Baut Deutschland in der Ukraine wirklich Raketen für Angriffe auf Ziele in Russland?
In der Nacht auf Donnerstag hat Russland bei Raketenangriffen mehrere ukrainische Fabriken bombardiert, die angeblich mit deutscher Hilfe und deutschem Geld entwickelte Langstreckenraketen für Angriffe auf Russland produzieren sollen.
Mitglieder der deutschen Bundesregierung waren in den letzten Monaten sehr offen und erklärten, die Bundesregierung werde in der Ukraine die Produktion von Langstreckenraketen finanzieren, die die Ukraine zusammen mit deutschen Rüstungskonzernen entwickeln und dann gegen Ziele tief im russischen Hinterland einsetzen soll.
Ich habe nicht wirklich glauben können, dass die deutsche Regierung so verrückt ist, einen Krieg mit Russland zu riskieren, indem sie gemeinsam mit der Ukraine Raketen produziert, die dann Ziele hunderte oder tausende Kilometer tief in Russland angreifen können. Da die Ukraine nicht die nötigen Aufklärungsdaten für Angriffe auf so weit entfernte Ziele hat, wäre die direkte deutsche Kriegsbeteiligung zu offensichtlich gewesen.
Hinzu kommt, dass man eine Langstreckenrakete nicht so schnell entwickeln kann und dass Deutschland der Ukraine ganz sicher nicht ihr geheimes Know-How geben würde, damit die Ukraine beispielsweise die Taurus-Marschflugkörper bauen kann.
Ich war daher der Meinung, Deutschland würde der Ukraine helfen, ihre Langstreckendrohne vom Typ AN-196, die eine Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern haben und einen bis zu 75 Kilogramm schweren Gefechtskopf tragen soll, zu verbessern. Das wäre schon schlimm genug, aber es wäre keine Rakete oder Marschflugkörper.
Allerdings hatte ich damals etwas übersehen, denn die Ukraine hat Raketen, deren Reichweite man mit relativ wenig Aufwand erhöhen kann. Anscheinend hatte die Bundesregierung also nicht übertrieben, als sie davon sprach, der Ukraine bei der Entwicklung von Langstreckenraketen für Angriffe tief ins russische Hinterland zu helfen und die Produktion dieser Raketen zu finanzieren.
Die Ukraine verfügt nämlich über moderne eigene Raketen, die nach den öffentlich verfügbaren Daten einen Sprengkopf von 480 Kilogramm über 500 Kilometer Entfernung ins Ziel tragen können. Diese Sprengkraft ist eine andere Größenordnung als die AN-196-Drohne mit ihrem 75-Kilo-Sprengsatz.
In der Nacht zum Donnerstag hat Russland nach eigenen Angaben die Produktionsstätten dieser Raketen bombardiert. Ich übersetze hier einen TASS-Artikel, der über die Hintergründe des Angriffs, über die vorhandenen ukrainischen Raketensysteme und über die Zusammenarbeit ukrainischer Hersteller mit dem Westen berichtet. Da einiges von dem, was dort geschrieben wurde, auch für mich neu war, fand ich den Artikel sehr aufschlussreich.
Beginn der Übersetzung:
Jagd auf die “Sapsan”: Wie Russland die Bedrohung durch ukrainische Raketen bekämpft
Der russische FSB hat gemeinsam mit dem russischen Verteidigungsministerium eine Spezialoperation durchgeführt, die zur Zerstörung ukrainischer Unternehmen führte, die die Langstreckenrakete “Sapsan” entwickeln. Die TASS über Kiews Raketenambitionen und wie Russland seine nationalistischen Nachbarn am Erwerb solcher Waffen hindert.
