Der israelische Angriff auf den Iran war auf ganzer Linie ein Fiasko, aus dem Netanjahu dann von Trump gerettet werden musste, indem der die US-Luftwaffe gegen den Iran losschickte. Im Westen wird der 12-Tage-Krieg als Erfolg verkauft, allerdings habe ich das von Anfang an anders gesehen, denn die iranische Regierung, die Netanjahu mit den Angriffen stürzen wollte, wurde durch die israelischen Angriffe sogar gestärkt. 

Und auch das zweite, vor allem von den USA verkündete Ziel, nämlich zu verhindern, dass andere Länder sich atomar bewaffnen, wurde nicht erreicht, im Gegenteil. 

Darüber, warum das so ist, wollte ich schon lange schreiben, bin aber noch nicht dazu gekommen. Offensichtlich teil der einflussreiche US-Thinktank Council on Foreign Relations meine Einschätzung, denn dort wurde zu diesem Thema ein Artikel veröffentlicht, dem ich in der Sache zu hundert Prozent zustimme und den ich deshalb übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Der nordkoreanische Weg der Proliferation

Was aufstrebende Atommächte aus Israels Angriffen auf den Iran gelernt haben

von Vipin Arang and Pranay Vaddi | Foreign Affairs

In den Monaten seit dem 12-tägigen Krieg Israels und der USA mit dem Iran im vergangenen Juni haben Analysten und Geheimdienste ausführlich über das Ausmaß der Schäden am iranischen Nuklearprogramm und Regime debattiert. Es ist noch unklar, wie viel von Irans nuklearer Infrastruktur überlebt hat und wie schnell sie – wenn überhaupt – wiederhergestellt werden kann. Auf strategischer Ebene jedoch ist die Wirkung dieses Schlagabtauschs unbestreitbar: Er markiert den Zusammenbruch einer Nuklearstrategie, die von der Islamischen Republik seit den 1980er Jahren oft erfolgreich verfolgt wurde.

Über Jahrzehnte hinweg war der Iran der Inbegriff eines nuklearen „Lavierer“. Er strebte zwar das Know-how und die Technologie an, um sein Nuklearprogramm zu bewaffnen, verzichtete aber aus politischen Gründen darauf, den entscheidenden Schritt zu gehen. Diese Schwellenstrategie war erfolgreich, zumindest eine Zeit lang. Sowohl Israel als auch die USA versuchten, das Nuklearprogramm durch kontinuierliche Sabotage und gezielte Attentate zu verzögern, jedoch unterließen es beide Länder, Irans Nuklearanlagen offen anzugreifen. Dann, im Jahr 2015, mit der Unterzeichnung des Joint Comprehensive Plan of Action (JCPOA), schien es, als habe sich das Wagnis des Regimes ausgezahlt: Der Iran erhielt dringend benötigte Sanktionserleichterungen im Austausch für die Akzeptanz von Beschränkungen seines Nuklearprogramms. Die Bedrohung, die durch Irans „Lavieren“ geschaffen wurde, kombiniert mit dem Wunsch der zweiten Regierungszeit von Barack Obama, eine umfassende diplomatische Lösung zu finden, führte zur erfolgreichen Aushandlung des wegweisenden Abkommens, das Irans Nuklearprogramm wesentlich weiter von einer Bombe entfernte.

Doch seit dem 12-tägigen Krieg liegt diese Strategie in Trümmern. Die US-amerikanischen und israelischen Luftangriffe verursachten erhebliche Schäden an wichtigen Anlagen in Natanz, Fordo und Isfahan und lähmten die militärische Führungsstruktur Irans. Der Iran hatte Washingtons Bereitschaft unterschätzt, militärische Aktionen Israels zu unterstützen und selbst in den Angriff einzusteigen. Heute findet sich der Iran verwundbar gegenüber existenziellen territorialen Angriffen und Bemühungen für einen Regimechange wieder – mit einer Bombe, die in weite Ferne gerückt ist, und in einer Verhandlungsposition gegenüber dem Westen, die schwächer ist als je zuvor.

