leute wie ich die Finanzierung der RoG jedes Jahr thematisieren, werden sie mit jedem Jahr intransparenter. In ihrem Jahresbericht 2019 haben sie Spenden wenigstens noch nach Einzelspendern und Spenden von Organisationen aufgeschlüsselt. Das haben sie danach eingestellt und nennen nur noch die Spenden insgesamt.

Im Jahresbericht 2023, ein neuerer Jahresbericht liegt noch nicht vor, sind sie genauso intransparent verfahren. Über die Zusammensetzung der Einnahmen schreibt die deutsche Sektion der Reporter ohne Grenzen in ihrem Bericht von 2023:

„RSF wird etwa zur Hälfte (59 Prozent) aus Spendeneinnahmen finanziert. Den Großteil davon machen Spenden von Einzelpersonen aus, aber auch Organisationen wie beispielsweise Verlagshäuser unterstützen unsere Arbeit. Auch unsere 3.500 Mitglieder tragen mit ihren Mitgliedsbeiträgen zur Finanzierung bei und unterstützen damit täglich unseren Kampf für die Pressefreiheit. Weiterhin erhielten wir 2023 Projektmittel vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe und von Stiftungen.“

In Zahlen ausgedrückt hat die deutsche Sektion der Reporter ohne Grenzen 2023 Einnahmen in Höhe von 3,243 Millionen Euro gehabt, von denen 2,6 Millionen von nicht näher genannten Spendern und dem deutschen Staat gekommen sind. Dazu kommen noch 400.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen, der Rest ist „Kleinkram“.

Die Dachorganisation der RoG, die ihren Sitz in Frankreich hat (daher die oft verwendete Abkürzung RSF für „Reporters sans frontières“), ist kaum transparenter. In deren Jahresbericht kann man nur erfahren, dass sie 2023 den größten Teil ihrer Einnahmen von privaten Stiftungen (22 Prozent) und Staaten (54 Prozent) bekommen haben:

  • öffentliche Mittel (54 %), insbesondere von der Agentur Französische Entwicklungsagentur (AFD) und dem Europaministerium und Auswärtige Angelegenheiten (MEAE) des schwedischen Internationalen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Sida) des Außenministeriums aus den Niederlanden oder der Europäischen Union (EU);
  • private Mittel aus Stiftungen (22 %);
  • kommerzielle Aktivitäten (10%), vor allem aus dem Verkauf von Fotoalben, von denen jeweils 3 Ausgaben pro Jahr erscheinen;
  • Mäzenatentum und allgemeine öffentliche Spendensammlung (11 %)

Im Gegensatz zur deutschen Sektion nennt die französische Dachorganisation zumindest ihre wichtigsten Großspender. Das sind mit Luminate, der Ford Fopundation, den Soros-Stiftungen und vor allem den National Endowment for Democracy (NED) viele Stiftungen, die für Stammleser des Anti-Spiegel alte Bekannte sind, weil sie alle NGOs und Medien bezahlen, die die Narrative der westlichen Politik pushen.

Vor allem, dass die RoG Gelder vom National Endowment for Democracy (NED) annehmen, zeigt, dass sie eine Propaganda-Organisation sind. Das NED wurde 1983 vom US-Kongress gegründet und erhält von diesem für seine Arbeit eine jährliche Finanzierung aus dem US-Bundeshaushalt. Mit dem Geld beeinflusst das NED die Politik in anderen Ländern und war nach seiner Gründung an allen pro-westlichen Putschen beteiligt, die in den westlichen Medien als „demokratische Revolutionen“ bezeichnet werden. Auf den Punkt brachte die Arbeitsweise des NED sein Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender Allen Weinstein, der zur Tätigkeit des NED in einem Interview mit der Washington Post am 21. September 1991 sagte, das NED tue das, „was vor 25 Jahren die CIA verdeckt getan hat.“

Das NED ist nicht an freier Presse interessiert, sondern an pro-amerikanischer Presse. Nur dafür bezahlt das NED. Und dass die RoG vom NED Geld annehmen, sagt alles über die RoG aus, was man wissen muss.