Nach dem Zusammenbruch der UdSSR landete etwa ein Viertel der Rüstungsunternehmen des Landes, die einst durch industrielle Zusammenarbeit verbunden waren, in der Ukraine. Zu diesen Unternehmen gehörten das riesige Südliche Maschinenbauwerk (“Juzhmasch”), das ballistische Raketen in Massenproduktion herstellte, und “MotorSitsch”, eines der größten Unternehmen für die Herstellung von Turbojet-Triebwerken. Bis 1991 konzentrierte sich etwa ein Drittel des Industriepotenzials der Sowjetunion sowie zahlreiche Forschungsinstitute auf dem Gebiet der Ukrainischen SSR. Die unabhängige Ukraine wurde innerhalb ihrer neu gewonnenen Grenzen plötzlich zur Atommacht, da sich auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetrepublik 176 Silos für ballistische Raketen und taktische Atomwaffen befanden. Gemessen an der Anzahl der Atomwaffen wurde das Land nach Russland und den USA das drittgrößte der Welt. Nach einer Reihe schwieriger Verhandlungen wurden die Atomwaffen nach Russland gebracht.
In den Jahren der Unabhängigkeit entwickelte und produzierte die Ukraine gemeinsam mit Russland basierend auf sowjetischen Entwicklungen mehrere Weltraumraketensysteme, die “Zyklon-2”, “Zyklon-3”, “Zenit-2”, “Zenit-3SL” und “Dnjepr”, sowie Interkontinentalraketen. Nach dem Staatsstreich 2014 stellte Kiew die Zusammenarbeit mit Russland ein und “Juzhmasch”, das an gemeinsamen Raumfahrtprogrammen mit Russland teilnahm, verlor Aufträge und qualifiziertes Personal. Darüber hinaus entwickelte und bot die Ukraine ausländischen Kunden das Mehrfachraketensystem “Olcha”, Marschflugkörper “Neptun” und andere Waffen an.
Die “Sapsan” startete nicht
Nach Beginn der Militäroperation zerstörte Russland die Rüstungsindustrie der Ukraine im Rahmen deren Demilitarisierung. Unternehmen, die Raketenwaffen herstellen können, wurden wiederholt angegriffen. Gleichzeitig diskutierten Experten die Möglichkeit, dass das Kiewer Regime, das auf dem Schlachtfeld unterlag, eine radioaktive „schmutzige Bombe“ für einen Angriff auf russisches Territorium herstellt, denn die Ukraine verfügt über die erforderlichen Kompetenzen, Trägersysteme für eine solche Ladung sowie über große Mengen an Abfällen aus Atomkraftwerken.
Am 21. November 2024 haben die russischen Streitkräfte die “Juzhmasch”-Werken mit einer nichtnuklearen ballistischen Mittelstreckenrakete vom Typ “Oreschnik” angegriffen.
Am 14. August 2025 berichtete das Pressezentrum des russischen FSB, dass der russische Geheimdienst FSB gemeinsam mit dem russischen Verteidigungsministerium eine Spezieloperation durchgeführt habe, in deren Folge ukrainische Unternehmen, die das operativ-taktische Raketensystem „Sapsan“ (deutsche Übersetzung „Wanderfalke“) entwickeln, zerstört wurden. Der FSB erhielt die genauen Koordinaten der an den Arbeiten an der “Sapsan” beteiligten Gebäude sowie Informationen über die Luftabwehrsysteme dieser Gebäude in den Regionen Dnjepropetrowsk und Sumy, die es ermöglichten, diese durch Angriffe zu beschädigen.
Die ballistische Langstreckenrakete, die tief in russisches Territorium eindringen kann, wurde mit Hilfe von Spezialisten aus einem westeuropäischen Land und finanzieller Unterstützung aus Deutschland entwickelt. Aus Gesprächen zwischen Mitarbeitern der ukrainischen Rüstungsindustrie, die den russischen Geheimdiensten zugespielt und von RT veröffentlicht wurden, ging hervor, dass die “Sapsan” als Container getarnt ist, der sich vor dem Raketenstart öffnet, und dass es Pläne gibt, bis zu 200 solcher Raketen pro Monat zu produzieren.