Das Scheitern des Iran als nuklearer Schwellenstaat bestätigt die Strategie eines anderen Gegners der USA: Nordkorea. Im Gegensatz zu Teheran vermied es Pjöngjang weitgehend, Verzögerungen beim Bewaffnen seines Nuklearprogramms hinzunehmen; es machte stetige Fortschritte in Richtung der Bombe, nutzte zeitweilige diplomatische Kontakte, um die Entschlossenheit der USA bei möglichen Abkommen zu testen, griff routinemäßig auf Täuschungs- und Verzögerungstaktiken zurück und überstand dabei enormen diplomatischen und wirtschaftlichen Druck.

Als die Diplomatie scheiterte, brachte Nordkorea sein Programm rasch voran, sodass das Regime der Kims bereit war, jede zukünftige Verhandlung aus einer Position größerer Stärke anzugehen. Während sich Irans Oberster Führer Ali Chamenei um eine Neuordnung bemüht, steht der nordkoreanische Führer Kim Jong-un als Beispiel dafür da, was mit einem der weltweit am schnellsten expandierenden und sich diversifizierenden Arsenale sowie strategischen Partnern in Peking und Moskau hätte sein können. Für angehende nukleare Staaten sind die Lehren gefährlich klar: Warte nicht mit dem Bau der Bombe, gehe davon stets aus, dass Großmächte angreifen werden, und vertraue nicht darauf, dass Diplomatie erfolgreich ist. Mit anderen Worten: Sei wie Kim, nicht wie Chamenei.

Ein Verpasster Moment

Schon in den 1970er Jahren verfügte Teheran über den notwendigen Ehrgeiz und das Fachwissen, um sein Programm bei der Nuklearenergie mit Blick auf mögliche militärische Zwecke auszubauen. Das Programm hatte zwei Jahrzehnte zuvor unter Mohammed Reza Schah Pahlavi begonnen. Schließlich trat der Iran im Jahr 1970 dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen bei. Während des Iran-Irak-Krieges in den 1980er Jahren begann die Islamische Republik mit verdeckten Erkundungen sensiblerer Technologien wie der Urananreicherung und erweiterte ihr Fachwissen mit Hilfe von Drittländern. Ab 1989 formulierte das Regime den sogenannten AMAD-Plan, der einen Leitplan für die theoretische und ingenieurtechnische Arbeit aufstellte, der erforderlich war, um nach ausreichender Urananreicherung eine Bombe zu bewaffnen.

Doch der Iran überschritt die Schwelle zur Bewaffnung nicht. Er stoppte aus politischen, nicht aus technischen Gründen: Nachdem Irans geheime Nuklearaktivitäten zu Beginn des 21. Jahrhunderts aufgedeckt worden waren, legten die iranischen Führer den AMAD-Plan auf Eis. Sie zogen es vor, den Verzicht auf die Bombe im Austausch gegen wirtschaftliche und diplomatische Entlastung zu verhandeln. Teheran kam weiterhin zu dem Schluss, dass das Überschreiten der Schwelle als Mitglied des Atomwaffensperrvertrages – trotz der verstärkten US-Militärpräsenz und der Handlungsfreiheit der USA im Nahen Osten – nicht in Irans Sicherheits- und strategischem Interesse lag.

Nichtsdestotrotz behielt der Iran – unter enormen Kosten – das technische Fachwissen, die bürokratischen Strukturen und die industrielle Infrastruktur, die nötig sind, um die zivile Nuklearforschung, die Produktion medizinischer Isotope und die Erzeugung von Energie voranzutreiben, und sie im Bedarfsfall für militärische Zwecke umzuwidmen. Das Regime setzte darauf, dass dieses Schwellenprogramm drei geopolitische Zwecke erfüllen würde: Es würde dem Iran die Fähigkeit geben, rasch eine Bombe zu entwickeln, falls eine existenzielle Bedrohung unmittelbar bevorstünde, es würde einen militärischen Angriff Israels oder der USA abschrecken, indem es beide Länder über den Stand von Teherans Fortschritt im Unklaren ließ, und es würde Verhandlungsspielraum gegenüber den westlichen Gegnern schaffen, indem man die Begrenzung des Programms als Faustpfand für Erleichterungen von drückenden Wirtschaftssanktionen einsetzte.