Die Rolle der Medien

Da auch die westlichen Medienkonzerne die RoG nach Kräften unterstützen, haben wir einen ersten Interessenkonflikt, denn wenn die RoG von den westlichen Staaten und Medienkonzernen bezahlt werden, dann wollen diese Sponsoren natürlich, dass ihren Ländern eine möglichst intakte Pressefreiheit bescheinigt wird. Würden die RoG melden, dass die führenden Medien in Deutschland nicht frei berichten (können), würden die deutschen Konsumenten umgehend nach Alternativen suchen, die noch frei berichten können oder wollen.

Und das wollen die Medienkonzerne natürlich nicht. Aus diesem Grunde erwähnen die RoG die Zensur, die in der EU um sich greift, auch mit keinem Wort. Dass russische Medien in der EU verboten wurden, ist für die RoG keine Einschränkung der Pressefreiheit. Dafür beschweren die RoG sich darüber, dass Russland 2022 auf das Verbot seiner Medien im Westen mit dem Verbot einiger westlicher Medien in Russland reagiert hat und dafür haben die RoG Russland seinerzeit in ihrer „Rangliste der Pressefreiheit“ massiv heruntergestuft.

Dass die westlichen Medienkonzerne die RoG sponsern, ist ein massiver Interessenkonflikt, auf den jedoch nirgends hingewiesen wird.

Das sehen Sie anders? Nun, wie vertrauenswürdig wäre für Sie eine von chinesischen Medien und dem chinesischen Staat bezahlte und geleitete Organisation aus China, die ein weltweites Rating der Pressefreiheit erstellt, bei dem China natürlich immer Spitzenplätze belegt? Das wäre kaum vertrauenswürdig, der Interessenkonflikt würde ins Auge stechen. Ich frage mich immer wieder, warum viele Menschen solche Interessenkonflikte nicht erkennen, wenn sie im Westen zu finden sind.

Die RoG werden von privaten und staatlichen westlichen Medien nicht nur bezahlt, sondern auch geleitet. Das sieht man beispielsweise am Kuratorium der deutschen RoG. Darin sitzen derzeit unter anderem die Chefredakteure des ZDF, der „Zeit“, der Zentralredaktion Funke-Mediengruppe und der TAZ, sowie der Herausgeber des „Tagesspiegel“. Hinzu kommen noch ehemalige Chefredakteure von Geo und der Frankfurter Rundschau, ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Axel-Springer-Verlages, eine ehemalige Intendantin des MDR und weitere Vertreter der Mainstream-Medien.

Nicht anders sieht es im Vorstand der deutschen RoG aus, der für die operative Tätigkeit verantwortlich ist. Ein paar Beispiele für Vorstandsmitglieder: Katja Gloger leitete das Auslandsressort des Stern in Hamburg und war politische Korrespondentin in Washington. Gemma Pörzgen ist Online-Redakteurin für den Deutschlandfunk. Martin Kaul arbeitet für das Investigativteam von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung in Berlin, um nur einige Beispiele zu nennen.

Und die alle haben ein Interesse daran, dass ihre Medien den Kunden, Lesern und Zuschauern als frei, objektiv und kritisch präsentiert werden. Und genau das bestätigen ihnen die RoG.

Oder ironisch gesagt: Das bestätigen sich die westlichen Medien über die von ihnen geleiteten und finanzierten Reporter ohne Grenzen selbst.