„Die koordinierten Aktionen der russischen Sicherheitsbehörden ermöglichten es, unter anderem die Umsetzung des Sapsan-Programms durch die ukrainische Seite für lange Zeit zu blockieren“, sagte ein FSB-Mitarbeiter gegenüber der TASS.
Raketenbedrohung aus Kiew
Im November 2024 erinnerte sich der ehemalige CEO des russischen Industriekonzerns “Juzhmasch”, Wjatscheslaw Smolenko, in einem Interview mit der TASS daran, dass nach der Beendigung der Zusammenarbeit zwischen dem ukrainischen Raketen- und Raumfahrtunternehmen und Russland 2014/2015 alle Programme des Werks eingestellt wurden. „Damals schien es mir und vielen anderen, als sei das Schicksal von Juzhmasch vorbestimmt“, sagte er. „Das Werk würde schließen, es gab keine Aufträge. Doch plötzlich tauchten Interessenten auf. Das war in erster Linie Northrop Grumman und zwar in Person des Pentagons”.
Laut Smolenko arbeitete das US-Verteidigungsministerium mit Kiew über die Scheinfirma Firefly Aerospace zusammen, die der amerikanische Konzern Northrop Grumman für einen Dollar erworben hatte. „Als das Pentagon mit Firefly zu Juzhmasch kam, erhielt es die benötigten Kompetenzen und die Ausrüstung – genau das, was Juzhmasch für die Produktion fehlte“, so der Experte. So erhielt das ukrainische Unternehmen beispielsweise Technologien zur Herstellung von Raketenkörpern aus Verbundwerkstoff.
Ihm zufolge beteiligte sich auch Großbritannien an der Neuausrüstung von Juzhmasch. „Die Briten haben eine neue Technologie geschenkt, Kohlenstofffäden und -flechten“, sagte Smolenko. „Das ist ein unglaublicher Akt der Großzügigkeit. Man könnte fragen, warum? Aber die Sache ist die: Großbritannien besitzt keine eigene Interkontinentalrakete, die Amerikaner haben den Briten den Bau dieser Raketen untersagt. Juzhmasch hilft bei der Herstellung der Rakete.“ „[Die Amerikaner] halten Spezialisten, weil Juzhmasch keine Werkstätten, keine Maschinen und keine Ausrüstung, sondern Menschen sind. Das Juzhnoje-Designbüro beschäftigt 4.500 Mathematiker, IT-Spezialisten, Designer und Ingenieure. Sie haben die ganze Zeit nicht untätig herumgesessen, sondern gearbeitet und entwickelt“, so der ehemalige CEO des russischen Industriekonzerns Juzhmasch.
In einem Interview im Jahr 2024 erinnerte sich Wjatscheslaw Smolenko daran, dass Juzhmasch bereits vor Beginn der Militäroperation die operativ-taktische Rakete “Grom-2” getestet hatte. Die Reichweite wird auf 500 Kilometer geschätzt, doch der Experte vermutet, dass die Spezialisten von Juzhmasch diese deutlich hätten erhöhen können.
Das russische Verteidigungsministerium meldete sowohl das Abfangen gestarteter Grom-2-Raketen des operativ-taktischen Raketensystems als auch die Zerstörung der bodengestützten Träger des Systems. Darüber hinaus beschießt die Ukraine russisches Territorium mit “Neptun”-Schiffsabwehrraketen, die ebenfalls von der russischen Flugabwehr abgeschossen werden.
In einem Gespräch mit der TASS äußerte Smolenko in Bezug auf die Spezialoperation des FSB und des russischen Verteidigungsministeriums am 14. August 2025 die Meinung, Juzhmasch sei eine so riesige Anlage, dass sie nicht so leicht zu zerstören se,i und sie werde immer eine Bedrohung darstellen. „Und es wird die größte Bedrohung darstellen, wenn, Gott bewahre, diese verrückte Ukraine bestehen bleibt und Juzhmasch dort ist“, fügte er hinzu.
Ende der Übersetzung