Fast zwei Jahrzehnte nach dem Stopp des AMAD-Plans hat der Iran die Grenze zur Waffe freiwillig nicht überschritten. Selbst als Irans Nuklearwissenschaftler ein erstes Arsenal von fünf Waffen ins Auge fassten, waren Teherans politische Führer unentschlossen, ob das Ziel des Programms der Erwerb eines Atomwaffenarsenals oder das Ausspielen großer Teile davon für wirtschaftliche und politische Zugeständnisse sein sollte. Sie waren jedoch weitgehend überzeugt, dass das Herantreten bis an die Schwelle zur Bewaffnung die Nation vor einem existenziellen Angriff schützen würde. Nach Jahren der Risikospiele mit den Regierungen von George W. Bush und der ersten Regierung von Obama schienen sie mit dem Abschluss des JCPOA bestätigt: Er erlaubte es Teheran, Teile des Programms aufzugeben, um Irans Ruf und Wirtschaft zu stärken.

Doch das JCPOA verpflichtete künftige US-Regierungen nicht, sich an das Abkommen zu halten, und unter der ersten Regierung von Donald Trump traten die USA 2018 aus dem Abkommen zurück. Nach diesem wahrgenommenen Verrat begann der Iran, große Mengen angereicherten Urans zu horten, darunter auch in Reinheitsgraden, die deutlich näher an denen für eine Atombombe lagen. Diese Schritte schufen sowohl Verhandlungsspielraum für ein künftiges Abkommen als auch eine potenzielle Versicherung gegen die Unberechenbarkeit der ersten Trump-Regierung – und gegen Israel, das kaum ein Geheimnis aus seinem Wunsch machte, den Iran anzugreifen. Die gezielte Tötung des iranischen Generals Qasem Soleimani durch die USA im Jahr 2020 dürfte diese Bedenken in den Köpfen der iranischen Führer verfestigt haben.

Nach ergebnislosen indirekten Gesprächen während der Regierung von Joe Biden und Israels zunehmend offensiver regionaler Militäreinsätze im Zuge der dreisten Angriffe der Hamas am 7. Oktober, rückte der Iran nach manchen Schätzungen bis auf wenige Tage an die Fähigkeit heran, genügend Uran für eine Bombe anzureichern. Schließlich, mit Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus im Jahr 2025, wurde das Potenzial eines von den USA unterstützten israelischen Angriffs auf den Iran plötzlich zur Realität – und die Schwächen der iranischen Schwellenstrategie traten offen zutage. 

Im Juni zahlte Teheran den Preis für sein Zögern, und die USA griffen zum ersten Mal in der nuklearen Ära die Nuklearanlagen eines anderen Staates an. Hätte der Iran bereits 2003 den nuklearen Rubikon überschritten, hätten die USA eine so direkte Konfrontation wohl vermieden, die das Risiko mit sich gebracht hätte, einen nuklear bewaffneten Gegner anzugreifen.

North Star

Hier wird der kontrastierende Fall Nordkoreas lehrreich. In den 1960er Jahren begann Pjöngjang, konfrontiert mit dem konventionell überlegenen amerikanischen Verbündeten Südkoreas an seiner Grenze unter den Bedingungen eines Waffenstillstands, nicht eines Friedens, ein Programm mit Schwerpunkt auf Kernenergie. Doch während des gesamten Kalten Krieges suchte es Unterstützung von der Sowjetunion und China, um eine Atombombe zu entwickeln. Nordkorea löste Anfang der 1990er Jahre eine Krise aus, indem es sich weigerte, mit der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) bei der Klärung seiner unvollständigen Angaben zu seinem Nuklearprogramm zusammenzuarbeiten. Dies führte international zu dem Verdacht, dass Pjöngjang illegale waffenbezogene Aktivitäten durchführte. Die USA erwogen 1993 ernsthaft, Nordkoreas Reaktor in Nyŏngbyŏn anzugreifen, und erstellten sogar militärische Pläne, die Anlage mit Tarnkappenbombern und bunkerbrechender Munition zu zerstören. 