Lobbyarbeit für die Medien

Damit aber nicht genug. Da die westlichen Medien wegen ihrer gleichgeschalteten und einseitigen Berichterstattung immer mehr Vertrauen und damit Leser verlieren, fordern die RoG staatliche Hilfen für die Medien. Die Pressemeldung über die diesjährige „Rangliste der Pressefreiheit“ trug sogar die Überschrift „Wirtschaftlicher Druck schwächt Pressefreiheit“ und über Deutschland haben die Lobbyisten geschrieben:

„Die wirtschaftliche Situation für Medienhäuser hat sich auch in Deutschland in den vergangenen Jahren spürbar verschlechtert. RSF setzt sich deshalb für Reformen ein, um diesen Trend aufzuhalten und die Medienvielfalt in Deutschland zu stärken. Dazu gehören neben einer Förderung des gemeinnützigen Journalismus auch eine plattformunabhängige Medienförderung und eine Reform des Medienkonzentrationsrechts.“

Mit der „Förderung des gemeinnützigen Journalismus auch eine plattformunabhängige Medienförderung“ werden die RoG sicher nicht gemeint haben, dass unabhängige Medien wie NuoViso, apolut die Nachdenkseiten oder gar der Anti-Spiegel gefördert werden sollen, sondern sie wollen vom Staat Geld für die Konzernmedien.

Wie das „Ranking der Pressefreiheit“ entsteht

Früher waren die RoG bei der Beschreibung ihrer Arbeitsweise noch ehrlicher. 2021 haben sie über ihr Ranking geschrieben:

„Als Grundlage für die Rangliste hat Reporter ohne Grenzen Ende 2020 einen umfangreichen Fragebogen an Hunderte Expertinnen auf allen Kontinenten versandt, darunter das eigene Netzwerk von Korrespondentinnen, Partnerorganisationen sowie Journalistinnen, Wissenschaftlerinnen, Juristinnen und Menschenrechtsaktivist*innen. Es handelt sich jedoch nicht um eine repräsentative Umfrage nach wissenschaftlichen Kriterien.“

Im Klartext bedeutet das: Die RoG schicken einen Fragebogen an ihre eigenen Leute und auf der Basis der Antworten basteln sie sich das Ranking. Immerhin haben sie selbst zugegeben, dass das Ranking keinen wissenschaftlichen Kriterien genügt. Das ist also kein belastbares Ranking, sondern nichts weiter als deren Meinung.

Wer das „eigene Netzwerk“ der ROG ist, kann man nur raten, denn es wird nirgends genannt. Aber da wir uns deren Partner, Unterstützer und Geschäftsführung angeschaut haben, und die aus den Reihen der westlichen Staaten, der westlichen Medienkonzerne und Staatsmedien und den größten Stiftungen der westlichen Oligarchen kommen, ist es nicht schwer, zu erraten, wer wohl das „eigene Netzwerk“ der RoG sein könnte.

Heute formulieren sie das verklausulierter, aber das Prinzip hat sich nicht geändert. Sie verschicken einen Fragebogen an ihre eigenen Leute und aus deren Antworten basteln sie ihre „Rangliste der Pressefreiheit“.

Ich erspare es mir daher, auf das Ranking im Detail einzugehen, denn es ist allzu vorhersehbar. In der Ukraine ist die Pressefreiheit laut den RoG beispielsweise nur „problematisch“, obwohl sogar deutsche Medien schon mal gemeldet haben, dass die ukrainischen Medien gleichgeschaltet sind und von Selenskys Präsidialamt kontrolliert werden Sogar der Spiegel sprach von „staatlicher Willkür“.

In Georgien ist die Pressefreiheit laut den RoG „schwierig“ (was die schlechteste Einstufung ist) und der Grund ist laut den RoG, dass „ein Gesetz gegen „ausländische Einflussnahme“ die Annahme ausländischer Finanzhilfen kriminalisiert“. Das ist glatt gelogen, denn das Gesetz kriminalisiert nichts, sondern fordert nur Transparenz über die Finanzierung aus dem Ausland. Ein solches Gesetz haben auch viele Länder des Westens, die USA haben es seit fast 80 Jahren und inzwischen haben auch die EU, Frankreich und viele andere westliche Länder solche Gesetze erlassen und die neue Bundesregierung hat sich in ihren Koalitionsvertrag geschrieben, dass auch Deutschland so ein Gesetz bekommen soll.

Aber das erwähnen die RoG mit keinem Wort, was noch einmal zeigt, dass die Reporter ohne Grenzen nichts weiter als ein Propaganda-Instrument des Westens sind.