Doch die Regierung von Bill Clinton verwarf die Idee aus Angst, ein Angriff könnte Vergeltungsschläge gegen Südkorea und einen größeren Krieg nach sich ziehen, und suchte stattdessen eine diplomatische Lösung. Das Ergebnis war das „Agreed Framework“ von 1994, das Nordkorea verpflichtete, den Bau von Reaktoren, die im Verdacht standen, für die Waffenproduktion genutzt zu werden, einzufrieren und die bestehenden Plutonium-Produktionskapazitäten des Landes dem Regim der IAEA-Inspektionen zu unterstellen. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA und andere Partner, Atomreaktoren bereitzustellen, die weniger für die Herstellung von Atomwaffen geeignet waren, sowie Brennstoff zu liefern, um den Energiebedarf zu decken, den Nordkoreas Führer Kim Il-sung als Begründung für den Bau von Reaktoren angeführt hatte.

Doch Pjöngjang begegnete dem „Agreed Framework“ (und jeder nachfolgenden diplomatischen Nuklearinitiative) auf unehrliche Weise, oft als Verzögerungstaktik, während die aufeinanderfolgenden Mitglieder der Kim-Dynastie das Atomwaffenprogramm priorisierten und so viele Ressourcen wie möglich für den Erwerb nuklearer Bewaffnung aufwendeten. Anders als der Iran zeigte Nordkorea wenig Interesse daran, bedeutende Teile seines Programms für Sanktionserleichterungen einzutauschen, bevor es tatsächlich eine Nuklearwaffe besaß, nachdem das „Agreed Framework“ 2003 zerfallen war. Wenn ausländische Geheimdienste oder internationale Kontrolleure während der nuklearen Diplomatie eine nicht deklarierte Aktivität aufdeckten, erhöhte Nordkorea den Druck, indem es Raketen testete oder Seoul provozierte. 

Drohten die USA und ihre Verbündeten mit Vergeltung oder Angriff, wie im Fall Nyŏngbyŏn, oder nachdem die USA Bomber in Alarmbereitschaft versetzt hatten, als Atomreaktoren wieder in Betrieb genommen wurden, die im Rahmen des „Agreed Framework“ stillgelegt worden waren, als es seine Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag verletzte und 2003 aus dem Vertrag austrat, schwenkten Kim Il Sung und später Kim Jong Il wieder auf Diplomatie um, indem sie betrügerisch versprachen, waffenbezogene Aktivitäten einzustellen und sich auf eine Diplomatie in gutem Glauben einzulassen. Währenddessen brachte Nordkorea unaufhörlich seine Nuklearinfrastruktur, Waffendesigns und Raketenprogramme auf Vordermann, oft beschleunigt zwischen öffentlichkeitswirksamen Momenten der Kontaktaufnahme mit den USA.

Heute sitzt Kim Jong-un auf einem der am schnellsten wachsenden Atomarsenale der Welt, mit einer Vielzahl von Optionen zum Angriff auf Südkorea und Japan, darunter mögliche taktische Atomwaffen, sowie Langstreckenraketen, mit denen die USA ins Visier genommen werden können. Mit diesem Arsenal ist der nordkoreanische Staatschef selbstbewusster in seiner Fähigkeit, einen Angriff der USA oder Südkoreas oder den Versuch eines Regimechange abzuschrecken. 

Irans Lage könnte kaum unterschiedlicher sein. Mit einem zumindest vorübergehend zerschlagenen Militär- und Nuklearprogramm und einem fragilen Regime hat Chamenei den Preis für das Versäumnis gezahlt, sich eine nukleare Versicherung zu sichern. Irans Hardliner mögen das Gefühl haben, dass das Versäumnis sich zu bewaffnen, und die Hinwendung zur Diplomatie mit den Großmächten den Iran für jene Art von Angriffen verwundbar gemacht haben, die Nordkoreas entschlossene Strategie bisher vermeiden konnte.

Ins Dunkle gehen

Wie die Erfahrung des Iran gezeigt hat, erweist sich eine Strategie der Schwellenproliferation nicht nur als unzureichend zur Abschreckung; sie kann bei den Gegnern im Gegenteil die Bereitschaft erhöhen, das Programm präventiv anzugreifen, da sie im Unklaren über den tatsächlichen Stand der Bewaffnung bleiben. Die Aufrechterhaltung der technischen Basis, um rasch Atomwaffen entwickeln zu können – was Nuklearstrategen als „Latenz“ bezeichnen – schreckt nicht annähernd so wirksam ab wie der tatsächliche Besitz nuklearer Fähigkeiten. Im Gegenteil: Ein Staat mit einem latenten Nuklearprogramm stellt ein lohnendes Ziel für Gegner und dar, die eine Bewaffnung verhindern wollen und versucht sein könnten, schnell zu handeln, bevor sich das Fenster dafür schließt und der Staat glaubhaft mit nuklearer Vergeltung drohen kann.

Israel sah ein solches Fenster im vergangenen Juni und nutzte es voll aus, indem es einen Schlag ausführte, von dem Netanjahu und die israelischen Rechtsnationalen seit Jahren geträumt hatten. Für angehende Nuklearmächte war die Lehre daraus klar: Ein Nuklearprogramm gegenüber weitaus stärkeren Militärmächten zur Schau zu stellen und damit zu prahlen, ohne bereits eine Bombe zu besitzen, die einen Präventivschlag abschrecken könnte, ist ein riskantes Spiel.

Künftige angehende Nuklearmächte werden diesen Fehler kaum wiederholen. Anstatt die Bewaffnung so lange hinauszuschieben, wie der Iran, werden potenzielle Nuklearmächte wie Polen, Saudi-Arabien, Südkorea, die Ukraine und die Vereinigten Arabischen Emirate wahrscheinlich eine höhere operative Sicherheit priorisieren und versuchen, ihre Programme wirksamer zu verbergen, als es dem Iran gelang. Künftige Nuklearmächte werden vermutlich versuchen, sich so schnell wie möglich zu bewaffnen – und das im Verborgenen.

Im Unterschied zum iranischen Programm, das während seiner langen Phase als „Lavierer“ und während eines wechselhaften diplomatischen Prozesses, in dem Teheran gezwungen war, transparenter über seine Aktivitäten zu sein, nicht dauerhaft im Verborgenen bleiben konnte, könnten diese potenziellen Programme nicht in ihren Vor-Bewaffnungsphasen als diplomatische Verhandlungsmasse sichtbar werden, sondern erst dann, wenn eine Atombombe angekündigt oder getestet wird. Künftige Nuklearmächte könnten daher bereit sein, Geschwindigkeit zugunsten von Sicherheit zu opfern, indem sie ihr Programm vollständig in den Untergrund verlagern und nutzen, was sich aus der zivilen Nuklearindustrie und -technologie umwidmen lässt. 

Ein solcher Ansatz könnte für abgeschottete Regime einfacher sein als für Demokratien. Dennoch ist es auch für offene Demokratien möglich, kleine, effektive verdeckte Waffenprogramme zu betreiben. Indien, mutmaßlich Israel und Südafrika verfolgten alle verdeckte Bemühungen bei der nuklearen Bewaffnung. Potenzielle Nuklearmächte, einschließlich solche, die Demokratien sind, könnten bereit sein, im Namen der nationalen Sicherheit eine spätere internationale Ächtung in Kauf zu nehmen, die mit dem Bruch oder dem Austritt aus Atomwaffensperrvertrag einhergeht.

Man nehme den Fall Syrien unter Baschar al-Assad. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts, als der Iran den AMAD-Plan pausierte, drängte Syrien voran und baute nahezu verdeckt ein Programm zur Herstellung von Nuklearwaffen auf. Doch 2007 stieß der israelische Geheimdienst zufällig auf Beweise für einen syrischen Nuklearreaktor – eine verkleinerte Nachbildung der nordkoreanischen Anlage in Nyŏngbyŏn –, der in einem unscheinbaren, oberirdischen Komplex im Hinterland nahe des Euphrat untergebracht war.

Da der Reaktor möglicherweise nur noch wenige Wochen davon entfernt war, mit Brennstoff beladen zu werden, und ein Angriff aufgrund ökologischer Gefahren kaum noch möglich gewesen wäre, legte Israel ihn mit Luftschlägen in Schutt und Asche. Dennoch lieferte der Vorfall eine deutliche Lektion in Sachen verdeckter Programme. Trotz seiner Präsenz auf der Beobachtungsliste westlicher Organisationen zur nuklearen Proliferation war Syrien dennoch in der Lage, eine beeindruckende operative Sicherheit für einen oberirdischen Reaktor aufrechtzuerhalten. Nur eine entschlossene Geheimdienstanstrengung – und eine Menge Glück – deckte Syriens Programm für Nuklearwaffen auf.

Auch wenn sie nicht den nordkoreanischen Eilweg zur Bombe einschlagen, werden sich künftige Nuklearmächte eher am verdeckten syrischen Modell orientieren als am transparenteren iranischen.

Ein letztes Angebot

Zusätzlich zum Ende der nuklearen Schwellenstrategie wird der 12-tägige israelisch-iranische Krieg wahrscheinlich eine weitere wichtige Folge haben: Er wird die Diplomatie angehenden Atomwaffenstaaten künftig außergewöhnlich erschweren. Im Falle des Iran könnten die Hardliner innerhalb des Regimes nun mehr Macht haben und einen stärkeren Einfluss auf den Obersten Führer ausüben. Sie können die USA und Israel, die zuschlugen, während Teheran mit Washington in Gesprächen war, auch überzeugend als unfähig und unwillig darstellen, einen diplomatischen Weg nach vorne zu finden.

In der Tat stehen Washington und Teheran nun vor dem, was der Wissenschaftler James Fearon als „Problem der Verpflichtung“ bezeichnet hat. Beide Parteien könnten zwar ein diplomatisches Ergebnis bevorzugen, haben aber starke Anreize, Verhandlungen zu vermeiden, zumal jede Seite der anderen wenig Vertrauen entgegenbringt und davon ausgeht, dass diese sich von einem künftigen Abkommen wieder lossagen würde. In den USA wird die scharfe Polarisierung weiterhin im Weg stehen, einen geeigneten, parteiübergreifenden Ersatz für das JCPOA zu finden.

Der oberste iranische Führer könnte nun glauben, dass die einzige Versicherungspolice, die Irans Gegner respektieren werden, eine Atombombe ist. Er wird vermutlich künftige Verhandlungen auch aus einer Position der Stärke führen wollen. Während Frankreich, Deutschland und Großbritannien als Antwort auf Irans Nichteinhaltung seiner nuklearen Verpflichtungen die Wiedereinsetzung von UN-Sanktionen verfolgen, erwägt das iranische Parlament Gesetzesinitiativen, die einen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag empfehlen würden – eine entscheidende Maßnahme, die Nordkorea vor zwei Jahrzehnten auf seinem Weg zur Bombe ergriffen hatte.

Die US-Politik kann angehende Nuklearmächte dennoch davon abhalten, eine Bombe anzustreben. Wichtige Säulen der US-amerikanischen Politik der Nichtverbreitung von Nuklearwaffen haben selbst in den schwierigsten Tagen des Kalten Krieges und die Zeit danach überdauert. Das Festhalten am System erweiterter Abschreckung der USA und seine Stärkung kann US-Verbündeten und Partnern in Europa und Asien Sicherheit geben, sodass sie nicht das Sicherheitsnetz einer eigenen Atombombe suchen – und sich dadurch gefährlichen Angriffen aussetzen, sollten sie es anstreben.

US-Beamte sollten die Kosten der Verfolgung eines Atomwaffenprogramms für angehende Nuklearmächte betonen und klarstellen – einschließlich der Einstellung militärischer Hilfe, der Beendigung nuklearbezogenen Handels, der Verhängung von Sanktionen und der Androhung militärischer Maßnahmen. Und das wichtigste ist, hochrangige Entscheidungsträger sollten die beeindruckende Bilanz des Atomwaffensperrvertrages und des Regimes der Nichtverbreitung anerkennen und respektieren: Dass nur neun Staaten Atomwaffen besitzen – und nicht die 25, die US-Präsident John F. Kennedy einst vorhersagte –, ist nicht das Ergebnis von blindem Glück. Es ist das Produkt jahrzehntelanger Aufmerksamkeit auf höchster Ebene während des Kalten Krieges, als Nuklearpolitik eine Frage der großen Strategie war und nicht ein Spezialgebiet, und das Ergebnis starker und konsistenter Diplomatie, die in der US-Außenpolitik Priorität hatte.

Doch eine USA, die damit droht, 80 Jahre weitgehend erfolgreicher Praxis und Erfahrung in der Politik der Nichtverbreitung über Bord zu werfen, schafft Anreize für Verbündete wie Gegner gleichermaßen, nach ihren eigenen nuklearen Versicherungspolicen zu suchen. Der 12-tägige Krieg wird sie kaum von diesen Vorstellungen abbringen. Für künftige angehende Nuklearmächte sieht es nach einer schlechten Wette aus, sich darauf zu verlassen, dass die USA ein Abkommen, wie das von 2015 mit dem Iran, einhalten. Kim Jong Il kam schließlich zu dem Schluss, dass die Risiken im Umgang mit den USA und dem chaotischen US-System den Nutzen nicht wert waren. Sein Sohn verdoppelte diese Einschätzung. Iranische Offizielle mögen angenommen haben, dass Trump in seiner zweiten Amtszeit aggressiver die Diplomatie verfolgen würde, wie es die Annäherung seiner Regierung an den Iran im Frühjahr 2025 angedeutet hat. Doch diese Hoffnung endete im vergangenen Juni abrupt mit der Zerstörung jener zentralen Anlagen, die den Iran näher als je zuvor an die Schwelle zur Bombe gebracht hatten.

Selbst nach diesem schweren Rückschlag dürften Irans technologische Fortschritte, sein Wissensstand und die beträchtlichen Mengen an zuvor angesammeltem spaltbarem Material wahrscheinlich weiterhin bestehen. Teheran könnte somit erneut eine Gelegenheit finden, und wenn das geschieht, könnte es durchaus den nordkoreanischen Ansatz wählen und nicht aufhören, bevor es eine Bombe hat. Dabei könnte es seinen eigenen Weg zu einer Versicherungspolice für ein neues, chaotisches nukleares Zeitalter finden. Paradoxerweise könnte Washingtons Militäreinsatz gegen Irans Nuklearprogramm den Marsch angehender Nuklearmächte zur Bombe sogar beschleunigt, verhärtet und verschleiert haben.

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Vipin Narang ist Professor für Nukleare Sicherheit und Politikwissenschaft und Direktor des Zentrum für Politik der Nuklearsicherheit am Massachusetts Institute of Technology. Von 2022 bis 2024 war er stellvertretender US-Verteidigungsminister und anschließend kommissarischer Stellvertretender US-Verteidigungsminister für Weltraumpolitik.

Pranay Vaddi ist Senior Nuclear wissenschaftliches Mitglied am Zentrum für Politik der Nuklearsicherheit am Massachusetts Institute of Technology. Von 2022 bis 2025 war er leitender Direktor für Rüstungskontrolle, Abrüstung und Nichtverbreitung im Nationalen Sicherheitsrat.

Ende der Übersetzung